Revisionsprozesse in Beethovens Niederschriften der achten Symphonie op. 93

Revisionsprozesse in Beethovens Niederschriften der achten Symphonie op. 93 Federica RovelliRevisionsprozesse in Beethovens Niederschriften derachten Symphonie op. 93Der Begriff ,Revision‘Der heute übliche musikwissenschaftliche Gebrauch des Begriffs ,Revision‘ bezieht sich auf Textveränderungen, die vom Komponisten in unterschiedlichenArbeitsphasen, u.U. sogar nach einer ersten autorisierten Veröffentlichung, vorgenommen worden sind. Der Begriff wird also im weiten Wortsinn verstandenund mit einer besonderen Vieldeutigkeit benutzt, um Phänomene zu benennen,bei denen ein beliebiger Prozess des ,Wiederlesens‘ (lat. revidere = nochmalsbetrachten) nachweisbar ist.1 Noch weiter gefasst betrifft der Gebrauch des Begriffs nicht nur eine kritische vom Komponisten selbst durchgeführte Lektüre, erkann auch irgendeine Intervention – z.B. eine redaktionelle Vereinheitlichungoder eine Hinzufügung von aufführungspraktischen Hinweisen – bezeichnen, dievon einer zweiten Person vorgenommen worden ist. Dass eine solche zweite Artder Intervention keine Relevanz in genetischen Diskursen hat, erscheint selbstverständlich.2 Beethoven benutzte das Wort ,Revision‘ mindestens einmal. Ineiner in der Wiener Zeitung veröffentlichten Warnung erklärte er, dass er nicht ineine damals neu angekündigte Publikation seiner Werke involviert sei und fügteabschließend hinzu: „Ueber eine unter meiner eigenen Aufsicht, und nach vorhergegangener strenger Revision meiner Werke, zu unternehmende Sammlungderselben, werde ich mich bey einer andern Gelegenheit umständlich erklären.“3Das Zitat lässt ahnen, dass Beethoven den Ausdruck „Revision“ in einem weitenWortsinn meinte, und zeigt, dass auch dieser weite Wortsinn, trotz seiner Vieldeutigkeit, einem http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Editio de Gruyter

Revisionsprozesse in Beethovens Niederschriften der achten Symphonie op. 93

Editio , Volume 31 (1): 27 – Dec 20, 2017

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de Gruyter
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© 2018 by Walter de Gruyter Berlin/Boston
ISSN
1865-9446
eISSN
1865-9446
D.O.I.
10.1515/editio-2017-0007
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Abstract

Federica RovelliRevisionsprozesse in Beethovens Niederschriften derachten Symphonie op. 93Der Begriff ,Revision‘Der heute übliche musikwissenschaftliche Gebrauch des Begriffs ,Revision‘ bezieht sich auf Textveränderungen, die vom Komponisten in unterschiedlichenArbeitsphasen, u.U. sogar nach einer ersten autorisierten Veröffentlichung, vorgenommen worden sind. Der Begriff wird also im weiten Wortsinn verstandenund mit einer besonderen Vieldeutigkeit benutzt, um Phänomene zu benennen,bei denen ein beliebiger Prozess des ,Wiederlesens‘ (lat. revidere = nochmalsbetrachten) nachweisbar ist.1 Noch weiter gefasst betrifft der Gebrauch des Begriffs nicht nur eine kritische vom Komponisten selbst durchgeführte Lektüre, erkann auch irgendeine Intervention – z.B. eine redaktionelle Vereinheitlichungoder eine Hinzufügung von aufführungspraktischen Hinweisen – bezeichnen, dievon einer zweiten Person vorgenommen worden ist. Dass eine solche zweite Artder Intervention keine Relevanz in genetischen Diskursen hat, erscheint selbstverständlich.2 Beethoven benutzte das Wort ,Revision‘ mindestens einmal. Ineiner in der Wiener Zeitung veröffentlichten Warnung erklärte er, dass er nicht ineine damals neu angekündigte Publikation seiner Werke involviert sei und fügteabschließend hinzu: „Ueber eine unter meiner eigenen Aufsicht, und nach vorhergegangener strenger Revision meiner Werke, zu unternehmende Sammlungderselben, werde ich mich bey einer andern Gelegenheit umständlich erklären.“3Das Zitat lässt ahnen, dass Beethoven den Ausdruck „Revision“ in einem weitenWortsinn meinte, und zeigt, dass auch dieser weite Wortsinn, trotz seiner Vieldeutigkeit, einem

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Published: Dec 20, 2017

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