Nachtrag

Nachtrag Monatsschr Kinderheilkd Leserforum 2001 · 149 :823 © Springer-Verlag 2001 Nach Redaktionsschluss für das Juniheft Kinder- und Jugendheilkunde an die Zu fragen bleibt also, warum es in der Monatsschrift Kinderheilkunde, in geänderten Verhältnisse in Angriff ge- Anbetracht dieser Fakten unschicklich dem der Briefwechsel zum Essay von nommen worden. Dabei wurde deutlich, sein soll (oder sogar versteckt fremden- O. Tönz aus der Oktoberausgabe 2000 wie schwierig es ist, die notwendige feindlich und fortschrittsfeindlich), wenn erschien, erreichte die Schriftleitung der Balance zwischen dem Bewahren des O. Tönz die Immigration aus „kultur- folgende Beitrag von Prof. Gadner/Wien. Überkommenen und dem radikalen fremden Räumen“ (ohne entsprechende Wir drucken ihn ohne Kommentar ab, da Aufbruch zu neuem Selbstverständnis, Immigrationsbemühungen), das geän- unserer Ansicht nach die Meinung der das den vielschichtig veränderten sozio- derte Selbstverständnis der Frau, die Schriftleitung in Heft 6 ausreichend logischen, demographischen und öko- Wohlstandsgesellschaft, den beängsti- wiedergegeben wurde. nomischen Gegebenheiten Rechnung genden Einfluss der Medien auf unser Die Schriftleitung trägt, zu wahren. Denken und Tun und den Verlust der In dem Artikel von O. Tönz wird staatlichen und kirchlichen Autorität als sowohl der Darlegung der Ursachen für mögliche Ursachen für eine „Gefährdung Der negative Kommentar von O. Ipsi- den Rückgang der Fertilität als auch der abendländischen Kultur“ anführt. roglu et al. zum Essay von O. Tönz in der dem Aufzeigen von Maßnahmen zur Ge- Die Frage der Schuldhaftigkeit wird Monatsschrift Kinderheilkunde (148: gensteuerung Rechnung getragen. Dass vom Autor bewusst nicht berührt, ihn 917–923 [2000]), der den Inhalt eines dabei persönliche Einsichten und Über- interessieren die Fakten. Ob es die Ge- vielbeachteten Festvortrages während legungen einfließen, ist das gute Recht sellschaftspolitik ist, die traditionellen der Jahrestagung der Österreichischen des Autors, der nicht angetreten ist (und Zwänge, der Leistungsdruck oder ein- Gesellschaft für Kinder- und Jugend- auch nicht den Auftrag hatte), eine offi- fach die Frau, die sich das Recht nimmt, heilkunde in Linz (September 1999) zielle Sichtweise der Fachgesellschaft zu aus einer überfordernden Situation aus- wiedergibt, kann nicht unwiderspro- präsentieren. zusteigen, diese Überlegungen bleiben chen bleiben und veranlasst mich als Auch den Vorwurf der „unter dem dem Leser überlassen. damals verantwortlicher Präsident der Deckmantel der Analyse politisch sehr In einer konstruktiven Gegendar- Österreichischen Gesellschaft und Ta- nachdenklich stimmenden Statements“ stellung wäre die Auflistung anderer gungspräsident, eine Stellungnahme zu kann nicht unwidersprochen bleiben. Sichtweisen spannend gewesen, z.B. was versuchen. Eine wie auch immer geartete Analyse die Rollenentwicklung der Frau anbe- Das Thema „Kindsein und Kinder- möglicher Ursachen wird in Anbetracht langt oder wie die Angst vor Überfrem- haben an der Zeitenwende“ passte her- der Komplexität des Geschehens dung wirksam abgefangen werden vorragend zum Motto der österreichi- zwangsläufig nicht den Anspruch auf könnte. Leider haben sich die Autoren schen Jahrestagung „Kinder- und Ju- Vollständigkeit erreichen können. Plau- O. Ipsiroglu et al. in ihrer Gegendarstel- gendheilkunde an der Schwelle zum sibel erscheint aber, dass nicht nur das lung auf emotionale Argumente einge- dritten Jahrtausend“ und fokusierte ein- geänderte Selbstverständnis der Frau in lassen, die nicht frei von Unterstellungen drücklich ein seit Jahrzehnten mit Sorge unserer Gesellschaft, sondern auch die sind. Ihre Kritik entbehrt einer sach- beobachtetes und viel diskutiertes Phä- geänderte Einstellung der jungen Er- lichen sowie ergänzenden Argumenta- nomen, nämlich den unaufhaltsamen wachsenen zum Sinn des Lebens sowie tion, wodurch eine sinnvolle und der Rückgang der Geburtenrate mit all sei- die daraus erwachsende ökonomische Komplexität des Themas entsprechende nen Konsequenzen für den Kinder- und Enge zu dem Jetztzustand beigetragen inhaltliche Diskussion hätte eröffnet Jugendarzt und die Gesellschaft. Tatsa- haben. In dieses Szenario passt auch, werden können. che ist, dass durch den Geburtenrück- dass kein Tag vergeht, an dem nicht eine In einer Zeit der Neufindung unse- gang das tradierte Selbstverständnis des Stellungnahme oder ein Artikel über die res Welt- und Berufsbildes durch Anpas- Kinderarztes sowie bestehende Einrich- Notwendigkeit der Öffnung von Gren- sungen an unumstößliche äußere Gege- tungen der kinderärztlichen Versorgung zen für Immigranten erscheint, die für benheiten ist eine polemisch geführte, bedroht sind (wir erleben dies in unse- die Wirtschaft unabdingbar sind, um die auf emotionalem Erleben begründete rem beruflichen Alltag täglich). Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten (siehe Kritik wenig hilfreich. Nicht von ungefähr ist also während hierzu auch den Artikel von Rainer der vergangenen Jahre wiederholt die Münz „Verzweifelt gesucht: mehr Men- Univ.Prof. Dr. H. Gadner Frage einer Neudefinition des Berufsbil- schen“, Die Zeit vom 26. April 2001, oder Vizepräsident der Österreichischen Gesell- schaft für Kinder- und Jugendheilkunde, des des Kinder- und Jugendarztes erör- Klaus J. Bade „Seid nicht zu euphorisch“, Zentrum für Kinder- und Jugendheilkunde, tert und die Anpassung des Leitbildes Die Zeit vom 3. Mai 2001). Kinderspitalgasse 6, A-1090 Wien der Österreichischen Gesellschaft für Monatsschrift Kinderheilkunde 8•2001 823 http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Monatsschrift Kinderheilkunde Springer Journals

