Was ist sinnvoll in der KHK-Primärprävention?

Was ist sinnvoll in der KHK-Primärprävention? A K T U E L L E M E D I Z I N . KO NG R ESSB ER ICH T E Nicht zu viel und nicht zu wenig Was ist sinnvoll in der KHK-Primärprävention? „Uns Hausärzten wird oft vorgeworfen, dass wir im Niedrig-Risiko-Bereich zu viel und im Hoch-Risiko-Bereich zu wenig machen“, so PD Dr. Markus Bleckwenn vom Institut für Haus- arztmedizin am Universitätsklinikum in Bonn. Gerade bei der Primärprävention müsse man sich daher immer wieder die Frage stellen: Wer profitiert wirklich von welcher Medikation? Die Primärprävention der KHK ist der Primärprävention erreichen? Rauch- 10–20% kann sie nach individueller Bera- eine der wichtigsten Aufgaben des Haus- stopp und regemäßige Bewegung redu- tung erwogen werden. Bei einem Ge- arztes. „Entscheidend ist nicht ein ein- zieren das kardiovaskuläre Risiko je- samtcholesterin > 310 mg/dl sowie bei fa- zelner Risikofaktor, sondern immer das weils um 35%, Blutdrucksenkung um miliärer Hypercholesterinämie ist immer Gesamtrisiko“, so Bleckwenn. 25%, regelmäßiger Verzehr von Fisch ein Statin indiziert. Für eine familiäre um 15%, 100 mg ASS um 20% und ein Hypercholesterinämie sprechen: Individuelle Risikostratifizierung Statin um 20–25%. „Wichtig ist aber das • LDL-Cholesterin > 190 mg/dl Deshalb sei es sinnvoll, das kardiovasku- Ausgangsrisiko“, so Bleckwenn. Liegt • Positive Familienanamnese für läre Gesamtrisiko zu bestimmen. Dabei dieses bei nur 5% in zehn Jahren , wird Hypercholesterinämie sei nicht unerheblich, welchen Score man mit einem Statin bei einer relativen Ri- • Frühe Manifestation einer KHK anwende. Nach dem PROCAM-Score sikoreduktion von 24% eine absolute Ri- oder Xantome bzw. Xanthelasmen. zeigen nur ca. 25% der Patienten ein sikoreduktion von nur 1,2% (von 5% auf Eine Metaanalyse von 24.000 Patienten niedriges Risiko, nach dem Framingham- 3,8%) erreicht. Bei einem hohen Aus - im mittleren Alter von 73 Jahren zeigt, und ESC-Score über 60%. Letzteres ent- gangsrisiko von 20% in zehn Jahren be- dass auch im Alter durch ein Statin das spreche auch eher der ärztlichen Ein- trägt die absolute Risikoreduktion dage- Herzinfarktrisiko um relative 39,4% und schätzung. Eine Indikation für eine Risi- gen schon 4,8% (von 24,8% auf 20%). das für Schlaganfall um relative 23,8% kokalkulation besteht bei Männern über gesenkt wird, allerdings ohne Ein«uss 55 und bei Frauen über 60 Jahre. Auch Ansatzpunkt Cholesterin auf die Überlebenszeit. dann, wenn Risikofaktoren neu au“re - Neben einer ggf. nötigen Blutdrucksen- ten, sollte das Risiko berechnet werden. kung gehört eine Statintherapie zu den Und was ist mit ASS? wichtigsten präventiven Maßnahmen. Sie „Hochrisiko-Patienten mit einer Ereignis- Was kann man erreichen? sollte bei einem absoluten kardiovaskulä- wahrscheinlichkeit von über 20% in Am Anfang steht die Frage: Was kann ren Risiko von über 20% in zehn Jahren zehn Jahren sollten ASS in niedriger Do- man mit einer Maßnahme im Rahmen angeboten werden. Bei einem Risiko von sierung angeboten bekommen“, so Bleck- wenn. Bei einem Risiko < 10% in zehn Jahren sollte ASS nicht gegeben werden. Clopidogrel sollte nur bei einer ASS-Un- Wie hätten Sie entschieden? verträglichkeit eingesetzt werden, und eine duale Plättchenhemmung hat in der Eine 52-Jährige stellt sich beim Hausarzt vor. Der Vater hatte mit 54 Jahren einen Herzinfarkt Primärprävention keinen Platz. erlitten. Es finden sich folgende Werte: Gesamtcholesterin 250 mg/dl, LDL-Cholesterin 185 mg/ Zur Primärprävention gehört bei Pa- dl. Der Blutdruck liegt bei 139/80 mm Hg. tienten mit Vorho±immern auch die „Intuitiv würde man hier sicherlich kein besonders hohes kardiovaskuläres Risiko vermuten und orale Antikoagulation. Sie ist bei einem sicherlich auch nicht direkt zum Rezeptblock greifen“, so Bleckwenn. Doch die Berechnung CHA DS -Vasc-Score von ≥ 2 Punkten 2 2 nach dem arriba®-Score ergibt ein Risiko von 27%/10 Jahre. Damit gehört die Patientin zur Hoch- eine Muss-Empfehlung, bei einem risiko-Gruppe. Indiziert ist eine primärpräventive Therapie mit 100 mg ASS und 20 mg Sim- vastatin. „Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie wichtig eine individuelle Risikokalkulation ist und Punkt ein Kann-Empfehlung. welch hoher Stellenwert dabei der genetischen Belastung zukommt“, so Bleckwenn. Dr. Peter Stiefelhagen ■ MEDICA, 15.11.2017 in Düsseldorf MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 19 © matthias21 / Fotolia http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png MMW - Fortschritte der Medizin Springer Journals

