Antipsychotika verschlechtern die Stress-Symptome bei Palliativpatienten

Antipsychotika verschlechtern die Stress-Symptome bei Palliativpatienten PFLEGEWISSENSCHAFT Antipsychotika verschlechtern die Stress-Symptome bei Palliativpatienten Hyd ratat ion, Reor ient ier u ng u nd sozi a le Unterst ützu ng du rc h durchschnittlich 0,48 Einheiten (95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,09– Fa m i l ien a ngehör ige si nd d ie w ic ht igsten Suppor t iv m a ßn a h men 0,86; p=0,02), im Haloperidol-Arm um bei Del i r iu m . Kön nen A nt ipsyc hot i ka Dist ress-Sy mptome zusätz - durchschnittlich 0,24 Einheiten (95%- l ic h absc hwäc hen? KI: 0,06–0,42; p=0,009). Der Midazo- lam-Verbrauch war in allen drei Grup- Disstress und Verhaltensauffällig- les Risperidon, orales Haloperidol oder pen vergleichbar. Extrapyramidale keiten im Rahmen eines Deliriums Plazebo erhielten. Die Medikation Nebenwirkungen traten bei den Neu- werden häufig mit Antipsychotika be- wurde über 72 Stunden gegeben, bei roleptika-behandelten Patienten er- handelt. Kontrollierte Studien zeigten Bedarf war Midazolam erlaubt. Zusätz- wartungsgemäß häufier auf als unter eine Verbesserung der deliranten Sym- lich wurden die Patienten mit Allge- Plazebo. ptomatik, allerdings auf methodisch meinmaßnahmen wie Hydratation so- Bei Palliativpatienten mit delirium- nicht sehr hohem Niveau. Leitlinien wie Seh-, Hör-und Reorientierungshil- bedingtem psychischen Distress, so empfehlen Antipsychotika lediglich fen unterstützt. Primäres Studienziel das Fazit, verschlechtern Risperidon für die Behandlung von starkem Dist- war die durchschnittliche Gruppendif - und Haloperidol im Vergleich zu Plaze- ress und Verhaltensstörungen, die auf ferenz des Delirium-Symptomscores, bo die Symptome und erhöhen die Rate andere Maßnahmen nicht anspre - berechnet als Summe der Verhaltens-, extrapyramidaler Störungen. Die Pati- chen. Eine große placebokontrollierte Kommunikations- und Wahrneh- enten sollten daher primär eine Sup- Studie sollte nun die stressreduzieren- mungsitems aus der „Nursing Deliri- portivtherapie erhalten. (bkr) den Effekte von Risperidon und Hal- um Screening Scale“ zu Behandlungs- operidol bei Delirpatienten in der Pal- beginn und -ende. Quelle liativsituation untersuchen. Das Ergebnis ist überraschend: Statt Agar MR. E.cacy of oral risperidone, halope - In der prospektiven randomisierten die Symptome zu bessern, verschlech- ri-dol, or placebo for symptoms of delirium among patients in palliative care. A rando - Studie wurden 247 Palliativpatienten terten beide Neuroleptika den Distress mized clinical trial. JAMA Intern Med untersucht, die doppelblind, altersad- im Vergleich zu Plazebo: Im Risperi- 2017;177:34–42 justiert und dosistitriert entweder ora- don-Arm stieg der Delirium-Score um Cybercoping: Bloggen bis zum letzten Atemzug I n Ru he u nd Zu r üc kgezogen heit sterben wa r gester n . Heute Ähnlich wie expressives Schreiben sc h reiben sic h v iele d as L eid i n a l ler Ö f fent l ic h keit von der Seele. Sie kom men d adu rc h m it der K ra n k heit of t besser zu rec ht. Neben dem Verlangen, ein Vermächt- nis zu hinterlassen, kann das Bloggen Hallo. Ich heiße Dmitrij Panov und bens auf Facebook vorzuführen, mag ein Weg sein, mit der Krankheit besser ich werde bald sterben. Klingt ko- die Hemmschwelle für ein öffentli- zurechtzukommen. Kommunikations- misch, ist aber so.“ Mit diesen Worten ches Krankheitstagebuch gering sein, wissenschaftler um Stephen Rains beginnt der 25-jährige Marburger sei- der Krebsblog ist dann häufig nur die und David Keating aus Tucson/USA se- nen Blog „Sterben mit Swag“. Die letz- For tführung der „Timeline“ im öffent- hen eine gewisse Ähnlichkeit dieses ten neun Monate seines Lebens breitet lichen Raum. So war es etwa bei der „Cybercopings“ mit expressivem Sch- er öffentlich seine Gedanken und Ge- 2016 gestorbenen Moderatorin Mi- reiben, das bei der Bewältigung von Le - fühle aus. riam Pielhau: Sie machte einfach ihre benskrisen helfen soll. In einer Meta- Bloggen ist populär geworden, auch Facebookseite öffentlich. Ihr letzter analyse von 150 Studien aus dem Jahr das Bloggen über Krankheit und Tod. Eintrag wurde über 6.000-mal „ge - 2006 zeigten sich positive Auswirkun- Social Media sind längst in die Kran- liked“. gen auf Psyche und Gesundheit bei kenzimmer und Hospize vorgedrun- Doch einen öffentlichen Krankheits- Personen, die sich das erlebte Leid von gen. Das Web 2.0 als interaktive Büh- blog starten auch Patienten, die sich der Seele schrieben (Psychological Bul- ne vor anonymem Publikum, das die für Social Media zuvor nur wenig inte - letin 2006; 132, 823). Das expressive Selbstentblößung erleichter t, das mal ressiert haben. Was also bewegt Men- Schreiben löst nach dem Inhibitions- applaudier t, mal aufmunter t, mal kri- schen, plötzlich vor großem Publikum modell unterdrückte Gedanken und tisier t, mal pöbelt. In einer Welt, in der über ihre Körperfunktionen und -dys- Emotionen, die sich negativ auf die Ge- viele bereit sind, alle Details ihres Le - funktionen zu plaudern? sundheit auswirken, und fördert die Pflegezeitschrift 2017, Jg. 70, Heft 9 59 http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Pflegezeitschrift Springer Journals

