Schere, Stein, Papier

Schere, Stein, Papier schlägt Mthea Mt- ika k oul Mne ieses bekannte Knobelspiel hat viele Namen, im deutschen Sprachraum wird es auch als „Schnick, Schnack, DSchnuck“ bezeichnet. Glaubt man dem Geschichtsschreiber Xie ZhaoZhi aus der Ming-Dynastie, so trat „shoushiling (手势令)“(zu Deutsch: Gesten machen) in der Han-Dynastie (206 v. Chr - 220 n. Chr.) auf. Im 19. Jahrhundert kam das Spiel wohl nach Europa. Belegt ist auf jeden Fall die Gründung des „Rock Paper Scissors- Clubs“ 1842 in London. Das Spiel hat auch seinen Platz in der neueren Literatur gefunden, so besiegt James Bond in Ian Flemings Roman „Du stirbst nur zweimal“ seinen Partner Tiger Tanaka in „Stein, Schere, Papier“ und sichert sich dadurch dessen Vertrauen. Meist aber wird „Schick, Schnack, Schnuck“ zwischen zwei Leuten gespielt, die um eine Entscheidung für eine Sache ringen. So etwa zu sehen beim 3:0-Erfolg der Borussia Mönchenglad- bach über den FC Köln im November 2011, als Marco Reus und Mike Hanke um einen Freistoß stritten. Marco Reus gewann mit Papier über Stein. Der anschließende Freistoß allerdings ging nicht ins Tor des FC Köln. Wie funktioniert das Spiel? Die geballte Faust steht für einen Stein. Die gespreizten Zeige- und Mittelfin- ger symbolisieren eine Schere. Und die flache Hand repräsentiert ein Stück Papier. Der Stein schlägt die Schere, weil er sie stumpf machen kann. Die Schere schlägt das Papier, weil sie es zerschneiden kann. Und das Papier schlägt den Stein, weil es ihn einwickeln kann. Mike Stein Papier Schere Marco Stein 0 – 1 + 1 Papier + 1 0 – 1 Schere – 1 + 1 0 In der Tabelle kann man gut erkennen, dass es für jede Strategie drei Ausgänge gibt, die mit der gleichen Wahrscheinlichkeit auftreten. Würde man also rein zufällig die Gesten machen, so würden tatsächlich nach dem Gesetz der großen Zahlen alle drei Spielausgänge gleich häufig vorkommen. Der Mensch ist aber nicht in der Lage, ganz zufällig zu agieren, sondern er denkt bei seinen Entscheidungen immer auch bei solch einfachen, ob man Schere, Stein oder Papier zei- schlägt gen soll. Mathematisch ist es ja völlig egal, aber wir denken, dass man den Gegner durch ein System schlagen kann. Dies führt dazu, dass zum Beispiel bei der „Schere-Stein- Papier-Weltmeisterschaft“, die alljährlich in Toronto stattfindet, die Geste Schere mit weniger als 30 Prozent gezeigt wird. Daraus könnte man eine Strategie ableiten. Ebenso geht das Spiel viel zu häufig unentschieden aus. Mit fast 37 Prozent anstelle von nur 33,3 Prozent liegt man signifikante 10 Prozent darüber. Es wäre also möglich, durch Taktik und Psychologie das Spiel zu seinen Gunsten zu beein- flussen. Da dies schlecht funktioniert, legen professionelle Spieler bei den Welt- meisterschaften echte Zufallslisten der Gesten an, lernen sie auswendig und spie- len diese dann runter. Damit stellt man das sogenannte Nash-Gleichgewicht her, bei dem man eine Gewinnmaximierung über lange Sicht hat. Da der garantierte maximierte Gewinn bei 50 Prozent liegt, hat dies der Gegner allerdings auch. Schade. Von Matthias Ludwig Foto: © ryasick/istock.com Professor für Didaktik der Mathematik an der Goethe-Universität in Frankfurt WuM 02 . 2012 DOI: 10.1365/s35764-012-0130-1 schlägt http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Wirtschaftsinformatik & Management Springer Journals

