„Cyberbullying“ unter Jugendlichen

„Cyberbullying“ unter Jugendlichen Leitthema 1,2 1,2 3 Monatsschr Kinderheilkd 2018 · 166:498–503 C. Popow ·S.Ohmann ·F. Paulus https://doi.org/10.1007/s00112-018-0464-8 Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich Online publiziert: 22. Februar 2018 Österreichische Gesellschaft für Verhaltenstherapie (OeGVT), Wien, Österreich © Der/die Autor(en) 2018. Dieser Artikel ist Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische Universität des Saarlandes, Homburg, eine Open-Access-Publikation. Deutschland Redaktion R. Kerbl, Leoben „Cyberbullying“ unter Jugendlichen Daten, Trends und Möglichkeiten der Prävention Trotz der hohen Anzahl Betroffener haben 93 % der 12- bis13-Jährigen Zu- deckt bleibt und die Symptome meist sowie der gefährlichen Kurz- und gang zum Internet, 71 % auch mobil [5], anderen Problemen zugeschrieben wer- Langzeitfolgen wird Cyberbullying Tendenz steigend. den. Gerade die Heimlichkeit des Ge- in der Öffentlichkeit verniedlicht, Bullying betrifft einen beträchtli- schehens und die Duldung oder sogar verdrängt und vernachlässigt. Das chen Prozentsatz der Jugendlichen (etwa Zustimmung der Unbeteiligten machen Wissen um dieses Problem muss 11–41 %), wobei ein Viertel bis zwei die Aggressionen und Verletzungen erst daher nach außen getragen werden. Drittel der konventionell Angegriffenen möglich. Täter, Angegriffene und Zuse- Schulen, Familien, Betroffene und auch Cyberbullying ausgesetzt sind. Die her/-stimmer („bystanders“) sind durch Gefährdete sollten zur Bekämpfung Prävalenzangaben für Cyberbullying das Bullying auch langfristig gefährdet. des Bullying und insbesondere des schwanken deutlich; eine rezente deut- Salmivalli et al. [9]fandeneinenegative Cyberbullying motiviert werden. sche Studie fand etwa ein Viertel der Korrelation zwischen der Verteidigung Schülerinnen betroffen [6]. der Angegriffenen und der Frequenz des Bullying sowie eine verstärkende Grundlagen Funktion bei Unterstützung durch An- Bullying betrifft etwa „Bullying“ beinhaltet wiederholte un- dere. Daher sind präventive Maßnahmen 11–41 % der Jugendlichen gerechtfertigte aggressive Handlungen, und Programme, Unterricht im Umgang meist unter Gleichaltrigen, mit dem Ziel, mit digitalen Medien und Partnerwahl, den Anderen zu verletzen, zu demütigen Viele Facetten des konventionellen Bul- Offenlegen von Konflikten und Bully- oder einzuschüchtern. Die Folgen sind lying betreffen auch Cyberbullying [7]. ing-Aktivitäten, die Einbeziehung von schwere körperliche und emotionale Cyberbullying erhält eine besondere Be- Schulen und Eltern ein Gebot der Stun- Belastung, die anhaltende psychische, deutung durch Ubiquität, Anonymität , de. Prävention kann die Anzahl der körperliche, soziale, leistungsmäßige Abhängigkeit der Jugendlichen von so- Betroffenen dramatisch verringern [10]. und ökonomische Konsequenzen nach zialen Medien, Rache oder Beschämung Da der für die vorliegende Publikati- sich ziehen kann [1–3]. Cyberbullying, im Rahmen von persönlichen Beziehun- on zur Verfügung gestellte Raum zu klein Bullying mithilfe digitaler Medien [4], genunddurchdieTatsache,dassBeschul- für einen umfassenden Review-Artikel geht mit oft noch schwereren Konse- digungennursehrschwerentkräeft twer- erschien, planen die Autoren die Heraus- quenzen einher, da der Aggressor nicht den können. Es wird diskutiert [8], ob gabe eines systematischen Reviews zum überlegen sein muss sowie meist anonym Cyberbullying eine eigenständige Patho- Thema. und damit unerreichbar handelt. Auch logie darstellt. Wie beim konventionellen erreichen die Aggressionen ein größeres Bullying sind Minderheiten oder Alters- Definitionen Publikum, was den Angegriffenen noch genossen mit tatsächlichen oder zuge- hilfloser und beschämt hinterlässt. Es schriebenen Behinderungen ein häufiges Unter Bullying versteht man jedes uner- Ziel von Angriffen. wünschte, wiederholtauftretende aggres- Prävention und Behandlung sind sive Verhalten gegen einen Jugendlichen Bullying (abgeleitet vom aggressiven Bullen); schwierig, weil Cyberbullying oft unent- durch einen anderen oder eine Gruppe deramerikanischeBegriffhatsichinderLiteratur von Jugendlichen, die keine Geschwister durchgesetzt und wird praktisch synonym mit oderengeFreundesind.Dabeibestehtein Mobbing (abgeleitet von „mob“, aggressive Etwas mehr als die Hälfte der durch Cyberbul- Meute)verwendet. lyingAngegriffenenkenntdieTäter[16]. Kräeg ft efälle zwischen Angreifern und 498 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 Hier steht eine Anzeige. Angegriffenen. Solberg und Olweus [11] dass es sich um Bullying handelt. Bul- definierten eine Minimalfrequenz von 2 lying und Cyberbullying werden meist bis 3 Ereignissen/Monat, und Arseneault längerfristig betrieben. Bowes et al. [15] [1] und Salmivalli [12] sahen Bullying als berichteten, dass über 40 % der Schüler aggressives Missbrauchsverhalten, ähn- währendderSekundarschulzeitangegrif- lich wie Misshandlung oder Vernachläs- fen wurden; Bullying wird oft auch im sigung. Olweus [13] unterschied „direk- Erwachsenenalter fortgesetzt. tes“ (v. a. körperliches) und „indirektes“ Fünf Gruppen von Betroffenen wur- Bullying (Ausgrenzen, Heruntermachen, den beschrieben [16]: Verbreiten von Gerüchten). 4 Angreifer („bullies“, Täter; 4,9 %), Arseneault [1]betonte denUnter- 4 Angegriffene („bullied“, „victims“, schied zwischen Bullying und „victi- Opfer; 16,4 %), mization“ (Viktimisierung), die nach 4 Angegriffene, die zu Angreifern ihrer Meinung fälschlicherweise syno- werden („bully-victims“; 5,6 %) nym verwendet werden: Sowohl Alters- 4 sowie Unterstützer („bystander“) und gleichheit als auch der Kräeun ft terschied 4 die „neutrale“ schweigende Mehrheit kennzeichnen Bullying, während Vikti- (61 %). misierung durch unterschiedliches Alter oder ein Kräeft gleichgewicht gekenn- Bullying hat oft schwerwiegende Konse- zeichnet ist. Diese Meinung wird aber quenzen für alle 5 Gruppen. nicht durchgängig vertreten. Cyberbullying wurde definiert als ... Symptome jedes Verhalten, das von Einzelnen oder Bullying und Cyberbullying verursachen Gruppen unter Verwendung elektroni- kurz-undlangfristigschwereBeeinträch- scher oder digitaler Medien feindliche tigungen sowohl bei den Angreifern als oder