Antipsychotika verschlechtern die Stress-Symptome bei Palliativpatienten

Pflegezeitschrift , Volume 70 (9) – Aug 22, 2017
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Publisher
Springer Medizin
Copyright
Copyright © 2017 by Springer Medizin Verlag GmbH
Subject
Medicine & Public Health; Nursing
ISSN
0945-1129
eISSN
2520-1816
D.O.I.
10.1007/s41906-017-0212-z
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Abstract

PFLEGEWISSENSCHAFT Antipsychotika verschlechtern die Stress-Symptome bei Palliativpatienten Hyd ratat ion, Reor ient ier u ng u nd sozi a le Unterst ützu ng du rc h durchschnittlich 0,48 Einheiten (95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,09– Fa m i l ien a ngehör ige si nd d ie w ic ht igsten Suppor t iv m a ßn a h men 0,86; p=0,02), im Haloperidol-Arm um bei Del i r iu m . Kön nen A nt ipsyc hot i ka Dist ress-Sy mptome zusätz - durchschnittlich 0,24 Einheiten (95%- l ic h absc hwäc hen? KI: 0,06–0,42; p=0,009). Der Midazo- lam-Verbrauch war in allen drei Grup- Disstress und Verhaltensauffällig- les Risperidon, orales Haloperidol oder pen vergleichbar. Extrapyramidale keiten im Rahmen eines Deliriums Plazebo erhielten. Die Medikation Nebenwirkungen traten bei den Neu- werden häufig mit Antipsychotika be- wurde über 72 Stunden gegeben, bei roleptika-behandelten Patienten er- handelt. Kontrollierte Studien zeigten Bedarf war Midazolam erlaubt. Zusätz- wartungsgemäß häufier auf als unter eine Verbesserung der deliranten Sym- lich wurden die Patienten mit Allge- Plazebo. ptomatik, allerdings auf methodisch meinmaßnahmen wie Hydratation so- Bei Palliativpatienten mit delirium- nicht sehr hohem Niveau. Leitlinien wie Seh-, Hör-und Reorientierungshil- bedingtem psychischen Distress, so empfehlen Antipsychotika lediglich fen unterstützt. Primäres Studienziel das Fazit, verschlechtern Risperidon für die Behandlung von starkem Dist- war die durchschnittliche Gruppendif - und Haloperidol im Vergleich zu Plaze- ress und Verhaltensstörungen, die auf ferenz des Delirium-Symptomscores, bo die Symptome und erhöhen die Rate andere Maßnahmen nicht anspre - berechnet als Summe der Verhaltens-, extrapyramidaler Störungen. Die Pati- chen. Eine große placebokontrollierte Kommunikations- und Wahrneh- enten sollten daher primär eine Sup- Studie sollte nun die stressreduzieren- mungsitems aus der „Nursing Deliri- portivtherapie erhalten. (bkr) den Effekte von Risperidon und Hal- um Screening Scale“ zu Behandlungs- operidol bei Delirpatienten in der Pal- beginn und -ende. Quelle liativsituation untersuchen. Das Ergebnis ist überraschend: Statt Agar MR. E.cacy of oral risperidone, halope - In der prospektiven randomisierten die Symptome zu bessern, verschlech- ri-dol, or placebo for symptoms of delirium among patients in