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Gabler Verlag
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Copyright © 2012 by Gabler Verlag Wiesbaden GmbH
Subject
Economics / Management Science; Business Information Systems
ISSN
1867-5905
eISSN
1867-5913
D.O.I.
10.1365/s35764-012-0130-1
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Abstract

schlägt Mthea Mt- ika k oul Mne ieses bekannte Knobelspiel hat viele Namen, im deutschen Sprachraum wird es auch als „Schnick, Schnack, DSchnuck“ bezeichnet. Glaubt man dem Geschichtsschreiber Xie ZhaoZhi aus der Ming-Dynastie, so trat „shoushiling (手势令)“(zu Deutsch: Gesten machen) in der Han-Dynastie (206 v. Chr - 220 n. Chr.) auf. Im 19. Jahrhundert kam das Spiel wohl nach Europa. Belegt ist auf jeden Fall die Gründung des „Rock Paper Scissors- Clubs“ 1842 in London. Das Spiel hat auch seinen Platz in der neueren Literatur gefunden, so besiegt James Bond in Ian Flemings Roman „Du stirbst nur zweimal“ seinen Partner Tiger Tanaka in „Stein, Schere, Papier“ und sichert sich dadurch dessen Vertrauen. Meist aber wird „Schick, Schnack, Schnuck“ zwischen zwei Leuten gespielt, die um eine Entscheidung für eine Sache ringen. So etwa zu sehen beim 3:0-Erfolg der Borussia Mönchenglad- bach über den FC Köln im November 2011, als Marco Reus und Mike Hanke um einen Freistoß stritten. Marco Reus gewann mit Papier über Stein. Der anschließende Freistoß allerdings ging nicht ins Tor des FC Köln. Wie funktioniert das Spiel? Die geballte Faust steht für einen Stein. Die gespreizten Zeige- und Mittelfin- ger symbolisieren eine Schere. Und die flache Hand repräsentiert ein Stück Papier. Der Stein schlägt die Schere, weil er sie stumpf machen kann. Die Schere schlägt das Papier, weil sie es zerschneiden kann. Und das Papier schlägt den Stein, weil es ihn einwickeln kann. Mike Stein Papier Schere Marco Stein 0 – 1 + 1 Papier + 1 0 – 1 Schere – 1 + 1 0 In der Tabelle kann man gut erkennen, dass es für jede Strategie drei Ausgänge gibt, die mit der gleichen Wahrscheinlichkeit auftreten. Würde man also rein zufällig die Gesten machen, so würden tatsächlich nach dem Gesetz der großen Zahlen alle drei Spielausgänge gleich häufig vorkommen. Der Mensch ist aber nicht in der Lage, ganz zufällig zu agieren, sondern er denkt bei seinen Entscheidungen immer auch bei solch einfachen, ob man Schere, Stein oder Papier zei- schlägt gen soll. Mathematisch ist es ja völlig egal, aber wir denken, dass man den Gegner durch ein System schlagen kann. Dies führt dazu, dass zum Beispiel bei der „Schere-Stein- Papier-Weltmeisterschaft“, die alljährlich in Toronto stattfindet, die Geste Schere mit weniger als 30 Prozent gezeigt wird. Daraus könnte man eine Strategie ableiten. Ebenso geht das Spiel viel zu häufig unentschieden aus. Mit fast 37 Prozent anstelle von nur 33,3 Prozent liegt man signifikante 10 Prozent darüber. Es wäre also möglich, durch Taktik und Psychologie das Spiel zu seinen Gunsten zu beein- flussen. Da dies schlecht funktioniert, legen professionelle Spieler bei den Welt- meisterschaften echte Zufallslisten der Gesten an, lernen sie auswendig und spie- len diese dann runter. Damit stellt man das sogenannte Nash-Gleichgewicht her, bei dem man eine Gewinnmaximierung über lange Sicht hat. Da der garantierte maximierte Gewinn bei 50 Prozent liegt, hat dies der Gegner allerdings auch. Schade. Von Matthias Ludwig Foto: © ryasick/istock.com Professor für Didaktik der Mathematik an der Goethe-Universität in Frankfurt WuM 02 . 2012 DOI: 10.1365/s35764-012-0130-1 schlägt

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Wirtschaftsinformatik & ManagementSpringer Journals

Published: Apr 2, 2012

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