Sanktion durch Verfahren

Sanktion durch Verfahren Der Strafprozess greift nicht nur in Gestalt der Strafe in die Rechte des Beschuldigten ein. Von Maßregeln und Nebenfolgen abgesehen wissen wir, dass schon das Verfahren die soziale Teilhabe des Beschuldigten drastisch einschränkt. Besonders belastend ist das Verfahren zumeist, wenn es öffentlichkeitswirksam betrieben wird. So konnte etwa Anton Schlecker, der wegen Vorwürfen rund um die Insolvenz seiner Drogeriekette vielleicht noch Jahre vor Gericht steht, schon am ersten Verhandlungstag in der BILD über sich lesen:„Heute hat das Versteckspiel von Anton Schlecker ein Ende. Große Auftritte vermied er immer, lebte lieber im Verborgenen. Jetzt wird dem Pleite-Drogeristen in Stuttgart öffentlich der Prozess gemacht. [...] Ihm drohen [...] zehn Jahre Gefängnis!“BILD.de vom 6. März 2017, http://www.bild.de/geld/wirtschaft/anton-schlecker/ab-heute-laeuft-der-schlecker-prozess-50719828.bild.html. Alle Internetquellen wurden zuletzt am 15. September 2017 abgerufen.Obschon wir um die belastenden Effekte wissen, die auch den Freigesprochenen treffen, halten wir wie selbstverständlich am Strafprozess fest. Jeder Beschuldige hat, um es mit den Worten Hegels zu sagen, die „Pflicht, sich vor Gericht zu stellen“Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts (usw), Original 1821, zit. nach der Ausgabe Moldenhauer/Michel, Band 7 der Suhrkamp-Ausgabe Werke, 6. Aufl. (2000), § 221; ebenso BVerfGE 51, 324, 344; Köhler, ZStW 107 (1995), S. 10, 19 ff., 22; dezidiert Jakobs, HRRS 2004, http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft de Gruyter

Sanktion durch Verfahren

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© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
ISSN
1612-703X
eISSN
1612-703X
D.O.I.
10.1515/zstw-2017-0045
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Abstract

Der Strafprozess greift nicht nur in Gestalt der Strafe in die Rechte des Beschuldigten ein. Von Maßregeln und Nebenfolgen abgesehen wissen wir, dass schon das Verfahren die soziale Teilhabe des Beschuldigten drastisch einschränkt. Besonders belastend ist das Verfahren zumeist, wenn es öffentlichkeitswirksam betrieben wird. So konnte etwa Anton Schlecker, der wegen Vorwürfen rund um die Insolvenz seiner Drogeriekette vielleicht noch Jahre vor Gericht steht, schon am ersten Verhandlungstag in der BILD über sich lesen:„Heute hat das Versteckspiel von Anton Schlecker ein Ende. Große Auftritte vermied er immer, lebte lieber im Verborgenen. Jetzt wird dem Pleite-Drogeristen in Stuttgart öffentlich der Prozess gemacht. [...] Ihm drohen [...] zehn Jahre Gefängnis!“BILD.de vom 6. März 2017, http://www.bild.de/geld/wirtschaft/anton-schlecker/ab-heute-laeuft-der-schlecker-prozess-50719828.bild.html. Alle Internetquellen wurden zuletzt am 15. September 2017 abgerufen.Obschon wir um die belastenden Effekte wissen, die auch den Freigesprochenen treffen, halten wir wie selbstverständlich am Strafprozess fest. Jeder Beschuldige hat, um es mit den Worten Hegels zu sagen, die „Pflicht, sich vor Gericht zu stellen“Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts (usw), Original 1821, zit. nach der Ausgabe Moldenhauer/Michel, Band 7 der Suhrkamp-Ausgabe Werke, 6. Aufl. (2000), § 221; ebenso BVerfGE 51, 324, 344; Köhler, ZStW 107 (1995), S. 10, 19 ff., 22; dezidiert Jakobs, HRRS 2004,

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Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaftde Gruyter

Published: Mar 16, 2018

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