Neues Adjuvans für Krebsimpfstoffe

Neues Adjuvans für Krebsimpfstoffe aktuell Personalisierte Medizin: Motor der Tumortherapie oder uneinlösbares Versprechen? Verbesser t die personalisier te Medizin die Versor- wenige klinische Daten“, kritisierte Müller. Allein aus der mo - gung von Patienten mit Tumorerkrankungen wirk- lekularen IdentiŒzierung behandelbarer Mutationen den OŽ- lich? Oder werden die Erwar tungen, die sich für Label-Gebrauch der entsprechenden zielgerichteten Substan- Patienten mit maßgeschneider ten Therapien verbin- zen in der Routineversorgung abzuleiten, sei auf Basis der der- den, eher nicht er füllt? Zu diesen Fragen fand im zeitigen Evidenz aus Studien nicht zu rechtfertigen. Dazu kä- Rahmen der Jahrestagung eine Pro-Contra-Debatte men die immensen Kosten für die personalisierte Medizin und unter der Moderation von Prof. Matthias Schwab die Gefahr, dass etablierte Standardtherapien zu leicht über- vom Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klini- gangen werden. sche Pharmakologie, Stuttgar t, statt. Ergänzend gab Müller zu bedenken, dass ein großer Teil der zielgerichteten WirkstoŽe lediglich eine partielle Inhibition des entsprechenden Signalwegs vermittle, eine Kombination ver- Hinter dem Schlagwort der personalisierten Medizin steht die schiedener WirkstoŽe aufgrund von Toxizitätsproblemen aber Idee, das Wissen um die molekularen Prozesse des Lebens und ausgeschlossen sei. Müller betonte jedoch auch, dass die Wirk- die individuellen Patientencharakteristika insbesondere in der samkeit zielgerichteter �erapien gegen bestimmte molekulare Onkologie für eine maßgeschneiderte Prävention, Diagnose und Strukturen bei deŒnierten Tumorentitäten durch klinische Stu- �erapie nutzbar zu machen. dien gut belegt und ihr Einsatz in diesem Kontext selbstver- ständlich sinnvoll sei: „Generell sollte das Potenzial der perso- Schwache Datenlage – zu hohe Kosten nalisierten Medizin für präzise deŒnierte Entitäten in diesem PD Dr. Dr. Martin Müller, Universitätsklinikum Tübingen, Sinne weiter in Studien evaluiert werden“, forderte der Häma- vertrat in der Pro-Contra-Debatte die Ansicht, dass die derzei- to-Onkologe. tige Datenlage das Ausmaß, in dem für den Einsatz der Strate - gie zur Tumorbehandlung geworben werde, keinesfalls recht- Eine klare Erfolgsgeschichte fertige: „Die personalisierte Medizin ist ein Hype“, so der Prof. Stefan Fröhling, Nationales Centrum für Tumorerkran- Hämato-Onkologe: „Zumindest dann, wenn unter dem Schlag- kungen (NCT) Heidelberg, vertrat dagegen die Ansicht, dass wort der Einsatz zielgerichteter �erapien gegen im Tumorge- eine tiefe und breite molekulare Charakterisierung individuel- nom detektierte Aberrationen unabhängig vom histologischen ler Tumorerkrankungen großes Potenzial besitze, um letztend- Ursprung des Tumors verstanden wird. Hierzu existieren nur lich die Behandlung eines sehr großen Spektrums an Krebs- krankheiten zu verbessern. „Die personalisierte Medizin – oder anders gesagt die Biomarker-stratiŒzierte Onkologie, Präzisi- onsmedizin oder Präzisionsonkologie – ist keine neue Strategie. Genetische Analysen bestimmen das klinische Handeln in der Neues Adjuvans für Krebsimpfsto Onkologie schon lange, wie etwa bei der chronischen myeloi- So erfolgreich die bisherige Entwicklung der Checkpoint-Inhibitoren schen Leukämie mit dem Philadelphia-Chromosom. Mit des- auch ist, nur ein Teil der Krebspatienten wird vermutlich von diesem im- sen Entdeckung wurde die Behandlung der Erkrankung revo- munonkologischen Ansatz profitieren, wie Prof. Hans-Georg Rammen- lutioniert“, sagte der Biochemiker und Mediziner. Die persona - see, Universitätsklinikum Tübingen, berichtete. So ruht weiterhin die lisierte Medizin sei eine Erfolgsgeschichte. Hoffnung auf der Entwicklung von Krebsimpfstoffen. Die Schwierigkeit Eine tiefere und breitere genetische Analytik sei sinnvoll, weil besteht allerdings meist darin, dass gerade bei therapeutischen Impf- mittlerweile zwar die meisten häuŒgen tumortreibenden Muta- stoffen, die aus mehreren Peptiden bestehen, die Immunantwort nur schwach ausgeprägt ist, wenn sie nicht gleichzeitig mit einem Adjuvans tionen bekannt sind, nicht jedoch die rekurrenten Treibermu- verabreicht werden. Versuche etwa mit Montaniden wie ISA51 waren tationen, die bei weniger als 5 % der Patienten in einer klassi- bisher nicht zufriedenstellend. Die Arbeitsgruppe um Rammensee hat schen Tumorentität vorkommen. „Ein solcher Ansatz, mit dem deshalb ein neues Adjuvans ent wickelt, das Lipopeptid XS15. Der Vor teil: seltene Treibermutationen erfasst und komplexe Biomarker ab- Die für die Vak zinierung verwendeten Peptide verbinden sich nicht ko- gebildet werden, eröŽnet zusätzliche therapeutische Chancen, valent mit den Lipopeptiden des Adjuvans, sondern werden von ihnen gerade auch für jüngere Patienten mit fortgeschrittenen, aus- nur umschlossen. therapierten seltenen Tumorerkrankungen, für die kein Be- Getestet wurde das Adjuvans bei Gesunden und unter anderem bei Pati- handlungsstandard existiert, wie zum Beispiel Knochen- und enten mit einem myelodysplastischen Syndrom. Wie Rammensee berich- Weichgewebesarkome“, so Fröhling. Er sei der Ansicht, betonte tete, induzieren Peptidvak zine, die mit dem XS15 verabreicht werden, eine starke CD8- und CD4-T-Helferzellantwort nach nur einer einzigen Injek- Fröhling abschließend, dass in nicht allzu ferner ZukunŸ auch tion. Die Peptide seien noch mindestens sieben Wochen nach der Vak zi- chirurgische EingriŽe von genetischer StratiŒzierung proŒtie- nierung nachweisbar, und die Immunantwort halte mindestens ein Jahr ren könnten. Dr. Silke Wedekind an. Studien mit dem neuen Adjuvans seien geplant. Die Zukunft der Tumorvakzinentwicklung liege darin, die geeigneten patientenspezifi- schen Peptide zu finden, mit einem starken Adjuvans zu verabreichen und Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren danach am besten noch mit Gesellschaf ten für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Checkpoint-Inhibitoren zu behandeln. Peter Leiner 29.9. bis 3.10.2017 in Stuttgart 56 GASTRO-NEWS 2017; 04 (2) http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Gastro-News Springer Journals

