SOA oder ESB?

SOA oder ESB? KOMMENTAR Von Axel Angeli s gibt nichts Schlimmeres für das Fortkommen einer guten Idee als Halbwissen seitens der Entscheidungs- Eträger. Das führt dazu, dass zuweilen auch die Diskussion um SOA bizarre Züge annimmt. Mir zeigte sich das, als ich mehrfach zeitgleich von verschiedenen Firmen Anfragen erhielt, dass man einen Experten für Enterprise Service Bus suche, aber wegen schlechter Erfahrungen keinesfalls SOA machen möchte. Nun deckt sich das mit der Aussage des aufsehenerregenden Blog von Anne Manes, die den Begriff SOA für so beschädigt ansieht, dass sie diesen am liebsten für tot erklären möchte. Dabei muss man sich fragen, warum SOA angeblich scheitert. Immerhin hat SOA seinen Proof-of-Concept schon lange hinter sich. Das WWW ist eine gewachsene, darwinistisch geprägte SOA; Windows oder UNIX sind als SOA aufgebaut. Beides würde ohne das Client-Server-Paradigma nicht funktionieren und Alternativen sind nicht bekannt. SOA ist Technik für verteilte Architekturen; wir können da auf die Erfahrung in anderen Wissenschaften zurückgreifen, zum Beispiel zur Stadtplanung, wo die gleichen Muster bereits seit Jahrtausenden erprobt Axel Angeli sind. Eine SOA entsteht auch im wahren Leben, sobald eine Dorfgemeinschaft beginnt, sich Arbeit zu teilen und damit Dienstleistungen auszutauschen. Entsprechend entwickelt sich eine SOA von alleine. Sobald ich eine größere Anzahl von Computersystemen miteinander lose kopple, habe ich automatisch eine ge- wachsene SOA. Die Frage ist nicht, SOA oder nicht SOA. Es geht darum, sich die Mühe zu machen, recht- zeitig auf die Entwicklung von SOA einzuwirken, dass diese einen geeigneten Ordnungsrahmen bekommt. Es geht dabei wie in einem Dorf auch um Effizienz: „Soll ich eine feste Straße bauen, um leichter zwischen den Gebäuden zu wechseln oder tut es der Trampelpfad über die Wiese?“ Genauso ist auch die Frage, ob ich eine gute Middleware investiere oder jedes Interface „on-the-fly“ entwickle. Bei genauerem Hinsehen muss man eingestehen, dass es tatsächlich nur sehr wenige professionelle SOA- Projekte wirklich gibt. Andererseits werden zahlreiche Projekte mit dem Attribut SOA dekoriert, weil man mit Verweis auf den Trend dafür leicht zusätzliches Budget erhält. Es mangelt überall an Aufklärung zur Bedeutung von SOA und einer hinreichenden Ausbildung zum Thema. Das zeigt uns das irrationale Verhalten manch eines Projektleiters, dass man neuerdings lieber nach einem ESB ohne SOA fragt, auch wenn ein ESB doch nur eine von mehreren zentralen Komponenten der für Services geschaffenen Architektur darstellt. Wir brauchen zunächst eine große Ausbildungsinitiative für SOA. Dies darf man aber keinesfalls den Produktanbietern überlassen. Es geht auch um die Einsicht, dass eine One-Vendor-Policy grund- sätzlich dem Geiste einer freien SOA widerstrebt, so wie Ständegesellschaft nicht zu einer Demokratie der Marktwirtschaft passen. Nicht Produktwissen, sondern Grundlagen- wissen über Kommunikationsmuster, Standard Operations Procedures und Stan- dard Emergency Procedures ist nötig. Wie so oft, ist „Hologramming“ gefordert: die Fähigkeit ganzheitlich zu denken und auch die Organisation serviceorientiert umzugestal- ten. Am Anfang steht das gemeinsame Einüben von Methoden zur Zusammenarbeit, unterstützt durch den Aufbau von techni- schen Collaboration-Strukturen wie Wiki oder Unternehmens- Blogs. Dann wird SOA Schritt für Schritt besser. Investition in Ausbildung tut natürlich weh, weil man die Erfolge nicht sofort sieht. Aber jeder weiß, wie wichtig diese auf längere Sicht ist. Oder wie man von Einstein berichtet, der angeblich sagte: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man da den Erfolg sofort sieht.“ Von Axel Angeli ist SOA Evangelist bei Logosworld.com WuM 02 . 2009 http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Wirtschaftsinformatik & Management Springer Journals
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Publisher
Gabler Verlag
Copyright
Copyright © 2009 by Springer Fachmedien Wiesbaden
Subject
Economics / Management Science; Business Information Systems
ISSN
1867-5905
eISSN
1867-5913
D.O.I.
10.1007/BF03248192
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Abstract