aggressive Botschaften verbreitet, mit auch bei den Angegriffenen und bei den dem Ziel, andere zu verletzen oder zu Angreifern/Angegriffenen; auch Unter- beunruhigen. (Tokunaga [4]) stützer und die schweigende Mehrheit Herrera-Lopez et al. [14]formulierten es sind betroffen, jeweils mit unterschiedli- einfacher: „Cyberbullying ist das Anwen- chem Risikoprofil [16, 17]. Dabei über- den ungerechtfertigter Aggression mit- lappen sich die Symptome von konven- tels digitaler Medien, um andere zu ver- tionellem und Cyberbullying. Es gibt ein letzen oder zu bedrohen“. Dosis-Wirkung-Verhältnis im Sinn ei- Es gibt zahlreiche Varianten von ner kumulativen Belastung: je länger und Cyberbullying, z. B. „cyber-/online-ha- schwerwiegender die Angriffe, je gerin- rassment“ (Belästigung), „cyberhacking“ ger die Resilienz und je geringer die Un- (Datenmissbrauch), Cyberstalking, „cy- terstützung durch die Familie oder ande- bergrooming“ (aggressives Onlinever- re Personen (z.B. Lehrer, Freunde), desto haltenErwachsenergegenüberKindern), schwerwiegendersinddieKonsequenzen „sexting“ und „cyberpornography“ (Ver- [15]. senden von Nachrichten mit explizitem Angegriffene haben hohe Risiken für Inhalt), „revenge pornography“ (Ver- internalisierende (insbesondere Stress- senden von Nacktfotos, die zum persön- belastung, Integrationsprobleme, De- lichen Gebrauch bestimmt waren) und pression, soziale Angststörungen, Leis- „digital/cyber dating abuse“ (Missbrauch tungs- und Schlafprobleme [18–20]), von Beziehungen). Angreifer sind prädestiniert für exter- nalisierende Störungen, insbesondere Aggressivität, dissoziales Verhalten und Bullying wird oft im Kriminalität, insbesondere Gewalttätig- Erwachsenenalter fortgesetzt keit und Drogendelikte [19]. Angegrif- fene, die zu Angreifern werden, tragen Bullying betrifft nicht nur Angreifer und ein Risiko für inter- und externalisie- Angegriffene; die ganze Schulklasse ist rende Störungen sowie Kriminalität. involviert: Klassenkollegen, die Zeugen Dabei zeigen Adoleszente, die sowohl aggressiver Handlungen werden, wissen, konventionellem als auch Cyberbullying Zusammenfassung · Abstract ausgesetzt sind, die höchste Belastung Monatsschr Kinderheilkd 2018 · 166:498–503 https://doi.org/10.1007/s00112-018-0464-8 © Der/die Autor(en) 2018. Dieser Artikel ist eine Open-Access-Publikation. [16]. Unterstützer und Neutrale weisen ebenfalls hohe Stressbelastung, interna- C. Popow · S. Ohmann · F. Paulus lisierende Probleme, vergleichbar den Angegriffenen, und externalisierende „Cyberbullying“ unter Jugendlichen. Daten, Trends und Probleme, vergleichbar den Angreifern, Möglichkeiten der Prävention auf [16]. Zusammenfassung Depression, Selbstverletzungen und aussichtsreichen Bekämpfung gegen dieses Cyberbullying, die missbräuchliche Verwen- Suizidalität sind bei Angegriffenen in bisher praktisch völlig vernachlässigte dung elektronischer Kommunikationsmedien Abhängigkeit vom Ausmaß der Trauma- Phänomen aufzurufen. Ziele sind die mit dem Ziel, andere zu verletzen, zu tisierung häufig und konstant, wobei De- Einführung flächendeckender Maßnahmen demütigen oder einzuschüchtern, führt pression wieder das Risiko, angegriffen zur Prävention von Cyberbullying sowie das zu langfristigen Traumatisierungen mit Erkennen bereits eingetretener Folgen und zu werden, erhöht. Soziale Ängste, Lern- schwerwiegenden, z.T. lebensbedrohlichen ihre Behandlung. Konsequenzen. Im Durchschnitt ist etwa und Schulprobleme, Schulverweigerung, ein Viertel aller Jugendlichen von diesem Deprivation, geringe soziale Akzeptanz, Schlüsselwörter Problem betroffen. Der vorliegende Beitrag Verfolgungsideen, Schlafstörungen und Bullying · Aggression · Adoleszente · „Peer gibt einen Überblick über Phänomenologie, andere internalisierende Störungen sind group“ · Prävention und Kontrolle Symptome, Hintergründe, Konsequenzen Teil des Viktimisierungssyndroms [21]. und Präventionsmöglichkeiten, um zur Dazu kommen noch psychosomatische Beschwerden, verringerter Selbstwert Cyberbullying among adolescents. Data, trends and possibilities und gesundheitsbezogene Lebensquali- for prevention tät [21]. Externalisierende Probleme sind bei Abstract Angreifern häufig: Empathiemangel, way of combating this previously practically Cyberbullying refers to the misuse of electro- dissoziales Verhalten, Zornanfälle, Ge- completely neglected problem. The aim is the nic media, aiming at harming, humiliating walttätigkeit, Rachegefühle, Alkohol- introduction of comprehensive measures for or intimidating others and leads to severe, preventing cyberbullying, the recognition of long-lasting traumatization and even life- und Drogenmissbrauch, Onlinerisiko- symptoms and treating the sequelae. threatening consequences. On average verhalten, einschließlich strategischer approximately one quarter of adolescents are Verwendung künstlicher Identitäten. Keywords affected by this problem. This article gives an Bullying · Aggression · Adolescent · Peer overview of the phenomenology, symptoms, group · Prevention and control background, consequences and possibilities Diagnostik for prevention, in order to call for a promising Eine Reihe spezifischer Messinstrumen- te versucht, Umstände und Ausmaß der Traumatisierung bzw. des Bullying und schwierigkeiten, Verhaltensauffälligkei- Bullying im Rahmen der der Persönlichkeiten zu erfassen, ande- ten und Probleme der Eltern-Kind-Be- Entwicklungsaufgaben rerseits Strukturen im Netzwerk sowie ziehung [24]. Bowes et al. [15]fanden, FolgeerscheinungendesBullyingund des Bullying ist v. a. ein Phänomen der so- dass die Dauer des Bullying (chronische Cyberbullying darzustellen. Wegen der zialen Integration und kann bereits im Viktimisierung) im Wesentlichen von Komplexität und Dynamik des Problems Kindergarten beginnen. Die zusätzlichen präexistenten Anpassungsproblemen und der zumindest zweiseitigen Patholo- Leistungsanforderungen der Schule er- und der intellektuellen Leistungsfähig- gie sind nur Instrumente, die beide Seiten höhen die sozialen Herausforderungen. keit abhingen. erfassen, empfehlenswert („cyber aggres- Mit der Pubertät stellen die Abhängig- sion“ und „cyber victimization“, [22]). keit von der Gleichaltrigengruppe und Angreifer und Angegriffene die Probleme der Partnerwahl große