Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme

Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme Originalien 1 2 1 2 3,4 Notfall Rettungsmed N. Löber ·G. Kranz · R. Berger · A. Gratopp ·J.S.Jürgensen https://doi.org/10.1007/s10049-018-0462-3 Klinisches Qualitäts- und Risikomanagement, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Berlin, © Der/die Autor(en) 2018 Deutschland Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Berlin, Deutschland Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, EBC Hochschule, Berlin, Deutschland Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme Motivation und Besuchsgründe bei nichtdringlichem Behandlungsbedarf Facharztpatienten und nicht dringlichen die (vorab genannten) Gründe für eine Hintergrund und Fragestellung Behandlungen zurückgeführt wird [1, Überfüllung von Notaufnahmen in der Das deutsche Gesundheitswesen gilt im 10, 19]. Erwachsenenmedizin auch ursächlich internationalen Vergleich als leistungs- Annahmen zu den patientenseiti- für die stärkere Inanspruchnahme päd- fähig und weitgehend frei zugänglich. gen Motiven für die zunehmende In- iatrischerNotaufnahmeninDeutschland Die Effizienz des stark in Anspruch anspruchnahme der akutmedizinischen sein könnten. Ziel der vorliegenden Un- genommenen Systems wird von Exper- Behandlungsangebote in Notaufnahmen tersuchung ist es daher, durch Befragung ten angesichts des Ressourcenaufwands werden intensiv diskutiert und unter- Gründe und Motive für die Vorstellung jedoch als vergleichsweise niedrig einge- sucht. So konnten z. B. die subjektive von Kindern (durch ihre Eltern oder schätzt. Als wesentliche Schwachpunkte Behandlungsdringlichkeit aus Sicht der Angehörigen) mit nichtdringlichem Be- werden die fehlende Koordination, nicht Patienten bzw. Angehörigen [26, 27] handlungsbedarf in einer pädiatrischen abgestimmte Behandlungsoptionen so- und die hohe medizinische Qualität und Notaufnahme zu erfahren. wie eine unzureichende Vernetzung von Verfügbarkeit des Leistungsangebots als ambulanten, stationären und rehabi- Besuchsmotive identifiziert werden [21, Methodik und Stichproben- litativen Vorhaltungen kritisiert [18]. 23]. Auch die Nichtverfügbarkeit nie- bildung Besonders deutlich wird dies z. B. in ver- dergelassener Ärzte trotz vorherigem meintlichen Notfallsituationen, für die Kontaktversuch während der regulären Eltern und andere Angehörige, die mit in Deutschland theoretisch eine Viel- Praxisöffnungszeiten und die Unkennt- Kindern (als Patienten) die pädiatrische zahl unterschiedlicher Ansprechpartner nis weiterer Versorgungsangebote (wie Notaufnahme eines im westlichen Be- und Einrichtungen zur Verfügung ste- z. B. der vertragsärztliche Bereitschafts- reichs der Berliner Innenstadt liegenden hen, in denen die Patienten aber häufig dienst) bewegen Patienten zu einem Klinikums der Maximalversorgung auf- mit der Auswahl und Inanspruchnah- Besuch der Notaufnahmen in Kranken- suchten sowie minderjährige Patienten me der adäquaten Versorgungsstruktur häusern [28]. ohneBegleitungwurdendafürübereinen überfordert sind [14]. In der Folge Für den Behandlungskontext der pä- Zeitraum von 4 Wochen mit Hilfe eines verzeichnen insbesondere Notaufnah- diatrischen Notfallversorgung in Kran- Fragebogens zu den Gründen ihrer Vor- men in deutschen Krankenhäusern eine kenhäusern wurden bis dato in Deutsch- stellung in der pädiatrischen Notaufnah- steigende Nachfrage der vorgehaltenen land kaum Studien durchgeführt, die die me standardisiert befragt. Versorgungsstrukturen [24–26]. Auch genauen Motive und Besuchsgründe von Für die Befragung wurde ein beste- in anderen Ländern berichten Studien Eltern bzw. Angehörigen untersuchen. hendes Instrument aus einer anderen und Untersuchungen von zunehmenden Ausländische Untersuchungen des pä- Studie [28] in einem mehrstufigen, in- Patientenzahlen und dem Phänomen des diatrischen Notversorgungskontextes – terdisziplinären Abstimmungsprozess „crowding“ in Notaufnahmen, dessen z. B. aus den USA [9, 29, 30], Spanien [4, (unter Einbeziehung von Pädiatern, Ge- Ursache zumindest teilweise auf den 11, 15], England [17], Österreich [13] sundheits- und Kinderkrankenpflegern zunehmenden Anstieg von Haus- und oder Belgien [2] – lassen vermuten, dass sowie Epidemiologen) auf den spezifi- Notfall + Rettungsmedizin Originalien 50% 40% 30% 20% 10% 0% 5 blau 4 grün 3 gelb 2 orange 1 rot keine Angabe 5 blau 4 grün 3 gelb 2 orange 1 rot keine Angabe Triagekategorie Erklärung Anzahl Befragte % 5 blau nicht dringlich, maximale Wartezeit 240 Minuten 12 1,5% 4 grün Standard, maximale Wartezeit 120 Minuten 418 51,6% 3 gelb dringlich, maximale Wartezeit 60 Minuten 201 24,8% 2 orange sehr dringlich, maximale Wartezeit 10 Minuten 31 3,8% 1 rot höchst dringlich, sofortige Arztvorstellung 0 0,0% Abb. 1 9 Manchester keine Angabe 148 18,3% Triage Verteilung der un- gesamt 810 100,0% tersuchten Stichprobe (n = 810) schen Befragungskontext angepasst. Zur für Rückfragen. Es wurden sowohl Pa- 4 Blau (5): nicht dringlich, maximale Wahrung der Anonymität wurde auf per- tienten/Angehörige berücksichtigt, die Wartezeit 240 min [16]. sönliche Angaben verzichtet, sodass kei- per Krankentransport oder Notfallret- ne Rückschlüsse auf einzelne Patienten tung eingeliefert worden waren, als In einem ersten Schritt wurden Patienten möglich waren. Um der zunehmenden auch Patienten/Angehörige, die eigen- mit MTS-Kategorie 1 von der Befragung Anzahl nicht deutschsprachiger Eltern ständig die pädiatrische Notaufnahme ausgeschlossen, da diese definitionsge- und Patienten gerecht zu werden, wurde aufgesucht hatten. Zur Eingrenzung der mäß höchstdringliche Notfälle sind und das entwickelte Befragungsinstrument Patientengruppe mit nichtdringlichem ohne Wartezeit (und ohne Möglichkeit von Muttersprachlern aus dem eigenen Behandlungsbedarf wurde das in der zum Ausfüllen des Fragebogens) so- Haus in 5 Sprachen übersetzt (Englisch, Notaufnahme etablierte „Manchester fort dem behandelnden Arzt vorgestellt Serbisch-Kroatisch, Russisch, Türkisch triage system“ (MTS) angewendet, mit werden (müssen). Bei der verbliebe- und Farsi) und zur psychometrischen HilfedessenPflegendedie Behandlungs- nenPatientengruppe wurde ineinem Validierung rückübersetzt. dringlichkeit anhand von Beschwerde- zweiten Schritt die Sprachfähigkeit des Der Fragebogen wurde mit einem In- bildern und Vitalfunktionen zuordnen Angehörigen bzw. Patienten geprüft und formationsblatt im Rahmen der adminis- können [20, 31]. Das MTS umfasst 5 Stu- auf eine Ausgabe des Fragebogens ver- trativen Aufnahme nach der Triagierung fen, denen maximale Systemzielzeiten zichtet, wenn eine Verständigung über ausgehändigt und während der Wartezeit bis zum Arztkontakt zugeordnet sind: die deutsche oder eine der 5 fremd- (d. h. vor der eigentlichen Behandlung 4 Rot (1): höchst dringlich, sofortige sprachlichen Versionen nicht möglich durch einen Arzt) von den Proban- Arztvorstellung, war. DiesubjektiveBehandlungsdring- den ausgefüllt. Das Informations- bzw. 4 Orange (2): sehr dringlich, maximale lichkeit wurde durch die Parameter Erläuterungsblatt der Studie umfasste Wartezeit 10min, „empfundene Schmerzen“ und „beste- Angaben zum Befragungshintergrund, 4 Gelb (3): dringlich, maximale Warte- hende Dauer der Beschwerden“ erfasst. zu Datenschutz- und Genderaspekten zeit 60 min, Die allgemeine Volatilität des Patien- sowie eine postalische, elektronische 4 Grün (4): Standard, maximale Warte- tenaufkommens in der Notaufnahme und telefonische Kontaktmöglichkeit zeit 120 min, führte schließlich dazu, dass in Zeiten Notfall + Rettungsmedizin Zusammenfassung · Abstract mit besonders hohem Besucheraufkom- Notfall Rettungsmed https://doi.org/10.1007/s10049-018-0462-3 © Der/die Autor(en) 2018 men auf die Ausgabe des Fragebogens zugunsten der schnelleren administrati- N. Löber·G. Kranz · R. Berger ·A.Gratopp·J. S. Jürgensen ven Aufnahme verzichtet wurde. Um zu überprüfen, ob sich die befragte Gruppe Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme. Motivation (Stichprobe) von der Gesamtheit der im und Besuchsgründe bei nichtdringlichem Behandlungsbedarf betrachteten Zeitraum behandelten Pa- Zusammenfassung tienten (n= 2288) unterscheidet, wurde Aufsuchen der Notaufnahme aus Eltern- bzw. Hintergrund. Die Zahl der Patienten in die Altersverteilung beider Kollektive den pädiatrischen Notaufnahmen der Patientensicht sind: individuelle Präferenzen mithilfe eines χ -Anpassungstests ver- der Patienten, vornehmlich geografische Krankenhäuser steigt an. Die patienten- glichen. Im Ergebnis zeigte sich, dass Nähe und erwartetes Versorgungsspektrum; seitigen Beweggründe für den Besuch sich diebefragteGruppevon derGe- fehlende Verfügbarkeit/Erreichbarkeit von Notaufnahmen werden zwar für den ambulanter Versorgungsmöglichkeiten; samtheit nicht signifikant unterscheidet Erwachsenenbereich zunehmend untersucht mangelnde Kenntnis alternativer ambulanter und sind bekannt, nicht aber für den (p= 0,387). Notfallstrukturen. Bei mehr als die Hälfte der speziellen Fall der Kindernotfallversorgung. Postleitzahl, Fachdisziplin (Pädiatrie Patienten handelt es sich nach