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Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2018 by Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
Subject
Medicine & Public Health; General Practice / Family Medicine; Internal Medicine
ISSN
1438-3276
eISSN
1613-3560
D.O.I.
10.1007/s15006-018-0558-1
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Abstract

A K T U E L L E M E D I Z I N . KO NG R ESSB ER ICH T E Nicht zu viel und nicht zu wenig Was ist sinnvoll in der KHK-Primärprävention? „Uns Hausärzten wird oft vorgeworfen, dass wir im Niedrig-Risiko-Bereich zu viel und im Hoch-Risiko-Bereich zu wenig machen“, so PD Dr. Markus Bleckwenn vom Institut für Haus- arztmedizin am Universitätsklinikum in Bonn. Gerade bei der Primärprävention müsse man sich daher immer wieder die Frage stellen: Wer profitiert wirklich von welcher Medikation? Die Primärprävention der KHK ist der Primärprävention erreichen? Rauch- 10–20% kann sie nach individueller Bera- eine der wichtigsten Aufgaben des Haus- stopp und regemäßige Bewegung redu- tung erwogen werden. Bei einem Ge- arztes. „Entscheidend ist nicht ein ein- zieren das kardiovaskuläre Risiko je- samtcholesterin > 310 mg/dl sowie bei fa- zelner Risikofaktor, sondern immer das weils um 35%, Blutdrucksenkung um miliärer Hypercholesterinämie ist immer Gesamtrisiko“, so Bleckwenn. 25%, regelmäßiger Verzehr von Fisch ein Statin indiziert. Für eine familiäre um 15%, 100 mg ASS um 20% und ein Hypercholesterinämie sprechen: Individuelle Risikostratifizierung Statin um 20–25%. „Wichtig ist aber das • LDL-Cholesterin > 190 mg/dl Deshalb sei es sinnvoll, das kardiovasku- Ausgangsrisiko“, so Bleckwenn. Liegt • Positive Familienanamnese für läre Gesamtrisiko zu bestimmen. Dabei dieses bei nur 5% in zehn Jahren , wird Hypercholesterinämie sei nicht unerheblich, welchen Score man mit einem Statin bei einer relativen Ri- • Frühe Manifestation einer KHK anwende. Nach dem PROCAM-Score sikoreduktion von 24% eine absolute Ri- oder Xantome bzw. Xanthelasmen. zeigen nur ca. 25% der Patienten ein sikoreduktion von nur 1,2% (von 5% auf Eine Metaanalyse von 24.000 Patienten niedriges Risiko, nach dem Framingham- 3,8%) erreicht. Bei einem hohen Aus - im mittleren Alter von 73 Jahren zeigt, und ESC-Score über 60%. Letzteres ent- gangsrisiko von 20% in zehn Jahren be- dass auch im Alter durch ein Statin das spreche auch eher der ärztlichen Ein- trägt die absolute Risikoreduktion dage- Herzinfarktrisiko um relative 39,4% und schätzung. Eine Indikation für eine Risi- gen schon 4,8% (von 24,8% auf 20%). das für Schlaganfall um relative 23,8% kokalkulation besteht bei Männern über gesenkt wird, allerdings ohne Ein«uss 55 und bei Frauen über 60 Jahre. Auch Ansatzpunkt Cholesterin auf die Überlebenszeit. dann, wenn Risikofaktoren neu au“re - Neben einer ggf. nötigen Blutdrucksen- ten, sollte das Risiko berechnet werden. kung gehört eine Statintherapie zu den Und was ist mit ASS? wichtigsten präventiven Maßnahmen. Sie „Hochrisiko-Patienten mit einer Ereignis- Was kann man erreichen? sollte bei einem absoluten kardiovaskulä- wahrscheinlichkeit von über 20% in Am Anfang steht die Frage: Was kann ren Risiko von über 20% in zehn Jahren zehn Jahren sollten ASS in niedriger Do- man mit einer Maßnahme im Rahmen angeboten werden. Bei einem Risiko von sierung angeboten bekommen“, so Bleck- wenn. Bei einem Risiko < 10% in zehn Jahren sollte ASS nicht gegeben werden. Clopidogrel sollte nur bei einer ASS-Un- Wie hätten Sie entschieden? verträglichkeit eingesetzt werden, und eine duale Plättchenhemmung hat in der Eine 52-Jährige stellt sich beim Hausarzt vor. Der Vater hatte mit 54 Jahren einen Herzinfarkt Primärprävention keinen Platz. erlitten. Es finden sich folgende Werte: Gesamtcholesterin 250 mg/dl, LDL-Cholesterin 185 mg/ Zur Primärprävention gehört bei Pa- dl. Der Blutdruck liegt bei 139/80 mm Hg. tienten mit Vorho±immern auch die „Intuitiv würde man hier sicherlich kein besonders hohes kardiovaskuläres Risiko vermuten und orale Antikoagulation. Sie ist bei einem sicherlich auch nicht direkt zum Rezeptblock greifen“, so Bleckwenn. Doch die Berechnung CHA DS -Vasc-Score von ≥ 2 Punkten 2 2 nach dem arriba®-Score ergibt ein Risiko von 27%/10 Jahre. Damit gehört die Patientin zur Hoch- eine Muss-Empfehlung, bei einem risiko-Gruppe. Indiziert ist eine primärpräventive Therapie mit 100 mg ASS und 20 mg Sim- vastatin. „Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie wichtig eine individuelle Risikokalkulation ist und Punkt ein Kann-Empfehlung. welch hoher Stellenwert dabei der genetischen Belastung zukommt“, so Bleckwenn. Dr. Peter Stiefelhagen ■ MEDICA, 15.11.2017 in Düsseldorf MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 19 © matthias21 / Fotolia

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Published: May 29, 2018

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