An- zeigen ähnliche psychosoziale forderungen an die Anpassungsfähigkeit Hintergründe und Probleme und die Frustrationstoleranz der Jugend- Konsequenzen lichen [15]. Die Bedeutung der sozia- In den letzten Jahren wurden einige zu- lenMedienim Kommunikationsverhal- Risikofaktoren für Bullying und Cyber- sammenfassende Arbeiten zu prädispo- ten und damit auch Cyberbullying neh- bullying (auch für Unterstützer) sind nierenden Faktoren und Prädiktoren pu- men gleichzeitig dramatisch zu. verminderte moralische Einsichtsfähig- bliziert [1, 23]. keit und mangelndes Schuldbewusstsein. Protektiv wirken gute Eltern-Kind- und Persönliche Risikofaktoren Gleichaltrigenbeziehungen, Kommuni- Angreifer und Angegriffene zeigen ähn- zieren über das Problemverhalten („raus liche psychosoziale Probleme, Schul- aus der Anonymität“), unterstützen- 500 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 des Verhalten von Eltern, Lehrern und „Außenstehenden“, die weder mitma- Verantwortungsgefühl, Drogenmiss- Gleichaltrigen sowie persönliche Resili- chen noch unterstützen; schließlich die brauch, Nikotin- und Alkoholabusus, enzfaktoren. „Gegner“, die eine klare Anti-Bullying- Schulprobleme sowie Aufmerksam- 4 Angreifer: Temperament und Per- Position einnehmen, die „Angegriffe- keitsdefizit- und Hyperaktivitäts- sönlichkeitsfaktoren spielen eine nen“ unterstützen und versuchen, das syndrom (ADHS). Die stärksten wichtige Rolle im Rahmen von ag- Bullying zu beenden. Prädiktoren für Cyberbullying sind gressivem und Problemverhalten traditionelles Bullying und regelwid- [25]. Dies betrifft einerseits Probleme riges Verhalten. Geschlechtsspezifische der emotionalen, Verhaltens- und 4 Angegriffene leiden unter tatsächli- Risikofaktoren Aufmerksamkeitsinhibition sowie chen oder zugeschriebenen Behin- starre, manipulative Persönlichkeits- Geschlechtsspezifische Risikofaktoren derungen, Über- oder Untergewicht, merkmale, andererseits Verhaltens- wurden für das Cyberbullying beschrie- Autismus-Spektrum-Störungen; sie und Regulationsprobleme, wie reakti- ben: Jungen neigen eher zur Angrei- gehören sexuellen Minderheiten ves (verminderte Emotionskontrolle) ferrolle, allerdings hat das Alter einen („lesbian, gay, bisexual and trans- und proaktives (kalte soziale Ag- mediierenden Effekt: Jungen sind eher gender“ [LGBT]) an, zeigen andere gression) Verhalten sowie verstärkte in der frühen, Mädchen eher in der spä- körperliche, psychische oder soziale Impulsivität und Neugierverhalten. ten Adoleszenz die Angreifer, während Auffälligkeiten, werden in das Bul- 4 Angegriffene zeigen eher depressive beim traditionellen Bullying die Jungen lying bzw. Cyberbullying aufgrund und ängstliche Persönlichkeitszüge als direkte Angreifer überwiegen [13] ängstlich zurückgezogenen Verhal- sowie Alkohol- und Drogenabusus. und die Mädchen eher zu indirektem tens, verminderter oder vermehrter Bullying neigen. Als Angegriffene sind Verteidigungsfähigkeit, anderer Sontag et al. [25] untersuchten Unter- Mädchen häufiger, insbesondere bei der Formen von Außenseitertum (z.B. schiede zwischen Angreifern und Ange- Vewendung von Fotos oder Videoclips. Armut), nichtkonformen Problem- griffenen im Hinblick auf den Typ des Eine Sonderform des Cyberbullying, verhaltens oder „Unerreichbarkeit“ Aggressors an 300 Jugendlichen und fan- „cyber dating abuse“ [29], ist der Einsatz einbezogen. den ein geringeres Ausmaß an reaktiver technologischer Mittel, um andere Per- Aggressivität bei Cyber- im Vergleich zu sonen im Beziehungskontext zu kontrol- Medien traditionellen und kombinierten Angrei- lieren, sexuell zu belästigen, zu bedrohen fern. oder zu verfolgen. Kontrollierendes Ver- Cyberbullyinggeschiehtaufunterschied- halten, Verbreiten verletzender Inhalte lichen Medien, insbesondere E-Mail, und expliziterBildersowie Stalking ha- soziale Medien (Facebook, Snapchat, Ins- Familiäre Risikofaktoren ben inden letzten JahrenanBedeutung tagram, Reddit u. a.), Chatrooms und Als familiäre Risikofaktoren wurden Ar- gewonnen. Mädchen sind häufiger be- Smartphones (Text- und Bildbotschaf- mut, mütterliche emotionale Kälte und troffen. OftbleibtesnichtbeiDrohungen, ten). Grenzenlose Verbreitung von Bot- Kindesmisshandlung beschrieben [15]. was die Angst vor sexuellen Übergriffen schaften, unbegrenzte Speicherbarkeit Supportiv wirken Förderung von Auto- erhöht. Dies unterstreicht die Notwen- sowieWeitergabevon Text undBil- nomie und Verantwortungsbewusstsein digkeit von entsprechender Aufklärung dern und keinerlei Kontrolle sind die sowieunterstützendesErziehungsverhal- und Anti-Bullying-Maßnahmen. wichtigsten Gefahrenaspekte der Cy- ten. Als protektive Faktorenwurdenposi- ber-Kommunikation. Bei der Verwen- tive Eltern-Kind-Beziehung [26], Förde- dung spielen regionale Unterschiede, der Depressives, zurückgezogenes und rung von Autonomie und Selbstkontrolle technologische Fortschritt und der Me- ängstliches Verhalten sowie elterliche Kontrolle und Unterstüt- dienzugang (z.B. Computer im eigenen zung beschrieben [27]. Vermehrtes Onlineverhalten, Bullying Zimmer, unbegrenzte Smartphone-Be- und Cyberbullying erhöhen das Risiko nutzung) eine wichtige Rolle. Mädchen für depressives, sozial ängstliches und verwendeten 2-mal so häufig soziale Gleichaltrigengruppe suizidales Verhalten [30]. Umgekehrt Medien für Textbotschaeft n, omals ft von Wenig ist bisher bekannt über die Hin- sind depressive und sozial ängstliche einer „Fake“-Adresse aus. Das Risiko, tergründe der „Unterstützer“ und der Kinder und Jugendliche häufiger Opfer angegriffen zu werden, steigt mit dem „schweigenden Mehrheit“. Salmivalli von Bullying und Cyberbullying. Ausmaß der Onlinebeschäift gung. [28] untersuchte 889 Kinder der 6. und 7. Schulstufe und beschrieb 4 Rollen, Risikogruppen Konsequenzen die „Assistenten“, die sich den „Angrei- fern“ rasch anschließen; die „Verstärker“, Sowohl Aggressoren wie Angegriffene Bullying und Cyberbullying haben kurz- die sich zwar nicht dem Bullying an- kommen i. Allg. aus Risikogruppen [25]: und langfristige Konsequenzen für An- schließen, aber den Angreifern positives 4 Bei Angreifern finden sich ver- greifer und Angegriffene im Sinne der Feedback geben und sie ermutigen; die mehrt Gewalttätigkeit, vermindertes Beeinträchtigung von körperlicher und Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 501 Leitthema seelischer Gesundheit, der sozialen Be- fe bis zu einem Jahr oder Geldstra- Präventionsprogramme ziehungen und der Lebensqualität. Inter- fe bis zu 720 Tagsätzen geahndet. und externalisierende Probleme wurden Das weltweit bekannteste und erfolg- Die Websites https://www.saferinternet. für Angreifer und Angegriffene berich- reichste Programm ist das Olweus Bul- at/cyber-mobbing/ und http://www. tet [24]. Diese Folgen hängen nicht nur lying Prevention Program™ [33], das schulpsychologie.at/gewaltpraevention/ vom Ereignis/den Ereignissen, sondern für Schüler der 3. bis 12. Schulstufe mobbing/cyberbullying/ listen Kontakt- auch von der Reaktion des Betroffenen geeignet ist. Es ist ein Programm für die adressen und Materialien auf. ab. Insbesondere schamerfülltes Schwei- ganze Schule und das Umfeld. Es gibt In Deutschland gibt es kein eigenes gen verschlimmert die Situation einer- neben Präventionsmodulen für „dating Gesetz gegen Cyberbullying. Beleidigun- seits dadurch, dass fortgesetztes Bullying violence“ und Selbstmordgefährdung gen, Drohungen oder die Verbreitung ermöglicht wird, andererseits dadurch, auch 2 altersabhängige Cyberbullying- entwürdigender Bilder gegen den Wil- dass die Gefühle der Hilflosigkeit ver- Präventionsmodule (Schulstufen 3 bis 5 len der Betroffenen sind aber strafbar stärkt werden. und 6 bis 12). Ziele sind: (§§ 185, 186, 131, 223, 238, 240, 241, 201 4 Verringern der Bullying-Probleme, StGBund§33desGesetzesbetreffenddas 4 Vorbeugen gegen neue Bullying- Urheberrecht an Werken der bildenden Prävention und Therapie Probleme, Künste und der Photographie [KunstUr- Prävention umfasst Aufklärung (Erken- 4 Verbessern der Beziehungen zwi- hG]) und mit einer Freiheitsstrafe bis zu nen, Wissen über die Schädlichkeit und schen den Schülern. 3 Jahren oder Geldstrafe bedroht. die Konsequenzen, Ächtung und Öffent- lichmachen von Aggressionshandlun- DasProgramm, dasweltweit angewandt Diskussion gen), Resilienzförderung [31], Verbes- wird, hilft Bullying und antisoziales Ver- serung von Kommunikation, Emotions- halten um 21 bis über 50 % zu reduzieren Cyberbullying betrifft einen beträchtli- regulation, Konfliktlösungsstrategien, sowie das Schul- und Klassenklima we- chen Anteil von Kindern und Jugendli- weiter Mentoring, evtl. „peer mento- sentlich zu verbessern. chen [6] und zieht eindeutig langfristig ring“, Einbeziehen der Familien u.a. schädliche, ja lebensbedrohliche Konse- Ein wesentlicher Schutzfaktor sind gu- quenzen nach sich [24]. Daher ist es mit „Peer mentoring“ hat sich te Gleichaltrigenbeziehungen und ein strafrechtlichen Konsequenzen bedroht, aufgrund der Vorbildwirkung positives Schulklima. und es existieren kostengünstige, effi- und der Stärkung des Selbstwerts ziente Präventivmaßnahmen. Dennoch bewährt werden in Mitteleuropa bisher keine flä- Wesentlicher Schutzfaktor chendeckenden Präventionsprogramme sind gute Gleichaltrigenbezie- durchgeführt. Das Leid der Betroffenen hungen Mentoring-Programme basieren auf der und auch die schlechte Prognose für An- sozialen Kontrolltheorie [34], die sozial gegriffene und Angreifer sowie teilwei- Anders als bei konventionellem Bullying konformes Verhalten auf der Grundlage se der „Unterstützer“ [9], die aus ähnli- ist die Effektivität von Therapieprogram- von Bindung („attachment“), Engage- chen Risikogruppen kommen, wird of- men bei Cyberbullying nicht abgesichert. ment („commitment“), Überzeugung fenbar aus Unkenntnis, Verniedlichung Zu den empfohlenen Maßnahmen zäh- („belief“) und aktiver Teilnahme („in- undfalscherScham(z. B.derSchulleitun- len Stärken von Empathie und Selbst- volvement“) sieht, die es bei Fehlverhal- gen) in Kauf genommen. Dabei sind die wert, Verringern von Problemverhalten, ten zu stärken gilt. Insbesondere „peer empfohlenen präventiven Maßnahmen Stärken einer guten Gleichaltrigen- und mentoring“, Betreuung durch Gleichalt- nicht nur der Bekämpfung von Bullying Eltern-Kind-Beziehungsowie Limitieren rige oder etwas ältere Kollegen, hat sich und Cyberbullying dienlich. Sie verbes- der Onlinepräsenz. u. a. aufgrund der Vorbildwirkung und sern auch das familiäre und das Schul- Hinduja und Patchin [32]vom Cyber- der Stärkung des Selbstwerts bewährt. und Lernklima, die Lebensqualität und bullying Research Center geben 10 Tipps In Deutschland bietet die Selbstschutz- die Haltung und Zukunft aller Beteilig- zur Cyberbullying-Prävention: darüber plattform www.juuuport.de Beratung ten. reden, ignorieren, nicht zurückschlagen, bzw. Onlineberatung durch jugendliche Prävention durch Stärkung des Selbst- Beenden fordern, Humor, Beweise sam- Scouts. bewusstseins und des Zusammenhalts, meln, den Angreifer blockieren, den An- Verbesserung des familiären und des griff dem Internet-Provider melden, kei- Schulklimas, Aufbau vertrauensvoller Rechtliche Regelungen ne Nachrichten weiterleiten, die Polizei Beziehungen (z. B. zu „peer mentors“ verständigen. Diese Website gibt auch Cyberbullying wird in Österreich laut oder Vertrauenslehrern), offenen Um- Ratschläge zur Prävention von Sexting. § 107c des Strafgesetzbuchs (StGB) gangmitdemProblemverhaltenundEin- „Fortgesetzte Belästigung im Wege halten der einfachen 10 Maßnahmen, die einer Telekommunikation oder eines Hinduja und Patchin vorschlagen [32], Computersystems“ mit Freiheitsstra- sind ein guter Anfang. Aufbau flächen- 502 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 19. 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Holfeld B, Sukhawathanakul P (2017) Associations ordnungsgemäßnennen,einenLinkzurCreativeCom- betweeninternetattachment,cybervictimization, mons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen and internalizing symptoms among adolescents. vorgenommen wurden. CyberpsycholBehavSocNetw20(2):91–96 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 503 http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Monatsschrift Kinderheilkunde Springer Journals

„Cyberbullying“ unter Jugendlichen

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Springer Medizin
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Subject
Medicine & Public Health; Pediatrics; General Practice / Family Medicine
ISSN
0026-9298
eISSN
1433-0474
D.O.I.
