Bakterien sind Alleskönner

Bakterien sind Alleskönner prisma Mikrobiom-Glosse Wer hätte das gedacht? Noch vor Kurzem galten sie als der nen. Also all das, was die Medizin bisher nicht wirklich ver- Feind der Gastroenterologen: Die Rede ist von Bakterien, über mochte. Glaubt man den Studien, so gibt es kaum ein gastroen- die man früher nur im Zusammenhang mit Magen-Darm-In- terologisches oder hepatologisches Krankheitsbild, an dem fektionen sprach. Und diese gelten ja bekanntlich nicht als aris - nicht mittel- oder zumindest unmittelbar die Bakterien schuld tokratische Krankheitsbilder. Da hat die Gastroenterologie jetzt sind: Reizmagen, Reizdarm, bakterielle Fehlbesiedlung, Diver- aber eine 180°-Wendung vollzogen. Wer den diesjährigen Kon- tikulose, NSAR-Enteropathie, chronisch entzündliche Darmer- gress der Deutschen Gesellscha‡ für Verdauungs- und StoŠ- krankungen etc. Dabei ist nicht die Menge an Bakterien, son- wechselkrankheiten (DGVS) in Dresden besuchte, konnte sich dern die Typenvielfalt das Entscheidende. Je mehr Sorten im des Eindruckes nicht erwehren, als gebe es nur noch ein einzi- Darm, umso gesünder ist der Mensch. Und wer nur wenige Spe- ges interessantes Forschungsgebiet, nämlich das der Darm’o- zies aufzuweisen hat, ist sehr arm dran. ra. Doch die Terminologie ist akademisch betrachtet eigentlich nicht korrekt; denn Bakterien sind genau genommen keine Therapeutische Zauberformel P’anzen, also müsste es eher „Darmfauna“ heißen. Aber so So lautet die therapeutische Zauberformel: Mikrobiommodula - richtige Tiere sind es wieder auch nicht. Vielleicht kann man tion. Welch schöner BegriŠ für eine so ekelige, um nicht zu sa- sich auf „Flaura“ einigen. gen anrüchige Sache. Doch dahinter verbirgt sich ein heroisch anmutendes Ÿerapiekonzept, nämlich das der fäkalen Stuhl- Plötzlich Lieblinge der Gastroenterologen transplantation. Darunter versteht man die Übertragung der Doch warum sind die Darmbakterien ganz plötzlich zum Lieb- Stuhlbakterien von einem Gesunden auf einen Kranken. Die ling der Gastroenterologen mutiert? Ganz einfach: Die falschen Sache scheint gut zu funktionieren. Nur mit der Akzeptanz gibt Bakterien machen dick, dumm, hässlich, faul, krank und de- es noch Probleme. Doch Böses muss man eben mit Bösem ver- pressiv. Umgekehrt wird dadurch den Magen-Darm-Spezialis- treiben. Und entscheidend ist schließlich, was hinten dabei raus - ten die wundersame und wunderbare Fähigkeit verliehen, ihre kommt. Patienten gesund, schlank, schön und schlau machen zu kön- Dr. med. Peter Stiefelhagen 66 GASTRO-NEWS 2017; 04 (2) © TLFurrer / Gett y Images / iStock http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Gastro-News Springer Journals

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Subject
Medicine & Public Health; Gastroenterology; Internal Medicine; Hepatology; Colorectal Surgery
ISSN
1869-1005
eISSN
2520-8667
D.O.I.
10.1007/s15036-017-0302-1
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Abstract

prisma Mikrobiom-Glosse Wer hätte das gedacht? Noch vor Kurzem galten sie als der nen. Also all das, was die Medizin bisher nicht wirklich ver- Feind der Gastroenterologen: Die Rede ist von Bakterien, über mochte. Glaubt man den Studien, so gibt es kaum ein gastroen- die man früher nur im Zusammenhang mit Magen-Darm-In- terologisches oder hepatologisches Krankheitsbild, an dem fektionen sprach. Und diese gelten ja bekanntlich nicht als aris - nicht mittel- oder zumindest unmittelbar die Bakterien schuld tokratische Krankheitsbilder. Da hat die Gastroenterologie jetzt sind: Reizmagen, Reizdarm, bakterielle Fehlbesiedlung, Diver- aber eine 180°-Wendung vollzogen. Wer den diesjährigen Kon- tikulose, NSAR-Enteropathie, chronisch entzündliche Darmer- gress der Deutschen Gesellscha‡ für Verdauungs- und StoŠ- krankungen etc. Dabei ist nicht die Menge an Bakterien, son- wechselkrankheiten (DGVS) in Dresden besuchte, konnte sich dern die Typenvielfalt das Entscheidende. Je mehr Sorten im des Eindruckes nicht erwehren, als gebe es nur noch ein einzi- Darm, umso gesünder ist der Mensch. Und wer nur wenige Spe- ges interessantes Forschungsgebiet, nämlich das der Darm’o- zies aufzuweisen hat, ist sehr arm dran. ra. Doch die Terminologie ist akademisch betrachtet eigentlich nicht korrekt; denn Bakterien sind genau genommen keine Therapeutische Zauberformel P’anzen, also müsste es eher „Darmfauna“ heißen. Aber so So lautet die therapeutische Zauberformel: Mikrobiommodula - richtige Tiere sind es wieder auch nicht. Vielleicht kann man tion. Welch schöner BegriŠ für eine so ekelige, um nicht zu sa- sich auf „Flaura“ einigen. gen anrüchige Sache. Doch dahinter verbirgt sich ein heroisch anmutendes Ÿerapiekonzept, nämlich das der fäkalen Stuhl- Plötzlich Lieblinge der Gastroenterologen transplantation. Darunter versteht man die Übertragung der Doch warum sind die Darmbakterien ganz plötzlich zum Lieb- Stuhlbakterien von einem Gesunden auf einen Kranken. Die ling der Gastroenterologen mutiert? Ganz einfach: Die falschen Sache scheint gut zu funktionieren. Nur mit der Akzeptanz gibt Bakterien machen dick, dumm, hässlich, faul, krank und de- es noch Probleme. Doch Böses muss man eben mit Bösem ver- pressiv. Umgekehrt wird dadurch den Magen-Darm-Spezialis- treiben. Und entscheidend ist schließlich, was hinten dabei raus - ten die wundersame und wunderbare Fähigkeit verliehen, ihre kommt. Patienten gesund, schlank, schön und schlau machen zu kön- Dr. med. Peter Stiefelhagen 66 GASTRO-NEWS 2017; 04 (2) © TLFurrer / Gett y Images / iStock

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Published: Dec 1, 2017

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