Ein Zäpfchen ist und bleibt ein Analtorpedo

Ein Zäpfchen ist und bleibt ein Analtorpedo AU S D E R P R A X I S WA S M MW  LE S E R E R LE B E N Für jede veröentlichte Geschichte gibt es bis zu Heitere, ärgerliche und oft auch seltsame Erlebnisse prägen den ärztlichen Alltag. 150 Euro! Schicken Sie uns Ihre Geschichten an: cornelius.heyer@springer.com Bei dem Typen verleugne ich mich lieber! Es war Freitagabend, das Ende der Totschlag in Hausarztpraxen an meinem Sprechstunde war nah. Alle Patienten inneren Auge vorbei. waren gegangen, nur noch eine Arzthel- Ich fasste mir ein Herz und wandte ferin war da, und der Schlüssel zum Ver- mich mit betont sicherer Stimme an die schließen der Praxistür lag auch schon Helferin, die die Geldkassette schon un- bereit. Ich setzte mich mit an die Anmel- au™ällig zu ihren Füßen zu deponieren dung und begann, die geö™nete und versuchte, und fragte: „Gell, Sonja, der wohlgefüllte Geldkassette zu kontrollie- Doktor ist schon auf Hausbesuch weg, ren. Damals gab es noch die Praxis- oder?“ Sie nickte, und im Chor riefen gebühr, man hatte also immer viel Bares wir: „Der Doktor ist leider nicht mehr zum Nachzählen. da!“ Wir erklärten dem Mann, dass er Ich ließ die abgelaufene Woche Revue sich doch bitte am Montag mit seinem passieren. Es war eine harte Zeit mit Rezeptwunsch nochmals vorstellen Vertretungen gewesen. Wir hatten viel möchte. Er wurde zunehmend ungehal - Ärger mit sehr aggressiven Patienten ge- tener, verließ aber dann glücklicherwei- habt, und mein Kollege befand sich auch se einfach nur laut ¢uchend die Praxis. noch im Urlaub. Wir versperrten sofort die Tür. Da ö™nete sich unvermittelt die Pra- Ich muss zugeben, das ich mich seit- xistür, und herein kam ein uns unbe - dem in manchen Situationen nach die- kannter, äußerst muskulöser, œnster bli- sem „Der Doktor ist nicht da!“ sehne. Es ckender junger Mann, der ohne größere war ein befreiendes Gefühl, die Verant - Einleitung barsch ein Rezept für Fluni- wortung abzugeben. Aber es blieb bisher trazepam forderte. Ich war erst einmal das einzige Mal, dass ich mein Arztsein wie gelähmt. In Sekundenschnelle zogen verleugnete. „Her mit den Benzos, sonst ...!“ all die Horrormeldungen über Raub und Dr. Ingrid Hermann-Siedler, Erlangen Ein Zäpfchen ist und bleibt Ein nächtlicher Notfall – ein Analtorpedo Es ist unbegreiflich, welche Probleme man findet jedenfalls der Patient als Arzt mit der Anwendung von Zäpfchen erlebt. Ein „suppologisches Schmankerl“ er- Zu nachtschlafener Zeit, gegen 3 Uhr hatte. Ich fragte daher nach dem Ver- eignete sich während meiner HNO-Famu- morgens, wurde ich zu einem akuten bleib des Mittels. „Ach, mein kleiner lantenzeit an der Uni. Ein operierter Patient kam aufgeregt in die Ambulanz und gab an, Asthma anfall gerufen. Bei meiner An- Sohn hat immer so Spaß daran, wenn ich nach der Applikation des Zäpfchens nichts kun sah ich den Patienten, einen jun- auf das Spray drücke und er die Sprüh- mehr hören zu können! gen Mann, vor dem Fernseher sitzen, be- wolke sieht.“ Der Oberarzt hatte seine liebe Mühe, alle schäigt mit Videospielen. „Herr Malz“, Wegen Dämlichkeit habe ich ihm Reste des Suppositoriums aus dem quakte er – nicht etwa Herr Doktor Malz kein Kassen-, sondern ein Privatrezept Gehörgang zu entfernen. –, „ich brauche neues Asthmaspray!“ ausgestellt, auf dass er etwas lerne. Ich Dr. Walter Bachmann, Neunkirchen (Saar) Nun wusste ich, dass er gerade wenige fürchte, es hat wenig genutzt. Tage zuvor ein neues Rezept abgeholt Dr. Henrich Malz, Vlotho 26 MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 © xalanx / Getty Images / iStock http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png MMW - Fortschritte der Medizin Springer Journals