palliative care. A rando - Studie wurden 247 Palliativpatienten terten beide Neuroleptika den Distress mized clinical trial. JAMA Intern Med untersucht, die doppelblind, altersad- im Vergleich zu Plazebo: Im Risperi- 2017;177:34–42 justiert und dosistitriert entweder ora- don-Arm stieg der Delirium-Score um Cybercoping: Bloggen bis zum letzten Atemzug I n Ru he u nd Zu r üc kgezogen heit sterben wa r gester n . Heute Ähnlich wie expressives Schreiben sc h reiben sic h v iele d as L eid i n a l ler Ö f fent l ic h keit von der Seele. Sie kom men d adu rc h m it der K ra n k heit of t besser zu rec ht. Neben dem Verlangen, ein Vermächt- nis zu hinterlassen, kann das Bloggen Hallo. Ich heiße Dmitrij Panov und bens auf Facebook vorzuführen, mag ein Weg sein, mit der Krankheit besser ich werde bald sterben. Klingt ko- die Hemmschwelle für ein öffentli- zurechtzukommen. Kommunikations- misch, ist aber so.“ Mit diesen Worten ches Krankheitstagebuch gering sein, wissenschaftler um Stephen Rains beginnt der 25-jährige Marburger sei- der Krebsblog ist dann häufig nur die und David Keating aus Tucson/USA se- nen Blog „Sterben mit Swag“. Die letz- For tführung der „Timeline“ im öffent- hen eine gewisse Ähnlichkeit dieses ten neun Monate seines Lebens breitet lichen Raum. So war es etwa bei der „Cybercopings“ mit expressivem Sch- er öffentlich seine Gedanken und Ge- 2016 gestorbenen Moderatorin Mi- reiben, das bei der Bewältigung von Le - fühle aus. riam Pielhau: Sie machte einfach ihre benskrisen helfen soll. In einer Meta- Bloggen ist populär geworden, auch Facebookseite öffentlich. Ihr letzter analyse von 150 Studien aus dem Jahr das Bloggen über Krankheit und Tod. Eintrag wurde über 6.000-mal „ge - 2006 zeigten sich positive Auswirkun- Social Media sind längst in die Kran- liked“. gen auf Psyche und Gesundheit bei kenzimmer und Hospize vorgedrun- Doch einen öffentlichen Krankheits- Personen, die sich das erlebte Leid von gen. Das Web 2.0 als interaktive Büh- blog starten auch Patienten, die sich der Seele schrieben (Psychological Bul- ne vor anonymem Publikum, das die für Social Media zuvor nur wenig inte - letin 2006; 132, 823). Das expressive Selbstentblößung erleichter t, das mal ressiert haben. Was also bewegt Men- Schreiben löst nach dem Inhibitions- applaudier t, mal aufmunter t, mal kri- schen, plötzlich vor großem Publikum modell unterdrückte Gedanken und tisier t, mal pöbelt. In einer Welt, in der über ihre Körperfunktionen und -dys- Emotionen, die sich negativ auf die Ge- viele bereit sind, alle Details ihres Le - funktionen zu plaudern? sundheit auswirken, und fördert die Pflegezeitschrift 2017, Jg. 70, Heft 9 59

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Published: Aug 22, 2017

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