Gewichtszunahme und kolorektale Adenome

Gewichtszunahme und kolorektale Adenome journal club Indizien für einen Zusammenhang Hintergrund und Fragestellung: Kolorektale Adenome sind be- fects-Modells summiert und die 95 %-Kon�denzintervalle kannte Vorläufer für die Mehrzahl der kolorektalen Karzinome [95 %-KI]) berechnet. (CRC). Auch eine Gewichtszunahme bei Erwachsenen wurde als Risikofaktor für CRC identi�ziert. Der Zusammenhang zwi- Ergebnisse: Auf Basis von neun Studien mit 5.507 Erwachsenen schen Gewichtszunahme und der Entwicklung von kolorekta- betrug die summierte OR für das Au‘reten von kolorektalen len Adenomen ist allerdings weniger gesichert. Deshalb wurde Adenomen 1,39 (95 %-KI 1,17 – 1,65) bei starker Gewichtszunah- nun eine systematische Übersicht und Metaanalyse durchge- me (Mittel von 17,4 kg) gegenüber stabilem Übergewicht. Mit führt, um gesicherte Evidenz für diesen Zusammenhang zu ge- jeder Gewichtszunahme um 5 kg nahm das Risiko für Adeno- winnen [1]. me um 7 % zu (2 – 11 %; n = 7 Studien). Obwohl rechnerisch kei- ne eindeutige Linearität bestand (p [für nicht linear] < 0,001), Patienten und Methodik: Mithilfe einer Medline-Suche wur - war die Wahrscheinlichkeit für kolorektale Adenome durchweg den bis September 2016 prospektive Querschnitts- und retro- über die gesamte Breite der Gewichtszunahme erhöht. In drei spektive Beobachtungsstudien zur Gewichtszunahme bei Er- Studien wurde die Assoziation zwischen Gewichtszunahme und wachsenen und das Au‘reten und Wiederau‘reten von kolo- Wiederau‘reten von kolorektalen Adenomen untersucht. Je- rektalen Adenomen identi�ziert. Um diese Assoziation zu spe - doch waren die Daten zu begrenzt, um hieraus gesicherte zi�zieren, erfolgte eine Metaanalyse, in der eine starke Ge- Schlüsse ziehen zu können. wichtszunahme gegenüber stabilem Übergewicht sowie Schlussfolgerungen: Eine Gewichtszunahme bei Erwachsenen Schlesinger S et al. Adult lineare und nicht lineare – und sei sie auch gering – korreliert mit einem erhöhen Risiko weight gain and colorectal ade- Veränderungen des Ge- für kolorektale Adenome. Die Daten unterstreichen die Bedeu- nomas-a systematic review and wichts untersucht wurden. tung einer Gewichtskontrolle bei Erwachsenen im Hinblick auf meta-analysis. Ann Oncol. 2017; Odds Ratios (OR) wurden das Au‘reten kolorektaler Adenome. Dies ist wiederum rele- 28 (6): 1217 – 29 vant für die Prävention von CRC. mithilfe des Random-Ef- – Kommentar von Ulrich R. Kleeberg, Hamburg „Die erhebliche Bedeutung von Adipokinen und Myokinen für das Krebswachstum wird unterschätzt“ CRC sind die dritthäugste Krebserkrankung bei Männern und tige Möglichkeit, das eigene Schicksal günstig zu beeinšussen stehen an zweiter Stelle bei Frauen. Die Bedeutung verschie- – die sich doch so unendlich schwer realisieren lässt. Wir dür- dener Aspekte der Lebensführung für die CRC-Inzidenz ist ge - fen nicht ermüden, diese Erkenntnisse bereits im Kindergar- sichert: Rauchen, die Ernährungsweise, körperliche Aktivität, ten zu vermitteln, und sie als Onkologen insbesondere in der Übergewicht und eine Gewichtszunahme im Erwachsenenal- Nachsorgephase von Krebspatienten ganz in das Zentrum der ter stehen in kausalem Zusammenhang mit der Ätiologie und Bemühungen zu stellen. Pathogenese der Karzinomentwicklung (z. B. [2]). Evidenzba- siert ist auch die Adenom-zu-Karzinom-Sequenz für CRC. Da- Literatur her lag es nahe, dass dieselben Risikofaktoren für die Ätiologie 1. Schlesinger S et al. Ann Oncol. 2017; 28 (6): 1217 – 29 2. Huxley RR et al. Int J Cancer. 2009; 125 (1): 171 – 80 der Adenome ebenso relevant sind. Hinzu kommen noch der 3. Keum N et al. Ann Oncol. 2015; 26 (6): 1101 – 9 Fasergehalt der Nahrung und der Alkohol- und Fleischkonsum. Eine Metaanalyse zeigte, dass weißes, viszerales Fettgewebe eine Reihe ungünstiger metabolischer Konsequenzen hat [3], dass im viszeralen Fettgewebe gebildete Adipokine unter an- derem das Wachstum kolorektaler Adenome induzieren und als Mediator für die Karzinomsequenz fungieren können. Übergewicht und Bewegungsmangel beziehungsweise die Prof. Dr. med. Ulrich R. Kleeberg hierdurch modizierten Adipokine des weißen Fettgewebes als wachstumsfördernde und die Myokine der Muskulatur als Hämatologisch-onkologische wachstumshemmende Zytokine haben eine erhebliche, im- Praxis Altona, Tagesklinik Struensee-Haus, mer noch unterschätzte Bedeutung für das Krebswachstum: Mörkenstr. 47, 22767 Hamburg Der Erfolg der Primär- und Tertiärprävention hängt entschei- E-Mail: urkleeberg@hopa-hamburg.de dend von unserer Lebensführung ab. Dies bietet eine großar- 22 GASTRO-NEWS 2017; 04 (2) http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Gastro-News Springer Journals