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Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Medicine & Public Health; Gastroenterology; Internal Medicine; Hepatology; Colorectal Surgery
ISSN
1869-1005
eISSN
2520-8667
D.O.I.
10.1007/s15036-017-0291-0
Publisher site
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Abstract

aktuell Personalisierte Medizin: Motor der Tumortherapie oder uneinlösbares Versprechen? Verbesser t die personalisier te Medizin die Versor- wenige klinische Daten“, kritisierte Müller. Allein aus der mo - gung von Patienten mit Tumorerkrankungen wirk- lekularen IdentiŒzierung behandelbarer Mutationen den OŽ- lich? Oder werden die Erwar tungen, die sich für Label-Gebrauch der entsprechenden zielgerichteten Substan- Patienten mit maßgeschneider ten Therapien verbin- zen in der Routineversorgung abzuleiten, sei auf Basis der der- den, eher nicht er füllt? Zu diesen Fragen fand im zeitigen Evidenz aus Studien nicht zu rechtfertigen. Dazu kä- Rahmen der Jahrestagung eine Pro-Contra-Debatte men die immensen Kosten für die personalisierte Medizin und unter der Moderation von Prof. Matthias Schwab die Gefahr, dass etablierte Standardtherapien zu leicht über- vom Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klini- gangen werden. sche Pharmakologie, Stuttgar t, statt. Ergänzend gab Müller zu bedenken, dass ein großer Teil der zielgerichteten WirkstoŽe lediglich eine partielle Inhibition des entsprechenden Signalwegs vermittle, eine Kombination ver- Hinter dem Schlagwort der personalisierten Medizin steht die schiedener WirkstoŽe aufgrund von Toxizitätsproblemen aber Idee, das Wissen um die molekularen Prozesse des Lebens und ausgeschlossen sei. Müller betonte jedoch auch, dass die Wirk- die individuellen Patientencharakteristika insbesondere in der samkeit zielgerichteter �erapien gegen bestimmte molekulare Onkologie für eine maßgeschneiderte Prävention, Diagnose und Strukturen bei deŒnierten Tumorentitäten durch klinische Stu- �erapie nutzbar zu machen. dien gut belegt und ihr Einsatz in diesem Kontext selbstver- ständlich sinnvoll sei: „Generell sollte das Potenzial der perso- Schwache Datenlage – zu hohe Kosten nalisierten Medizin für präzise deŒnierte Entitäten in diesem PD Dr. Dr. Martin Müller, Universitätsklinikum Tübingen, Sinne weiter in Studien evaluiert werden“, forderte der Häma- vertrat in der Pro-Contra-Debatte die Ansicht, dass die derzei- to-Onkologe. tige Datenlage das Ausmaß, in dem für den Einsatz der Strate - gie zur Tumorbehandlung geworben werde, keinesfalls recht- Eine klare Erfolgsgeschichte fertige: „Die personalisierte Medizin ist ein Hype“, so der Prof. Stefan Fröhling, Nationales Centrum für Tumorerkran- Hämato-Onkologe: „Zumindest dann, wenn unter dem Schlag- kungen (NCT) Heidelberg, vertrat dagegen die Ansicht, dass wort der Einsatz zielgerichteter �erapien gegen im Tumorge- eine tiefe und breite molekulare Charakterisierung individuel- nom detektierte Aberrationen unabhängig vom histologischen ler Tumorerkrankungen großes Potenzial besitze, um letztend- Ursprung des Tumors verstanden wird. Hierzu existieren nur lich die Behandlung eines sehr großen Spektrums an Krebs- krankheiten zu verbessern. „Die personalisierte Medizin – oder anders gesagt