Stellungnahme der Autoren

Stellungnahme der Autoren Gefässchirurgie (1999) 4: 65 Springer-Verlag 1999 BRIEFE AN DIE HERAUSGEBER UND DISKUSSION W.-A. Cappeller Im Gegensatz zu dem von den Auto- chronische Viszeralarterienischämie be- ren dargestellten thorakoabdominalen legt ist: Rapp berichtet über eine Leta- Bypassverfahren mit TEA der perirena- lität von 7,5% sowie von perioperativen len Aorta favorisiert Sandmann die in Komplikationen in 21% [3]. der Publikation alternativ diskutierte Über den seltenen aortoaortalen thor- transaortale thorakoabdominale TEA im akoabdominalen Bypass sind uns bisher Abschnitt III–V der Aorta. Er stützt keine relevanten Zahlen bekannt. Ein Der Kommentator H. Sandmann bezieht sich in der Argumentation offensicht- Pankreastrauma durch den retropankrea- sich im wesentlichen auf die Wahl des lich auf die chronische Viszeralarterien- tischen Durchzug des Bypasses wird im- Operationsverfahrens. ischämie, wenn er von „Verkalkungen mer wieder diskutiert, ohne daß kon- Bei der kasuistisch vorgestellten Pa- mit Stenosebildung, die üblicherweise krete Angaben dazu vorliegen. Bei der tientin war auswärts eine erfolglose ostiumnah ausgebildet sind“ schreibt. hier dargestellten Patientin ergab sich Profundaplastik wegen einseitiger Clau- Die Bedeutung dieser atheroskleroti- weder klinisch noch laborchemisch ein dicatio durchgeführt worden. Im Ge- schen Manifestation für das operative Hinweis für eine Pankreatitis. Die gensatz dazu bestand jedoch bei Auf- Vorgehen wurde in einem Übersichtsre- Durchtrennung der linksseitigen Nieren- nahme in unserem Haus Monate später ferat des Kommentators anhand von 21 vene hat erfahrungsgemäß keine negati- ein beidseitiges arterielles Verschlußlei- Patienten mit chronischer Viszeral- ven Auswirkungen auf die Ausschei- arterienischämie, die er in 14 Jahren den mit auf 0,5 reduzierten krurobra- dungsfunktion. Somit erscheint das By- chialen Indices, wie in der Publikation operierte, dargestellt. [4]. passverfahren zumindest weniger kom- angemerkt ist. Zudem lag als 2. wesent- Im krassen Gegensatz dazu stehen plikationsreich zu sein. Dieses harte liches Symptom, ein offensichtlich re- die atherosklerotischen Ausprägungen Kriterium gab für uns den Ausschlag für novaskulärer Hypertonus (3 Anti- der Korallenriffatherosklerose: die das Bypassverfahren mit kombinierter hypertensiva) vor (Publikation „Kasui- Primärläsionen befinden sich vornehm- perirenaler transaortaler TEA. stik“). Ursächlich waren langstreckige, lich an der dorsalen Aortenwand ([2]; Hinsichtlich der Langzeitprognose bis zu 90%ige (!!) aortale Stenosierun- Diskussion „Babu“) und gerade nicht sei anzumerken, daß die Patientin seit gen im Abschnitt III und IV. im ventralen Aortenbereich und Ab- ca. 18 Monaten einen komplikationslo- Das Therapieziel war eine definitive gangsbereich der Viszeralarterien wie sen Verlauf aufweist. Dieser Zeitraum Versorgung mit Revaskularisation der bei der chronischen Viszeralarterie- ist (noch) nicht zu vergleichen mit der aortalen Strombahn im Abschnitt IV nischämie [1, 3]. Dies ist offensichtlich durchschnittlich 4jährigen Nachbeob- und V, die mit dem in der Publikation mit ein Grund, weswegen eine nicht achtungszeit, die Qvarfordt angibt [2]. dargestellten kombinierten Verfahren atherosklerotische Ursache der Koral- thorakoabdominaler Bypass und perire- lenriffatherosklerose zumindest disku- nale TEA erzielt werden konnte. Die er- tiert wurde (Diskussion „Crawford“ in Literatur folgreiche Therapie ergab sowohl eine [2]). Wie auch in dem publizierten Bild- 1. Cappeller WA, Hübner GH, Kettmann deutliche Reduktion der antihyperten- material gezeigt, liegen die Korallen- R et al. (1998) Chirurgische Therapie siven Therapie, als auch eine Restitutio plaques im Viszeralarterienabgangsbe- der komplexen chronischen Visceral- der Beindurchblutung (s. Publikation, reich genau dorsal, so daß bereits der arterienischämie mit aortocoeliacalem, Ca-Antagonist einmal/Tag, Normalisie- Truncus coeliacus über die nicht betrof- mesenterialem Patch-Bypass. Chirurg rung des krurobrachialen Index). Mit fene ventrale Aorta gut durchblutet 69: 642–647 2. Qvarfordt PG, Linda M, Meilly M et al. sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde wird (s. dort Abb. 4). Somit erscheint (1984) “Coral reef” atherosclerosis of nicht nur die Perfusion der Nierenarte- das Argument der Revaskularisation der the suprarenal aorta: A unique clinical rien verbessert, sondern auch über eine Viszeralarterienabgänge mittels TEA entity. J Vasc Surg 1: 903–909 retrograde Perfusion die der Viszeralar- für die Korallenriffatherosklerose kaum 3. Rapp JH, Reilly LM, Qvarfordt PG terien. Spekulativ wäre damit selbst im relevant zu sein. et al. (1986) Durability of endarterec- tomy and antegrade grafts in the treat- Falle einer eher seltenen Thrombose der Die bisher dominierende umfang- ment of chronic visceral ischemia. supraviszeralen Aorta die Durchblutung reichste Publikation von Qvarfordt [2] J Vasc Surg 3: 799 umfaßt 9 ausschließlich weibliche Pati- der Abdominalorgane gewährleistet 4. Sandmann H, Böhner H, Kniemeyer (s. Publikation). Statt diesem elektiven enten, die zwischen 1970 und 1983 we- HW et al. (1994) Chronische mesente- Eingriff wäre der Patientin wohl kaum gen eine Korallenriffatherosklerose riale Ischämie. Dtsch Med Wochenschr 119: 979–984 ein mehrzeitiges Vorgehen zuzumuten transaortal endarteriektomiert wurden. gewesen. Ein passagärer axillofemoraler Von 8 elektiv operierten Patientinnen W.-A. Cappeller Bypass, wie vom Kommentator disku- verstarb eine an den operativen Folgen. Klinik für Allgemeinchirurgie, tiert, hätte bei dem vorliegenden Krank- Die transaortale TEA stellt ein Verfah- Zentrum für Chirurgie I, heitskomplex möglicherweise forensi- ren mit einer nicht unerheblichen Kom- Martin-Luther-Universität, sche Folgen nach sich ziehen können. plikationsrate dar, wie für die häufigere D-06097 Halle/Saale http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Gefässchirurgie Springer Journals