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Publisher
Springer Berlin Heidelberg
Copyright
Copyright © 2001 by Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Subject
Medicine & Public Health; Pediatrics; General Practice / Family Medicine
ISSN
0026-9298
eISSN
1433-0474
D.O.I.
10.1007/s001120170111
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Abstract

Monatsschr Kinderheilkd Leserforum 2001 · 149 :823 © Springer-Verlag 2001 Nach Redaktionsschluss für das Juniheft Kinder- und Jugendheilkunde an die Zu fragen bleibt also, warum es in der Monatsschrift Kinderheilkunde, in geänderten Verhältnisse in Angriff ge- Anbetracht dieser Fakten unschicklich dem der Briefwechsel zum Essay von nommen worden. Dabei wurde deutlich, sein soll (oder sogar versteckt fremden- O. Tönz aus der Oktoberausgabe 2000 wie schwierig es ist, die notwendige feindlich und fortschrittsfeindlich), wenn erschien, erreichte die Schriftleitung der Balance zwischen dem Bewahren des O. Tönz die Immigration aus „kultur- folgende Beitrag von Prof. Gadner/Wien. Überkommenen und dem radikalen fremden Räumen“ (ohne entsprechende Wir drucken ihn ohne Kommentar ab, da Aufbruch zu neuem Selbstverständnis, Immigrationsbemühungen), das geän- unserer Ansicht nach die Meinung der das den vielschichtig veränderten sozio- derte Selbstverständnis der Frau, die Schriftleitung in Heft 6 ausreichend logischen, demographischen und öko- Wohlstandsgesellschaft, den beängsti- wiedergegeben wurde. nomischen Gegebenheiten Rechnung genden Einfluss der Medien auf unser Die Schriftleitung trägt, zu wahren. Denken und Tun und den Verlust der In dem Artikel von O. Tönz wird staatlichen und kirchlichen Autorität als sowohl der Darlegung der Ursachen für mögliche Ursachen für eine „Gefährdung Der negative Kommentar von O. Ipsi- den Rückgang der Fertilität als auch der abendländischen Kultur“ anführt. roglu et al. zum Essay von O. Tönz in der dem Aufzeigen von Maßnahmen zur Ge- Die Frage der Schuldhaftigkeit wird Monatsschrift Kinderheilkunde (148: gensteuerung Rechnung getragen. Dass vom Autor bewusst nicht berührt, ihn 917–923 [2000]), der den Inhalt eines dabei persönliche Einsichten und Über- interessieren die Fakten. Ob es die Ge- vielbeachteten Festvortrages während legungen einfließen, ist das gute Recht sellschaftspolitik ist, die traditionellen der Jahrestagung der Österreichischen des Autors, der nicht angetreten ist (und Zwänge, der Leistungsdruck oder ein- Gesellschaft für Kinder- und Jugend- auch nicht den Auftrag hatte), eine offi- fach die Frau, die sich das Recht nimmt, heilkunde in Linz (September 1999) zielle Sichtweise der Fachgesellschaft zu aus einer überfordernden Situation aus- wiedergibt, kann nicht unwiderspro- präsentieren. zusteigen, diese Überlegungen bleiben chen bleiben und veranlasst mich als Auch den Vorwurf der „unter dem dem Leser überlassen. damals verantwortlicher Präsident der Deckmantel der Analyse politisch sehr In einer konstruktiven Gegendar- Österreichischen Gesellschaft und Ta- nachdenklich stimmenden Statements“ stellung