10.1007/s00112-018-0464-8
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Abstract

Leitthema 1,2 1,2 3 Monatsschr Kinderheilkd 2018 · 166:498–503 C. Popow ·S.Ohmann ·F. Paulus https://doi.org/10.1007/s00112-018-0464-8 Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich Online publiziert: 22. Februar 2018 Österreichische Gesellschaft für Verhaltenstherapie (OeGVT), Wien, Österreich © Der/die Autor(en) 2018. Dieser Artikel ist Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische Universität des Saarlandes, Homburg, eine Open-Access-Publikation. Deutschland Redaktion R. Kerbl, Leoben „Cyberbullying“ unter Jugendlichen Daten, Trends und Möglichkeiten der Prävention Trotz der hohen Anzahl Betroffener haben 93 % der 12- bis13-Jährigen Zu- deckt bleibt und die Symptome meist sowie der gefährlichen Kurz- und gang zum Internet, 71 % auch mobil [5], anderen Problemen zugeschrieben wer- Langzeitfolgen wird Cyberbullying Tendenz steigend. den. Gerade die Heimlichkeit des Ge- in der Öffentlichkeit verniedlicht, Bullying betrifft einen beträchtli- schehens und die Duldung oder sogar verdrängt und vernachlässigt. Das chen Prozentsatz der Jugendlichen (etwa Zustimmung der Unbeteiligten machen Wissen um dieses Problem muss 11–41 %), wobei ein Viertel bis zwei die Aggressionen und Verletzungen erst daher nach außen getragen werden. Drittel der konventionell Angegriffenen möglich. Täter, Angegriffene und Zuse- Schulen, Familien, Betroffene und auch Cyberbullying ausgesetzt sind. Die her/-stimmer („bystanders“) sind durch Gefährdete sollten zur Bekämpfung Prävalenzangaben für Cyberbullying das Bullying auch langfristig gefährdet. des Bullying und insbesondere des schwanken deutlich; eine rezente deut- Salmivalli et al. [9]fandeneinenegative Cyberbullying motiviert werden. sche Studie fand etwa ein Viertel der Korrelation zwischen der Verteidigung Schülerinnen betroffen [6]. der Angegriffenen und der Frequenz des Bullying sowie eine verstärkende Grundlagen Funktion bei Unterstützung durch An- Bullying betrifft etwa „Bullying“ beinhaltet wiederholte un- dere. Daher sind präventive Maßnahmen 11–41 % der Jugendlichen gerechtfertigte aggressive Handlungen, und Programme, Unterricht im Umgang meist unter Gleichaltrigen, mit dem Ziel, mit digitalen Medien und Partnerwahl, den Anderen zu verletzen, zu demütigen Viele Facetten des konventionellen Bul- Offenlegen von Konflikten und Bully- oder einzuschüchtern. Die Folgen sind lying betreffen auch Cyberbullying [7]. ing-Aktivitäten, die Einbeziehung von schwere körperliche und emotionale Cyberbullying erhält eine besondere Be- Schulen und Eltern ein Gebot der Stun- Belastung, die anhaltende psychische, deutung durch Ubiquität, Anonymität , de. Prävention kann die Anzahl der körperliche, soziale, leistungsmäßige Abhängigkeit der Jugendlichen von so- Betroffenen dramatisch verringern [10]. und ökonomische Konsequenzen nach zialen Medien, Rache oder Beschämung Da der für die vorliegende Publikati- sich ziehen kann [1–3]. Cyberbullying, im Rahmen von persönlichen Beziehun- on zur Verfügung gestellte Raum zu klein Bullying mithilfe digitaler Medien [4], genunddurchdieTatsache,dassBeschul- für einen umfassenden Review-Artikel geht mit oft noch schwereren Konse- digungennursehrschwerentkräeft twer- erschien, planen die Autoren die Heraus- quenzen einher, da der Aggressor nicht den können. Es wird diskutiert [8], ob gabe eines systematischen Reviews zum überlegen sein muss sowie meist anonym Cyberbullying eine eigenständige Patho- Thema. und damit unerreichbar handelt. Auch logie darstellt. Wie beim konventionellen erreichen die Aggressionen ein größeres Bullying sind Minderheiten oder Alters- Definitionen Publikum, was den Angegriffenen noch genossen mit tatsächlichen oder zuge- hilfloser und beschämt hinterlässt. Es schriebenen Behinderungen ein häufiges Unter Bullying versteht man jedes uner- Ziel von Angriffen. wünschte, wiederholtauftretende aggres- Prävention und Behandlung sind sive Verhalten gegen einen Jugendlichen Bullying (abgeleitet vom aggressiven Bullen); schwierig, weil Cyberbullying oft unent- durch einen anderen oder eine Gruppe deramerikanischeBegriffhatsichinderLiteratur von Jugendlichen, die keine Geschwister durchgesetzt und wird praktisch synonym mit oderengeFreundesind.Dabeibestehtein Mobbing (abgeleitet von „mob“, aggressive Etwas mehr als die Hälfte der durch Cyberbul- Meute)verwendet. lyingAngegriffenenkenntdieTäter[16]. Kräeg ft efälle zwischen Angreifern und 498 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 Hier steht eine Anzeige. Angegriffenen. Solberg und Olweus [11] dass es sich um Bullying handelt. Bul- definierten eine Minimalfrequenz von 2 lying und Cyberbullying werden meist bis 3 Ereignissen/Monat, und Arseneault längerfristig betrieben. Bowes et al. [15] [1] und Salmivalli [12] sahen Bullying als berichteten, dass über 40 % der Schüler aggressives Missbrauchsverhalten, ähn- währendderSekundarschulzeitangegrif- lich wie Misshandlung oder Vernachläs- fen wurden; Bullying wird oft auch im sigung. Olweus [13] unterschied „direk- Erwachsenenalter fortgesetzt. tes“ (v. a. körperliches) und „indirektes“ Fünf Gruppen von Betroffenen wur- Bullying (Ausgrenzen, Heruntermachen, den beschrieben [16]: Verbreiten von Gerüchten). 4 Angreifer („bullies“, Täter; 4,9 %), Arseneault [1]betonte denUnter- 4 Angegriffene („bullied“, „victims“, schied zwischen Bullying und „victi- Opfer; 16,4 %), mization“ (Viktimisierung), die nach 4 Angegriffene, die zu Angreifern ihrer Meinung fälschlicherweise syno- werden („bully-victims“; 5,6 %) nym verwendet werden: Sowohl Alters- 4 sowie Unterstützer („bystander“) und gleichheit als auch der Kräeun ft terschied 4 die „neutrale“ schweigende Mehrheit kennzeichnen Bullying, während Vikti- (61 %). misierung durch unterschiedliches Alter oder ein Kräeft gleichgewicht gekenn- Bullying hat oft schwerwiegende Konse- zeichnet ist. Diese Meinung wird aber quenzen für alle 5 Gruppen. nicht durchgängig vertreten. Cyberbullying wurde definiert als ... Symptome jedes Verhalten, das von Einzelnen oder Bullying und Cyberbullying verursachen Gruppen unter Verwendung elektroni- kurz-undlangfristigschwereBeeinträch- scher oder digitaler Medien feindliche tigungen sowohl bei den Angreifern als oder aggressive Botschaften verbreitet, mit auch bei den