Nachruf

Nachruf 56| RRa 1 / 2018NachrufNachrufAm 30.10.2017 ist Richterin am BGH Gabriele Schuster, Mitglied des X. Zivilsenats des BGH, kurz vor ihrem 61. Geburtstag nach längerer schwerer Krankheit verstorben.Gabriele Schuster, gebürtig aus dem oberbayerischenPfaffenhofen an der Ilm, trat nach Abschluss ihrer juristischen Ausbildung am 1.11.1984, ihrem 28. Geburtstag, in denhöheren Justizdienst des Freistaats Bayern ein. Als Richterinauf Probe war sie zunächst beim LG und sodann bei derStaatsanwaltschaft Landshut eingesetzt, wo sie am 19.3.1988zur Staatsanwältin im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ernannt wurde. Zwei Jahre später, am 1.3.1990, wechselte sie alsRichterin am LG an das LG Landshut, wo sie als Mitglied erstund zweitinstanzlicher Zivilkammern und verschiedenerStrafkammern tätig war. Ab dem 1.9.1996 gehörte FrauSchuster – zunächst im Abordnungswege – dem BPatG an,wo sie am 9.6.1997 zur Richterin am BPatG befördert wurde.Sie wirkte an diesem Gericht in Marken- und (Patent-)Nichtigkeitssenaten und wurde von August 2005 bis Juli 2007 fürzwei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den BGHabgeordnet. Dort war sie für den oft verkürzt als „Patentsenat“ bezeichneten X. Zivilsenat tätig, der sich zwar schwerpunktmäßig mit dem Patentrecht befasst und insbesondereals Revisionsgericht in Patentverletzungsstreitigkeiten undals Berufungsgericht über Berufungen gegen Urteile desBPatG in Patentnichtigkeitssachen entscheidet, aber auchfür das Reise- und Personenbeförderungsrecht, das Schenkungsrecht, Gerichtsstandsbestimmungen sowie das Vergaberecht zuständig ist. Nach ihrer Rückkehr an das BPatGwurde sie am 8.12.2009 zur Vorsitzenden Richterin amBPatG berufen und leitete fortan den 5. Senat, einen Nichtigkeitssenat dieses Gerichts. Während ihrer Tätigkeit in Landshut und in München übernahm Gabriele Schuster außerihrer eigentlichen richterlichen und staatsanwaltlichen Arbeit zahlreiche Aufgaben als Arbeitsgemeinschaftsleiterin,Prüferin im 1. juristischen Staatsexamen, Gleichstellungsbeauftragte und manches mehr.Am 6.9.2010 wurde Frau Schuster zur Richterin am BGHernannt. Sie gehörte zunächst dem in den Jahren 2009 und 2010bestehenden, als Hilfssenat zur Entlastung des X. Zivilsenatsvorübergehend eingerichteten Xa-Zivilsenat an und wechseltenach dessen Auflösung zum 1.1.2011 in den X. Zivilsenat, fürden sie schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin verdienstvolleArbeit geleistet hatte. Seit Oktober 2013 war sie daneben stellvertretendes Mitglied des Senats für Patentanwaltssachen.Durch ihre langjährige Tätigkeit als Richterin und Vorsitzende Richterin am BPatG war Gabriele Schuster natürlich fürdie maßgebliche Mitwirkung an den patentrechtlichen Aufgaben des X. Zivilsenats prädestiniert und hervorragend qualifiziert. Schon während ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin entwickelte Frau Schuster jedoch auch ein lebhaftesInteresse an den reise- und personenbeförderungsrechtlichenFragen, mit denen sich der Senat zu befassen hatte. Die zunächst noch bescheidenen Fallzahlen sollten sich in den folgenden Jahren durch die den Zugang zum Revisionsverfahrenauch für Berufungsverfahren beim LG eröffnende Zivilprozessreform einerseits und die Vielzahl der durch die Fluggastrechteverordnung „generierten“ Streitfälle beträchtlich erhöhen. Sowohl das Reise- und Personenbeförderungsrecht alsauch die Fluggastrechteverordnung warfen dabei – aus unterschiedlichen Gründen wie der nicht oder nur teilweise durchgeführten Emanzipation vom Werkvertragsrecht oder der Besonderheiten unionsrechtlicher Regelungswerke – eine Vielzahl nicht einfach zu beantwortender Rechtsfragen auf. FrauSchuster, die in vielen dieser Fälle Berichterstatterin des Senatswar, hat sich den aufgeworfenen Fragen mit Leidenschaft undTatkraft, hohem juristischen Sachverstand und einem ausgeprägten Sinn für praktisch brauchbare Lösungen zugewandt.Dieser Sinn für nicht nur dogmatisch überzeugende, sondernauch praktisch brauchbare Lösungen ist gerade für den Revisionsrichter von gar nicht zu überschätzender Bedeutung.Denn er muss der Versuchung widerstehen, am grünen Tischdes Revisionsgerichts kunstvolle Gedankengebäude zu errichten, deren Realisierung anderen überlassen bleibt, die in denTatsacheninstanzen den für die Standfestigkeit des Gebäudeserforderlichen Sachverhalt festzustellen haben, und ganz besonders gilt dies für die Revision „kleiner“ Streitfälle, von denen die AG und LG mit begrenztem Zeitbudget eine große,zuweilen übergroße Fülle zu bearbeiten haben. Auf die durchdachten und ausgewogenen Lösungsvorschläge von FrauSchuster konnte der Senat stets bauen; sie haben seine Rechtsprechung wesentlich mitgeprägt. Seit dem 19. Reiserechtstagder Deutschen Gesellschaft für Reiserecht 2011 in Essen hatGabriele Schuster zudem die Rechtsprechung des Senats jährlich auf dem Reiserechtstag vorgetragen und sich der Diskussion des Fachpublikums gestellt.Frau Schuster hinterlässt zwei Kinder und zwei Enkel.Wenn sie von ihnen sprach, spürten ihre Kolleginnen undKollegen im X. Zivilsenat, wie sehr sie, gerade wenn sie persönliche Schicksalsschläge ertragen musste, Kraft aus der Geborgenheit ihrer Familie und der Liebe ihrer Kinder undEnkel bezog. Dies hat die kollegiale Zusammenarbeit und –untrennbar damit verbunden – auch die eigentliche richterliche Arbeit immer sehr bereichert, und es war beim BPatGund beim LG und der Staatsanwaltschaft Landshut nicht anders. Der BGH hat nicht nur eine verdienstvolle Richterin,sondern auch eine warmherzige und ihren Mitmenschen zugewandte Persönlichkeit verloren. Gabriele Schuster wird allen, mit denen sie zusammengearbeitet hat, sehr fehlen.VRiBGH Prof. Dr. Peter Meier-Beck, Karlsruhe http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png ReiseRecht aktuell de Gruyter