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Publisher
Springer-Verlag
Copyright
Copyright © 1999 by Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Subject
Medicine & Public Health; Vascular Surgery
ISSN
0948-7034
D.O.I.
10.1007/s007720050120
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Abstract

Gefässchirurgie (1999) 4: 65 Springer-Verlag 1999 BRIEFE AN DIE HERAUSGEBER UND DISKUSSION W.-A. Cappeller Im Gegensatz zu dem von den Auto- chronische Viszeralarterienischämie be- ren dargestellten thorakoabdominalen legt ist: Rapp berichtet über eine Leta- Bypassverfahren mit TEA der perirena- lität von 7,5% sowie von perioperativen len Aorta favorisiert Sandmann die in Komplikationen in 21% [3]. der Publikation alternativ diskutierte Über den seltenen aortoaortalen thor- transaortale thorakoabdominale TEA im akoabdominalen Bypass sind uns bisher Abschnitt III–V der Aorta. Er stützt keine relevanten Zahlen bekannt. Ein Der Kommentator H. Sandmann bezieht sich in der Argumentation offensicht- Pankreastrauma durch den retropankrea- sich im wesentlichen auf die Wahl des lich auf die chronische Viszeralarterien- tischen Durchzug des Bypasses wird im- Operationsverfahrens. ischämie, wenn er von „Verkalkungen mer wieder diskutiert, ohne daß kon- Bei der kasuistisch vorgestellten Pa- mit Stenosebildung, die üblicherweise krete Angaben dazu vorliegen. Bei der tientin war auswärts eine erfolglose ostiumnah ausgebildet sind“ schreibt. hier dargestellten Patientin ergab sich Profundaplastik wegen einseitiger Clau- Die Bedeutung dieser atheroskleroti- weder klinisch noch laborchemisch ein dicatio durchgeführt worden. Im Ge- schen Manifestation für das operative Hinweis für eine Pankreatitis. Die gensatz dazu bestand jedoch bei Auf- Vorgehen wurde in einem Übersichtsre- Durchtrennung der linksseitigen Nieren- nahme in unserem Haus Monate später ferat des Kommentators anhand von 21 vene hat erfahrungsgemäß keine negati- ein beidseitiges arterielles Verschlußlei- Patienten mit chronischer Viszeral- ven Auswirkungen auf die Ausschei- arterienischämie, die er in 14 Jahren den mit auf 0,5 reduzierten krurobra- dungsfunktion. Somit erscheint das By- chialen Indices, wie in der Publikation operierte, dargestellt. [4]. passverfahren zumindest weniger kom- angemerkt ist. Zudem lag als 2. wesent- Im krassen Gegensatz dazu stehen plikationsreich zu sein. Dieses harte liches Symptom, ein offensichtlich re- die atherosklerotischen Ausprägungen Kriterium gab für uns den Ausschlag für novaskulärer Hypertonus (3 Anti- der Korallenriffatherosklerose: die das Bypassverfahren mit kombinierter hypertensiva) vor (Publikation „Kasui- Primärläsionen befinden sich vornehm- perirenaler transaortaler TEA. stik“). Ursächlich waren langstreckige, lich an der dorsalen Aortenwand ([2]; Hinsichtlich der Langzeitprognose bis zu 90%ige (!!) aortale Stenosierun- Diskussion „Babu“) und gerade nicht sei anzumerken, daß die Patientin seit gen im Abschnitt III und IV. im ventralen Aortenbereich und Ab- ca. 18 Monaten einen komplikationslo- Das Therapieziel war eine definitive gangsbereich der Viszeralarterien wie sen Verlauf aufweist. Dieser Zeitraum Versorgung mit