Reinmar der Alte als Oulipist. Eingebaute Revisionen als Spielfeld potentieller Literatur

Reinmar der Alte als Oulipist. Eingebaute Revisionen als Spielfeld potentieller Literatur Martin SchubertReinmar der Alte als OulipistEingebaute Revisionen als Spielfeld potentieller LiteraturOulipo, die Werkstatt potentieller Literatur (‹Ouvroir de litte´rature potentielle›),ist ein recht neuzeitliches Phänomen. Wenn im Folgenden versucht wird, dieDenkweisen potentieller Literatur mit einer mittelalterlichen Vorgeschichte auszustatten, dann geschieht dies im Interesse eines vergleichenden Erhellens, das unsHeutigen nahelegen soll, dass einzelne Aspekte modernen Denkens alte Wurzelnaufweisen können.11. OulipoDie literarische Interessengemeinschaft Oulipo, 1960 von dem Schriftsteller Raymond Queneau (1903–1976) und dem Schriftsteller und WissenschaftsjournalistenFrancois Le Lionnais (1901–1984) gegründet, verwirklichte ihr Interesse an Literaturtechniken durch deren spielerisches Ausloten.2 Ein merklicher Anteil ihrerliterarischen Bemühungen besteht im Spiel mit selbstgefundenen Regeln oderbewussten Einschränkungen (‹contraintes›),3 zu deren Anwendung immer auchihre Übertretung zählen kann. Die Ausübung literarischer Mittel ist ein entscheidender Bestandteil eines Werks, wenn es sich nicht gar in dieser Ausübungerschöpft. Es werden literarische Techniken entworfen, mit denen potentiell unendlich viele Werke verfasst werden können; die Techniken werden zugleich inder Praxis getestet.1Ich danke den Teilnehmern des Mediävistischen Kolloquiums des Instituts für deutsche Literaturder Humboldt-Universität Berlin sowie der Tagung Textrevisionen der Arbeitsgemeinschaft für germanistische Edition, Graz, mit denen ich die folgenden Thesen am 17.6.2015 und am 20.2.2016diskutieren durfte.2Vgl. generell Heiner Boehncke, Bernd Kuhne: Anstiftung zur Poesie. Oulipo – Theorie und Praxisder Werkstatt für potentielle Literatur. Bremen http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Editio de Gruyter

Reinmar der Alte als Oulipist. Eingebaute Revisionen als Spielfeld potentieller Literatur

Editio , Volume 31 (1): 13 – Dec 20, 2017

Loading next page...
 
/lp/degruyter/reinmar-der-alte-als-oulipist-eingebaute-revisionen-als-spielfeld-x4srCQe1H0
Publisher
de Gruyter
Copyright
© 2018 by Walter de Gruyter Berlin/Boston
ISSN
1865-9446
eISSN
1865-9446
D.O.I.
10.1515/editio-2017-0003
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

Martin SchubertReinmar der Alte als OulipistEingebaute Revisionen als Spielfeld potentieller LiteraturOulipo, die Werkstatt potentieller Literatur (‹Ouvroir de litte´rature potentielle›),ist ein recht neuzeitliches Phänomen. Wenn im Folgenden versucht wird, dieDenkweisen potentieller Literatur mit einer mittelalterlichen Vorgeschichte auszustatten, dann geschieht dies im Interesse eines vergleichenden Erhellens, das unsHeutigen nahelegen soll, dass einzelne Aspekte modernen Denkens alte Wurzelnaufweisen können.11. OulipoDie literarische Interessengemeinschaft Oulipo, 1960 von dem Schriftsteller Raymond Queneau (1903–1976) und dem Schriftsteller und WissenschaftsjournalistenFrancois Le Lionnais (1901–1984) gegründet, verwirklichte ihr Interesse an Literaturtechniken durch deren spielerisches Ausloten.2 Ein merklicher Anteil ihrerliterarischen Bemühungen besteht im Spiel mit selbstgefundenen Regeln oderbewussten Einschränkungen (‹contraintes›),3 zu deren Anwendung immer auchihre Übertretung zählen kann. Die Ausübung literarischer Mittel ist ein entscheidender Bestandteil eines Werks, wenn es sich nicht gar in dieser Ausübungerschöpft. Es werden literarische Techniken entworfen, mit denen potentiell unendlich viele Werke verfasst werden können; die Techniken werden zugleich inder Praxis getestet.1Ich danke den Teilnehmern des Mediävistischen Kolloquiums des Instituts für deutsche Literaturder Humboldt-Universität Berlin sowie der Tagung Textrevisionen der Arbeitsgemeinschaft für germanistische Edition, Graz, mit denen ich die folgenden Thesen am 17.6.2015 und am 20.2.2016diskutieren durfte.2Vgl. generell Heiner Boehncke, Bernd Kuhne: Anstiftung zur Poesie. Oulipo – Theorie und Praxisder Werkstatt für potentielle Literatur. Bremen

Journal

Editiode Gruyter

Published: Dec 20, 2017

There are no references for this article.

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 18 million articles from more than
15,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Search

Query the DeepDyve database, plus search all of PubMed and Google Scholar seamlessly

Organize

Save any article or search result from DeepDyve, PubMed, and Google Scholar... all in one place.

Access

Get unlimited, online access to over 18 million full-text articles from more than 15,000 scientific journals.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve

Freelancer

DeepDyve

Pro

Price

FREE

$49/month
$360/year

Save searches from
Google Scholar,
PubMed

Create lists to
organize your research

Export lists, citations

Read DeepDyve articles

Abstract access only

Unlimited access to over
18 million full-text articles

Print

20 pages / month

PDF Discount

20% off