Refluxerkrankung — Haben wir es uns zu bequem gemacht?

Refluxerkrankung — Haben wir es uns zu bequem gemacht? editorial Refluxerkrankung – Haben wir es uns zu bequem gemacht? Die gastroösophageale Reuxerkrankung (GERD) ist mit einer Prävalenz von etwa 15 % eine häu�ge Erkrankung, zahlreiche Studien berichten noch höhere Werte. Das liegt unter anderem an einem hohen overlap zur Dyspepsie. Zusammen kommen Prof. Dr. med. Martin Storr, MHBA, beide Symptomenkomplexe auf Prävalenzen von bis zu 30 %. FRCPC Die mögen überschätzt sein, fraglos bleibt aber, dass sich in den Wartezimmern viele Patienten �nden, die an GERD-, Dyspep - Zentrum für Endoskopie sie-, Beschwerden beider Symptomenkomplexe oder GERD- Oßwaldstr. 1, 82319 Starnberg ähnlichen, aber nicht typischen Beschwerden leiden. E-Mail: gidoc@gmx.com Die Behandlung der GERD hat sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt. Die Protonenpumpeninhibitoren (PPI) haben es uns ermöglicht, gerade in Bezug auf rein säurebedingte Er- krankungen die Beschwerden unserer Patienten sehr gut zu kon- verfügbaren ¡erapieoptionen verwenden, um auf die Individu- trollieren, auch im Falle von Konsequenzen des sauren Reu- alität der einzelnen Patienten einzugehen? Hat der Erfolg der säu - xes, wie eine Reuxösophagitis oder Komplikationen wie pep- resupressiven PPI-¡erapie dazu geführt, dass es jahrelang keine tische Stenosen oder Reuxulzerationen. Auch Fragen und An- notwendige weitere Forschung im Bereich der GERD gegeben spruch der GERD/Dyspepsiepatienten haben sich geändert. hat, die uns nun ermöglichen würde, die verbliebenen Problem- Patienten mit klassischem Sodbrennen werden in der Primär- fälle adäquat zu behandeln? Sind genetische Veränderungen im versorgung gut versorgt und nur noch selten konsiliarisch beim PPI-Metabolismus wie oŸ angemerkt (rapid/slow metabolizer) Gastroenterologen vorgestellt. Hier �nden sich nun Patienten bei unterdiagnostiziert und sollten wir diese möglichen Erklärungs - denen ein PPI nicht oder nicht ausreichend hilfreich ist und sich ursachen eines PPI-¡erapieversagens mehr in den diagnosti- eben mehr als nur die eine Frage stellt, ob eine erneute Ösopha- schen Vordergrund stellen? ... Und wenn ja, mit welcher thera- go-Gastro-Duodenoskopie erforderlich ist. Mit welchen weite- peutischen Konsequenz? Oder sind unsere Patienten eigentlich ren Maßnahmen kann geholfen werden? Die 2014 revidierte doch ganz gut versorgt und die wenigen, die noch über Beschwe-r DGVS-Leitlinie zur GERD hilŸ uns in der Diagnostik und ¡e- den klagen nur nicht richtig darüber aufgeklärt, was sie von ei- rapie bei vielen dieser Patienten weiter, dennoch bleiben zahlre-i ner adäquaten ¡erapie und von ihrem Leben erwarten können? che klinische Fragen der Diagnostik und ¡erapie schwierig. GERD ist gastroenterologische Kernkompetenz „Lost patients“ und viele offene Fragen Trotz guter ¡erapieoptionen haben sich also mittlerweile ganz Die neuen Herausforderungen sind mannigfaltig. Wie sollen wir neue Fragen ergeben, auf die wir Antworten benötigen. Hier sei den pathologischen, nicht sauren Reux, den wir mit der neuen angemerkt, dass der „verlorene“ GERD-Patient vom Gastroen- Technologie der 24-Stunden-Impedanz-pH-Metrie messen kön- terologen gesucht und gefunden werden sollte, denn GERD-Di- nen, adäquat und praktikabel behandeln? Wann und wie sollen agnostik und -Expertise ist Teil der gastroenterologischen Kern - wir eine PPI-¡erapie beenden, besonders vor dem Hintergrund, kompetenz und sollte gerade bei schwierigen Patienten nicht das schon bei kurzfristiger regelmäßiger PPI-Gabe das Absetzen delegiert werden. GERD-Diagnostik und -¡erapie sind intelli- von einem Säure-Rebound gefolgt wird, der den Patienten mit gent und spannend, sofern die gesamte Klaviatur bespielt wird. wiederkehrenden Symptomen in die Praxis zurückbringt, oder Die benötigten Antworten geben uns aktuelle und zukünŸige wenn dieser trotz Beschwerden aufgrund von Osteoporose- und klinische Studien – und es ist sehr erfreulich, dass die Studien- Demenzpanik nie wieder PPI einnehmen möchte? Wie sollen wir tätigkeit auf dem Gebiet der GERD zu keinem Zeitpunkt einge- Studien bewerten, die epidemiologisch belegen, dass ein Großteil schlafen ist. GERD-Studien �nden sich zwar nicht mehr in den der GERD-Patienten nicht oder nicht adäquat behandelt ist und Journalen mit dem höchsten Impact-Faktor, aber zuverlässig in die diese inzwischen als verlorene Patienten (lost patients) be- Journalen der zweiten Reihe, die jeder von uns aufmerksam ver- zeichnen? Haben wir es uns zu bequem gemacht, indem wir bei folgen oder sich alternativ in Medien wie der GASTRO NEWS Reuxbeschwerden reexartig einen PPI verschreiben sowie Le- aktuell über die wichtigsten Neuheiten informieren kann. bensstil- und Ernährungsempfehlungen geben, bei Versagen der gewählten Maßnahmen aber nicht die gesamte Bandbreite der Martin Storr GASTRO-NEWS 2017; 04 (2) 3 © Clichesdumonde / Adobe Stock http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Gastro-News Springer Journals

