Projekt „Qualitätssicherung Karotischirurgie“ der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie – Zwischenauswertung nach 7534 Rekonstruktionen

Projekt „Qualitätssicherung Karotischirurgie“ der Deutschen Gesellschaft für... Gefässchirurgie (1998) 3: 128 Springer-Verlag 1998 BRIEFE AN DIE HERAUSGEBER UND DISKUSSION Bei einigen Patienten wurde eine an- Kommentar des Autors Projekt „Qualitätssicherung giographische Kontrolle während und Karotischirurgie“ nach Durchführung einer intraoperati- Ziel der o.g. Arbeit war eine der Deutschen Gesellschaft ven Zusatzmaßnahme (z. B. Lyse, Di- Bestandsaufnahme der Karotischir- urgie in 141 Zentren unter dem Ge- latation, Stent) durchgeführt. Das für Gefäßchirurgie – hohe neurologische Defizit dieser sichtspunkt der gesetzlich geforder- Zwischenauswertung nach Gruppe (11,7%) erklärt auch die über- ten Qualitätssicherung darzustellen. 7534 Rekonstruktionen Es handelt sich somit nicht um eine raschenden Ergebnisse des Pilotpro- jekts „Karotis“, bei dem die kontrol- Studie, sondern um eine möglichst Gefässchirurgie (1997) 187–195 lierten Rekonstruktionen mit einer objektive Darstellung der prä-, intra- und postoperativen Daten von einem höheren neurologischen Morbidität Der o.g. Artikel, die Zwischenaus- belastet waren [1]. heterogenen Krankengut. Zusammenfassend muß festgestellt wertung der Projektstudie „Qua- Eine statistische Aufarbeitung litätssicherung Karotischirurgie“ der dieser Daten mit dem Versuch, signi- werden, daß wegen der Heterogenität DGG ist nicht nur sehr informativ, der gesammelten Daten die Gefahr ei- fikante Unterschiede zwischen zwei ner Fehldeutung äußerst groß ist, vor sondern zeigt auch einige überra- Gruppen festzustellen, birgt die Ge- schende Ergebnisse. Als in einem fahr einer Fehlinterpretation der Er- allem wenn ein Vergleich ohne Risi- kleinen Haus tätiger Gefäßchirurg koadjustierung erfolgt. Wie in der Ar- gebnisse. Die daraus resultierenden beit betont, müssen das Risikoprofil scheint mir wichtig hervorzuheben, Schlußfolgerungen hätten keinen daß für die sog. Kleinen Zentren wissenschaftlichen Wert und könnten des Patienten, aber auch die Struktur (kleiner als 50 Operationen pro Jahr) und die Versorgungsstufe des behan- außerdem untragbare, gesundheits- delnden Zentrums berücksichtigt wer- gleiche Letalitäts- und Morbiditäts- politische und forensische Konse- raten gefunden wurden. quenzen zur Folge haben. Ein Bei- den. Leider fehlen statistische Anga- Obwohl die Versuchung, diesen spiel dieser Fehlinterpretation liefert großen Datensatz statistisch zu bear- ben (sprich Signifikanztest) völlig, der Leserbrief von Herrn Kollege so daß einige vom Autor gezogene Krause. beiten, groß ist, dürfen auf keinen Fall Schlüsse zumindest gewagt erschei- „Äpfel mit Birnen“ verglichen wer- Zu 1.) „Letalitäts- und Morbiditätsra- den. Voreilige Schlüsse können dem nen. Gerade unter dem Aspekt des ten in Zentren mit großem und klei- kleinen Hauses erscheint es doch Chirurgen nur schaden. Auch im Hin- nem Operationsaufkommen im Caro- wesentlich festzuhalten, ob der Un- blick auf mögliche forensische Konse- tisgebiet sind gleich . . .“ quenzen müssen die bei dieser Erhe- terschied in der perioperativen Mor- Eine solche Aussage ist zumindest bidität (neurologisches Defizit) zwi- bungsaktion gewonnenen Daten um- gewagt, da die Komplikationsrate der schen Kliniken, die eine intraopera- sichtig behandelt werden. an Qualitätssicherungsaktivitäten tive Kontrolle vornehmen, gegen- nicht teilnehmenden Kliniken, wo nur über solchen ohne Kontrolle, tat- sporadisch Karotischirurgie betrieben sächlich signifikant ist. In der wird, nicht bekannt ist. Außerdem Literatur Tabelle 6 werden mit intraoperativer darf nicht vergessen werden, daß Aus- Kontrolle 3,6% neurologisches Defi- 1. Von Sommoggy S (1996) Qualitäts- bildung überwiegend in Kliniken mit zit angegeben (49 Fälle von 1358 sicherung mit dem Tracereingriff entsprechend großem Operationsauf- operierten) gegenüber einem rechne- „Karotis-TEA“. Pilotprojekt der DGG. kommen betrieben wird. rischen Rest von 289 Fällen bei 6174 Gefässchirurgie 1: 161 Operationen ohne intraoperative G. Torsello Zu 2.) Wertigkeit der intraoperativen Kontrolle, was einem Prozentsatz Klinik für Gefäßchirurgie, Phlebologie, Kontrolle. von 4,7 entspricht. Für eine Klarstel- St. Franziskus-Hospital GmbH, Herr Kollege Krause hat offen- lung wäre ich dankbar. Postfach 5923, D-48136 Münster sichtlich übersehen, daß das neurolo- U. Krause gische Defizit der angiograpisch kon- Allgemein-, Unfall- und Gefäßchirurgie, trollierten Rekonstruktionen 4,6% be- Chirurgische Klinik, trägt, und daß Chirurgen, die sonst in- Städtisches Krankenhaus, traoperativ routinemäßig nicht kon- Paracelsusstraße 1–9 D-38259 Salzgitter trollieren, bei schwierigen Rekon- struktionen doch auf intraoperative Kontrollmaßnahmen zurückgreifen. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Gefässchirurgie Springer Journals