Nachruf

Free
1 page

Loading next page...
1 Page
 
/lp/degruyter/nachruf-Ar0EXQTPfA
Publisher
Verlag Dr. Otto Schmidt
Copyright
© 2018 by Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln.
ISSN
2193-9535
eISSN
2193-9535
D.O.I.
10.9785/rra-2018-0109
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

56| RRa 1 / 2018NachrufNachrufAm 30.10.2017 ist Richterin am BGH Gabriele Schuster, Mitglied des X. Zivilsenats des BGH, kurz vor ihrem 61. Geburtstag nach längerer schwerer Krankheit verstorben.Gabriele Schuster, gebürtig aus dem oberbayerischenPfaffenhofen an der Ilm, trat nach Abschluss ihrer juristischen Ausbildung am 1.11.1984, ihrem 28. Geburtstag, in denhöheren Justizdienst des Freistaats Bayern ein. Als Richterinauf Probe war sie zunächst beim LG und sodann bei derStaatsanwaltschaft Landshut eingesetzt, wo sie am 19.3.1988zur Staatsanwältin im Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ernannt wurde. Zwei Jahre später, am 1.3.1990, wechselte sie alsRichterin am LG an das LG Landshut, wo sie als Mitglied erstund zweitinstanzlicher Zivilkammern und verschiedenerStrafkammern tätig war. Ab dem 1.9.1996 gehörte FrauSchuster – zunächst im Abordnungswege – dem BPatG an,wo sie am 9.6.1997 zur Richterin am BPatG befördert wurde.Sie wirkte an diesem Gericht in Marken- und (Patent-)Nichtigkeitssenaten und wurde von August 2005 bis Juli 2007 fürzwei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den BGHabgeordnet. Dort war sie für den oft verkürzt als „Patentsenat“ bezeichneten X. Zivilsenat tätig, der sich zwar schwerpunktmäßig mit dem Patentrecht befasst und insbesondereals Revisionsgericht in Patentverletzungsstreitigkeiten undals Berufungsgericht über Berufungen gegen Urteile desBPatG in Patentnichtigkeitssachen entscheidet, aber auchfür das Reise- und Personenbeförderungsrecht, das Schenkungsrecht, Gerichtsstandsbestimmungen sowie das Vergaberecht zuständig ist. Nach ihrer Rückkehr an das BPatGwurde sie am 8.12.2009 zur Vorsitzenden Richterin amBPatG berufen und leitete fortan den 5. Senat, einen Nichtigkeitssenat dieses Gerichts. Während ihrer Tätigkeit in Landshut und in München übernahm Gabriele Schuster außerihrer eigentlichen richterlichen und staatsanwaltlichen Arbeit zahlreiche Aufgaben als Arbeitsgemeinschaftsleiterin,Prüferin im 1. juristischen Staatsexamen, Gleichstellungsbeauftragte und manches mehr.Am 6.9.2010 wurde Frau Schuster zur Richterin am BGHernannt. Sie gehörte zunächst dem in den Jahren 2009 und 2010bestehenden, als Hilfssenat zur Entlastung des X. Zivilsenatsvorübergehend eingerichteten Xa-Zivilsenat an und wechseltenach dessen Auflösung zum 1.1.2011 in den X. Zivilsenat, fürden sie schon als wissenschaftliche Mitarbeiterin verdienstvolleArbeit geleistet hatte. Seit Oktober 2013 war sie daneben stellvertretendes Mitglied des Senats für Patentanwaltssachen.Durch ihre langjährige Tätigkeit als Richterin und Vorsitzende Richterin am BPatG war Gabriele Schuster natürlich fürdie maßgebliche Mitwirkung an den patentrechtlichen Aufgaben des X. Zivilsenats prädestiniert und hervorragend qualifiziert. Schon während ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin entwickelte Frau Schuster jedoch auch ein lebhaftesInteresse an den reise- und personenbeförderungsrechtlichenFragen, mit denen sich der Senat zu befassen hatte. Die zunächst noch bescheidenen Fallzahlen sollten sich in den folgenden Jahren durch die den Zugang zum Revisionsverfahrenauch für Berufungsverfahren beim LG