objektiver Ziel der Arbeit. Ziel der Studie war, Gründe und Kinderchirurgie) sowie die Triage- Dringlichkeitseinschätzung um keine Notfall- und Motive für die Vorstellung von Kindern kategorie wurden vor Ausgabe der Fra- patienten, die folglich keiner Behandlung in (durch ihre Eltern oder Angehörigen) mit einer pädiatrischen Notaufnahme bedürft gebögenandie Probanden(wenn mög- nichtdringlichem Behandlungsbedarf in einer hätten. pädiatrischen Notaufnahme zu erfassen. lich durch die Pflegekräeft ) auf dem Bo- Diskussion. Eine verbesserte Steuerung der Methodik. Befragung von Patienten bzw. gen dokumentiert; ausgefüllte Fragebö- Patientenströme und eine Reformierung der deren Angehörigen in einer großstädtischen gen konnten über einen Briefkasten an intersektoralen, pädiatrischen Notfallversor- pädiatrischen Notaufnahme mit Hilfe eines der administrativen Aufnahme zurück- gung scheinen in Anbetracht der anhaltend standardisierten Fragebogens über einen gegeben werden. Für die Datenauswer- hohen Patientenströme in (pädiatrischen) Zeitraum von 4 Wochen. Notaufnahmen angebracht. Ergebnisse. Insgesamt konnten 810 tung wurden kategoriale Fragen deskrip- Probanden befragt werden. Die zentralen tiv-statistisch mit Hilfe von IBM SPSS Schlüsselwörter Erkenntnisse decken sich mit internationalen (Version 24; Armonk, NY, USA)) verar- Kindernotfallmedizin · Notfallmedizin · Studienergebnissen, insbesondere aber mit beitet und handschrilft iche Freitextkom- Notfallbehandlung · Notfallversorgung · jüngeren deutschen Studien zu vergleichba- mentare in eine Datenbank transkribiert ren Fragestellungen. Motivgruppen für das Intersektorale Zusammenarbeit und kategorisiert. Use of a pediatric emergency department. Reasons for nonurgent Ergebnisse patient visits Insgesamt verzeichnete die pädiatrische Abstract Notaufnahme im 4-wöchigen Betrach- visiting an emergency department are the Background. The number of patients treated tungszeitraum 1881 Patientenkontakte following: individual preferences, mostly geo- at German pediatric emergency departments (bzw. Patientenbesuche mit Eltern oder is rising. While considerate research has graphical proximity and expected spectrum been undertaken to assess reasons for of care; limited accessibility/reachability of Angehörigen) in den MTS-Kategori- adult emergency department visits, little is other existing ambulatory care structures; en 2–5, von denen 810 mit den verschie- insufficient knowledge regarding alternative known about the specific case of pediatric denen Sprachversionen des Fragebogens ambulant emergency care structures. emergency provision. befragt werden konnten. Dies entspricht Conclusion. Over 50% of children using the Objective. The aim of this study was to – bezogen auf die Grundgesamtheit – services of pediatric emergency departments evaluate motivations for nonurgent patient can be classified as nonurgent cases that do visits in the pediatric emergency department. einer Stichprobengröße von 43 % für die not require emergency treatment. As pediatric Materials and methods. Standardized hier vorgestellte Untersuchung. Gut 2/3 emergency departments in Germany remain survey of patients (or their respective der beantworteten Fragebögen wurden in high demand, more efficient steering of relatives) seeking pediatric emergency der konservativen Behandlungseinheit patient flow and a reform of intersectoral, care in a metropolitan pediatric emergency der Notaufnahme zugeordnet, die üb- pediatric emergency care are necessary. department over a 4-week period. rigen Fälle kinderchirurgisch versorgt. Results. A total of 810 subjects were included Keywords in the study. The central findings support the Über 90 % der Kinder wurden von ei- Pediatric emergency medicine · Emer- results of comparable international studies nem Elternteil, d.h. von der Mutter gency medicine · Emergency treatment · and simultaneously match contemporary (67,1 %) oder dem Vater (24,3 %), in der Intersectoral collaboration · Intersectoral German studies. From a pediatric/parent Notaufnahme vorgestellt; die übrigen cooperation perspective, the most common motives for Kinder wurden von nahen Verwandten und Betreuern (z.B. Lehrer, Erzieher) in die Notaufnahme gebracht oder stell- ten sich dort selbst vor. Ausgewertet wurden Fragebögen, bei denen min- Notfall + Rettungsmedizin Originalien tig gaben 35,3 % der Befragten an, die Notaufnahme aufgrund der örtlichen Nähe (zum Wohnort) aufgesucht zu haben. Ein knappes Viertel (24,8 %) der Besucher reiste bereits aus bis zu 10 km Entfernung zur Notaufnahme an. Eine Analyse der PLZ zeigt, dass die untersuchte Notaufnahme schwer- punktmäßig von Eltern und Patienten aus dem Nordwesten Berlins besucht wird (. Abb. 2). Neben der untersuchten Notaufnah- me sind in . Abb. 2 zusätzlich kinder- ärztliche Erste-Hilfe-Stellen in Koopera- tionskrankenhäusern der KV (Kassen- ärztliche Vereinigung) sowie eine von der KV organisierte Erste-Hilfe-Stelle verzeichnet (Kreuze). Dunkle Flächen markieren die besucherstarken PLZ-Be- reiche, hellere Flächen PLZ-Bereiche, aus denen weniger Patienten innerhalb des Abb. 2 8 Geografische Herkunft der befragten Probanden/Distanz zur untersuchten pädiatrischen Befragungszeitraums zur untersuchten Notaufnahme (n = 729) Notaufnahme anreisten. destens eine Frage beantwortet worden sundheitlichen Beschwerden, die sie zum Vorkontakt mit ambulanten war. Dies führte in der Konsequenz zu AufsuchenderNotaufnahmebewegthat- Versorgungsstrukturen unterschiedlichen Rückläufen je Frage. ten, weniger als 24 h bestanden hatten. Bei 17,4% der Patienten lagen die Be- Vor dem Besuch der pädiatrischen Not- schwerden bereits seit bis zu 2 Tagen aufnahme hatten 49,6 % (339/684) der Medizinische und subjektive vor, noch 13,9 % der Befragten gaben an, befragten Besucher versucht, einen nie- Dringlichkeit dass die körperlichen Beschwerden sogar dergelassenen Hausarzt oder Kinderarzt Die Klassifikation und Priorisierung länger als 2 und bis zu 7 Tagen bestan- zu kontaktieren. Dabei gaben 20,2 % der der medizinischen Behandlungsdring- den hatten. Länger als 1 Woche oder gar Befragtenan, vomArztdirektindieNot- lichkeit von Kindern in der pädiatri- länger als 1 Monat hatten Beschwerden aufnahme verwiesenwordenzusein, bei schen Notaufnahme erfolgt nach MTS immerhin noch bei 7,2 % bzw. 4,3 % der 22,7 % der Befragten blieb der Kontakt- (. Abb. 1). befragten Besucher bestanden. Schmer- versuch mit dem niedergelassenen Arzt Über die Hälfte der vorgestellten zenaufeinernummerischenAnalogskala aufgrund geschlossener Praxen (Urlaub Kinder hatten mit blauer oder grüner von 0–10 dokumentierten 645 von 810 oder keine Sprechzeiten) erfolglos. Dies MTS-Klassifizierung normalen Behand- befragten Eltern bzw. Patienten (79,9 %), antizipierten bereits 10,4 % der Befrag- lungsbedarf und sind keine klassischen wobei 17,8 % der Befragten die eigenen ten, die angaben, den Hausarzt aufgrund Notfallpatienten mit hoher Behand- Schmerzen oder die ihrer Kinder als stark vermutlich nicht kurzfristig verfügbarer lungsdringlichkeit. Einen dringenden beurteilten (Ausprägungen von 8–10). Termine gar nicht erst kontaktiert zu ha- Behandlungsbedarf (gelb) wiesen 24,8 % ben. Das Auftreten der Notfallsituation der Kinder auf; 3,8 % sogar einen sehr außerhalb von Sprechzeiten des nieder- Geografische Einzugsweite der dringenden Behandlungsbedarf (oran- gelassenen Arztes (z.B. an Wochenen- Notaufnahme ge). Bei gut 18 % der Probanden wurde den) oder die subjektiv gefühlt hohe me- die Triagekategorie im Rahmen der Anhand der bei 729 von 810 Probanden dizinische Dringlichkeit waren weitere Fragebogenausgabe nicht vermerkt. erfassten Postleitzahlen (PLZ) konn- explizit genannte Gründe, den Hausarzt Im Befragungszeitraum ambulant be- te eine durchschnittliche geografische oder Kinderarzt vor dem Besuch in der handelt wurden 85,1 % aller Patienten; Distanz zwischen Wohnort und der Notaufnahmenichtzukontaktieren.Eine 14,9 % aller vorgestellten Kinder wurden pädiatrischen Notaufnahme berechnet Übersicht zu den Kontakt- bzw. Nicht- in Folge der Erstbehandlung in der Not- werden, die das Einzugsgebiet wider- kontaktgründen zeigt . Abb. 3. aufnahme stationär im Haus zur wei- spiegelt. Über die Hälfte der Eltern Der Fragebogen wurde von 46,2 % der teren Behandlung aufgenommen. Über bzw. Kinder (55,7 %) besuchten die Ein- ProbandenanTagen und zu Zeiten aus- die Hälfte der befragten Eltern bzw. Pa- richtung auseinem Einzugsradiusvon gefüllt, in denen Haus- und Kinderärzte tienten (57,2 %) gaben an, dass die ge- maximal 5 km Entfernung. Gleichzei- typischerweise Sprechstunden anbieten Notfall + Rettungsmedizin Ja, dieser schickte mich in die Rettungsstelle (20,2%) 20,2% 21,5% Ja, aber ich möchte eine zweite Meinung (3,8%) Ja, aber ich habe kurzfristig keinen Termin bekommen (2,0%) Ja, aber mein Arzt hat heute keine Sprechstunde/ Urlaub (22,7%) 3,8% Ja, aber die Sprechzeiten meines Arztes sind nicht vereinbar mit 2,0% meinen Arbeitszeiten (0,9%) Nein, da ich nur zu Besuch bin und hier keinen Arzt kenne (2,2%) 16,4% Nein, denn ich bekomme vermutlich keinen kurzfristigen Termin beim Arzt (10,4%) Nein, weil ich glaube hier im Krankenhaus medizinisch besser versorgt zu werden (16,4%) 22,7% Nein, anderer Grund (21,5%) 10,4% 2,2% 0,9% Abb. 3 8 Antworten auf die Frage „Haben Sie zuvor einen niedergelassenen Arzt (Hausarzt/Kinderarzt) wegen Ihrer Be- schwerden/wegen der Beschwerden Ihres Kindes kontaktiert?