Männer sterben früher, aber glücklicher

Männer sterben früher, aber glücklicher A K T U E L L E M E D I Z I N . M AG A ZI N Höhere Lebenserwartung von Frauen zahlt sich nicht aus Mancher mag es als ungerecht empŒn- men hat, sondern auch, wie viele der ver - den, dass Männer deutlich früher als bleibenden Jahre in Glück und Zufrie- Frauen zu Grabe getragen werden. Ein denheit verbracht werden. Hierbei zeig- kleiner Trost: Die Jahre, die sie leben, ge- te sich, dass die Frauen in Deutschland nießen sie o¤ensichtlich mehr. Ein Herz- nur jedes zweite Jahr, das sie länger als infarkt aus heiterem Himmel oder Un- Männer leben, subjektiv als ein gutes fälle bei Fahrten mit Tempo 200 auf der einstufen. Autobahn mögen zwar die Lebenserwar- Hinsichtlich der Gründe lassen sich tung deutlich verkürzen, sorgen aber nur Vermutungen anstellen: Frauen füh- auch dafür, dass Männer öer glücklich er len sich o kränker und sind sozial o aus dem Leben scheiden als Frauen. schwächer gestellt. O¤ensichtlich bleibt Das lässt sich jedenfalls aus einer Männern mit ihrer kürzeren Lebenser- europaweiten Untersuchung ableiten, wartung auch vieles erspart. mut Männern gelingt es oenbar besser, die nicht nur die Lebenserwartung heu- das Leben bis zur Neige auszukosten. ■ Solé-Auró A et al. Eur J Public Health 2018, online 8. Mai; doi: 10.1093/eurpub/cky070 tiger 50-Jähriger unter die Lupe genom - 1-Jahres-Mortalität 8 neue Risikofaktoren für Tod nach Hüftfraktur In der EU erlitten im Jahr 2010 insge- der Allgemeinbevölkerung ohne Hü- Universitätsklinik in Madrid weitere samt 620.000 Menschen eine Hüfrak- fraktur. Einige Risikofaktoren wie Alter, Faktoren und Marker. tur. Ein hoher Anteil davon sind Senio- Unterernährung oder Anämie waren be- In die Studie wurden konsekutiv alle ren. Die 1-Jahres-Mortalität nach dem reits bekannt. Nun identiŒzierten spani- Patienten eingeschlossen, die wegen Ereignis variiert zwischen 12 und 35% sche Forscher in einer Kohortenstudie in einer Fragilitätsfraktur der Hüe behan- und liegt damit um 8–18% höher als in der orthopädischen Abteilung einer delt worden waren – insgesamt 509 Menschen im durchschnittlichen Alter von 85,6 Jahren. Im Schnitt blieben sie neun Tage lang in der Klinik. 4,1% der Tab. 1 Risikofaktoren für 1-Jahres-Mortalität nach Hüftfraktur Operierten starben bereits dort. Ein Jahr Risikofaktor Risikoerhöhung nach Entlassung hatte die Mortalitätsra- te dann 23,2% erreicht. Alter > 85 Jahre + 65% Beim Vergleich mit den 1-Jahres- Einschränkungen im Alltag (Barthel-Index ≤ 60 Pkt.) + 55% Überlebenden kristallisierten sich in der Kognitive Einschränkungen (> 3 Fehler in Pfeiffers SPMSQ) + 99% multivariaten Analyse acht unabhän gige Greifkraft < 23 kg (Männer) bzw. < 13 kg (Frauen) + 109% Risikofaktoren für eine signiŒkant er- höhte 1-Jahres-Mortalität heraus (Tab. 1). Body-Mass-Index < 21 kg/m + 71% Das Risiko kletterte um das 5,4-Fache, Herzerkrankung + 48% wenn vier oder fünf Faktoren gleichzei- Vitamin-D-Mangel (< 20 ng/ml) und sekundärer Hyperpara- + 67% tig vorlagen – und um das 11-Fache bei thyreoidismus (PTH ≥ 66 pg/ml) sechs Faktoren. st Hämoglobinwert < 12 g/l (Männer) bzw. < 13 g/l (Frauen) + 55% ■ Menéndez- Colino R et al. Injury. 2018;49:656– 61 MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 9 © Anchiy / Getty Images / iStock http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png MMW - Fortschritte der Medizin Springer Journals