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Publisher
Springer Journals
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Medicine & Public Health; Gastroenterology; Internal Medicine; Hepatology; Colorectal Surgery
ISSN
1869-1005
eISSN
2520-8667
D.O.I.
10.1007/s15036-017-0273-2
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Abstract

journal club Indizien für einen Zusammenhang Hintergrund und Fragestellung: Kolorektale Adenome sind be- fects-Modells summiert und die 95 %-Kon�denzintervalle kannte Vorläufer für die Mehrzahl der kolorektalen Karzinome [95 %-KI]) berechnet. (CRC). Auch eine Gewichtszunahme bei Erwachsenen wurde als Risikofaktor für CRC identi�ziert. Der Zusammenhang zwi- Ergebnisse: Auf Basis von neun Studien mit 5.507 Erwachsenen schen Gewichtszunahme und der Entwicklung von kolorekta- betrug die summierte OR für das Au‘reten von kolorektalen len Adenomen ist allerdings weniger gesichert. Deshalb wurde Adenomen 1,39 (95 %-KI 1,17 – 1,65) bei starker Gewichtszunah- nun eine systematische Übersicht und Metaanalyse durchge- me (Mittel von 17,4 kg) gegenüber stabilem Übergewicht. Mit führt, um gesicherte Evidenz für diesen Zusammenhang zu ge- jeder Gewichtszunahme um 5 kg nahm das Risiko für Adeno- winnen [1]. me um 7 % zu (2 – 11 %; n = 7 Studien). Obwohl rechnerisch kei- ne eindeutige Linearität bestand (p [für nicht linear] < 0,001), Patienten und Methodik: Mithilfe einer Medline-Suche wur - war die Wahrscheinlichkeit für kolorektale Adenome durchweg den bis September 2016 prospektive Querschnitts- und retro- über die gesamte Breite der Gewichtszunahme erhöht. In drei spektive Beobachtungsstudien zur Gewichtszunahme bei Er- Studien wurde die Assoziation zwischen Gewichtszunahme und wachsenen und das Au‘reten und Wiederau‘reten von kolo- Wiederau‘reten von kolorektalen Adenomen untersucht. Je- rektalen Adenomen identi�ziert. Um diese Assoziation zu spe - doch waren die Daten zu begrenzt, um hieraus gesicherte zi�zieren, erfolgte eine Metaanalyse, in der eine starke Ge- Schlüsse ziehen zu können. wichtszunahme gegenüber stabilem Übergewicht sowie Schlussfolgerungen: Eine Gewichtszunahme bei Erwachsenen Schlesinger S et al. Adult lineare und nicht lineare – und sei sie auch gering – korreliert mit einem erhöhen Risiko weight gain and colorectal ade- Veränderungen des Ge- für kolorektale Adenome. Die Daten unterstreichen die Bedeu- nomas-a systematic review and wichts untersucht wurden. tung einer Gewichtskontrolle bei Erwachsenen im Hinblick auf meta-analysis. Ann Oncol. 