DÄT gegen Direktzugang und Blankoverordnung

DÄT gegen Direktzugang und Blankoverordnung B e r u f sp o lit i k | AU S U N S E R E M FAC H deren Ländern und müssen in das bun - desdeutsche Gesundheitssystem integ - riert werden. Was kann und muss die Kammer hier tun? Schulz: Wir haben in Brandenburg hohe An- forderungen bezüglich der Fachsprachtests und der Kenntnisstandsprüfungen für aus- ländische Ärztinnen und Ärzte. Diese weiter zu perfektionieren, ist eine wichtige Aufga - be. Die Integration ausländischer Kollegin- nen und Kollegen funktioniert in vielen Krankenhäusern schon sehr gut. Wir werden uns aber auch hier weiterhin Gedanken ma- chen müssen, wie die Integration noch bes- ser beziehungsweise e­zienter werden kann. Dazu wird es Gespräche unter ande- Der Deutsche Ärztetag (DÄT) hat Ende Mai in Freiburg auch mehrere rem mit dem Landesamt für Arbeitsschutz, Beschlüsse mit Relevanz für O und U getro”en. Verbraucherschutz und Gesundheit, der Ap - Gegen einen Direktzugang zu Heilmitteln hat sich das Ärzteparlament positio- probationsbehörde und der Krankenhaus- niert, aber auch gegen Blankoverordnungen an Physiotherapeuten, wie sie in gesellschaft geben. Modellversuchen in allen Bundesländern erprobt werden sollen. Für den Beschluss hatte sich unter anderem der Landesvorsitzende Berlin des BVOU, Die Versorgung in Brandenburg ist da- Dr. Klaus Thierse, als Ärztetagsdelegierter eingesetzt. durch gekennzeichnet, dass sie in Berlin- Unter anderem auf Betreiben des Berliner BVOU-Mitglieds Dr. Hans-Detlef nahen Bereichen o� sehr gut ist, aber an Dewitz sowie von Frank-Ullrich Schulz fasste der Ärztetag einen Beschluss zum der Peripherie ausdünnt. Ist das auch ein Thema Osteoporose. Ihre Erkennung und Behandlung sei „eine fächer- und sek- ­ema für die Kammer? torenübergreifende Herausforderung, für die – im Gegensatz zu anderen häu‰g Schulz: Der Sicherstellungsauftrag liegt bei vorkommenden Erkrankungen – bisher noch keine strukturierten Behandlungs- der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Ver- pfade der Versorgung existieren. In der gefühlten Wirklichkeit beklagen die Kol- leginnen und Kollegen in den Kliniken, dass Behandlungsvorschläge ambulant sorgung ist somit kein primäres Thema der nicht weitergeführt werden, und die Niedergelassenen beklagen, dass in der Kli- Landesärztekammer. Aber natürlich unter- nik keine Osteoporosetherapie eingeleitet wird.“ Die vier Antragsteller forder- stützen wir die KV bei der Gewinnung von ten, sich für eine Bestandsaufnahme entsprechend den Vorgaben der internati- Ärzten insbesondere für die ländlichen Re- onalen „Bone and Joint Decade 2010–2020“ einzusetzen. gionen, in denen es, ähnlich wie in vielen Verabschiedet wurde weiterhin ein Konzept zum Delegationsmodell „Physician anderen Bundesländern, zeitweilig Versor- Assistent (PA) zur Arztentlastung und -unterstützung“. Bundesärztekammer gungsprobleme gibt. (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben die Grundlagen hierfür erarbeitet. PA ist eine aus dem internationalen Sprachgebrauch entlehn- Viele Ärztekammern sehen sich damit te Bezeichnung für einen hochschulisch quali‰zierten Gesundheitsberuf (Bache- konfrontiert, dass sie die Regeln der Aus- lor-Niveau), der vom Arzt delegierte Aufgaben übernimmt. Für die Zulassung zum Studium wird eine dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf, und Weiterbildung an die Erfordernisse zum Beispiel als Medizinische Fachangestellte, vorausgesetzt. BÄK und KBV wur- in einer älter werdenden Gesellscha� an- den aber aufgefordert, den Delegationsvorbehalt strikt einzuhalten und sich da - passen sollen. Welche Rolle spielen sol- für einzusetzen, „dass der Studiengang zum Arztassistenten kein grundständi- chen Anforderungen in Brandenburg? ges Studium wird“. Schulz: Die Muster-Weiterbildungsord - Der Ärztetag hat auch einen konsequenten Ausbau sektorenübergreifender nung, die ja von den Gremien der Bundes - Notfallversorgungsstrukturen gefordert. Dies müsse in Kooperation zwischen ärztekammer erarbeitet und vom Deut- Kliniken und Praxen erfolgen und sektorenübergreifend extrabudgetär einheit- schen Ärztetag beschlossen werden muss, lich ‰nanziert werden. Konkret forderten die Delegierten, Notfallpraxen bezie- ist für mich kein Instrument, um Versor - hungsweise Bereitschaftspraxen an dafür geeigneten Kliniken als Anlaufstellen gungsprobleme zu lösen. Sie legt die zu scha”en. Im Rahmen des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes könnten Anforderungen und Regularien für eine ef - Patienten dort ambulant versorgt und bei Bedarf an die stationären Notaufnah- men weitergeleitet werden. ‰ziente und hochquali‰zierte Weiterbil - dung unserer jungen Kolleginnen und Kol - An den Vorstand zur weiteren Beratung überwiesen wurde ein Antrag zur Ab- legen fest – nicht mehr, aber auch nicht klärungspauschale für Notfallpatientinnen und -patienten, die keine Notfallbe- weniger. handlung benötigen. Die auf zwei Minuten Behandlungszeit kalkulierte Gebühr entspreche in keiner Weise dem tatsächlichen Aufwand. Hier müsse nachkorri- giert werden. Sabine Rieser, Presse BVOU Das Interview führte Sabine Rieser. Orthopädie und Unfallchirurgie 2017; 07 (4) 27 © Christian Griebel http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Orthopädie und Unfallchirurgie Springer Journals