Angegriffenen und bei den dem Ziel, andere zu verletzen oder zu Angreifern/Angegriffenen; auch Unter- beunruhigen. (Tokunaga [4]) stützer und die schweigende Mehrheit Herrera-Lopez et al. [14]formulierten es sind betroffen, jeweils mit unterschiedli- einfacher: „Cyberbullying ist das Anwen- chem Risikoprofil [16, 17]. Dabei über- den ungerechtfertigter Aggression mit- lappen sich die Symptome von konven- tels digitaler Medien, um andere zu ver- tionellem und Cyberbullying. Es gibt ein letzen oder zu bedrohen“. Dosis-Wirkung-Verhältnis im Sinn ei- Es gibt zahlreiche Varianten von ner kumulativen Belastung: je länger und Cyberbullying, z. B. „cyber-/online-ha- schwerwiegender die Angriffe, je gerin- rassment“ (Belästigung), „cyberhacking“ ger die Resilienz und je geringer die Un- (Datenmissbrauch), Cyberstalking, „cy- terstützung durch die Familie oder ande- bergrooming“ (aggressives Onlinever- re Personen (z.B. Lehrer, Freunde), desto haltenErwachsenergegenüberKindern), schwerwiegendersinddieKonsequenzen „sexting“ und „cyberpornography“ (Ver- [15]. senden von Nachrichten mit explizitem Angegriffene haben hohe Risiken für Inhalt), „revenge pornography“ (Ver- internalisierende (insbesondere Stress- senden von Nacktfotos, die zum persön- belastung, Integrationsprobleme, De- lichen Gebrauch bestimmt waren) und pression, soziale Angststörungen, Leis- „digital/cyber dating abuse“ (Missbrauch tungs- und Schlafprobleme [18–20]), von Beziehungen). Angreifer sind prädestiniert für exter- nalisierende Störungen, insbesondere Aggressivität, dissoziales Verhalten und Bullying wird oft im Kriminalität, insbesondere Gewalttätig- Erwachsenenalter fortgesetzt keit und Drogendelikte [19]. Angegrif- fene, die zu Angreifern werden, tragen Bullying betrifft nicht nur Angreifer und ein Risiko für inter- und externalisie- Angegriffene; die ganze Schulklasse ist rende Störungen sowie Kriminalität. involviert: Klassenkollegen, die Zeugen Dabei zeigen Adoleszente, die sowohl aggressiver Handlungen werden, wissen, konventionellem als auch Cyberbullying Zusammenfassung · Abstract ausgesetzt sind, die höchste Belastung Monatsschr Kinderheilkd 2018 · 166:498–503 https://doi.org/10.1007/s00112-018-0464-8 © Der/die Autor(en) 2018. Dieser Artikel ist eine Open-Access-Publikation. [16]. Unterstützer und Neutrale weisen ebenfalls hohe Stressbelastung, interna- C. Popow · S. Ohmann · F. Paulus lisierende Probleme, vergleichbar den Angegriffenen, und externalisierende „Cyberbullying“ unter Jugendlichen. Daten, Trends und Probleme, vergleichbar den Angreifern, Möglichkeiten der Prävention auf [16]. Zusammenfassung Depression, Selbstverletzungen und aussichtsreichen Bekämpfung gegen dieses Cyberbullying, die missbräuchliche Verwen- Suizidalität sind bei Angegriffenen in bisher praktisch völlig vernachlässigte dung elektronischer Kommunikationsmedien Abhängigkeit vom Ausmaß der Trauma- Phänomen aufzurufen. Ziele sind die mit dem Ziel, andere zu verletzen, zu tisierung häufig und konstant, wobei De- Einführung flächendeckender Maßnahmen demütigen oder einzuschüchtern, führt pression wieder das Risiko, angegriffen zur Prävention von Cyberbullying sowie das zu langfristigen Traumatisierungen mit Erkennen bereits eingetretener Folgen und zu werden, erhöht. Soziale Ängste, Lern- schwerwiegenden, z.T. lebensbedrohlichen ihre Behandlung. Konsequenzen. Im Durchschnitt ist etwa und Schulprobleme, Schulverweigerung, ein Viertel aller Jugendlichen von diesem Deprivation, geringe soziale Akzeptanz, Schlüsselwörter Problem betroffen. Der vorliegende Beitrag Verfolgungsideen, Schlafstörungen und Bullying · Aggression · Adoleszente · „Peer gibt einen Überblick über Phänomenologie, andere internalisierende Störungen sind group“ · Prävention und Kontrolle Symptome, Hintergründe, Konsequenzen Teil des Viktimisierungssyndroms [21]. und Präventionsmöglichkeiten, um zur Dazu kommen noch psychosomatische Beschwerden, verringerter Selbstwert Cyberbullying among adolescents. Data, trends and possibilities und gesundheitsbezogene Lebensquali- for prevention tät [21]. Externalisierende Probleme sind bei Abstract Angreifern häufig: Empathiemangel, way of combating this previously practically Cyberbullying refers to the misuse of electro- dissoziales Verhalten, Zornanfälle, Ge- completely neglected problem. The aim is the nic media, aiming at harming, humiliating walttätigkeit, Rachegefühle, Alkohol- introduction of comprehensive measures for or intimidating others and leads to severe, preventing cyberbullying, the recognition of long-lasting traumatization and even life- und Drogenmissbrauch, Onlinerisiko- symptoms and treating the sequelae. threatening consequences. On average verhalten, einschließlich strategischer approximately one quarter of adolescents are Verwendung künstlicher Identitäten. Keywords affected by this problem. This article gives an Bullying · Aggression · Adolescent · Peer overview of the phenomenology, symptoms, group · Prevention and control background, consequences and possibilities Diagnostik for prevention, in order to call for a promising Eine Reihe spezifischer Messinstrumen- te versucht, Umstände und Ausmaß der Traumatisierung bzw. des Bullying und schwierigkeiten, Verhaltensauffälligkei- Bullying im Rahmen der der Persönlichkeiten zu erfassen, ande- ten und Probleme der Eltern-Kind-Be- Entwicklungsaufgaben rerseits Strukturen im Netzwerk sowie ziehung [24]. Bowes et al. [15]fanden, FolgeerscheinungendesBullyingund des Bullying ist v. a. ein Phänomen der so- dass die Dauer des Bullying (chronische Cyberbullying darzustellen. Wegen der zialen Integration und kann bereits im Viktimisierung) im Wesentlichen von Komplexität und Dynamik des Problems Kindergarten beginnen. Die zusätzlichen präexistenten Anpassungsproblemen und der zumindest zweiseitigen Patholo- Leistungsanforderungen der Schule er- und der intellektuellen Leistungsfähig- gie sind nur Instrumente, die beide Seiten höhen die sozialen Herausforderungen. keit abhingen. erfassen, empfehlenswert („cyber aggres- Mit der Pubertät stellen die Abhängig- sion“ und „cyber victimization“, [22]). keit von der Gleichaltrigengruppe und Angreifer und Angegriffene die Probleme der Partnerwahl große An- zeigen ähnliche psychosoziale forderungen an die Anpassungsfähigkeit Hintergründe und Probleme und die Frustrationstoleranz