eröffnende Zivilprozessreform einerseits und die Vielzahl der durch die Fluggastrechteverordnung „generierten“ Streitfälle beträchtlich erhöhen. Sowohl das Reise- und Personenbeförderungsrecht alsauch die Fluggastrechteverordnung warfen dabei – aus unterschiedlichen Gründen wie der nicht oder nur teilweise durchgeführten Emanzipation vom Werkvertragsrecht oder der Besonderheiten unionsrechtlicher Regelungswerke – eine Vielzahl nicht einfach zu beantwortender Rechtsfragen auf. FrauSchuster, die in vielen dieser Fälle Berichterstatterin des Senatswar, hat sich den aufgeworfenen Fragen mit Leidenschaft undTatkraft, hohem juristischen Sachverstand und einem ausgeprägten Sinn für praktisch brauchbare Lösungen zugewandt.Dieser Sinn für nicht nur dogmatisch überzeugende, sondernauch praktisch brauchbare Lösungen ist gerade für den Revisionsrichter von gar nicht zu überschätzender Bedeutung.Denn er muss der Versuchung widerstehen, am grünen Tischdes Revisionsgerichts kunstvolle Gedankengebäude zu errichten, deren Realisierung anderen überlassen bleibt, die in denTatsacheninstanzen den für die Standfestigkeit des Gebäudeserforderlichen Sachverhalt festzustellen haben, und ganz besonders gilt dies für die Revision „kleiner“ Streitfälle, von denen die AG und LG mit begrenztem Zeitbudget eine große,zuweilen übergroße Fülle zu bearbeiten haben. Auf die durchdachten und ausgewogenen Lösungsvorschläge von FrauSchuster konnte der Senat stets bauen; sie haben seine Rechtsprechung wesentlich mitgeprägt. Seit dem 19. Reiserechtstagder Deutschen Gesellschaft für Reiserecht 2011 in Essen hatGabriele Schuster zudem die Rechtsprechung des Senats jährlich auf dem Reiserechtstag vorgetragen und sich der Diskussion des Fachpublikums gestellt.Frau Schuster hinterlässt zwei Kinder und zwei Enkel.Wenn sie von ihnen sprach, spürten ihre Kolleginnen undKollegen im X. Zivilsenat, wie sehr sie, gerade wenn sie persönliche Schicksalsschläge ertragen musste, Kraft aus der Geborgenheit ihrer Familie und der Liebe ihrer Kinder undEnkel bezog. Dies hat die kollegiale Zusammenarbeit und –untrennbar damit verbunden – auch die eigentliche richterliche Arbeit immer sehr bereichert, und es war beim BPatGund beim LG und der Staatsanwaltschaft Landshut nicht anders. Der BGH hat nicht nur eine verdienstvolle Richterin,sondern auch eine warmherzige und ihren Mitmenschen zugewandte Persönlichkeit verloren. Gabriele Schuster wird allen, mit denen sie zusammengearbeitet hat, sehr fehlen.VRiBGH Prof. Dr. Peter Meier-Beck, Karlsruhe

Journal

ReiseRecht aktuellde Gruyter

Published: Mar 1, 2018

There are no references for this article.

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 12 million articles from more than
10,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Unlimited reading

Read as many articles as you need. Full articles with original layout, charts and figures. Read online, from anywhere.

Stay up to date

Keep up with your field with Personalized Recommendations and Follow Journals to get automatic updates.

Organize your research

It’s easy to organize your research with our built-in tools.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve Freelancer

DeepDyve Pro

Price
FREE
$49/month

$360/year
Save searches from
Google Scholar,
PubMed
Create lists to
organize your research
Export lists, citations
Read DeepDyve articles
Abstract access only
Unlimited access to over
18 million full-text articles
Print
20 pages/month
PDF Discount
20% off