„Trans*Menschen“, Psychoanalyse und Psychotherapie

„Trans*Menschen“, Psychoanalyse und Psychotherapie Bereits die Bezeichnung der Geschlechtsidentität ist im Fachbereich kontrovers: Transsexualität, Transidentität, Gender-Dysphorie, neurointersexuelle Körperdiskrepanz, nonkonformes Geschlechtsempfinden, „Trans*“. Hinter diesen Begriffen stehen ätiologische Konzepte, die das therapeutische Handeln beeinflussen. Der Autor schließt sich aufgrund seiner 47-jährigen Beschäftigung mit Transidentität der Ansicht der AutorInnen an, die dafür plädieren, Trans* als nichtpathologische Variante menschlicher Identität zu betrachten und die Suche nach psychogenetischen Ursachen aufzugeben. In der Regel werden mit Trans*Menschen keine klassisch psychoanalytischen Behandlungen durchgeführt. Sie benötigen ihre psychischen Kräfte für den Transitionsprozess. Allenfalls kann anschließend ein solches Setting erwogen werden, am ehesten, wenn Trans*Menschen als KandidatInnen zur psychoanalytischen Ausbildung zugelassen werden – was bisher nicht geschieht. Ausgehend von einem Phasenmodell der Trans-Entwicklung wird aufgezeigt, welche Themen in einer psychoanalytisch orientierten Therapie relevant sein können. Die Begleitung der Transition stellt im Allgemeinen keine Therapie dar, sondern ist ein Coaching-Prozess. Therapeutische Maßnahmen sind lediglich dann nötig, wenn reaktive psychische Störungen (aufgrund traumatischer Lebenssituationen) oder primäre psychische Erkrankungen (die unabhängig von der Transidentität bestehen) vorliegen. Der Autor plädiert dafür, dass die heute extrem fremdbestimmten Trans*Menschen in Zukunft nach Beratung durch die an der Transition beteiligten Fachleute autonom, das heißt ohne irgendwelche Gutachten oder sonstige Forderungen an sie, entscheiden, welche medizinischen und rechtlichen Schritte sie unternehmen wollen. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Forum der Psychoanalyse Springer Journals

„Trans*Menschen“, Psychoanalyse und Psychotherapie

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Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Psychology; Psychology, general; Psychiatry; Psychotherapy; Psychoanalysis
ISSN
0178-7667
eISSN
1437-0751
D.O.I.
10.1007/s00451-017-0289-4
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Abstract

Bereits die Bezeichnung der Geschlechtsidentität ist im Fachbereich kontrovers: Transsexualität, Transidentität, Gender-Dysphorie, neurointersexuelle Körperdiskrepanz, nonkonformes Geschlechtsempfinden, „Trans*“. Hinter diesen Begriffen stehen ätiologische Konzepte, die das therapeutische Handeln beeinflussen. Der Autor schließt sich aufgrund seiner 47-jährigen Beschäftigung mit Transidentität der Ansicht der AutorInnen an, die dafür plädieren, Trans* als nichtpathologische Variante menschlicher Identität zu betrachten und die Suche nach psychogenetischen Ursachen aufzugeben. In der Regel werden mit Trans*Menschen keine klassisch psychoanalytischen Behandlungen durchgeführt. Sie benötigen ihre psychischen Kräfte für den Transitionsprozess. Allenfalls kann anschließend ein solches Setting erwogen werden, am ehesten, wenn Trans*Menschen als KandidatInnen zur psychoanalytischen Ausbildung zugelassen werden – was bisher nicht geschieht. Ausgehend von einem Phasenmodell der Trans-Entwicklung wird aufgezeigt, welche Themen in einer psychoanalytisch orientierten Therapie relevant sein können. Die Begleitung der Transition stellt im Allgemeinen keine Therapie dar, sondern ist ein Coaching-Prozess. Therapeutische Maßnahmen sind lediglich dann nötig, wenn reaktive psychische Störungen (aufgrund traumatischer Lebenssituationen) oder primäre psychische Erkrankungen (die unabhängig von der Transidentität bestehen) vorliegen. Der Autor plädiert dafür, dass die heute extrem fremdbestimmten Trans*Menschen in Zukunft nach Beratung durch die an der Transition beteiligten Fachleute autonom, das heißt ohne irgendwelche Gutachten oder sonstige Forderungen an sie, entscheiden, welche medizinischen und rechtlichen Schritte sie unternehmen wollen.

Journal

Forum der PsychoanalyseSpringer Journals

Published: Nov 6, 2017

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