der Jugend- Konsequenzen lichen [15]. Die Bedeutung der sozia- In den letzten Jahren wurden einige zu- lenMedienim Kommunikationsverhal- Risikofaktoren für Bullying und Cyber- sammenfassende Arbeiten zu prädispo- ten und damit auch Cyberbullying neh- bullying (auch für Unterstützer) sind nierenden Faktoren und Prädiktoren pu- men gleichzeitig dramatisch zu. verminderte moralische Einsichtsfähig- bliziert [1, 23]. keit und mangelndes Schuldbewusstsein. Protektiv wirken gute Eltern-Kind- und Persönliche Risikofaktoren Gleichaltrigenbeziehungen, Kommuni- Angreifer und Angegriffene zeigen ähn- zieren über das Problemverhalten („raus liche psychosoziale Probleme, Schul- aus der Anonymität“), unterstützen- 500 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 des Verhalten von Eltern, Lehrern und „Außenstehenden“, die weder mitma- Verantwortungsgefühl, Drogenmiss- Gleichaltrigen sowie persönliche Resili- chen noch unterstützen; schließlich die brauch, Nikotin- und Alkoholabusus, enzfaktoren. „Gegner“, die eine klare Anti-Bullying- Schulprobleme sowie Aufmerksam- 4 Angreifer: Temperament und Per- Position einnehmen, die „Angegriffe- keitsdefizit- und Hyperaktivitäts- sönlichkeitsfaktoren spielen eine nen“ unterstützen und versuchen, das syndrom (ADHS). Die stärksten wichtige Rolle im Rahmen von ag- Bullying zu beenden. Prädiktoren für Cyberbullying sind gressivem und Problemverhalten traditionelles Bullying und regelwid- [25]. Dies betrifft einerseits Probleme riges Verhalten. Geschlechtsspezifische der emotionalen, Verhaltens- und 4 Angegriffene leiden unter tatsächli- Risikofaktoren Aufmerksamkeitsinhibition sowie chen oder zugeschriebenen Behin- starre, manipulative Persönlichkeits- Geschlechtsspezifische Risikofaktoren derungen, Über- oder Untergewicht, merkmale, andererseits Verhaltens- wurden für das Cyberbullying beschrie- Autismus-Spektrum-Störungen; sie und Regulationsprobleme, wie reakti- ben: Jungen neigen eher zur Angrei- gehören sexuellen Minderheiten ves (verminderte Emotionskontrolle) ferrolle, allerdings hat das Alter einen („lesbian, gay, bisexual and trans- und proaktives (kalte soziale Ag- mediierenden Effekt: Jungen sind eher gender“ [LGBT]) an, zeigen andere gression) Verhalten sowie verstärkte in der frühen, Mädchen eher in der spä- körperliche, psychische oder soziale Impulsivität und Neugierverhalten. ten Adoleszenz die Angreifer, während Auffälligkeiten, werden in das Bul- 4 Angegriffene zeigen eher depressive beim traditionellen Bullying die Jungen lying bzw. Cyberbullying aufgrund und ängstliche Persönlichkeitszüge als direkte Angreifer überwiegen [13] ängstlich zurückgezogenen Verhal- sowie Alkohol- und Drogenabusus. und die Mädchen eher zu indirektem tens, verminderter oder vermehrter Bullying neigen. Als Angegriffene sind Verteidigungsfähigkeit, anderer Sontag et al. [25] untersuchten Unter- Mädchen häufiger, insbesondere bei der Formen von Außenseitertum (z.B. schiede zwischen Angreifern und Ange- Vewendung von Fotos oder Videoclips. Armut), nichtkonformen Problem- griffenen im Hinblick auf den Typ des Eine Sonderform des Cyberbullying, verhaltens oder „Unerreichbarkeit“ Aggressors an 300 Jugendlichen und fan- „cyber dating abuse“ [29], ist der Einsatz einbezogen. den ein geringeres Ausmaß an reaktiver technologischer Mittel, um andere Per- Aggressivität bei Cyber- im Vergleich zu sonen im Beziehungskontext zu kontrol- Medien traditionellen und kombinierten Angrei- lieren, sexuell zu belästigen, zu bedrohen fern. oder zu verfolgen. Kontrollierendes Ver- Cyberbullyinggeschiehtaufunterschied- halten, Verbreiten verletzender Inhalte lichen Medien, insbesondere E-Mail, und expliziterBildersowie Stalking ha- soziale Medien (Facebook, Snapchat, Ins- Familiäre Risikofaktoren ben inden letzten JahrenanBedeutung tagram, Reddit u. a.), Chatrooms und Als familiäre Risikofaktoren wurden Ar- gewonnen. Mädchen sind häufiger be- Smartphones (Text- und Bildbotschaf- mut, mütterliche emotionale Kälte und troffen. OftbleibtesnichtbeiDrohungen, ten). Grenzenlose Verbreitung von Bot- Kindesmisshandlung beschrieben [15]. was die Angst vor sexuellen Übergriffen schaften, unbegrenzte Speicherbarkeit Supportiv wirken Förderung von Auto- erhöht. Dies unterstreicht die Notwen- sowieWeitergabevon Text undBil- nomie und Verantwortungsbewusstsein digkeit von entsprechender Aufklärung dern und keinerlei Kontrolle sind die sowieunterstützendesErziehungsverhal- und Anti-Bullying-Maßnahmen. wichtigsten Gefahrenaspekte der Cy- ten. Als protektive Faktorenwurdenposi- ber-Kommunikation. Bei der Verwen- tive Eltern-Kind-Beziehung [26], Förde- dung spielen regionale Unterschiede, der Depressives, zurückgezogenes und rung von Autonomie und Selbstkontrolle technologische Fortschritt und der Me- ängstliches Verhalten sowie elterliche Kontrolle und Unterstüt- dienzugang (z.B. Computer im eigenen zung beschrieben [27]. Vermehrtes Onlineverhalten, Bullying Zimmer, unbegrenzte Smartphone-Be- und Cyberbullying erhöhen das Risiko nutzung) eine wichtige Rolle. Mädchen für depressives, sozial ängstliches und verwendeten 2-mal so häufig soziale Gleichaltrigengruppe suizidales Verhalten [30]. Umgekehrt Medien für Textbotschaeft n, omals ft von Wenig ist bisher bekannt über die Hin- sind depressive und sozial ängstliche einer „Fake“-Adresse aus. Das Risiko, tergründe der „Unterstützer“ und der Kinder und Jugendliche häufiger Opfer angegriffen zu werden, steigt mit dem „schweigenden Mehrheit“. Salmivalli von Bullying und Cyberbullying. Ausmaß der Onlinebeschäift gung. [28] untersuchte 889 Kinder der 6. und 7. Schulstufe und beschrieb 4 Rollen, Risikogruppen Konsequenzen die „Assistenten“, die sich den „Angrei- fern“ rasch anschließen; die „Verstärker“, Sowohl Aggressoren wie Angegriffene Bullying und Cyberbullying haben kurz- die sich zwar nicht dem Bullying an- kommen i. Allg. aus Risikogruppen [25]: und langfristige Konsequenzen für An- schließen, aber den Angreifern positives 4 Bei Angreifern finden sich ver- greifer und Angegriffene im Sinne der Feedback geben und sie ermutigen; die mehrt Gewalttätigkeit, vermindertes Beeinträchtigung von körperlicher und Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 501 Leitthema seelischer Gesundheit, der sozialen Be- fe bis zu einem Jahr oder Geldstra- Präventionsprogramme ziehungen und der