“ (n =684) (Montag bis Freitag von 8–19 Uhr ex- 4 Bequemlichkeitsmotive („Weil ich Spezifische Besuchsbeweggründe klusive Mittwochnachmittag). neben dem Krankenhaus wohne“), 4 Vorerfahrungen („Uns wurde bereits Obwohl gut 1/3 der befragten Probanden mehrfach gesagt, dass dort keine alternative Versorgungsstrukturen kann- Kenntnis alternativer Versorgungs- Kinderärzte tätig seien“; „Schlechte te, erfolgte die bewusste Entscheidung strukturen Erfahrung, Person am anderen Ende zum Aufsuchen der hier untersuchten Insbesondere außerhalb der regulären schien nicht qualifiziert, außerdem pädiatrischen Notaufnahme (. Abb. 5). Sprechstundenzeiten der niedergelasse- erschien uns eine Ferndiagnose nicht Über 1/3 der Eltern bzw. Begleitper- nen Ärzte sind bei Eltern Kenntnisse sinnvoll“; „Sind unhöflich und sagen sonen suchte die Notaufnahme aufgrund alternativer Versorgungsstrukturen er- man soll in die Erste Hilfe fahren“; der räumlichen Nähe auf; dies deckt sich forderlich,um die eingangsgeschilderten „Damals einmal angerufen als er ein mit den eingangs analysierten PLZ-Ein- Herausforderungen des „crowding“ mit kleines Baby war, da hieß es, wegen zugsgebieten. Weitere 32% der Befragten Nichtnotfallpatienten in der Notauf- so was bitte in die Rettungsstelle besuchten die Notaufnahme aufgrund nahme zu reduzieren. Nur gut 1/3 der fahren“), guter vorheriger Vorerfahrungen. Auch Probanden kennt alternative Versor- 4 fehlende Diagnosemöglichkeiten gaben kumuliert 49 % der Befragten gungsangebote, wobei lokale Notfallein- („Kind ist gestürzt mit Verdacht auf auf die Frage „Sind Sie in den letzten richtungen deutlich bekannter sind als Gehirnerschütterung, die Untersu- 12 Monaten mit ihrem Kind bereits in der bundesweite telefonische Notdienst/ chungsmöglichkeiten bei Ihnen sind einer (Kinder-)Rettungsstelle gewesen?“ Bereitschaftsdienst der KV, den nur 7,4 % größer“; „Weil dieser [KV-Notdienst] (n= 732) an, eine solche einmal oder der Befragten kennen (. Abb. 4). kein Sono und keine Blutunter- sogar mehrmals im vergangenen Jahr Von den Eltern, die den telefonischen suchung machen kann“; „Weil im aufgesucht zu haben. Da die untersuchte KV-Notdienst kennen und auch tatsäch- Krankenhaus mehr Möglichkeiten Notaufnahme einer hochspezialisier- lich angerufen hatten, wurden 73 % di- bestehen“) bis hin zu, ten pädiatrischen Maximalversorgungs- rekt und ohne Untersuchung, die üb- 4 lange Wartezeiten („Es geht schneller struktur (mit zahlreichen Fachambu- rigen 27% erst nach körperlicher Un- in der Rettungsstelle als auf einen lanzen, sozialpädagogischem Zentrum tersuchung durch den KV-Notdienst in KV-Notdienst zu warten“; „Weil der usw.) angehört, nutzten sie etwa 10 % die Kindernotaufnahme verwiesen. Of- KV-Arzt meistens mindestens drei der Probanden als schnellen Zugangsweg fensichtlich hatten jedoch viele Eltern Stunden braucht, um zu kommen, zur weiteren Dauerbehandlung. Hierbei trotz Kenntnis des telefonischen Bereit- und im Krankenhaus sind wir besser handelt es sich vermutlich vornehmlich schasft dienstes diesen nicht angerufen. aufgehoben“). um chronisch kranke Kinder mit be- Die Beweggründe hierfür wurden als of- rechtigter Vorstellung in einem Haus fene Frage erhoben und umfassen u. a.: der Maximalversorgung. Notfall + Rettungsmedizin Originalien ten Effekt des „crowding“. Verglichen 100% mit der Ersteinschätzung vor Ort und der nach der Behandlung resultieren- 90% den stationären Aufnahmequote von 80% lediglich 14,9 % scheinen die niederge- lassenen Haus- bzw. Kinderärzte ihrer 70% Lotsenfunktion im Gesundheitswesen 60% 84,9% 85,9% 88,0% nur bedingt gerecht zu werden. Eben- 92,6% 50% falls könnte eine möglicherweise nicht stringent genug umgesetzte Vertretungs- 40% pflicht in den Praxen mitursächlich für 30% die fehlende Erreichbarkeit niedergelas- 20% sener (Kinder-)Ärzte sein. 10% 15,1% 14,1% 12,0% Fehlende Kenntnis alternativer 7,4% 0% Notfallversorgungsstrukturen Bereitschaftsdienst DRK Klinikum DRK Klinikum Andere KV-Telefon Drontheimer Str. Westend Rettungsstellen/ Unabhängig von der tatsächlichen Be- Krankenhäuser handlungsnotwendigkeit in einer Not- ja nein fallversorgungseinrichtung sind die eta- blierten Versorgungsstrukturen des am- bulanten, kassenärztlichen Versorgungs- Abb. 4 8 Kenntnis alternativer Versorgungsstrukturen (n =810) bereichs wenig bekannt; auch lokale, ver- traglich gesteuerte KV-Kooperationsein- stellig wurde, wird die hier untersuchte richtungen sind den meisten Eltern nicht Diskussion Notaufnahme vermutlich von einigen geläufig. Dies könnte – in Kombination Patienten als bequemer Hausarztersatz mit den teils frustranen Kontaktversu- Individuelle Präferenzen verstanden und genutzt. chen zum niedergelassenen Arzt – mit- Eltern suchen eine Notaufnahme häu- verantwortlich für eine erhöhte Vorstel- fig aufgrund von Verunsicherung und lung nichtkritischerPatienteninder Not- Fehlende Verfügbarkeit/ Besorgnis auf [13]. Die Angst, dass aufnahme sein. Erreichbarkeit ambulanter eine vermutlich schwerwiegende Er- Versorgungsmöglichkeiten krankung oder Beschwerde des eige- Limitationen nen Kindes vorliegen könnte, führt Diese Präferenzen bzw. Anspruchshal- naturgemäß zum Aufsuchen einer geo- tungen treffen auf eine lokal suboptimal Trotz Ergebnisanalogie zu anderen Un- grafisch nahen, immer besetzten und ausgestaltete niedergelassene Versor- tersuchungen ist die durchgeführte Stu- zudem medizinisch gut ausgestatteten gungsstruktur, trotz eines nominellen die mit Limitationen verbunden und Behandlungseinrichtung. Dies deckt ambulanten pädiatrischen Versorgungs- in ihrer Aussagekraft nicht zwingend sich mit anderen Untersuchungen, die grads von 147,9 % aus Sicht der KV [12]: generalisierbar. Die gravierendste Ein- z. B. die subjektive Notfalleinschätzung/ Fast 1/4 aller Befragten konnte den nie- schränkung liegt im Befragungsszena- Behandlungsdringlichkeit von erwach- dergelassenen Arzt aufgrund geschlos- rio der Studie begründet: Mit wenigen senen Patienten [26, 27]und diehohe sener Praxen nicht erreichen. Dies deckt Ausnahmen wurden nicht die minder- medizinische Qualität und Verfügbarkeit sich mit Erkenntnissen anderer Unter- jährigen Patienten selbst, sondern deren des Leistungsangebots als Besuchsmo- suchungen zu erwachsenen Patienten, Begleiter befragt, was zu einem Infor- tive identifizieren konnten. Erkennbar die nichtgeöffnete (Hausarzt-)Praxen mationsbias (insbesondere in Bezug auf sind hier bequemlichkeitsorientierte als manifeste Barriere für die Nutzung subjektive Parameter wie empfundene Präferenzmuster, die in einer anderen niedergelassener Versorgungsstruktu- Schmerzen und Dauer der Beschwerden) Studie [23] treffend mit den Anglizismen ren erkannten [3, 8, 21]. Zwar erklären führen kann. Insgesamt beantworteten „doc to go“, „high-tech statt Hausarzt“ Nachtzeiten und Wochenenden mit oh- 43 % der Besucher den Fragebogen im und „all inclusive“ umschrieben werden nehin reduzierter Versorgungskapazität Untersuchungszeitraum; Patienten mit und nicht zwangsläufig mit dem ob- dies partiell, viele der in diesen Zei- sofortigem bzw. sehr dringendem Be- jektiven (Nicht-)Dringlichkeitsgrad der ten in der Notaufnahme vorstelligen handlungsbedarf waren a priori von wahrgenommenen Beschwerden über- Kinder bedürfen jedoch keiner Notfall- der Studie ausgeschlossen. Die Antwor- einstimmen. Da fast die Hälfte der Eltern versorgung in einem Krankenhaus der ten der nicht teilnehmenden Patienten/ (49 %) bereits zum zweiten Mal binnen Maximalversorgung und verstärken so Angehörigen hätten mitunter anders 12 Monatenineiner Notaufnahme vor- möglicherweise den eingangs erläuter- ausfallen können, was die Gefahr ei- Notfall + Rettungsmedizin tegrierter Leitstellen/Notfallzentren [22], weisen in die richtige Rich- tung. Kürzlich vorgelegte Modelle des Sachverständigenrates für Ge- sundheit, des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen und Örtliche Nähe der Allgemeinen Ortskrankenkassen Gute eigene Erfahrungen 35% zur verbesserten Zusammenar- 32% beit von niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten im Rahmen der ambulanten Notfallversorgung un- terscheiden sich insbesondere durch den unterschiedlich aufgefassten Sicherstellungsauftrag. 4 Das für das Frühjahr 2018 vom Empfehlungen Abb. 5 9 Antwor- dauerhafte Sachverständigenrat angekündigte 15% ten auf die Frage anderes Betreuung Gutachten zur Notfallversorgung [5] Internet „Was hat Sie bewo- 7% durch 1% gen, gerade unsere wird die kontrovers geführte Debatte Krankenhaus Kinderrettungsstel- 10% sicherlich weiter fokussieren und le aufzusuchen?