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Publisher
Springer Journals
Copyright
Copyright © 2018 by Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
Subject
Medicine & Public Health; General Practice / Family Medicine; Internal Medicine
ISSN
1438-3276
eISSN
1613-3560
D.O.I.
10.1007/s15006-018-0549-2
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Abstract

A K T U E L L E M E D I Z I N . M AG A ZI N Höhere Lebenserwartung von Frauen zahlt sich nicht aus Mancher mag es als ungerecht empŒn- men hat, sondern auch, wie viele der ver - den, dass Männer deutlich früher als bleibenden Jahre in Glück und Zufrie- Frauen zu Grabe getragen werden. Ein denheit verbracht werden. Hierbei zeig- kleiner Trost: Die Jahre, die sie leben, ge- te sich, dass die Frauen in Deutschland nießen sie o¤ensichtlich mehr. Ein Herz- nur jedes zweite Jahr, das sie länger als infarkt aus heiterem Himmel oder Un- Männer leben, subjektiv als ein gutes fälle bei Fahrten mit Tempo 200 auf der einstufen. Autobahn mögen zwar die Lebenserwar- Hinsichtlich der Gründe lassen sich tung deutlich verkürzen, sorgen aber nur Vermutungen anstellen: Frauen füh- auch dafür, dass Männer öer glücklich er len sich o kränker und sind sozial o aus dem Leben scheiden als Frauen. schwächer gestellt. O¤ensichtlich bleibt Das lässt sich jedenfalls aus einer Männern mit ihrer kürzeren Lebenser- europaweiten Untersuchung ableiten, wartung auch vieles erspart. mut Männern gelingt es oenbar besser, die nicht nur die Lebenserwartung heu- das Leben bis zur Neige auszukosten. ■ Solé-Auró A et al. Eur J Public Health 2018, online 8. Mai; doi: 10.1093/eurpub/cky070 tiger 50-Jähriger unter die Lupe genom - 1-Jahres-Mortalität 8 neue Risikofaktoren für Tod nach Hüftfraktur In der EU erlitten im Jahr 2010 insge- der Allgemeinbevölkerung ohne Hü- Universitätsklinik in Madrid weitere samt 620.000 Menschen eine Hüfrak- fraktur. Einige Risikofaktoren wie Alter, Faktoren und Marker. tur. Ein hoher Anteil davon sind Senio- Unterernährung oder Anämie waren be- In die Studie wurden konsekutiv alle ren. Die 1-Jahres-Mortalität nach dem reits bekannt. Nun identiŒzierten spani- Patienten eingeschlossen, die wegen Ereignis variiert zwischen 12 und 35% sche Forscher in einer Kohortenstudie in einer Fragilitätsfraktur der Hüe behan- und liegt damit um 8–18% höher als in der orthopädischen Abteilung einer delt worden waren – insgesamt 509 Menschen im durchschnittlichen Alter von 85,6 Jahren. Im Schnitt blieben sie neun Tage lang in der Klinik. 4,1% der Tab. 1 Risikofaktoren für 1-Jahres-Mortalität nach Hüftfraktur Operierten starben bereits dort. Ein Jahr Risikofaktor Risikoerhöhung nach Entlassung hatte die Mortalitätsra- te dann 23,2% erreicht. Alter > 85 Jahre + 65% Beim Vergleich mit den 1-Jahres- Einschränkungen im Alltag (Barthel-Index ≤ 60 Pkt.) + 55% Überlebenden kristallisierten sich in der Kognitive Einschränkungen (> 3 Fehler in Pfeiffers SPMSQ) + 99% multivariaten Analyse acht unabhän gige Greifkraft < 23 kg (Männer) bzw. < 13 kg (Frauen) + 109% Risikofaktoren für eine signiŒkant er- höhte 1-Jahres-Mortalität heraus (Tab. 1). Body-Mass-Index < 21 kg/m + 71% Das Risiko kletterte um das 5,4-Fache, Herzerkrankung + 48% wenn vier oder fünf Faktoren gleichzei- Vitamin-D-Mangel (< 20 ng/ml) und sekundärer Hyperpara- + 67% tig vorlagen – und um das 11-Fache bei thyreoidismus (PTH ≥ 66 pg/ml) sechs Faktoren. st Hämoglobinwert < 12 g/l (Männer) bzw. < 13 g/l (Frauen) + 55% ■ Menéndez- Colino R et al. Injury. 2018;49:656– 61 MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 9 © Anchiy / Getty Images / iStock

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Published: May 29, 2018

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