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Publisher
Springer Journals
Copyright
Copyright © 2018 by Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature
Subject
Medicine & Public Health; General Practice / Family Medicine; Internal Medicine
ISSN
1438-3276
eISSN
1613-3560
D.O.I.
10.1007/s15006-018-0568-z
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Abstract

AU S D E R P R A X I S WA S M MW  LE S E R E R LE B E N Für jede veröentlichte Geschichte gibt es bis zu Heitere, ärgerliche und oft auch seltsame Erlebnisse prägen den ärztlichen Alltag. 150 Euro! Schicken Sie uns Ihre Geschichten an: cornelius.heyer@springer.com Bei dem Typen verleugne ich mich lieber! Es war Freitagabend, das Ende der Totschlag in Hausarztpraxen an meinem Sprechstunde war nah. Alle Patienten inneren Auge vorbei. waren gegangen, nur noch eine Arzthel- Ich fasste mir ein Herz und wandte ferin war da, und der Schlüssel zum Ver- mich mit betont sicherer Stimme an die schließen der Praxistür lag auch schon Helferin, die die Geldkassette schon un- bereit. Ich setzte mich mit an die Anmel- au™ällig zu ihren Füßen zu deponieren dung und begann, die geö™nete und versuchte, und fragte: „Gell, Sonja, der wohlgefüllte Geldkassette zu kontrollie- Doktor ist schon auf Hausbesuch weg, ren. Damals gab es noch die Praxis- oder?“ Sie nickte, und im Chor riefen gebühr, man hatte also immer viel Bares wir: „Der Doktor ist leider nicht mehr zum Nachzählen. da!“ Wir erklärten dem Mann, dass er Ich ließ die abgelaufene Woche Revue sich doch bitte am Montag mit seinem passieren. Es war eine harte Zeit mit Rezeptwunsch nochmals vorstellen Vertretungen gewesen. Wir hatten viel möchte. Er wurde zunehmend ungehal - Ärger mit sehr aggressiven Patienten ge- tener, verließ aber dann glücklicherwei- habt, und mein Kollege befand sich auch se einfach nur laut ¢uchend die Praxis. noch im Urlaub. Wir versperrten sofort die Tür. Da ö™nete sich unvermittelt die Pra- Ich muss zugeben, das ich mich seit- xistür, und herein kam ein uns unbe - dem in manchen Situationen nach die- kannter, äußerst muskulöser, œnster bli- sem „Der Doktor ist nicht da!“ sehne. Es ckender junger Mann, der ohne größere war ein befreiendes Gefühl, die Verant - Einleitung barsch ein Rezept für Fluni- wortung abzugeben. Aber es blieb bisher trazepam forderte. Ich war erst einmal das einzige Mal, dass ich mein Arztsein wie gelähmt. In Sekundenschnelle zogen verleugnete. „Her mit den Benzos, sonst ...!“ all die Horrormeldungen über Raub und Dr. Ingrid Hermann-Siedler, Erlangen Ein Zäpfchen ist und bleibt Ein nächtlicher Notfall – ein Analtorpedo Es ist unbegreiflich, welche Probleme man findet jedenfalls der Patient als Arzt mit der Anwendung von Zäpfchen erlebt. Ein „suppologisches Schmankerl“ er- Zu nachtschlafener Zeit, gegen 3 Uhr hatte. Ich fragte daher nach dem Ver- eignete sich während meiner HNO-Famu- morgens, wurde ich zu einem akuten bleib des Mittels. „Ach, mein kleiner lantenzeit an der Uni. Ein operierter Patient kam aufgeregt in die Ambulanz und gab an, Asthma anfall gerufen. Bei meiner An- Sohn hat immer so Spaß daran, wenn ich nach der Applikation des Zäpfchens nichts kun sah ich den Patienten, einen jun- auf das Spray drücke und er die Sprüh- mehr hören zu können! gen Mann, vor dem Fernseher sitzen, be- wolke sieht.“ Der Oberarzt hatte seine liebe Mühe, alle schäigt mit Videospielen. „Herr Malz“, Wegen Dämlichkeit habe ich ihm Reste des Suppositoriums aus dem quakte er – nicht etwa Herr Doktor Malz kein Kassen-, sondern ein Privatrezept Gehörgang zu entfernen. –, „ich brauche neues Asthmaspray!“ ausgestellt, auf dass er etwas lerne. Ich Dr. Walter Bachmann, Neunkirchen (Saar) Nun wusste ich, dass er gerade wenige fürchte, es hat wenig genutzt. Tage zuvor ein neues Rezept abgeholt Dr. Henrich Malz, Vlotho 26 MMW Fortschritte der Medizin 2018 . 10 / 160 © xalanx / Getty Images / iStock

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Published: May 29, 2018

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