Revaskularisation der bei der chronischen Viszeralarterie- ist (noch) nicht zu vergleichen mit der aortalen Strombahn im Abschnitt IV nischämie [1, 3]. Dies ist offensichtlich durchschnittlich 4jährigen Nachbeob- und V, die mit dem in der Publikation mit ein Grund, weswegen eine nicht achtungszeit, die Qvarfordt angibt [2]. dargestellten kombinierten Verfahren atherosklerotische Ursache der Koral- thorakoabdominaler Bypass und perire- lenriffatherosklerose zumindest disku- nale TEA erzielt werden konnte. Die er- tiert wurde (Diskussion „Crawford“ in Literatur folgreiche Therapie ergab sowohl eine [2]). Wie auch in dem publizierten Bild- 1. Cappeller WA, Hübner GH, Kettmann deutliche Reduktion der antihyperten- material gezeigt, liegen die Korallen- R et al. (1998) Chirurgische Therapie siven Therapie, als auch eine Restitutio plaques im Viszeralarterienabgangsbe- der komplexen chronischen Visceral- der Beindurchblutung (s. Publikation, reich genau dorsal, so daß bereits der arterienischämie mit aortocoeliacalem, Ca-Antagonist einmal/Tag, Normalisie- Truncus coeliacus über die nicht betrof- mesenterialem Patch-Bypass. Chirurg rung des krurobrachialen Index). Mit fene ventrale Aorta gut durchblutet 69: 642–647 2. Qvarfordt PG, Linda M, Meilly M et al. sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde wird (s. dort Abb. 4). Somit erscheint (1984) “Coral reef” atherosclerosis of nicht nur die Perfusion der Nierenarte- das Argument der Revaskularisation der the suprarenal aorta: A unique clinical rien verbessert, sondern auch über eine Viszeralarterienabgänge mittels TEA entity. J Vasc Surg 1: 903–909 retrograde Perfusion die der Viszeralar- für die Korallenriffatherosklerose kaum 3. Rapp JH, Reilly LM, Qvarfordt PG terien. Spekulativ wäre damit selbst im relevant zu sein. et al. (1986) Durability of endarterec- tomy and antegrade grafts in the treat- Falle einer eher seltenen Thrombose der Die bisher dominierende umfang- ment of chronic visceral ischemia. supraviszeralen Aorta die Durchblutung reichste Publikation von Qvarfordt [2] J Vasc Surg 3: 799 umfaßt 9 ausschließlich weibliche Pati- der Abdominalorgane gewährleistet 4. Sandmann H, Böhner H, Kniemeyer (s. Publikation). Statt diesem elektiven enten, die zwischen 1970 und 1983 we- HW et al. (1994) Chronische mesente- Eingriff wäre der Patientin wohl kaum gen eine Korallenriffatherosklerose riale Ischämie. Dtsch Med Wochenschr 119: 979–984 ein mehrzeitiges Vorgehen zuzumuten transaortal endarteriektomiert wurden. gewesen. Ein passagärer axillofemoraler Von 8 elektiv operierten Patientinnen W.-A. Cappeller Bypass, wie vom Kommentator disku- verstarb eine an den operativen Folgen. Klinik für Allgemeinchirurgie, tiert, hätte bei dem vorliegenden Krank- Die transaortale TEA stellt ein Verfah- Zentrum für Chirurgie I, heitskomplex möglicherweise forensi- ren mit einer nicht unerheblichen Kom- Martin-Luther-Universität, sche Folgen nach sich ziehen können. plikationsrate dar, wie für die häufigere D-06097 Halle/Saale

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GefässchirurgieSpringer Journals

Published: Feb 15, 1999

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