KOMMENTAR Von Axel Angeli s gibt nichts Schlimmeres für das Fortkommen einer guten Idee als Halbwissen seitens der Entscheidungs- Eträger. Das führt dazu, dass zuweilen auch die Diskussion um SOA bizarre Züge annimmt. Mir zeigte sich das, als ich mehrfach zeitgleich von verschiedenen Firmen Anfragen erhielt, dass man einen Experten für Enterprise Service Bus suche, aber wegen schlechter Erfahrungen keinesfalls SOA machen möchte. Nun deckt sich das mit der Aussage des aufsehenerregenden Blog von Anne Manes, die den Begriff SOA für so beschädigt ansieht, dass sie diesen am liebsten für tot erklären möchte. Dabei muss man sich fragen, warum SOA angeblich scheitert. Immerhin hat SOA seinen Proof-of-Concept schon lange hinter sich. Das WWW ist eine gewachsene, darwinistisch geprägte SOA; Windows oder UNIX sind als SOA aufgebaut. Beides würde ohne das Client-Server-Paradigma nicht funktionieren und Alternativen sind nicht bekannt. SOA ist Technik für verteilte Architekturen; wir können da auf die Erfahrung in anderen Wissenschaften zurückgreifen, zum Beispiel zur Stadtplanung, wo die gleichen Muster bereits seit Jahrtausenden erprobt Axel Angeli sind. Eine SOA entsteht auch im wahren Leben, sobald eine Dorfgemeinschaft beginnt, sich Arbeit zu teilen und damit Dienstleistungen auszutauschen. Entsprechend entwickelt sich eine SOA von alleine. Sobald ich eine größere Anzahl von Computersystemen miteinander lose kopple, habe ich automatisch eine ge- wachsene SOA. Die Frage ist nicht, SOA oder nicht SOA. Es geht darum, sich die Mühe zu machen, recht- zeitig auf die Entwicklung von SOA einzuwirken, dass diese einen geeigneten Ordnungsrahmen bekommt. Es geht dabei wie in einem Dorf auch um Effizienz: „Soll ich eine feste Straße bauen, um leichter zwischen den Gebäuden zu wechseln oder tut es der Trampelpfad über die Wiese?“ Genauso ist auch die Frage, ob ich eine gute Middleware investiere oder jedes Interface „on-the-fly“ entwickle. Bei genauerem Hinsehen muss man eingestehen, dass es tatsächlich nur sehr wenige professionelle SOA- Projekte wirklich gibt. Andererseits werden zahlreiche Projekte mit dem Attribut SOA dekoriert, weil man mit Verweis auf den Trend dafür leicht zusätzliches Budget erhält. Es mangelt überall an Aufklärung zur Bedeutung von SOA und einer hinreichenden Ausbildung zum Thema. Das zeigt uns das irrationale Verhalten manch eines Projektleiters, dass man neuerdings lieber nach einem ESB ohne SOA fragt, auch wenn ein ESB doch nur eine von mehreren zentralen Komponenten der für Services geschaffenen Architektur darstellt. Wir brauchen zunächst eine große Ausbildungsinitiative für SOA. Dies darf man aber keinesfalls den Produktanbietern überlassen. Es geht auch um die Einsicht, dass eine One-Vendor-Policy grund- sätzlich dem Geiste einer freien SOA widerstrebt, so wie Ständegesellschaft nicht zu einer Demokratie der Marktwirtschaft passen. Nicht Produktwissen, sondern Grundlagen- wissen über Kommunikationsmuster, Standard Operations Procedures und Stan- dard Emergency Procedures ist nötig. Wie so oft, ist „Hologramming“ gefordert: die Fähigkeit ganzheitlich zu denken und auch die Organisation serviceorientiert umzugestal- ten. Am Anfang steht das gemeinsame Einüben von Methoden zur Zusammenarbeit, unterstützt durch den Aufbau von techni- schen Collaboration-Strukturen wie Wiki oder Unternehmens- Blogs. Dann wird SOA Schritt für Schritt besser. Investition in Ausbildung tut natürlich weh, weil man die Erfolge nicht sofort sieht. Aber jeder weiß, wie wichtig diese auf längere Sicht ist. Oder wie man von Einstein berichtet, der angeblich sagte: „Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man da den Erfolg sofort sieht.“ Von Axel Angeli ist SOA Evangelist bei Logosworld.com WuM 02 . 2009

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Wirtschaftsinformatik & ManagementSpringer Journals

Published: Jul 20, 2012

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