Wie Sie die „Pantozolitis“ loswerden

Wie Sie die „Pantozolitis“ loswerden A K T U E L L E M E D I Z I N . R EP O R T Negativschlagzeilen zu PPI Sorgenkind Säureblocker: Bei vorhandener Indikation überwiegt der Nutzen Ständig werden wir mit neuen Publikationen konfrontiert, die über potenzielle Risiken einer PPI-Therapie berichten. Dies führt sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten zu Verunsicherung und nicht selten auch zu Fehlentscheidungen. Doch was ist gesichert? Koinzidenz bedeutet noch lange Kein Einfluss auf die Knochendichte den beiden Gruppen“, so Miehlke. Aus nicht Kausalität. Dieser Lehrsatz der Auch das –ema „PPI und Osteoporose“ der aktuellen Studienlage könne man Wissenscha gilt auch im Hinblick auf wird intensiv und kontrovers diskutiert, schlussfolgern, dass die statistische As- potenzielle PPI-Risiken. „Für die Asso- zumal Registerdaten für ein erhöhtes soziation zwischen PPI-–erapie und ziation zwischen PPI und gastrointesti- Frakturrisiko unter einer PPI-–erapie Knochenfrakturen nicht kausal und nalen Infektionen scheint die Evidenz- sprechen. Um die Auswirkungen einer wahrscheinlich auch nicht real ist. lage noch am überzeugendsten zu sein“, PPI-–erapie auf den Knochen genau be- berichtete Prof. Stephan Miehlke vom urteilen zu können, wurden bei 52 Pa- Höheres Risiko für die Progression Endoskopiezentrum Hamburg-Eppen- tienten mit einer mindestens fün™ähri- einer Nierenerkrankung dorf. In einer großen Metaanalyse von gen PPI-–erapie und 52 vergleichbaren Im Rahmen einer retrospektiven Studie 16 Observationsstudien hat man dies für Patienten ohne PPI-–erapie Knochen- wurde der Ein¡uss einer PPI-–erapie eine rekurrierende Clostridium-diŽci- dichtemessungen und quantitative 3-D- auf den Verlauf einer Nierenerkrankung le-Infektion zweifelsfrei belegen kön- Computertomogra›en durchgeführt analysiert. Als primärer Endpunkt wur- nen. Mit Säuresuppression entwickelte und zusätzlich Biomarker des Knochen- de die Progression der chronischen Nie- sich eine solche Infektion bei 22,1% der stožwechsels und Parameter der Kno- renerkrankung, de›niert als eine Ver- Pa tienten, ohne Säuresuppression dage- chenstärke analysiert. „Im Ergebnis fan- doppelung des Serumkreatinins oder gen nur bei 17,3%. den sich keinerlei Unterschiede zwischen einer Abnahme des geschätzten GFR- Kommentar PPI sind sicherlich nicht nur die insgesamt am häufigsten verordne- Um diesem Übel zu begegnen, wurde in den USA jetzt – man kann es ten Medikamente, sondern sie werden auch am häufigsten ohne kaum glauben – eine eigene evidenzbasierte Leitlinie für das Abset- nachvollziehbare Indikation eingesetzt. Zyniker empfehlen daher, zen eines PPI erarbeitet und veröffentlicht. Sie umfasst über zehn Sei- sie doch ins Trinkwasser zu geben. Denn Ärzte verordnen PPI nicht ten und beschreibt detailliert, wie und wann man einen PPI absetzen nur bei gesicher ter Indikation wie zur Ulkusprophylaxe oder zur The- soll [1]. Es ist das erste Mal, dass man sich in einer Leitlinie spezifisch rapie der Refluxkrankheit, häufig besteht auch die irrige Vorstel- um eine Übertherapie bei einem bestimmten Medikament so lung, man könne damit die Ver träglichkeit einer Polypharma- intensiv Gedanken macht. Das Vorgehen erinnert an eine Ra- zie verbessern. Und wenn die PPI-Gabe einmal initiiert wur- diosendung der 1980iger-Jahre – also lange vor dem Zeital- de, findet sich so schnell niemand, der den Mut hat, sie wie- ter des Online-Dating – mit dem Titel: Wie finde ich einen der abzusetzen, obwohl dies im Hinblick auf potenzielle Partner? Obwohl die Sendung sehr erfolgreich war, for- Risiken nicht nur sinnvoll, sondern sogar geboten wäre. derten mit der Zeit immer mehr Zuhörer eine Sendung mit dem Titel: Wie werde ich ihn wieder los? Was die PPI betrifft, so finden Sie in der o.g. Leitlinie auf diese Fra- ge eine ausführliche Antwort. Dr. Peter Stiefelhagen Hier helfen PPI nicht weiter. 1. Farrell B et al. Can Fam Physician 2017;63:354–64 12 MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png MMW - Fortschritte der Medizin Springer Journals

