Paradigmenwechsel in der gewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik

Paradigmenwechsel in der gewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik Leitartikel DOI: 10.1007/s10273-017-2173-7 Paradigmenwechsel in der gewerk- schaftlichen Arbeitszeitpolitik Nach der Auseinandersetzung um die 35-Stunden-Woche konzentrierte sich die IG Metall weit mehr als ein Jahrzehnt vorrangig auf Lohnforderungen. Das kann Öko- nomen nicht wirklich überraschen. Der Grenznutzen von Lohnzuwächsen liegt über dem weiterer Arbeitszeitverkürzungen, wenn man viele Jahre zugunsten kürzerer Arbeitszeit auf mehr Geld verzichten musste. Zudem waren die IG Metall und ihre Mitglieder vom Kampf um die 35-Stunden-Woche und den vielen unerwünschten Flexibilitätskompromissen bei der Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung erschöpft. Außerdem gab es andere Großprojekte, die lange vernachlässigt worden waren, wie die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen gemeinsamen Entgelttarifverträge für Arbeiter und Angestellte in der Metallindustrie. Die Neueinstufung von mehreren Millionen Beschäftigten dauerte mehrere Jahre, über die auch die Kosten der Gleich- stellung von Arbeitern und Angestellten verteilt werden mussten. Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Die IG Metall will die Arbeits- zeit wieder zum zentralen Thema der nächsten Tarifrunde machen. Dafür gibt es gute Gründe. Die 35-Stunden-Woche ist in vielen Betrieben ausgehöhlt worden. In ihrer gigantischen aktuellen Befragung von fast 700 000 Beschäftigten, kommt die IG Me- Prof. Dr. Gerhard Bosch tall zu dem ernüchternden Ergebnis, dass mittlerweile nur noch weniger als die Hälfte der http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Wirtschaftsdienst Springer Journals

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Publisher
Springer Berlin Heidelberg
Copyright
Copyright © 2017 by ZBW and Springer-Verlag GmbH Deutschland
Subject
Economics; Political Economy/Economic Policy; Labor Economics; Macroeconomics/Monetary Economics//Financial Economics; Social Policy; European Integration
ISSN
0043-6275
eISSN
1613-978X
D.O.I.
10.1007/s10273-017-2173-7
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Abstract

Leitartikel DOI: 10.1007/s10273-017-2173-7 Paradigmenwechsel in der gewerk- schaftlichen Arbeitszeitpolitik Nach der Auseinandersetzung um die 35-Stunden-Woche konzentrierte sich die IG Metall weit mehr als ein Jahrzehnt vorrangig auf Lohnforderungen. Das kann Öko- nomen nicht wirklich überraschen. Der Grenznutzen von Lohnzuwächsen liegt über dem weiterer Arbeitszeitverkürzungen, wenn man viele Jahre zugunsten kürzerer Arbeitszeit auf mehr Geld verzichten musste. Zudem waren die IG Metall und ihre Mitglieder vom Kampf um die 35-Stunden-Woche und den vielen unerwünschten Flexibilitätskompromissen bei der Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung erschöpft. Außerdem gab es andere Großprojekte, die lange vernachlässigt worden waren, wie die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen gemeinsamen Entgelttarifverträge für Arbeiter und Angestellte in der Metallindustrie. Die Neueinstufung von mehreren Millionen Beschäftigten dauerte mehrere Jahre, über die auch die Kosten der Gleich- stellung von Arbeitern und Angestellten verteilt werden mussten. Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Die IG Metall will die Arbeits- zeit wieder zum zentralen Thema der nächsten Tarifrunde machen. Dafür gibt es gute Gründe. Die 35-Stunden-Woche ist in vielen Betrieben ausgehöhlt worden. In ihrer gigantischen aktuellen Befragung von fast 700 000 Beschäftigten, kommt die IG Me- Prof. Dr. Gerhard Bosch tall zu dem ernüchternden Ergebnis, dass mittlerweile nur noch weniger als die Hälfte der

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Published: Aug 15, 2017

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