“ hoffentlich dazu führen, dass die (n = 504) starren Sektorengrenzen zum Wohle patientenorientierter Notfallversor- nes Selektionsbias in sich trägt. Auch 4 Die beobachtete unangebrachte gungsstrukturen aufgebrochen und das spezifische, nominell überversorgte Inanspruchnahme, teils aufgrund neu sortiert werden [7]. pädiatrische Versorgungsnetz in einem eigener, nutzenoptimierender Prä- großstädtischen Ballungszentrum ist ferenzen, wird durch die restrikti- Korrespondenzadresse nicht repräsentativ für die deutsche Ge- onsfreie Arztwahl begünstigt und N. Löber sundheitsversorgungslandscha;ft in re- nicht durch entsprechend effektive Klinisches Qualitäts- und Risikomanagement, gionalen (z.B. ländlichen) Gebieten mit Steuerungsmechanismen ambulan- Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Krankenhäusern anderer Versorgungs- ter Notfalleinrichtungen durch die KV Member of Freie Universität Berlin, Humboldt- stufen könnten die Präferenzen und verringert. Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Motivationen von Eltern bzw. Patienten 4 Weder die personelle noch die finan- Health Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Deutschland unterschiedlich ausgeprägt sein. Auch zielle Ausstattung der untersuchten nils.loeber@charite.de die Wahl anderer Befragungszeiträume pädiatrischen Notaufnahme sind auf könnte zu divergenten Ergebnissen füh- die zunehmenden, nichtdringlichen ren. Schlussendlich führt der Einschluss Patientenströme adäquat vorberei- von via Rettungswagen eingelieferten Pa- tet; Erwartungshaltungen von Eltern Einhaltung ethischer Richtlinien tienten (in den MTS-Kategorien orange und Patienten (z.B. in Bezug auf bis blau) zu einem leichten Vergleichs- Wartezeiten in der Notaufnahme) Interessenkonflikt. N. Löber, G. Kranz, R. Berger, bias in Bezug zu anderen Studien, die werden so in zunehmendem Maße A. Gratopp und J.S. Jürgensen geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Rettungsdienstpatienten a priori ausge- enttäuscht. schlossen hatten. Dieser Bias umfasst 4 Einerseits bedarf es deshalb einer Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren aber maximal das Teilkollektiv orange konsequenteren Wahrnehmung des durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren. triagierter Patienten (n= 31; 3,8 % aller Versorgungsauftrags niedergelas- Open Access. Dieser Artikel wird unter der Creative befragten Probanden). sener (Kinder-)Ärzte, andererseits Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz neuer und adäquater (Notfall-)Ver- (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed. de) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfäl- sorgungsstrukturen und Steuerungs- Fazit für die Praxis tigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe möglichkeiten für solche Patienten, in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Im Ergebnis zeigt die durchgeführte die absehbar keiner stationären Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäßnennen,einenLinkzurCreativeCom- Studie zur Inanspruchnahme einer pä- Weiterbehandlung im Krankenhaus mons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen diatrischen Notaufnahme trotz unter- bedürfen. vorgenommen wurden. schiedlicher Methodik und der damit 4 Die derzeit in Deutschland intensiv verbundenen beschränkten Vergleich- diskutierten und teilweise bereits ein- barkeit Ergebnisparallelen zu anderen geführten Instrumente wie z.B. die Studien im Erwachsenenkontext [21, 23, Eröffnung von Portalpraxen in Kran- 28]: kenhäusern [6]oder der Aufbau in- Notfall + Rettungsmedizin Originalien 15. Lapena Lopez de Armentia S, Reguero Celada S, Literatur Garcia Rabanal M et al (1996) Estudio epidemio- logico de las urgencias pediatricas en un hospital 1. Arrubla P, Arias Ruiz S, Carrasquilla Villa G et al general. Factores implicados en una demanda (2009) Demandas inadecuadas en urgencias inadecuada.AnEspPediatr44:121–125 e identificación del uso inadecuado de la 16. Mackway-Jones K, Marsden J, Windle J et al (Hrsg) hospitalización en el centro piloto de Assbasalud (2011) Ersteinschätzung in der Notaufnahme, Ese.enManizales.Año2008.ArchMed9:25–34 3.Aufl.Huber,Bern 2. Benahmed N, Laokri S, Zhang WH et al (2012) 17. Ogilvie S, Hopgood K, Higginson I et al (2016) Determinants of nonurgent use of the emergency Why do parents use the emergency department departmentforpediatricpatientsin12hospitalsin for minor injury and illness? A cross-sectional Belgium.EurJPediatr171:1829–1837 questionnaire.JRSMOpen7:1–10 3. Durand A-C, Palazzolo S, Tanti-Hardouin N et 18. Porter ME, Guth C (2012) Redefining German al (2012) Nonurgent patients in emergency healthcare.Springer,Berlin departments:rationalorirresponsibleconsumers? 19. RedstoneP,Vancura JL,Barry Det al(2008) Perceptionsofprofessionalsandpatients.BMCRes Nonurgent use of the emergency department. Notes5:525 JAmbulCareManage31:370–376 4. Fernandez Cano G, Martin Carballo G (2000) 20. Roukema J, Steyerberg EW, van Meurs A et al Urgencias pediatricas atendidas en una consulta (2006) Validity of the Manchester Triage System de atencion primaria (I): Analisis de la demanda. in paediatric emergency care. Emerg Med J AtenPrimaria26:76–80 23:906–910 5. Fricke A (2017) Gesundheitsweise wol- 21. Scherer M, Lühmann D, Kazek A et al (2017) len die Notfallversorgung aufmischen. Patienten in Notfallambulanzen. Dtsch Arztebl Int ÄrzteZeitung 08.09.2017. https://www. 114:645–652 aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/notfall- 22. Schlingensiepen I (2017) Notdienst: NRW u-katastrophen-versorgung/article/942665/ testet integrierte Leitstelle. ÄrzteZeitung praxen-laenger-oeffnen-gesundheitsweise- 18.07.2017. https://www.aerztezeitung.de/ wollen-notfallversorgung-aufmischen.html. politik_gesellschaft/berufspolitik/article/940051/ Zugegriffen:17.Nov.2017 notdienst-nrw-testet-integrierte-leitstelle.html. 6. Fricke A (2017) Triage: Ärzte fordern Auf- Zugegriffen:23.Nov.2017 lösen der Interessenkonflikte. ÄrzteZeitung 23. SchmiedhoferM,MöckelM,SlagmanAetal(2016) 08.09.2017. https://www.aerztezeitung.de/ Patient motives behind low-acuity visits to the politik_gesellschaft/berufspolitik/article/ emergency department in Germany: a qualitative 942680/triage-aerzte-fordern-aufloesen- study comparing urban and rural sites. BMJ Open interessenkonflikte.html.Zugegriffen: 17. Nov. 6:1–11 24. Schöpke T, Plappert T (2011) Kennzahlen von Not- 7. Fricke A (2017) Ab in die Klinik bei leichten aufnahmen in Deutschland. Notfall Rettungsmed Blessuren? Patientensteuerung sorgt für kontro- 14:371–378 verse Debatte. ÄrzteZeitung 24.10.2017. https:// 25. Schreyögg J, Bäuml M, Krämer J et al (2014) www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/ Forschungsauftrag zur Mengenentwicklung nach versorgungsforschung/article/946133/ab-klinik- § 17b Abs. 9 KHG, Endbericht Juli 2014. Center for leichten-blessuren-patientensteuerung-sorgt- HealthEconomics,Hamburg kontroverse-debatte.html?sh=1&h=749753494. 26. Schwartau I, Pant H, Borde T et al (2006) Zugegriffen:17.Nov.2017 Behandlungsdringlichkeit aus ärztlicher und Pa- 8. Gill JM, Riley AW (1996) Nonurgent use of hospital tientensicht – eine prospektive vergleichende emergency departments: urgency from the Querschnittsstudie an gynäkologisch-internis- patient’sperspective.JFamPract42:491–496 tischen Notfallambulanzen von drei Berliner 9. Halfon N, Newacheck PW, Wood DL et al (1996) Innenstadtkliniken. Geburtshilfe Frauenheilkd Routineemergencydepartmentuseforsickcareby 66:263–269 childrenintheUnitedStates.Pediatrics98:28–34 27. Searle J, Muller R, Slagman A et al (2015) Über- 10. Howard MS, Davis BA, Anderson C et al (2005) füllung der Notaufnahmen. Notfall Rettungsmed Patients’ perspective on choosing the emergency 18:306–315 departmentfor nonurgentmedical care: a qualita- 28. Somasundaram R, Geissler A, Leidel BA et al tive study exploring one reason for overcrowding. (2016) Beweggründe für die Inanspruchnahme JEmergNurs31:429–435 von Notaufnahmen – Ergebnisse einer Patienten- 11. Jimenez Alvarez C, Alaminos Mingorance M, Ruiz befragung.Gesundheitswesen17:1–6 Montes AM et al (2000) Demanda urgente en 29. Stanley R, Zimmerman J, Hashikawa C et al (2007) cirugia infantil. Estudiode utilizacion inapropiada. Appropriateness of children’s nonurgent visits CirPediatr13(2):64–68 to selected Michigan emergency departments. 12. Kassenärztliche Vereinigung Berlin (2015) Be- PediatrEmergCare23:532–536 darfsplan 2013 für den Zulassungsbezirk Ber- 30. Timm NL, Ho ML, Luria JW (2008) Pediatric lin (ergänzt mit Wirkung vom 30.09.2015). emergencydepartmentovercrowdingandimpact https://www.kvberlin.de/20praxis/10zulassung/ on patient flow outcomes. Acad Emerg Med 55bedarfsplan/bedarfsplan2013_erg.pdf.Zuge- 15:832–837 griffen:11.Dez.2017 31. van Veen M, Steyerberg EW, Ruige M et al 13. Koller D, Damm L (2013) Behandlung akut (2008) Manchester Triage System in paediatric erkrankter Kinder und Jugendlicher. Padiatr Padol emergency care: prospective observational study. 48:61–65 BMJ337:1–7 14. Köster C, Wrede S, Herrmann T et al (2016) Ambulante Notfallversorgung, AQUA- Institut. Göttingen. https://www.aqua- institut.de/fileadmin/aqua_de/Projekte/335_ Ambulante_Notfallversorgung/Gutachten_ Notfallversorgung.pdf.Zugegriffen:10.Okt.2017 Notfall + Rettungsmedizin http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Notfall + Rettungsmedizin Springer Journals

Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme

Free
8 pages

Loading next page...
 
/lp/springer_journal/inanspruchnahme-einer-p-diatrischen-notaufnahme-MYnM1HqlDK
Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2018 by The Author(s)
Subject
Medicine & Public Health; Emergency Medicine
ISSN
1434-6222
eISSN
1436-0578
D.O.I.
10.1007/s10049-018-0462-3
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

Originalien 1 2 1 2 3,4 Notfall Rettungsmed N. Löber ·G. Kranz · R. Berger · A. Gratopp ·J.S.Jürgensen https://doi.org/10.1007/s10049-018-0462-3 Klinisches Qualitäts- und Risikomanagement, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Berlin, © Der/die Autor(en) 2018 Deutschland Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, Berlin, Deutschland Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health, EBC Hochschule, Berlin, Deutschland Klinikum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme Motivation und Besuchsgründe bei nichtdringlichem Behandlungsbedarf Facharztpatienten und nicht dringlichen die (vorab genannten) Gründe für eine Hintergrund und Fragestellung Behandlungen zurückgeführt wird [1, Überfüllung von Notaufnahmen in der Das deutsche Gesundheitswesen gilt im 10, 19]. Erwachsenenmedizin auch ursächlich internationalen Vergleich als leistungs- Annahmen zu den patientenseiti- für die stärkere Inanspruchnahme päd- fähig und weitgehend frei zugänglich. gen Motiven für die zunehmende In- iatrischerNotaufnahmeninDeutschland Die Effizienz des stark in Anspruch anspruchnahme der akutmedizinischen sein könnten. Ziel der vorliegenden Un- genommenen Systems wird von Exper- Behandlungsangebote in Notaufnahmen tersuchung ist es daher, durch Befragung ten angesichts des Ressourcenaufwands werden intensiv diskutiert und unter- Gründe und Motive für die Vorstellung jedoch als vergleichsweise niedrig einge- sucht. So konnten z. B. die subjektive von Kindern (durch ihre Eltern oder schätzt. Als wesentliche Schwachpunkte Behandlungsdringlichkeit aus Sicht der Angehörigen) mit nichtdringlichem Be- werden die fehlende Koordination, nicht Patienten bzw. Angehörigen [26, 27] handlungsbedarf in einer pädiatrischen abgestimmte Behandlungsoptionen so- und die hohe medizinische Qualität und Notaufnahme zu erfahren. wie eine unzureichende Vernetzung von Verfügbarkeit des Leistungsangebots als ambulanten, stationären und rehabi- Besuchsmotive identifiziert werden [21, Methodik und Stichproben- litativen Vorhaltungen kritisiert [18]. 23]. Auch die Nichtverfügbarkeit nie- bildung Besonders deutlich wird dies z. B. in ver- dergelassener Ärzte trotz vorherigem meintlichen Notfallsituationen, für die Kontaktversuch während der regulären Eltern und andere Angehörige, die mit in Deutschland theoretisch eine Viel- Praxisöffnungszeiten und die Unkennt- Kindern (als Patienten) die pädiatrische zahl unterschiedlicher Ansprechpartner nis weiterer Versorgungsangebote (wie Notaufnahme eines im westlichen Be- und Einrichtungen zur Verfügung ste- z. B. der vertragsärztliche Bereitschafts- reichs der Berliner Innenstadt liegenden hen, in denen die Patienten aber häufig dienst) bewegen Patienten zu einem Klinikums der Maximalversorgung auf- mit der Auswahl und Inanspruchnah- Besuch der Notaufnahmen in Kranken- suchten sowie minderjährige Patienten me der adäquaten Versorgungsstruktur häusern [28]. ohneBegleitungwurdendafürübereinen überfordert sind [14]. In der Folge Für den Behandlungskontext der pä- Zeitraum von 4 Wochen mit Hilfe eines verzeichnen insbesondere Notaufnah- diatrischen Notfallversorgung in Kran- Fragebogens zu den Gründen ihrer Vor- men in deutschen Krankenhäusern eine kenhäusern wurden bis dato in Deutsch- stellung in der pädiatrischen Notaufnah- steigende Nachfrage der vorgehaltenen land kaum Studien durchgeführt, die die me standardisiert befragt. Versorgungsstrukturen [24–26]. Auch genauen Motive und Besuchsgründe von Für die Befragung wurde ein beste- in anderen Ländern berichten Studien Eltern bzw. Angehörigen untersuchen. hendes Instrument aus einer anderen und Untersuchungen von zunehmenden Ausländische Untersuchungen des pä- Studie [28] in einem mehrstufigen, in- Patientenzahlen und dem Phänomen des diatrischen Notversorgungskontextes – terdisziplinären Abstimmungsprozess „crowding“ in Notaufnahmen, dessen z. B. aus den USA [9, 29, 30], Spanien [4, (unter Einbeziehung von Pädiatern, Ge- Ursache zumindest teilweise auf den 11, 15], England [17], Österreich [13] sundheits- und Kinderkrankenpflegern zunehmenden Anstieg von Haus- und oder Belgien [2] – lassen vermuten, dass sowie Epidemiologen) auf den spezifi- Notfall + Rettungsmedizin Originalien 50% 40% 30% 20% 10% 0% 5 blau 4 grün 3 gelb 2 orange 1 rot keine Angabe 5 blau 4 grün 3 gelb 2 orange 1 rot keine Angabe Triagekategorie Erklärung Anzahl Befragte % 5 blau nicht dringlich, maximale Wartezeit 240 Minuten 12 1,5% 4 grün Standard, maximale Wartezeit 120 Minuten 418 51,6% 3 gelb dringlich, maximale Wartezeit 60 Minuten 201 24,8% 2 orange sehr dringlich, maximale Wartezeit 10 Minuten 31 3,8% 1 rot höchst dringlich, sofortige Arztvorstellung 0 0,0% Abb. 1 9 Manchester keine Angabe 148 18,3% Triage Verteilung der un- gesamt 810 100,0% tersuchten Stichprobe (n = 810) schen Befragungskontext angepasst. Zur für Rückfragen. Es wurden sowohl Pa- 4 Blau (5): nicht dringlich, maximale Wahrung der Anonymität wurde auf per- tienten/Angehörige berücksichtigt, die Wartezeit 240 min [16]. sönliche Angaben verzichtet, sodass kei- per Krankentransport oder Notfallret- ne Rückschlüsse auf einzelne Patienten tung eingeliefert worden waren, als In einem ersten Schritt wurden Patienten möglich waren. Um der zunehmenden auch Patienten/Angehörige, die eigen- mit MTS-Kategorie 1 von der Befragung Anzahl nicht deutschsprachiger Eltern ständig die pädiatrische Notaufnahme ausgeschlossen, da diese definitionsge- und Patienten gerecht zu werden, wurde aufgesucht hatten. Zur Eingrenzung der mäß höchstdringliche Notfälle sind und das entwickelte Befragungsinstrument Patientengruppe mit nichtdringlichem ohne Wartezeit (und ohne Möglichkeit von Muttersprachlern aus dem eigenen Behandlungsbedarf wurde das in der zum Ausfüllen des Fragebogens) so- Haus in 5 Sprachen übersetzt (Englisch, Notaufnahme etablierte „Manchester fort dem behandelnden Arzt vorgestellt Serbisch-Kroatisch, Russisch, Türkisch triage system“ (MTS) angewendet, mit werden (müssen). Bei der verbliebe- und Farsi) und zur psychometrischen HilfedessenPflegendedie Behandlungs- nenPatientengruppe wurde ineinem Validierung rückübersetzt. dringlichkeit anhand von Beschwerde- zweiten Schritt die Sprachfähigkeit des Der Fragebogen wurde mit einem In- bildern und Vitalfunktionen zuordnen Angehörigen bzw. Patienten geprüft und formationsblatt im Rahmen der adminis- können [20, 31]. Das MTS umfasst 5 Stu- auf eine Ausgabe des Fragebogens ver- trativen Aufnahme nach der Triagierung fen, denen maximale Systemzielzeiten zichtet, wenn eine Verständigung über ausgehändigt und während der Wartezeit bis zum Arztkontakt zugeordnet sind: die deutsche oder eine der 5 fremd- (d. h. vor der eigentlichen Behandlung 4 Rot (1): höchst dringlich, sofortige sprachlichen Versionen nicht möglich durch einen Arzt) von den Proban- Arztvorstellung, war. DiesubjektiveBehandlungsdring- den ausgefüllt. Das Informations- bzw. 4 Orange (2): sehr dringlich, maximale lichkeit wurde durch die Parameter Erläuterungsblatt der Studie umfasste Wartezeit 10min, „empfundene Schmerzen“ und „beste- Angaben zum Befragungshintergrund, 4 Gelb (3): dringlich, maximale Warte- hende Dauer der Beschwerden“ erfasst. zu Datenschutz- und Genderaspekten zeit 60 min, Die allgemeine Volatilität des Patien- sowie eine postalische, elektronische 4 Grün (4): Standard, maximale Warte- tenaufkommens in der Notaufnahme und telefonische Kontaktmöglichkeit zeit 120 min, führte schließlich dazu, dass in Zeiten Notfall + Rettungsmedizin Zusammenfassung · Abstract mit besonders hohem Besucheraufkom- Notfall Rettungsmed https://doi.org/10.1007/s10049-018-0462-3 © Der/die Autor(en) 2018 men auf die Ausgabe des Fragebogens zugunsten der schnelleren administrati- N. Löber·G. Kranz · R. Berger ·A.Gratopp·J. S. Jürgensen ven Aufnahme verzichtet wurde. Um zu überprüfen, ob sich die befragte Gruppe Inanspruchnahme einer pädiatrischen Notaufnahme. Motivation (Stichprobe) von der Gesamtheit der im und Besuchsgründe bei nichtdringlichem Behandlungsbedarf betrachteten Zeitraum behandelten Pa- Zusammenfassung tienten (n= 2288) unterscheidet, wurde Aufsuchen der Notaufnahme aus Eltern- bzw. Hintergrund. Die Zahl der Patienten in die Altersverteilung beider Kollektive den pädiatrischen Notaufnahmen der Patientensicht sind: individuelle Präferenzen mithilfe eines χ -Anpassungstests ver- der Patienten, vornehmlich geografische Krankenhäuser steigt an. Die patienten- glichen. Im Ergebnis zeigte sich, dass Nähe und erwartetes Versorgungsspektrum; seitigen Beweggründe für den Besuch sich diebefragteGruppevon derGe- fehlende Verfügbarkeit/Erreichbarkeit von Notaufnahmen werden zwar für den ambulanter Versorgungsmöglichkeiten; samtheit nicht signifikant unterscheidet Erwachsenenbereich zunehmend untersucht mangelnde Kenntnis alternativer ambulanter und sind bekannt, nicht aber für den (p= 0,387). Notfallstrukturen. Bei mehr als die Hälfte der speziellen Fall der Kindernotfallversorgung. Postleitzahl, Fachdisziplin (Pädiatrie