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Springer-Verlag
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Copyright © 1998 by Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Subject
Medicine & Public Health; Vascular Surgery
ISSN
0948-7034
D.O.I.
10.1007/PL00010504
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Abstract

Gefässchirurgie (1998) 3: 128 Springer-Verlag 1998 BRIEFE AN DIE HERAUSGEBER UND DISKUSSION Bei einigen Patienten wurde eine an- Kommentar des Autors Projekt „Qualitätssicherung giographische Kontrolle während und Karotischirurgie“ nach Durchführung einer intraoperati- Ziel der o.g. Arbeit war eine der Deutschen Gesellschaft ven Zusatzmaßnahme (z. B. Lyse, Di- Bestandsaufnahme der Karotischir- urgie in 141 Zentren unter dem Ge- latation, Stent) durchgeführt. Das für Gefäßchirurgie – hohe neurologische Defizit dieser sichtspunkt der gesetzlich geforder- Zwischenauswertung nach Gruppe (11,7%) erklärt auch die über- ten Qualitätssicherung darzustellen. 7534 Rekonstruktionen Es handelt sich somit nicht um eine raschenden Ergebnisse des Pilotpro- jekts „Karotis“, bei dem die kontrol- Studie, sondern um eine möglichst Gefässchirurgie (1997) 187–195 lierten Rekonstruktionen mit einer objektive Darstellung der prä-, intra- und postoperativen Daten von einem höheren neurologischen Morbidität Der o.g. Artikel, die Zwischenaus- belastet waren [1]. heterogenen Krankengut. Zusammenfassend muß festgestellt wertung der Projektstudie „Qua- Eine statistische Aufarbeitung litätssicherung Karotischirurgie“ der dieser Daten mit dem Versuch, signi- werden, daß wegen der Heterogenität DGG ist nicht nur sehr informativ, der gesammelten Daten die Gefahr ei- fikante Unterschiede zwischen zwei ner Fehldeutung äußerst groß ist, vor sondern zeigt auch einige überra- Gruppen festzustellen, birgt die Ge- schende Ergebnisse. Als in einem fahr einer Fehlinterpretation der Er- allem wenn ein Vergleich ohne Risi- kleinen Haus tätiger Gefäßchirurg koadjustierung erfolgt. Wie in der Ar- gebnisse. Die daraus resultierenden beit betont, müssen das Risikoprofil scheint mir wichtig hervorzuheben, Schlußfolgerungen hätten keinen daß für die sog. Kleinen Zentren wissenschaftlichen Wert und könnten des Patienten, aber auch die Struktur (kleiner als 50 Operationen pro Jahr) und die Versorgungsstufe des behan- außerdem untragbare, gesundheits- delnden Zentrums berücksichtigt wer- gleiche Letalitäts- und Morbiditäts- politische und forensische Konse- raten gefunden wurden. quenzen zur Folge haben. Ein Bei- den. Leider fehlen statistische