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Publisher
Springer Journals
Copyright
Copyright © 2018 by Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
Subject
Medicine & Public Health; General Practice / Family Medicine; Internal Medicine
ISSN
1438-3276
eISSN
1613-3560
D.O.I.
10.1007/s15006-018-0554-5
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Abstract

A K T U E L L E M E D I Z I N . R EP O R T Negativschlagzeilen zu PPI Sorgenkind Säureblocker: Bei vorhandener Indikation überwiegt der Nutzen Ständig werden wir mit neuen Publikationen konfrontiert, die über potenzielle Risiken einer PPI-Therapie berichten. Dies führt sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten zu Verunsicherung und nicht selten auch zu Fehlentscheidungen. Doch was ist gesichert? Koinzidenz bedeutet noch lange Kein Einfluss auf die Knochendichte den beiden Gruppen“, so Miehlke. Aus nicht Kausalität. Dieser Lehrsatz der Auch das –ema „PPI und Osteoporose“ der aktuellen Studienlage könne man Wissenscha gilt auch im Hinblick auf wird intensiv und kontrovers diskutiert, schlussfolgern, dass die statistische As- potenzielle PPI-Risiken. „Für die Asso- zumal Registerdaten für ein erhöhtes soziation zwischen PPI-–erapie und ziation zwischen PPI und gastrointesti- Frakturrisiko unter einer PPI-–erapie Knochenfrakturen nicht kausal und nalen Infektionen scheint die Evidenz- sprechen. Um die Auswirkungen einer wahrscheinlich auch nicht real ist. lage noch am überzeugendsten zu sein“, PPI-–erapie auf den Knochen genau be- berichtete Prof. Stephan Miehlke vom urteilen zu können, wurden bei 52 Pa- Höheres Risiko für die Progression Endoskopiezentrum Hamburg-Eppen- tienten mit einer mindestens fün™ähri- einer Nierenerkrankung dorf. In einer großen Metaanalyse von gen PPI-–erapie und 52 vergleichbaren Im Rahmen einer retrospektiven Studie 16 Observationsstudien hat man dies für Patienten ohne PPI-–erapie Knochen- wurde der Ein¡uss einer PPI-–erapie eine rekurrierende Clostridium-diŽci- dichtemessungen und quantitative 3-D- auf den Verlauf einer Nierenerkrankung le-Infektion zweifelsfrei belegen kön- Computertomogra›en durchgeführt analysiert. Als primärer Endpunkt wur- nen. Mit Säuresuppression entwickelte und zusätzlich Biomarker des Knochen- de die Progression der chronischen Nie- sich eine solche Infektion bei 22,1% der stožwechsels und Parameter der Kno- renerkrankung, de›niert als eine Ver- Pa tienten, ohne Säuresuppression dage- chenstärke analysiert. „Im Ergebnis fan- doppelung des Serumkreatinins oder gen nur bei 17,3%. den sich keinerlei Unterschiede zwischen einer Abnahme des geschätzten GFR- Kommentar PPI sind sicherlich nicht nur die insgesamt am häufigsten verordne- Um diesem Übel zu begegnen, wurde in den USA jetzt – man kann es ten Medikamente, sondern sie werden auch am häufigsten ohne kaum glauben – eine eigene evidenzbasierte Leitlinie für das Abset- nachvollziehbare Indikation eingesetzt. Zyniker empfehlen daher, zen eines PPI erarbeitet und veröffentlicht. Sie umfasst über zehn Sei- sie doch ins Trinkwasser zu geben. Denn Ärzte verordnen PPI nicht ten und beschreibt detailliert, wie und wann man einen PPI absetzen nur bei gesicher ter Indikation wie zur Ulkusprophylaxe oder zur The- soll [1]. Es ist das erste Mal, dass man sich in einer Leitlinie spezifisch rapie der Refluxkrankheit, häufig besteht auch die irrige Vorstel- um eine Übertherapie bei einem bestimmten Medikament so lung, man könne damit die Ver träglichkeit einer Polypharma- intensiv Gedanken macht. Das Vorgehen erinnert an eine Ra- zie verbessern. Und wenn die PPI-Gabe einmal initiiert wur- diosendung der 1980iger-Jahre – also lange vor dem Zeital- de, findet sich so schnell niemand, der den Mut hat, sie wie- ter des Online-Dating – mit dem Titel: Wie finde ich einen der abzusetzen, obwohl dies im Hinblick auf potenzielle Partner? Obwohl die Sendung sehr erfolgreich war, for- Risiken nicht nur sinnvoll, sondern sogar geboten wäre. derten mit der Zeit immer mehr Zuhörer eine Sendung mit dem Titel: Wie werde ich ihn wieder los? Was die PPI betrifft, so finden Sie in der o.g. Leitlinie auf diese Fra- ge eine ausführliche Antwort. Dr. Peter Stiefelhagen Hier helfen PPI nicht weiter. 1. Farrell B et al. Can Fam Physician 2017;63:354–64 12 MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160

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Published: May 29, 2018

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