die Biomarker-stratiŒzierte Onkologie, Präzisi- onsmedizin oder Präzisionsonkologie – ist keine neue Strategie. Genetische Analysen bestimmen das klinische Handeln in der Neues Adjuvans für Krebsimpfsto Onkologie schon lange, wie etwa bei der chronischen myeloi- So erfolgreich die bisherige Entwicklung der Checkpoint-Inhibitoren schen Leukämie mit dem Philadelphia-Chromosom. Mit des- auch ist, nur ein Teil der Krebspatienten wird vermutlich von diesem im- sen Entdeckung wurde die Behandlung der Erkrankung revo- munonkologischen Ansatz profitieren, wie Prof. Hans-Georg Rammen- lutioniert“, sagte der Biochemiker und Mediziner. Die persona - see, Universitätsklinikum Tübingen, berichtete. So ruht weiterhin die lisierte Medizin sei eine Erfolgsgeschichte. Hoffnung auf der Entwicklung von Krebsimpfstoffen. Die Schwierigkeit Eine tiefere und breitere genetische Analytik sei sinnvoll, weil besteht allerdings meist darin, dass gerade bei therapeutischen Impf- mittlerweile zwar die meisten häuŒgen tumortreibenden Muta- stoffen, die aus mehreren Peptiden bestehen, die Immunantwort nur schwach ausgeprägt ist, wenn sie nicht gleichzeitig mit einem Adjuvans tionen bekannt sind, nicht jedoch die rekurrenten Treibermu- verabreicht werden. Versuche etwa mit Montaniden wie ISA51 waren tationen, die bei weniger als 5 % der Patienten in einer klassi- bisher nicht zufriedenstellend. Die Arbeitsgruppe um Rammensee hat schen Tumorentität vorkommen. „Ein solcher Ansatz, mit dem deshalb ein neues Adjuvans ent wickelt, das Lipopeptid XS15. Der Vor teil: seltene Treibermutationen erfasst und komplexe Biomarker ab- Die für die Vak zinierung verwendeten Peptide verbinden sich nicht ko- gebildet werden, eröŽnet zusätzliche therapeutische Chancen, valent mit den Lipopeptiden des Adjuvans, sondern werden von ihnen gerade auch für jüngere Patienten mit fortgeschrittenen, aus- nur umschlossen. therapierten seltenen Tumorerkrankungen, für die kein Be- Getestet wurde das Adjuvans bei Gesunden und unter anderem bei Pati- handlungsstandard existiert, wie zum Beispiel Knochen- und enten mit einem myelodysplastischen Syndrom. Wie Rammensee berich- Weichgewebesarkome“, so Fröhling. Er sei der Ansicht, betonte tete, induzieren Peptidvak zine, die mit dem XS15 verabreicht werden, eine starke CD8- und CD4-T-Helferzellantwort nach nur einer einzigen Injek- Fröhling abschließend, dass in nicht allzu ferner ZukunŸ auch tion. Die Peptide seien noch mindestens sieben Wochen nach der Vak zi- chirurgische EingriŽe von genetischer StratiŒzierung proŒtie- nierung nachweisbar, und die Immunantwort halte mindestens ein Jahr ren könnten. Dr. Silke Wedekind an. Studien mit dem neuen Adjuvans seien geplant. Die Zukunft der Tumorvakzinentwicklung liege darin, die geeigneten patientenspezifi- schen Peptide zu finden, mit einem starken Adjuvans zu verabreichen und Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren danach am besten noch mit Gesellschaf ten für Hämatologie und Medizinische Onkologie, Checkpoint-Inhibitoren zu behandeln. Peter Leiner 29.9. bis 3.10.2017 in Stuttgart 56 GASTRO-NEWS 2017; 04 (2)

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Gastro-NewsSpringer Journals

Published: Dec 1, 2017

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