2017; Odds Ratios (OR) wurden das Au‘reten kolorektaler Adenome. Dies ist wiederum rele- 28 (6): 1217 – 29 vant für die Prävention von CRC. mithilfe des Random-Ef- – Kommentar von Ulrich R. Kleeberg, Hamburg „Die erhebliche Bedeutung von Adipokinen und Myokinen für das Krebswachstum wird unterschätzt“ CRC sind die dritthäugste Krebserkrankung bei Männern und tige Möglichkeit, das eigene Schicksal günstig zu beeinšussen stehen an zweiter Stelle bei Frauen. Die Bedeutung verschie- – die sich doch so unendlich schwer realisieren lässt. Wir dür- dener Aspekte der Lebensführung für die CRC-Inzidenz ist ge - fen nicht ermüden, diese Erkenntnisse bereits im Kindergar- sichert: Rauchen, die Ernährungsweise, körperliche Aktivität, ten zu vermitteln, und sie als Onkologen insbesondere in der Übergewicht und eine Gewichtszunahme im Erwachsenenal- Nachsorgephase von Krebspatienten ganz in das Zentrum der ter stehen in kausalem Zusammenhang mit der Ätiologie und Bemühungen zu stellen. Pathogenese der Karzinomentwicklung (z. B. [2]). Evidenzba- siert ist auch die Adenom-zu-Karzinom-Sequenz für CRC. Da- Literatur her lag es nahe, dass dieselben Risikofaktoren für die Ätiologie 1. Schlesinger S et al. Ann Oncol. 2017; 28 (6): 1217 – 29 2. Huxley RR et al. Int J Cancer. 2009; 125 (1): 171 – 80 der Adenome ebenso relevant sind. Hinzu kommen noch der 3. Keum N et al. Ann Oncol. 2015; 26 (6): 1101 – 9 Fasergehalt der Nahrung und der Alkohol- und Fleischkonsum. Eine Metaanalyse zeigte, dass weißes, viszerales Fettgewebe eine Reihe ungünstiger metabolischer Konsequenzen hat [3], dass im viszeralen Fettgewebe gebildete Adipokine unter an- derem das Wachstum kolorektaler Adenome induzieren und als Mediator für die Karzinomsequenz fungieren können. Übergewicht und Bewegungsmangel beziehungsweise die Prof. Dr. med. Ulrich R. Kleeberg hierdurch modizierten Adipokine des weißen Fettgewebes als wachstumsfördernde und die Myokine der Muskulatur als Hämatologisch-onkologische wachstumshemmende Zytokine haben eine erhebliche, im- Praxis Altona, Tagesklinik Struensee-Haus, mer noch unterschätzte Bedeutung für das Krebswachstum: Mörkenstr. 47, 22767 Hamburg Der Erfolg der Primär- und Tertiärprävention hängt entschei- E-Mail: urkleeberg@hopa-hamburg.de dend von unserer Lebensführung ab. Dies bietet eine großar- 22 GASTRO-NEWS 2017; 04 (2)

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Published: Dec 1, 2017

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