Patienten handelt es sich nach objektiver Ziel der Arbeit. Ziel der Studie war, Gründe und Kinderchirurgie) sowie die Triage- Dringlichkeitseinschätzung um keine Notfall- und Motive für die Vorstellung von Kindern kategorie wurden vor Ausgabe der Fra- patienten, die folglich keiner Behandlung in (durch ihre Eltern oder Angehörigen) mit einer pädiatrischen Notaufnahme bedürft gebögenandie Probanden(wenn mög- nichtdringlichem Behandlungsbedarf in einer hätten. pädiatrischen Notaufnahme zu erfassen. lich durch die Pflegekräeft ) auf dem Bo- Diskussion. Eine verbesserte Steuerung der Methodik. Befragung von Patienten bzw. gen dokumentiert; ausgefüllte Fragebö- Patientenströme und eine Reformierung der deren Angehörigen in einer großstädtischen gen konnten über einen Briefkasten an intersektoralen, pädiatrischen Notfallversor- pädiatrischen Notaufnahme mit Hilfe eines der administrativen Aufnahme zurück- gung scheinen in Anbetracht der anhaltend standardisierten Fragebogens über einen gegeben werden. Für die Datenauswer- hohen Patientenströme in (pädiatrischen) Zeitraum von 4 Wochen. Notaufnahmen angebracht. Ergebnisse. Insgesamt konnten 810 tung wurden kategoriale Fragen deskrip- Probanden befragt werden. Die zentralen tiv-statistisch mit Hilfe von IBM SPSS Schlüsselwörter Erkenntnisse decken sich mit internationalen (Version 24; Armonk, NY, USA)) verar- Kindernotfallmedizin · Notfallmedizin · Studienergebnissen, insbesondere aber mit beitet und handschrilft iche Freitextkom- Notfallbehandlung · Notfallversorgung · jüngeren deutschen Studien zu vergleichba- mentare in eine Datenbank transkribiert ren Fragestellungen. Motivgruppen für das Intersektorale Zusammenarbeit und kategorisiert. Use of a pediatric emergency department. Reasons for nonurgent Ergebnisse patient visits Insgesamt verzeichnete die pädiatrische Abstract Notaufnahme im 4-wöchigen Betrach- visiting an emergency department are the Background. The number of patients treated tungszeitraum 1881 Patientenkontakte following: individual preferences, mostly geo- at German pediatric emergency departments (bzw. Patientenbesuche mit Eltern oder is rising. While considerate research has graphical proximity and expected spectrum been undertaken to assess reasons for of care; limited accessibility/reachability of Angehörigen) in den MTS-Kategori- adult emergency department visits, little is other existing ambulatory care structures; en 2–5, von denen 810 mit den verschie- insufficient knowledge regarding alternative known about the specific case of pediatric denen Sprachversionen des Fragebogens ambulant emergency care structures. emergency provision. befragt werden konnten. Dies entspricht Conclusion. Over 50% of children using the Objective. The aim of this study was to – bezogen auf die Grundgesamtheit – services of pediatric emergency departments evaluate motivations for nonurgent patient can be classified as nonurgent cases that do visits in the pediatric emergency department. einer Stichprobengröße von 43 % für die not require emergency treatment. As pediatric Materials and methods. Standardized hier vorgestellte Untersuchung. Gut 2/3 emergency departments in Germany remain survey of patients (or their respective der beantworteten Fragebögen wurden in high demand, more efficient steering of relatives) seeking pediatric emergency der konservativen Behandlungseinheit patient flow and a reform of intersectoral, care in a metropolitan pediatric emergency der Notaufnahme zugeordnet, die üb- pediatric emergency care are necessary. department over a 4-week period. rigen Fälle kinderchirurgisch versorgt. Results. A total of 810 subjects were included Keywords in the study. The central findings support the Über 90 % der Kinder wurden von ei- Pediatric emergency medicine · Emer- results of comparable international studies nem Elternteil, d.h. von der Mutter gency medicine · Emergency treatment · and simultaneously match contemporary (67,1 %) oder dem Vater (24,3 %), in der Intersectoral collaboration · Intersectoral German studies. From a pediatric/parent Notaufnahme vorgestellt; die übrigen cooperation perspective, the most common motives for Kinder wurden von nahen Verwandten und Betreuern (z.B. Lehrer, Erzieher) in die Notaufnahme gebracht oder stell- ten sich dort selbst vor. Ausgewertet wurden Fragebögen, bei denen min- Notfall + Rettungsmedizin Originalien tig gaben 35,3 % der Befragten an, die Notaufnahme aufgrund der örtlichen Nähe (zum Wohnort) aufgesucht zu haben. Ein knappes Viertel (24,8 %) der Besucher reiste bereits aus bis zu 10 km Entfernung zur Notaufnahme an. Eine Analyse der PLZ zeigt, dass die untersuchte Notaufnahme schwer- punktmäßig von Eltern und Patienten aus dem Nordwesten Berlins besucht wird (. Abb. 2). Neben der untersuchten Notaufnah- me sind in . Abb. 2 zusätzlich kinder- ärztliche Erste-Hilfe-Stellen in Koopera- tionskrankenhäusern der KV (Kassen- ärztliche Vereinigung) sowie eine von der KV organisierte Erste-Hilfe-Stelle verzeichnet (Kreuze). Dunkle Flächen markieren die besucherstarken PLZ-Be- reiche, hellere Flächen PLZ-Bereiche, aus denen weniger Patienten innerhalb des Abb. 2 8 Geografische Herkunft der befragten Probanden/Distanz zur untersuchten pädiatrischen Befragungszeitraums zur untersuchten Notaufnahme (n = 729) Notaufnahme anreisten. destens eine Frage beantwortet worden sundheitlichen Beschwerden, die sie zum Vorkontakt mit ambulanten war. Dies führte in der Konsequenz zu AufsuchenderNotaufnahmebewegthat- Versorgungsstrukturen unterschiedlichen Rückläufen je Frage. ten, weniger als 24 h bestanden hatten. Bei 17,4% der Patienten lagen die Be- Vor dem Besuch der pädiatrischen Not- schwerden bereits seit bis zu 2 Tagen aufnahme hatten 49,6 % (339/684) der Medizinische und subjektive vor, noch 13,9 % der Befragten gaben an, befragten Besucher versucht, einen nie- Dringlichkeit dass die körperlichen Beschwerden sogar dergelassenen Hausarzt oder Kinderarzt Die Klassifikation und Priorisierung länger als 2 und bis zu 7 Tagen bestan- zu kontaktieren. Dabei gaben 20,2 % der der medizinischen Behandlungsdring- den hatten. Länger als 1 Woche oder gar Befragtenan, vomArztdirektindieNot- lichkeit von Kindern in der pädiatri- länger als 1 Monat hatten Beschwerden aufnahme verwiesenwordenzusein, bei schen Notaufnahme erfolgt nach MTS immerhin noch bei 7,2 % bzw. 4,3 % der 22,7 % der Befragten blieb der Kontakt- (. Abb. 1). befragten Besucher bestanden. Schmer- versuch mit dem niedergelassenen Arzt Über die Hälfte der vorgestellten zenaufeinernummerischenAnalogskala aufgrund geschlossener Praxen (Urlaub Kinder hatten mit blauer oder grüner von 0–10 dokumentierten 645 von 810 oder keine Sprechzeiten) erfolglos. Dies MTS-Klassifizierung normalen Behand- befragten Eltern bzw. Patienten (79,9 %), antizipierten bereits 10,4 % der Befrag- lungsbedarf und sind keine klassischen wobei 17,8 % der Befragten die eigenen ten, die angaben, den Hausarzt aufgrund Notfallpatienten mit hoher Behand- Schmerzen oder die ihrer Kinder als stark vermutlich nicht kurzfristig verfügbarer lungsdringlichkeit. Einen dringenden beurteilten (Ausprägungen von 8–10). Termine gar nicht erst kontaktiert zu ha- Behandlungsbedarf (gelb) wiesen 24,8 % ben. Das Auftreten der Notfallsituation der Kinder auf; 3,8 % sogar einen sehr außerhalb von Sprechzeiten des nieder- Geografische Einzugsweite der dringenden Behandlungsbedarf (oran- gelassenen Arztes (z.B. an Wochenen- Notaufnahme ge). Bei gut 18 % der Probanden wurde den) oder die subjektiv gefühlt hohe me- die Triagekategorie im Rahmen der Anhand der bei 729 von 810 Probanden dizinische Dringlichkeit waren weitere Fragebogenausgabe nicht vermerkt. erfassten Postleitzahlen (PLZ) konn- explizit genannte Gründe, den Hausarzt Im Befragungszeitraum ambulant be- te eine durchschnittliche geografische oder Kinderarzt vor dem Besuch in der handelt wurden 85,1 % aller Patienten; Distanz zwischen Wohnort und der Notaufnahmenichtzukontaktieren.Eine 14,9 % aller vorgestellten Kinder wurden pädiatrischen Notaufnahme berechnet Übersicht zu den Kontakt- bzw. Nicht- in Folge der Erstbehandlung in der Not- werden, die das Einzugsgebiet wider- kontaktgründen zeigt . Abb. 3. aufnahme stationär im Haus zur wei- spiegelt. Über die Hälfte der Eltern Der Fragebogen wurde von 46,2 % der teren Behandlung aufgenommen. Über bzw. Kinder (55,7 %) besuchten die Ein- ProbandenanTagen und zu Zeiten aus- die Hälfte der befragten Eltern bzw. Pa- richtung auseinem Einzugsradiusvon gefüllt, in denen Haus- und Kinderärzte tienten (57,2 %) gaben an, dass die ge- maximal 5 km Entfernung. Gleichzei- typischerweise Sprechstunden anbieten Notfall + Rettungsmedizin Ja, dieser schickte mich in die Rettungsstelle (20,2%) 20,2% 21,5% Ja, aber ich möchte eine zweite Meinung (3,8%) Ja, aber ich habe kurzfristig keinen Termin bekommen (2,0%) Ja, aber mein Arzt hat heute keine Sprechstunde/ Urlaub (22,7%) 3,8% Ja, aber die Sprechzeiten meines Arztes sind nicht vereinbar mit 2,0% meinen Arbeitszeiten (0,9%) Nein, da ich nur zu Besuch bin und hier keinen Arzt kenne (2,2%) 16,4% Nein, denn ich bekomme vermutlich keinen kurzfristigen Termin beim Arzt (10,4%) Nein, weil ich glaube hier im Krankenhaus medizinisch besser versorgt zu werden (16,4%) 22,7% Nein, anderer Grund (21,5%) 10,4% 2,2% 0,9% Abb. 3 8 Antworten auf die Frage „Haben Sie zuvor einen niedergelassenen Arzt (Hausarzt/Kinderarzt) wegen Ihrer Be- schwerden/wegen der Beschwerden Ihres Kindes kontaktiert?