Anga- Obwohl die Versuchung, diesen spiel dieser Fehlinterpretation liefert großen Datensatz statistisch zu bear- ben (sprich Signifikanztest) völlig, der Leserbrief von Herrn Kollege so daß einige vom Autor gezogene Krause. beiten, groß ist, dürfen auf keinen Fall Schlüsse zumindest gewagt erschei- „Äpfel mit Birnen“ verglichen wer- Zu 1.) „Letalitäts- und Morbiditätsra- den. Voreilige Schlüsse können dem nen. Gerade unter dem Aspekt des ten in Zentren mit großem und klei- kleinen Hauses erscheint es doch Chirurgen nur schaden. Auch im Hin- nem Operationsaufkommen im Caro- wesentlich festzuhalten, ob der Un- blick auf mögliche forensische Konse- tisgebiet sind gleich . . .“ quenzen müssen die bei dieser Erhe- terschied in der perioperativen Mor- Eine solche Aussage ist zumindest bidität (neurologisches Defizit) zwi- bungsaktion gewonnenen Daten um- gewagt, da die Komplikationsrate der schen Kliniken, die eine intraopera- sichtig behandelt werden. an Qualitätssicherungsaktivitäten tive Kontrolle vornehmen, gegen- nicht teilnehmenden Kliniken, wo nur über solchen ohne Kontrolle, tat- sporadisch Karotischirurgie betrieben sächlich signifikant ist. In der wird, nicht bekannt ist. Außerdem Literatur Tabelle 6 werden mit intraoperativer darf nicht vergessen werden, daß Aus- Kontrolle 3,6% neurologisches Defi- 1. Von Sommoggy S (1996) Qualitäts- bildung überwiegend in Kliniken mit zit angegeben (49 Fälle von 1358 sicherung mit dem Tracereingriff entsprechend großem Operationsauf- operierten) gegenüber einem rechne- „Karotis-TEA“. Pilotprojekt der DGG. kommen betrieben wird. rischen Rest von 289 Fällen bei 6174 Gefässchirurgie 1: 161 Operationen ohne intraoperative G. Torsello Zu 2.) Wertigkeit der intraoperativen Kontrolle, was einem Prozentsatz Klinik für Gefäßchirurgie, Phlebologie, Kontrolle. von 4,7 entspricht. Für eine Klarstel- St. Franziskus-Hospital GmbH, Herr Kollege Krause hat offen- lung wäre ich dankbar. Postfach 5923, D-48136 Münster sichtlich übersehen, daß das neurolo- U. Krause gische Defizit der angiograpisch kon- Allgemein-, Unfall- und Gefäßchirurgie, trollierten Rekonstruktionen 4,6% be- Chirurgische Klinik, trägt, und daß Chirurgen, die sonst in- Städtisches Krankenhaus, traoperativ routinemäßig nicht kon- Paracelsusstraße 1–9 D-38259 Salzgitter trollieren, bei schwierigen Rekon- struktionen doch auf intraoperative Kontrollmaßnahmen zurückgreifen.

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GefässchirurgieSpringer Journals

Published: May 18, 1998

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