Refluxerkrankung — Haben wir es uns zu bequem gemacht?

Free
1 page

Loading next page...
1 Page
 
/lp/springer_journal/refluxerkrankung-haben-wir-es-uns-zu-bequem-gemacht-0sRSBY0E17
Publisher
Springer Journals
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Medicine & Public Health; Gastroenterology; Internal Medicine; Hepatology; Colorectal Surgery
ISSN
1869-1005
eISSN
2520-8667
D.O.I.
10.1007/s15036-017-0263-4
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

editorial Refluxerkrankung – Haben wir es uns zu bequem gemacht? Die gastroösophageale Reuxerkrankung (GERD) ist mit einer Prävalenz von etwa 15 % eine häu�ge Erkrankung, zahlreiche Studien berichten noch höhere Werte. Das liegt unter anderem an einem hohen overlap zur Dyspepsie. Zusammen kommen Prof. Dr. med. Martin Storr, MHBA, beide Symptomenkomplexe auf Prävalenzen von bis zu 30 %. FRCPC Die mögen überschätzt sein, fraglos bleibt aber, dass sich in den Wartezimmern viele Patienten �nden, die an GERD-, Dyspep - Zentrum für Endoskopie sie-, Beschwerden beider Symptomenkomplexe oder GERD- Oßwaldstr. 1, 82319 Starnberg ähnlichen, aber nicht typischen Beschwerden leiden. E-Mail: gidoc@gmx.com Die Behandlung der GERD hat sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt. Die Protonenpumpeninhibitoren (PPI) haben es uns ermöglicht, gerade in Bezug auf rein säurebedingte Er- krankungen die Beschwerden unserer Patienten sehr gut zu kon- verfügbaren ¡erapieoptionen verwenden, um auf die Individu- trollieren, auch im Falle von Konsequenzen des sauren Reu- alität der einzelnen Patienten einzugehen? Hat der Erfolg der säu - xes, wie eine Reuxösophagitis oder Komplikationen wie pep- resupressiven PPI-¡erapie dazu geführt, dass es jahrelang keine tische Stenosen oder Reuxulzerationen. Auch Fragen und An- notwendige weitere Forschung im Bereich der GERD gegeben spruch der GERD/Dyspepsiepatienten haben sich geändert. hat, die uns nun ermöglichen würde, die verbliebenen Problem- Patienten mit klassischem Sodbrennen werden in der Primär- fälle adäquat zu behandeln? Sind genetische Veränderungen im versorgung gut versorgt und nur noch selten konsiliarisch beim PPI-Metabolismus wie oŸ angemerkt (rapid/slow metabolizer) Gastroenterologen vorgestellt. Hier �nden sich nun Patienten bei unterdiagnostiziert und sollten wir diese möglichen Erklärungs - denen ein PPI nicht oder nicht ausreichend hilfreich ist und sich ursachen eines PPI-¡erapieversagens mehr in den diagnosti- eben mehr als nur die eine Frage stellt, ob eine erneute Ösopha- schen Vordergrund stellen? ... Und wenn ja, mit welcher thera- go-Gastro-Duodenoskopie erforderlich ist. Mit welchen weite- peutischen Konsequenz? Oder sind unsere Patienten eigentlich ren Maßnahmen kann geholfen werden? Die 2014 revidierte doch ganz gut versorgt und die wenigen, die noch über Beschwe-r DGVS-Leitlinie zur GERD hilŸ uns in der Diagnostik und ¡e- den klagen nur nicht richtig darüber aufgeklärt, was sie von ei- rapie bei vielen dieser Patienten weiter, dennoch bleiben zahlre-i ner adäquaten ¡erapie und von ihrem Leben erwarten können? che klinische Fragen der Diagnostik und ¡erapie schwierig. GERD ist gastroenterologische Kernkompetenz „Lost patients“ und viele offene Fragen Trotz guter ¡erapieoptionen haben sich also mittlerweile ganz Die neuen Herausforderungen sind mannigfaltig. Wie sollen wir neue Fragen ergeben, auf die wir Antworten benötigen. Hier sei den pathologischen, nicht sauren Reux, den wir mit der neuen angemerkt, dass der „verlorene“ GERD-Patient vom Gastroen- Technologie der 24-Stunden-Impedanz-pH-Metrie messen kön- terologen gesucht und gefunden werden sollte, denn GERD-Di- nen, adäquat und praktikabel behandeln? Wann und wie sollen agnostik und -Expertise ist Teil der gastroenterologischen Kern - wir eine PPI-¡erapie beenden, besonders vor dem Hintergrund, kompetenz und sollte gerade bei schwierigen Patienten nicht das schon bei kurzfristiger regelmäßiger PPI-Gabe das Absetzen delegiert werden. GERD-Diagnostik und -¡erapie sind intelli- von einem Säure-Rebound gefolgt wird, der den Patienten mit gent und spannend, sofern die gesamte Klaviatur bespielt wird. wiederkehrenden Symptomen in die Praxis zurückbringt, oder Die benötigten Antworten geben uns aktuelle und zukünŸige wenn dieser trotz Beschwerden aufgrund von Osteoporose- und klinische Studien – und es ist sehr erfreulich, dass die Studien- Demenzpanik nie wieder PPI einnehmen möchte? Wie sollen wir tätigkeit auf dem Gebiet der GERD zu keinem Zeitpunkt einge- Studien bewerten, die epidemiologisch belegen, dass ein Großteil schlafen ist. GERD-Studien �nden sich zwar nicht mehr in den der GERD-Patienten nicht oder nicht adäquat behandelt ist und Journalen mit dem höchsten Impact-Faktor, aber zuverlässig in die diese inzwischen als verlorene Patienten (lost patients) be- Journalen der zweiten Reihe, die jeder von uns aufmerksam ver- zeichnen? Haben wir es uns zu bequem gemacht, indem wir bei folgen oder sich alternativ in Medien wie der GASTRO NEWS Reuxbeschwerden reexartig einen PPI verschreiben sowie Le- aktuell über die wichtigsten Neuheiten informieren kann. bensstil- und Ernährungsempfehlungen geben, bei Versagen der gewählten Maßnahmen aber nicht die gesamte Bandbreite der Martin Storr GASTRO-NEWS 2017; 04 (2) 3 © Clichesdumonde / Adobe Stock

Journal

Gastro-NewsSpringer Journals

Published: Dec 1, 2017

There are no references for this article.

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 18 million articles from more than
15,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Search

Query the DeepDyve database, plus search all of PubMed and Google Scholar seamlessly

Organize

Save any article or search result from DeepDyve, PubMed, and Google Scholar... all in one place.

Access

Get unlimited, online access to over 18 million full-text articles from more than 15,000 scientific journals.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve

Freelancer

DeepDyve

Pro

Price

FREE

$49/month
$360/year

Save searches from
Google Scholar,
PubMed

Create lists to
organize your research

Export lists, citations

Read DeepDyve articles

Abstract access only

Unlimited access to over
18 million full-text articles

Print

20 pages / month

PDF Discount

20% off