Migration als Gefahr für die politische Kultur?

Migration als Gefahr für die politische Kultur? Z Vgl Polit Wiss (2018) 12:297–320 https://doi.org/10.1007/s12286-018-0380-2 AUFSÄTZE Kollektive Identitäten und Religionszugehörigkeit als Herausforderung demokratischer Gemeinschaften Gert Pickel · Susanne Pickel Online publiziert: 23. Januar 2018 © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018 1 Einleitung – Politische Kulturforschung und Integration In der politischen Kulturforschung besitzt der Zusammenhalt der politischen Ge- meinschaft (und damit der Gesellschaft) zentrale Bedeutung für den Erhalt eines politischen Systems (Almond und Verba 1963;Easton 1975). Grund ist die an- genommene Notwendigkeit einer sozialen Integration der Gesellschaftsmitglieder für das Fortbestehen des politischen Systems, eine Annahme, die im Strukturfunk- tionalismus begründet liegt (Parsons 1951;Lipset 1981). Konflikte zwischen den Gesellschaftsmitgliedern und die Gefahr der Desintegration von Bevölkerungstei- len werden als destabilisierend für das politische System und die Gemeinschaft – im strukturfunktionalistischen Sprachgebrauch als dysfunktional – angesehen. Zwar stehen Anhänger konflikttheoretischer Ansätze dieser Ausrichtung des Strukturfunk- tionalismus auf Integration und Systemerhalt skeptisch gegenüber (Coser 1956), doch selbst dort wird Konsensbildungsverfahren und einer institutionellen Einhe- gung von innergesellschaftlichen Konflikten hohe Bedeutung für den gesellschaftli- chen Frieden eingeräumt (Dahrendorf 1959). Auch handlungstheoretische Ansätze sehen soziale Integration (Esser 2000) als Voraussetzung der Schaffung eines stabi- len Rahmens für individuelles Handeln als wichtig an. Nun sind moderne Gesellschaften durch Prozesse http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft Springer Journals

Migration als Gefahr für die politische Kultur?

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Publisher
Springer Journals
Copyright
Copyright © 2018 by Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature
Subject
Social Sciences; Social Sciences, general; Political Science
ISSN
1865-2646
eISSN
1865-2654
D.O.I.
10.1007/s12286-018-0380-2
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Abstract

Z Vgl Polit Wiss (2018) 12:297–320 https://doi.org/10.1007/s12286-018-0380-2 AUFSÄTZE Kollektive Identitäten und Religionszugehörigkeit als Herausforderung demokratischer Gemeinschaften Gert Pickel · Susanne Pickel Online publiziert: 23. Januar 2018 © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018 1 Einleitung – Politische Kulturforschung und Integration In der politischen Kulturforschung besitzt der Zusammenhalt der politischen Ge- meinschaft (und damit der Gesellschaft) zentrale Bedeutung für den Erhalt eines politischen Systems (Almond und Verba 1963;Easton 1975). Grund ist die an- genommene Notwendigkeit einer sozialen Integration der Gesellschaftsmitglieder für das Fortbestehen des politischen Systems, eine Annahme, die im Strukturfunk- tionalismus begründet liegt (Parsons 1951;Lipset 1981). Konflikte zwischen den Gesellschaftsmitgliedern und die Gefahr der Desintegration von Bevölkerungstei- len werden als destabilisierend für das politische System und die Gemeinschaft – im strukturfunktionalistischen Sprachgebrauch als dysfunktional – angesehen. Zwar stehen Anhänger konflikttheoretischer Ansätze dieser Ausrichtung des Strukturfunk- tionalismus auf Integration und Systemerhalt skeptisch gegenüber (Coser 1956), doch selbst dort wird Konsensbildungsverfahren und einer institutionellen Einhe- gung von innergesellschaftlichen Konflikten hohe Bedeutung für den gesellschaftli- chen Frieden eingeräumt (Dahrendorf 1959). Auch handlungstheoretische Ansätze sehen soziale Integration (Esser 2000) als Voraussetzung der Schaffung eines stabi- len Rahmens für individuelles Handeln als wichtig an. Nun sind moderne Gesellschaften durch Prozesse

Journal

Zeitschrift für Vergleichende PolitikwissenschaftSpringer Journals

Published: Jan 23, 2018

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