Lebensqualität. Inter- fe bis zu 720 Tagsätzen geahndet. und externalisierende Probleme wurden Das weltweit bekannteste und erfolg- Die Websites https://www.saferinternet. für Angreifer und Angegriffene berich- reichste Programm ist das Olweus Bul- at/cyber-mobbing/ und http://www. tet [24]. Diese Folgen hängen nicht nur lying Prevention Program™ [33], das schulpsychologie.at/gewaltpraevention/ vom Ereignis/den Ereignissen, sondern für Schüler der 3. bis 12. Schulstufe mobbing/cyberbullying/ listen Kontakt- auch von der Reaktion des Betroffenen geeignet ist. Es ist ein Programm für die adressen und Materialien auf. ab. Insbesondere schamerfülltes Schwei- ganze Schule und das Umfeld. Es gibt In Deutschland gibt es kein eigenes gen verschlimmert die Situation einer- neben Präventionsmodulen für „dating Gesetz gegen Cyberbullying. Beleidigun- seits dadurch, dass fortgesetztes Bullying violence“ und Selbstmordgefährdung gen, Drohungen oder die Verbreitung ermöglicht wird, andererseits dadurch, auch 2 altersabhängige Cyberbullying- entwürdigender Bilder gegen den Wil- dass die Gefühle der Hilflosigkeit ver- Präventionsmodule (Schulstufen 3 bis 5 len der Betroffenen sind aber strafbar stärkt werden. und 6 bis 12). Ziele sind: (§§ 185, 186, 131, 223, 238, 240, 241, 201 4 Verringern der Bullying-Probleme, StGBund§33desGesetzesbetreffenddas 4 Vorbeugen gegen neue Bullying- Urheberrecht an Werken der bildenden Prävention und Therapie Probleme, Künste und der Photographie [KunstUr- Prävention umfasst Aufklärung (Erken- 4 Verbessern der Beziehungen zwi- hG]) und mit einer Freiheitsstrafe bis zu nen, Wissen über die Schädlichkeit und schen den Schülern. 3 Jahren oder Geldstrafe bedroht. die Konsequenzen, Ächtung und Öffent- lichmachen von Aggressionshandlun- DasProgramm, dasweltweit angewandt Diskussion gen), Resilienzförderung [31], Verbes- wird, hilft Bullying und antisoziales Ver- serung von Kommunikation, Emotions- halten um 21 bis über 50 % zu reduzieren Cyberbullying betrifft einen beträchtli- regulation, Konfliktlösungsstrategien, sowie das Schul- und Klassenklima we- chen Anteil von Kindern und Jugendli- weiter Mentoring, evtl. „peer mento- sentlich zu verbessern. chen [6] und zieht eindeutig langfristig ring“, Einbeziehen der Familien u.a. schädliche, ja lebensbedrohliche Konse- Ein wesentlicher Schutzfaktor sind gu- quenzen nach sich [24]. Daher ist es mit „Peer mentoring“ hat sich te Gleichaltrigenbeziehungen und ein strafrechtlichen Konsequenzen bedroht, aufgrund der Vorbildwirkung positives Schulklima. und es existieren kostengünstige, effi- und der Stärkung des Selbstwerts ziente Präventivmaßnahmen. Dennoch bewährt werden in Mitteleuropa bisher keine flä- Wesentlicher Schutzfaktor chendeckenden Präventionsprogramme sind gute Gleichaltrigenbezie- durchgeführt. Das Leid der Betroffenen hungen Mentoring-Programme basieren auf der und auch die schlechte Prognose für An- sozialen Kontrolltheorie [34], die sozial gegriffene und Angreifer sowie teilwei- Anders als bei konventionellem Bullying konformes Verhalten auf der Grundlage se der „Unterstützer“ [9], die aus ähnli- ist die Effektivität von Therapieprogram- von Bindung („attachment“), Engage- chen Risikogruppen kommen, wird of- men bei Cyberbullying nicht abgesichert. ment („commitment“), Überzeugung fenbar aus Unkenntnis, Verniedlichung Zu den empfohlenen Maßnahmen zäh- („belief“) und aktiver Teilnahme („in- undfalscherScham(z. B.derSchulleitun- len Stärken von Empathie und Selbst- volvement“) sieht, die es bei Fehlverhal- gen) in Kauf genommen. Dabei sind die wert, Verringern von Problemverhalten, ten zu stärken gilt. Insbesondere „peer empfohlenen präventiven Maßnahmen Stärken einer guten Gleichaltrigen- und mentoring“, Betreuung durch Gleichalt- nicht nur der Bekämpfung von Bullying Eltern-Kind-Beziehungsowie Limitieren rige oder etwas ältere Kollegen, hat sich und Cyberbullying dienlich. Sie verbes- der Onlinepräsenz. u. a. aufgrund der Vorbildwirkung und sern auch das familiäre und das Schul- Hinduja und Patchin [32]vom Cyber- der Stärkung des Selbstwerts bewährt. und Lernklima, die Lebensqualität und bullying Research Center geben 10 Tipps In Deutschland bietet die Selbstschutz- die Haltung und Zukunft aller Beteilig- zur Cyberbullying-Prävention: darüber plattform www.juuuport.de Beratung ten. reden, ignorieren, nicht zurückschlagen, bzw. Onlineberatung durch jugendliche Prävention durch Stärkung des Selbst- Beenden fordern, Humor, Beweise sam- Scouts. bewusstseins und des Zusammenhalts, meln, den Angreifer blockieren, den An- Verbesserung des familiären und des griff dem Internet-Provider melden, kei- Schulklimas, Aufbau vertrauensvoller Rechtliche Regelungen ne Nachrichten weiterleiten, die Polizei Beziehungen (z. B. zu „peer mentors“ verständigen. Diese Website gibt auch Cyberbullying wird in Österreich laut oder Vertrauenslehrern), offenen Um- Ratschläge zur Prävention von Sexting. § 107c des Strafgesetzbuchs (StGB) gangmitdemProblemverhaltenundEin- „Fortgesetzte Belästigung im Wege halten der einfachen 10 Maßnahmen, die einer Telekommunikation oder eines Hinduja und Patchin vorschlagen [32], Computersystems“ mit Freiheitsstra- sind ein guter Anfang. Aufbau flächen- 502 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2018 19. Fisher BW, Gardella JH, Teurbe-Tolon AR (2016) deckender Präventionsprogramme als Literatur Peer Cybervictimization among adolescents and logische Konsequenz, Früherkennung the associated internalizing and externalizing 1. Arseneault L (2017) Annual research review: the der depressiven Symptome sowie psy- problems: a meta-analysis. J Youth Adolesc persistentandpervasiveimpactofbeingbulliedin 45:1727–1743 chiatrische und psychotherapeutische childhoodandadolescence:implicationsforpolicy 20. Trompeter N, Bussey K, Fitzpatrick S (2017) Behandlung der von den eingetretenen and practice. J Child Psychol Psychiatry. https:// Cyber victimization and internalizing difficulties: doi.org/10.1111/jcpp.12841 Folgen Betroffenen sind eine Notwen- the mediating roles of coping self-efficacy and 2. Pattishall AE, Ellen SB, Spector ND (2013) Bullying, emotion dysregulation. 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Monatsschrift KinderheilkundeSpringer Journals

Published: Feb 22, 2018

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