wäre die Auflistung anderer gungspräsident, eine Stellungnahme zu kann nicht unwidersprochen bleiben. Sichtweisen spannend gewesen, z.B. was versuchen. Eine wie auch immer geartete Analyse die Rollenentwicklung der Frau anbe- Das Thema „Kindsein und Kinder- möglicher Ursachen wird in Anbetracht langt oder wie die Angst vor Überfrem- haben an der Zeitenwende“ passte her- der Komplexität des Geschehens dung wirksam abgefangen werden vorragend zum Motto der österreichi- zwangsläufig nicht den Anspruch auf könnte. Leider haben sich die Autoren schen Jahrestagung „Kinder- und Ju- Vollständigkeit erreichen können. Plau- O. Ipsiroglu et al. in ihrer Gegendarstel- gendheilkunde an der Schwelle zum sibel erscheint aber, dass nicht nur das lung auf emotionale Argumente einge- dritten Jahrtausend“ und fokusierte ein- geänderte Selbstverständnis der Frau in lassen, die nicht frei von Unterstellungen drücklich ein seit Jahrzehnten mit Sorge unserer Gesellschaft, sondern auch die sind. Ihre Kritik entbehrt einer sach- beobachtetes und viel diskutiertes Phä- geänderte Einstellung der jungen Er- lichen sowie ergänzenden Argumenta- nomen, nämlich den unaufhaltsamen wachsenen zum Sinn des Lebens sowie tion, wodurch eine sinnvolle und der Rückgang der Geburtenrate mit all sei- die daraus erwachsende ökonomische Komplexität des Themas entsprechende nen Konsequenzen für den Kinder- und Enge zu dem Jetztzustand beigetragen inhaltliche Diskussion hätte eröffnet Jugendarzt und die Gesellschaft. Tatsa- haben. In dieses Szenario passt auch, werden können. che ist, dass durch den Geburtenrück- dass kein Tag vergeht, an dem nicht eine In einer Zeit der Neufindung unse- gang das tradierte Selbstverständnis des Stellungnahme oder ein Artikel über die res Welt- und Berufsbildes durch Anpas- Kinderarztes sowie bestehende Einrich- Notwendigkeit der Öffnung von Gren- sungen an unumstößliche äußere Gege- tungen der kinderärztlichen Versorgung zen für Immigranten erscheint, die für benheiten ist eine polemisch geführte, bedroht sind (wir erleben dies in unse- die Wirtschaft unabdingbar sind, um die auf emotionalem Erleben begründete rem beruflichen Alltag täglich). Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten (siehe Kritik wenig hilfreich. Nicht von ungefähr ist also während hierzu auch den Artikel von Rainer der vergangenen Jahre wiederholt die Münz „Verzweifelt gesucht: mehr Men- Univ.Prof. Dr. H. Gadner Frage einer Neudefinition des Berufsbil- schen“, Die Zeit vom 26. April 2001, oder Vizepräsident der Österreichischen Gesell- schaft für Kinder- und Jugendheilkunde, des des Kinder- und Jugendarztes erör- Klaus J. Bade „Seid nicht zu euphorisch“, Zentrum für Kinder- und Jugendheilkunde, tert und die Anpassung des Leitbildes Die Zeit vom 3. Mai 2001). Kinderspitalgasse 6, A-1090 Wien der Österreichischen Gesellschaft für Monatsschrift Kinderheilkunde 8•2001 823

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Monatsschrift KinderheilkundeSpringer Journals

Published: Aug 1, 2001

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