“ (n =684) (Montag bis Freitag von 8–19 Uhr ex- 4 Bequemlichkeitsmotive („Weil ich Spezifische Besuchsbeweggründe klusive Mittwochnachmittag). neben dem Krankenhaus wohne“), 4 Vorerfahrungen („Uns wurde bereits Obwohl gut 1/3 der befragten Probanden mehrfach gesagt, dass dort keine alternative Versorgungsstrukturen kann- Kenntnis alternativer Versorgungs- Kinderärzte tätig seien“; „Schlechte te, erfolgte die bewusste Entscheidung strukturen Erfahrung, Person am anderen Ende zum Aufsuchen der hier untersuchten Insbesondere außerhalb der regulären schien nicht qualifiziert, außerdem pädiatrischen Notaufnahme (. Abb. 5). Sprechstundenzeiten der niedergelasse- erschien uns eine Ferndiagnose nicht Über 1/3 der Eltern bzw. Begleitper- nen Ärzte sind bei Eltern Kenntnisse sinnvoll“; „Sind unhöflich und sagen sonen suchte die Notaufnahme aufgrund alternativer Versorgungsstrukturen er- man soll in die Erste Hilfe fahren“; der räumlichen Nähe auf; dies deckt sich forderlich,um die eingangsgeschilderten „Damals einmal angerufen als er ein mit den eingangs analysierten PLZ-Ein- Herausforderungen des „crowding“ mit kleines Baby war, da hieß es, wegen zugsgebieten. Weitere 32% der Befragten Nichtnotfallpatienten in der Notauf- so was bitte in die Rettungsstelle besuchten die Notaufnahme aufgrund nahme zu reduzieren. Nur gut 1/3 der fahren“), guter vorheriger Vorerfahrungen. Auch Probanden kennt alternative Versor- 4 fehlende Diagnosemöglichkeiten gaben kumuliert 49 % der Befragten gungsangebote, wobei lokale Notfallein- („Kind ist gestürzt mit Verdacht auf auf die Frage „Sind Sie in den letzten richtungen deutlich bekannter sind als Gehirnerschütterung, die Untersu- 12 Monaten mit ihrem Kind bereits in der bundesweite telefonische Notdienst/ chungsmöglichkeiten bei Ihnen sind einer (Kinder-)Rettungsstelle gewesen?“ Bereitschaftsdienst der KV, den nur 7,4 % größer“; „Weil dieser [KV-Notdienst] (n= 732) an, eine solche einmal oder der Befragten kennen (. Abb. 4). kein Sono und keine Blutunter- sogar mehrmals im vergangenen Jahr Von den Eltern, die den telefonischen suchung machen kann“; „Weil im aufgesucht zu haben. Da die untersuchte KV-Notdienst kennen und auch tatsäch- Krankenhaus mehr Möglichkeiten Notaufnahme einer hochspezialisier- lich angerufen hatten, wurden 73 % di- bestehen“) bis hin zu, ten pädiatrischen Maximalversorgungs- rekt und ohne Untersuchung, die üb- 4 lange Wartezeiten („Es geht schneller struktur (mit zahlreichen Fachambu- rigen 27% erst nach körperlicher Un- in der Rettungsstelle als auf einen lanzen, sozialpädagogischem Zentrum tersuchung durch den KV-Notdienst in KV-Notdienst zu warten“; „Weil der usw.) angehört, nutzten sie etwa 10 % die Kindernotaufnahme verwiesen. Of- KV-Arzt meistens mindestens drei der Probanden als schnellen Zugangsweg fensichtlich hatten jedoch viele Eltern Stunden braucht, um zu kommen, zur weiteren Dauerbehandlung. Hierbei trotz Kenntnis des telefonischen Bereit- und im Krankenhaus sind wir besser handelt es sich vermutlich vornehmlich schasft dienstes diesen nicht angerufen. aufgehoben“). um chronisch kranke Kinder mit be- Die Beweggründe hierfür wurden als of- rechtigter Vorstellung in einem Haus fene Frage erhoben und umfassen u. a.: der Maximalversorgung. Notfall + Rettungsmedizin Originalien ten Effekt des „crowding“. Verglichen 100% mit der Ersteinschätzung vor Ort und der nach der Behandlung resultieren- 90% den stationären Aufnahmequote von 80% lediglich 14,9 % scheinen die niederge- lassenen Haus- bzw. Kinderärzte ihrer 70% Lotsenfunktion im Gesundheitswesen 60% 84,9% 85,9% 88,0% nur bedingt gerecht zu werden. Eben- 92,6% 50% falls könnte eine möglicherweise nicht stringent genug umgesetzte Vertretungs- 40% pflicht in den Praxen mitursächlich für 30% die fehlende Erreichbarkeit niedergelas- 20% sener (Kinder-)Ärzte sein. 10% 15,1% 14,1% 12,0% Fehlende Kenntnis alternativer 7,4% 0% Notfallversorgungsstrukturen Bereitschaftsdienst DRK Klinikum DRK Klinikum Andere KV-Telefon Drontheimer Str. Westend Rettungsstellen/ Unabhängig von der tatsächlichen Be- Krankenhäuser handlungsnotwendigkeit in einer Not- ja nein fallversorgungseinrichtung sind die eta- blierten Versorgungsstrukturen des am- bulanten, kassenärztlichen Versorgungs- Abb. 4 8 Kenntnis alternativer Versorgungsstrukturen (n =810) bereichs wenig bekannt; auch lokale, ver- traglich gesteuerte KV-Kooperationsein- stellig wurde, wird die hier untersuchte richtungen sind den meisten Eltern nicht Diskussion Notaufnahme vermutlich von einigen geläufig. Dies könnte – in Kombination Patienten als bequemer Hausarztersatz mit den teils frustranen Kontaktversu- Individuelle Präferenzen verstanden und genutzt. chen zum niedergelassenen Arzt – mit- Eltern suchen eine Notaufnahme häu- verantwortlich für eine erhöhte Vorstel- fig aufgrund von Verunsicherung und lung nichtkritischerPatienteninder Not- Fehlende Verfügbarkeit/ Besorgnis auf [13]. Die Angst, dass aufnahme sein. Erreichbarkeit ambulanter eine vermutlich schwerwiegende Er- Versorgungsmöglichkeiten krankung oder Beschwerde des eige- Limitationen nen Kindes vorliegen könnte, führt Diese Präferenzen bzw. Anspruchshal- naturgemäß zum Aufsuchen einer geo- tungen treffen auf eine lokal suboptimal Trotz Ergebnisanalogie zu anderen Un- grafisch nahen, immer besetzten und ausgestaltete niedergelassene Versor- tersuchungen ist die durchgeführte Stu- zudem medizinisch gut ausgestatteten gungsstruktur, trotz eines nominellen die mit Limitationen verbunden und Behandlungseinrichtung. Dies deckt ambulanten pädiatrischen Versorgungs- in ihrer Aussagekraft nicht zwingend sich mit anderen Untersuchungen, die grads von 147,9 % aus Sicht der KV [12]: generalisierbar. Die gravierendste Ein- z. B. die subjektive Notfalleinschätzung/ Fast 1/4 aller Befragten konnte den nie- schränkung liegt im Befragungsszena- Behandlungsdringlichkeit von erwach- dergelassenen Arzt aufgrund geschlos- rio der Studie begründet: Mit wenigen senen Patienten [26, 27]und diehohe sener Praxen nicht erreichen. Dies deckt Ausnahmen wurden nicht die minder- medizinische Qualität und Verfügbarkeit sich mit Erkenntnissen anderer Unter- jährigen Patienten selbst, sondern deren des Leistungsangebots als Besuchsmo- suchungen zu erwachsenen Patienten, Begleiter befragt, was zu einem Infor- tive identifizieren konnten. Erkennbar die nichtgeöffnete (Hausarzt-)Praxen mationsbias (insbesondere in Bezug auf sind hier bequemlichkeitsorientierte als manifeste Barriere für die Nutzung subjektive Parameter wie empfundene Präferenzmuster, die in einer anderen niedergelassener Versorgungsstruktu- Schmerzen und Dauer der Beschwerden) Studie [23] treffend mit den Anglizismen ren erkannten [3, 8, 21]. Zwar erklären führen kann. Insgesamt beantworteten „doc to go“, „high-tech statt Hausarzt“ Nachtzeiten und Wochenenden mit oh- 43 % der Besucher den Fragebogen im und „all inclusive“ umschrieben werden nehin reduzierter Versorgungskapazität Untersuchungszeitraum; Patienten mit und nicht zwangsläufig mit dem ob- dies partiell, viele der in diesen Zei- sofortigem bzw. sehr dringendem Be- jektiven (Nicht-)Dringlichkeitsgrad der ten in der Notaufnahme vorstelligen handlungsbedarf waren a priori von wahrgenommenen Beschwerden über- Kinder bedürfen jedoch keiner Notfall- der Studie ausgeschlossen. Die Antwor- einstimmen. Da fast die Hälfte der Eltern versorgung in einem Krankenhaus der ten der nicht teilnehmenden Patienten/ (49 %) bereits zum zweiten Mal binnen Maximalversorgung und verstärken so Angehörigen hätten mitunter anders 12 Monatenineiner Notaufnahme vor- möglicherweise den eingangs erläuter- ausfallen können, was die Gefahr ei- Notfall + Rettungsmedizin tegrierter Leitstellen/Notfallzentren [22], weisen in die richtige Rich- tung. Kürzlich vorgelegte Modelle des Sachverständigenrates für Ge- sundheit, des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen und Örtliche Nähe der Allgemeinen Ortskrankenkassen Gute eigene Erfahrungen 35% zur verbesserten Zusammenar- 32% beit von niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten im Rahmen der ambulanten Notfallversorgung un- terscheiden sich insbesondere durch den unterschiedlich aufgefassten Sicherstellungsauftrag. 4 Das für das Frühjahr 2018 vom Empfehlungen Abb. 5 9 Antwor- dauerhafte Sachverständigenrat angekündigte 15% ten auf die Frage anderes Betreuung Gutachten zur Notfallversorgung [5] Internet „Was hat Sie bewo- 7% durch 1% gen, gerade unsere wird die kontrovers geführte Debatte Krankenhaus Kinderrettungsstel- 10% sicherlich weiter fokussieren und le aufzusuchen?“ hoffentlich dazu führen, dass die (n = 504) starren Sektorengrenzen zum Wohle patientenorientierter Notfallversor- nes Selektionsbias in sich trägt. Auch 4 Die beobachtete unangebrachte gungsstrukturen aufgebrochen und das spezifische, nominell überversorgte Inanspruchnahme, teils aufgrund neu sortiert werden [7]. pädiatrische Versorgungsnetz in einem eigener, nutzenoptimierender Prä- großstädtischen Ballungszentrum ist ferenzen, wird durch die restrikti- Korrespondenzadresse nicht repräsentativ für die deutsche Ge- onsfreie Arztwahl begünstigt und N. Löber sundheitsversorgungslandscha;ft in re- nicht durch entsprechend effektive Klinisches Qualitäts- und Risikomanagement, gionalen (z.B. ländlichen) Gebieten mit Steuerungsmechanismen ambulan- Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Krankenhäusern anderer Versorgungs- ter Notfalleinrichtungen durch die KV Member of Freie Universität Berlin, Humboldt- stufen könnten die Präferenzen und verringert. Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Motivationen von Eltern bzw. Patienten 4 Weder die personelle noch die finan- Health Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Deutschland unterschiedlich ausgeprägt sein. Auch zielle Ausstattung der untersuchten nils.loeber@charite.de die Wahl anderer Befragungszeiträume pädiatrischen Notaufnahme sind auf könnte zu divergenten Ergebnissen füh- die zunehmenden, nichtdringlichen ren. Schlussendlich führt der Einschluss Patientenströme adäquat vorberei- von via Rettungswagen eingelieferten Pa- tet; Erwartungshaltungen von Eltern Einhaltung ethischer Richtlinien tienten (in den MTS-Kategorien orange und Patienten (z.B. in Bezug auf bis blau) zu einem leichten Vergleichs- Wartezeiten in der Notaufnahme) Interessenkonflikt. N. Löber, G. Kranz, R. Berger, bias in Bezug zu anderen Studien, die werden so in zunehmendem Maße A. Gratopp und J.S. Jürgensen geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Rettungsdienstpatienten a priori ausge- enttäuscht. schlossen hatten. Dieser Bias umfasst 4 Einerseits bedarf es deshalb einer Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren aber maximal das Teilkollektiv orange konsequenteren Wahrnehmung des durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren. triagierter Patienten (n= 31; 3,8 % aller Versorgungsauftrags niedergelas- Open Access. Dieser Artikel wird unter der Creative befragten Probanden). sener (Kinder-)Ärzte, andererseits Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz neuer und adäquater (Notfall-)Ver- (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed. de) veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfäl- sorgungsstrukturen und Steuerungs- Fazit für die Praxis tigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe möglichkeiten für solche Patienten, in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Im Ergebnis zeigt die durchgeführte die absehbar keiner stationären Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäßnennen,einenLinkzurCreativeCom- Studie zur Inanspruchnahme einer pä- Weiterbehandlung im Krankenhaus mons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen diatrischen Notaufnahme trotz unter- bedürfen. vorgenommen wurden. schiedlicher Methodik und der damit 4 Die derzeit in Deutschland intensiv verbundenen beschränkten Vergleich- diskutierten und teilweise bereits ein- barkeit Ergebnisparallelen zu anderen geführten Instrumente wie z.B. die Studien im Erwachsenenkontext [21, 23, Eröffnung von Portalpraxen in Kran- 28]: kenhäusern [6]oder der Aufbau in- Notfall + Rettungsmedizin Originalien 15. Lapena Lopez de Armentia S, Reguero Celada S, Literatur Garcia Rabanal M et al (1996) Estudio epidemio- logico de las urgencias pediatricas en un hospital 1. Arrubla P, Arias Ruiz S, Carrasquilla Villa G et al general. Factores implicados en una demanda (2009) Demandas inadecuadas en urgencias inadecuada.AnEspPediatr44:121–125 e identificación del uso inadecuado de la 16. Mackway-Jones K, Marsden J, Windle J et al (Hrsg) hospitalización en el centro piloto de Assbasalud (2011) Ersteinschätzung in der Notaufnahme, Ese.enManizales.Año2008.ArchMed9:25–34 3.Aufl.Huber,Bern 2. Benahmed N, Laokri S, Zhang WH et al (2012) 17. Ogilvie S, Hopgood K, Higginson I et al (2016) Determinants of nonurgent use of the emergency Why do parents use the emergency department departmentforpediatricpatientsin12hospitalsin for minor injury and illness? A cross-sectional Belgium.EurJPediatr171:1829–1837 questionnaire.JRSMOpen7:1–10 3. Durand A-C, Palazzolo S, Tanti-Hardouin N et 18. Porter ME, Guth C (2012) Redefining German al (2012) Nonurgent patients in emergency healthcare.Springer,Berlin departments:rationalorirresponsibleconsumers? 19. RedstoneP,Vancura JL,Barry Det al(2008) Perceptionsofprofessionalsandpatients.BMCRes Nonurgent use of the emergency department. Notes5:525 JAmbulCareManage31:370–376 4. Fernandez Cano G, Martin Carballo G (2000) 20. Roukema J, Steyerberg EW, van Meurs A et al Urgencias pediatricas atendidas en una consulta (2006) Validity of the Manchester Triage System de atencion primaria (I): Analisis de la demanda. in paediatric emergency care. Emerg Med J AtenPrimaria26:76–80 23:906–910 5. Fricke A (2017) Gesundheitsweise wol- 21. Scherer M, Lühmann D, Kazek A et al (2017) len die Notfallversorgung aufmischen. Patienten in Notfallambulanzen. Dtsch Arztebl Int ÄrzteZeitung 08.09.2017. https://www. 114:645–652 aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/notfall- 22. Schlingensiepen I (2017) Notdienst: NRW u-katastrophen-versorgung/article/942665/ testet integrierte Leitstelle. ÄrzteZeitung praxen-laenger-oeffnen-gesundheitsweise- 18.07.2017. https://www.aerztezeitung.de/ wollen-notfallversorgung-aufmischen.html. politik_gesellschaft/berufspolitik/article/940051/ Zugegriffen:17.Nov.2017 notdienst-nrw-testet-integrierte-leitstelle.html. 6. Fricke A (2017) Triage: Ärzte fordern Auf- Zugegriffen:23.Nov.2017 lösen der Interessenkonflikte. ÄrzteZeitung 23. SchmiedhoferM,MöckelM,SlagmanAetal(2016) 08.09.2017. https://www.aerztezeitung.de/ Patient motives behind low-acuity visits to the politik_gesellschaft/berufspolitik/article/ emergency department in Germany: a qualitative 942680/triage-aerzte-fordern-aufloesen- study comparing urban and rural sites. BMJ Open interessenkonflikte.html.Zugegriffen: 17. Nov. 6:1–11 24. Schöpke T, Plappert T (2011) Kennzahlen von Not- 7. Fricke A (2017) Ab in die Klinik bei leichten aufnahmen in Deutschland. Notfall Rettungsmed Blessuren? Patientensteuerung sorgt für kontro- 14:371–378 verse Debatte. ÄrzteZeitung 24.10.2017. https:// 25. Schreyögg J, Bäuml M, Krämer J et al (2014) www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/ Forschungsauftrag zur Mengenentwicklung nach versorgungsforschung/article/946133/ab-klinik- § 17b Abs. 9 KHG, Endbericht Juli 2014. Center for leichten-blessuren-patientensteuerung-sorgt- HealthEconomics,Hamburg kontroverse-debatte.html?sh=1&h=749753494. 26. Schwartau I, Pant H, Borde T et al (2006) Zugegriffen:17.Nov.2017 Behandlungsdringlichkeit aus ärztlicher und Pa- 8. Gill JM, Riley AW (1996) Nonurgent use of hospital tientensicht – eine prospektive vergleichende emergency departments: urgency from the Querschnittsstudie an gynäkologisch-internis- patient’sperspective.JFamPract42:491–496 tischen Notfallambulanzen von drei Berliner 9. Halfon N, Newacheck PW, Wood DL et al (1996) Innenstadtkliniken. Geburtshilfe Frauenheilkd Routineemergencydepartmentuseforsickcareby 66:263–269 childrenintheUnitedStates.Pediatrics98:28–34 27. Searle J, Muller R, Slagman A et al (2015) Über- 10. Howard MS, Davis BA, Anderson C et al (2005) füllung der Notaufnahmen. Notfall Rettungsmed Patients’ perspective on choosing the emergency 18:306–315 departmentfor nonurgentmedical care: a qualita- 28. Somasundaram R, Geissler A, Leidel BA et al tive study exploring one reason for overcrowding. (2016) Beweggründe für die Inanspruchnahme JEmergNurs31:429–435 von Notaufnahmen – Ergebnisse einer Patienten- 11. Jimenez Alvarez C, Alaminos Mingorance M, Ruiz befragung.Gesundheitswesen17:1–6 Montes AM et al (2000) Demanda urgente en 29. Stanley R, Zimmerman J, Hashikawa C et al (2007) cirugia infantil. Estudiode utilizacion inapropiada. Appropriateness of children’s nonurgent visits CirPediatr13(2):64–68 to selected Michigan emergency departments. 12. Kassenärztliche Vereinigung Berlin (2015) Be- PediatrEmergCare23:532–536 darfsplan 2013 für den Zulassungsbezirk Ber- 30. Timm NL, Ho ML, Luria JW (2008) Pediatric lin (ergänzt mit Wirkung vom 30.09.2015). emergencydepartmentovercrowdingandimpact https://www.kvberlin.de/20praxis/10zulassung/ on patient flow outcomes. Acad Emerg Med 55bedarfsplan/bedarfsplan2013_erg.pdf.Zuge- 15:832–837 griffen:11.Dez.2017 31. van Veen M, Steyerberg EW, Ruige M et al 13. Koller D, Damm L (2013) Behandlung akut (2008) Manchester Triage System in paediatric erkrankter Kinder und Jugendlicher. Padiatr Padol emergency care: prospective observational study. 48:61–65 BMJ337:1–7 14. Köster C, Wrede S, Herrmann T et al (2016) Ambulante Notfallversorgung, AQUA- Institut. Göttingen. https://www.aqua- institut.de/fileadmin/aqua_de/Projekte/335_ Ambulante_Notfallversorgung/Gutachten_ Notfallversorgung.pdf.Zugegriffen:10.Okt.2017 Notfall + Rettungsmedizin

Journal

Notfall + RettungsmedizinSpringer Journals

Published: May 29, 2018

References

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 18 million articles from more than
15,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Search

Query the DeepDyve database, plus search all of PubMed and Google Scholar seamlessly

Organize

Save any article or search result from DeepDyve, PubMed, and Google Scholar... all in one place.

Access

Get unlimited, online access to over 18 million full-text articles from more than 15,000 scientific journals.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve

Freelancer

DeepDyve

Pro

Price

FREE

$49/month
$360/year

Save searches from
Google Scholar,
PubMed

Create lists to
organize your research

Export lists, citations

Read DeepDyve articles

Abstract access only

Unlimited access to over
18 million full-text articles

Print

20 pages / month

PDF Discount

20% off