Die ILAE-Klassifikation der Hippocampussklerose von 2013 im klinisch pathologischen Alltag

Die ILAE-Klassifikation der Hippocampussklerose von 2013 im klinisch pathologischen Alltag Eine Hippocampussklerose (HS) ist durch subtotale Nervenzellverluste in verschiedenen anatomischen Sektoren des Hippocampus charakterisiert und praktisch immer mit einer medikamentös schwer behandelbaren Temporallappenepilepsie (TLE) vergesellschaftet. Die operative Entfernung des Hippocampus und angrenzender Strukturen des Schläfenlappens konnte in einer randomisierten klinischen Studie als erfolgreicher Therapieansatz bestätigt werden. Bei der histopathologischen Untersuchung finden sich jedoch unterschiedliche Verteilungsmuster hippokampaler Zellverluste. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten diesen Mustern mit Einschränkung typische klinische Verläufe zuordnen. Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) hat daher erstmalig 2013 eine internationale Konsensusklassifikation der HS vorgeschlagen. Wir erhoffen uns durch die Einteilung in 4 klinisch pathologische Subtypen eine bessere Aussagekraft zur Epilepsieentstehung und zu dem klinischen Verlauf. Es bleiben aber Fragen offen: 1. Warum führt ein Verlust erregender Nervenzellen im Hippocampus zu einer gesteigerten Erregbarkeit im Schläfenlappen? 2. Warum führen frühkindliche Schädigungen, wie beispielsweise Fieberkrämpfe, zur einseitigen Hippocampusschädigung? 3. Es erscheint paradox, dass die histopathologisch schwerste Form der HS mit subtotalen Nervenzelluntergängen in fast allen Hippocampusregionen den besten postoperativen Verlauf zeigt. 4. Es erscheint paradox, dass Patienten mit subtotalem Verlust von Pyramidenzellen in der CA1-Region und erhaltenem Körnerzellband präoperativ nur wenig messbare Gedächtnisstörungen aufweisen. Auf der Grundlage einer einheitlichen klinisch pathologischen Klassifikation soll uns die humane Hippocampusforschung zukünftig mehr Impulse zum Verständnis der Epilepsieentstehung und gleichsam Einblicke in Struktur und Biologie des Gedächtnisses liefern. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Epileptologie Springer Journals

Die ILAE-Klassifikation der Hippocampussklerose von 2013 im klinisch pathologischen Alltag

Loading next page...
 
/lp/springer_journal/die-ilae-klassifikation-der-hippocampussklerose-von-2013-im-klinisch-Ji5vZDvRb5
Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Medicine & Public Health; Neurology
ISSN
1617-6782
eISSN
1610-0646
D.O.I.
10.1007/s10309-017-0117-2
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

Eine Hippocampussklerose (HS) ist durch subtotale Nervenzellverluste in verschiedenen anatomischen Sektoren des Hippocampus charakterisiert und praktisch immer mit einer medikamentös schwer behandelbaren Temporallappenepilepsie (TLE) vergesellschaftet. Die operative Entfernung des Hippocampus und angrenzender Strukturen des Schläfenlappens konnte in einer randomisierten klinischen Studie als erfolgreicher Therapieansatz bestätigt werden. Bei der histopathologischen Untersuchung finden sich jedoch unterschiedliche Verteilungsmuster hippokampaler Zellverluste. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten diesen Mustern mit Einschränkung typische klinische Verläufe zuordnen. Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) hat daher erstmalig 2013 eine internationale Konsensusklassifikation der HS vorgeschlagen. Wir erhoffen uns durch die Einteilung in 4 klinisch pathologische Subtypen eine bessere Aussagekraft zur Epilepsieentstehung und zu dem klinischen Verlauf. Es bleiben aber Fragen offen: 1. Warum führt ein Verlust erregender Nervenzellen im Hippocampus zu einer gesteigerten Erregbarkeit im Schläfenlappen? 2. Warum führen frühkindliche Schädigungen, wie beispielsweise Fieberkrämpfe, zur einseitigen Hippocampusschädigung? 3. Es erscheint paradox, dass die histopathologisch schwerste Form der HS mit subtotalen Nervenzelluntergängen in fast allen Hippocampusregionen den besten postoperativen Verlauf zeigt. 4. Es erscheint paradox, dass Patienten mit subtotalem Verlust von Pyramidenzellen in der CA1-Region und erhaltenem Körnerzellband präoperativ nur wenig messbare Gedächtnisstörungen aufweisen. Auf der Grundlage einer einheitlichen klinisch pathologischen Klassifikation soll uns die humane Hippocampusforschung zukünftig mehr Impulse zum Verständnis der Epilepsieentstehung und gleichsam Einblicke in Struktur und Biologie des Gedächtnisses liefern.

Journal

Zeitschrift für EpileptologieSpringer Journals

Published: Mar 24, 2017

References

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 18 million articles from more than
15,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Search

Query the DeepDyve database, plus search all of PubMed and Google Scholar seamlessly

Organize

Save any article or search result from DeepDyve, PubMed, and Google Scholar... all in one place.

Access

Get unlimited, online access to over 18 million full-text articles from more than 15,000 scientific journals.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve

Freelancer

DeepDyve

Pro

Price

FREE

$49/month
$360/year

Save searches from
Google Scholar,
PubMed

Create lists to
organize your research

Export lists, citations

Read DeepDyve articles

Abstract access only

Unlimited access to over
18 million full-text articles

Print

20 pages / month

PDF Discount

20% off