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Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Medicine & Public Health; Orthopedics; Traumatic Surgery; Conservative Orthopedics; Surgical Orthopedics
ISSN
2193-5254
eISSN
2193-5262
D.O.I.
10.1007/s41785-017-0194-5
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Abstract

B e r u f sp o lit i k | AU S U N S E R E M FAC H deren Ländern und müssen in das bun - desdeutsche Gesundheitssystem integ - riert werden. Was kann und muss die Kammer hier tun? Schulz: Wir haben in Brandenburg hohe An- forderungen bezüglich der Fachsprachtests und der Kenntnisstandsprüfungen für aus- ländische Ärztinnen und Ärzte. Diese weiter zu perfektionieren, ist eine wichtige Aufga - be. Die Integration ausländischer Kollegin- nen und Kollegen funktioniert in vielen Krankenhäusern schon sehr gut. Wir werden uns aber auch hier weiterhin Gedanken ma- chen müssen, wie die Integration noch bes- ser beziehungsweise e­zienter werden kann. Dazu wird es Gespräche unter ande- Der Deutsche Ärztetag (DÄT) hat Ende Mai in Freiburg auch mehrere rem mit dem Landesamt für Arbeitsschutz, Beschlüsse mit Relevanz für O und U getro”en. Verbraucherschutz und Gesundheit, der Ap - Gegen einen Direktzugang zu Heilmitteln hat sich das Ärzteparlament positio- probationsbehörde und der Krankenhaus- niert, aber auch gegen Blankoverordnungen an Physiotherapeuten, wie sie in gesellschaft geben. Modellversuchen in allen Bundesländern erprobt werden sollen. Für den Beschluss hatte sich unter anderem der Landesvorsitzende Berlin des BVOU, Die Versorgung in Brandenburg ist da- Dr. Klaus Thierse, als Ärztetagsdelegierter eingesetzt. durch gekennzeichnet, dass sie in Berlin- Unter anderem auf Betreiben des Berliner BVOU-Mitglieds Dr. Hans-Detlef nahen Bereichen o� sehr gut ist, aber an Dewitz sowie von Frank-Ullrich Schulz fasste der Ärztetag einen Beschluss zum der Peripherie ausdünnt. Ist das auch ein Thema Osteoporose. Ihre Erkennung und Behandlung sei „eine fächer- und sek- ­ema für die Kammer? torenübergreifende Herausforderung, für die – im Gegensatz zu anderen häu‰g Schulz: Der Sicherstellungsauftrag liegt bei vorkommenden Erkrankungen – bisher noch keine strukturierten Behandlungs- der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Ver- pfade der Versorgung existieren. In der gefühlten Wirklichkeit beklagen die Kol- leginnen und Kollegen in den Kliniken, dass Behandlungsvorschläge ambulant sorgung ist somit kein primäres Thema der nicht weitergeführt werden, und die Niedergelassenen beklagen, dass in der Kli- Landesärztekammer. Aber natürlich unter- nik keine Osteoporosetherapie eingeleitet wird.“ Die vier Antragsteller forder- stützen wir die KV bei der Gewinnung von ten, sich für eine Bestandsaufnahme entsprechend den Vorgaben der internati- Ärzten insbesondere für die ländlichen Re- onalen „Bone and Joint Decade 2010–2020“ einzusetzen. gionen, in denen es, ähnlich wie in vielen Verabschiedet wurde weiterhin ein Konzept zum Delegationsmodell „Physician anderen Bundesländern, zeitweilig Versor- Assistent (PA) zur Arztentlastung und -unterstützung“. Bundesärztekammer gungsprobleme gibt. (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben die Grundlagen hierfür erarbeitet. PA ist eine aus dem internationalen Sprachgebrauch entlehn- Viele Ärztekammern sehen sich damit te Bezeichnung für einen hochschulisch quali‰zierten Gesundheitsberuf (Bache- konfrontiert, dass sie die Regeln der Aus- lor-Niveau), der vom Arzt delegierte Aufgaben übernimmt. Für die Zulassung zum Studium wird eine dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf, und Weiterbildung an die Erfordernisse zum Beispiel als Medizinische Fachangestellte, vorausgesetzt. BÄK und KBV wur- in einer älter werdenden Gesellscha� an- den aber aufgefordert, den Delegationsvorbehalt strikt einzuhalten und sich da - passen sollen. Welche Rolle spielen sol- für einzusetzen, „dass der Studiengang zum Arztassistenten kein grundständi- chen Anforderungen in Brandenburg? ges Studium wird“. Schulz: Die Muster-Weiterbildungsord - Der Ärztetag hat auch einen konsequenten Ausbau sektorenübergreifender nung, die ja von den Gremien der Bundes - Notfallversorgungsstrukturen gefordert. Dies müsse in Kooperation zwischen ärztekammer erarbeitet und vom Deut- Kliniken und Praxen erfolgen und sektorenübergreifend extrabudgetär einheit- schen Ärztetag beschlossen werden muss, lich ‰nanziert werden. Konkret forderten die Delegierten, Notfallpraxen bezie- ist für mich kein Instrument, um Versor - hungsweise Bereitschaftspraxen an dafür geeigneten Kliniken als Anlaufstellen gungsprobleme zu lösen. Sie legt die zu scha”en. Im Rahmen des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes könnten Anforderungen und Regularien für eine ef - Patienten dort ambulant versorgt und bei Bedarf an die stationären Notaufnah- men weitergeleitet werden. ‰ziente und hochquali‰zierte Weiterbil - dung unserer jungen Kolleginnen und Kol - An den Vorstand zur weiteren Beratung überwiesen wurde ein Antrag zur Ab- legen fest – nicht mehr, aber auch nicht klärungspauschale für Notfallpatientinnen und -patienten, die keine Notfallbe- weniger. handlung benötigen. Die auf zwei Minuten Behandlungszeit kalkulierte Gebühr entspreche in keiner Weise dem tatsächlichen Aufwand. Hier müsse nachkorri- giert werden. Sabine Rieser, Presse BVOU Das Interview führte Sabine Rieser. Orthopädie und Unfallchirurgie 2017; 07 (4) 27 © Christian Griebel

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Orthopädie und UnfallchirurgieSpringer Journals

Published: Aug 15, 2017

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