Julia Gold: ›Von den vnholden oder hexen‹. Studien zu Text und Kontext eines Traktats des Ulrich Molitoris

Julia Gold: ›Von den vnholden oder hexen‹. Studien zu Text und Kontext eines Traktats des... Der von dem Konstanzer Notar Ulrich Molitoris 1489 in den Druck gebrachte ›Tractatus de laniis et phitonicis mulieribus‹ nimmt in der Geschichte der frühen Hexenverfolgung eine besondere Stellung ein. Dies betrifft zum einen die im Vergleich zu dem nur wenig früher erschienenen ›Malleus maleficarum‹ (1484) skeptischere Haltung gegenüber den Delikten, die den vermeintlichen Hexen vorgeworfen und die in der Summe von der späteren Forschung als ›kumulatives Hexereidelikt‹ (d. h. ›Teufelspakt‹, ›Teufelsbuhlschaft‹, ›Hexenflug‹, ›Hexensabbat‹, ›Schadenszauber‹) gefasst wurden; Molitoris verneint die Fähigkeit des Schadenszaubers, des nächtlichen Flugs und des Hexensabbats, so dass dem Verfasser »Ansätze zu einer analysierenden, auf empirisches Naturverständnis gegründeten Kritik«Wolfgang Ziegeler: Möglichkeiten der Kritik am Hexen- und Zauberwesen im ausgehenden Mittelalter. Zeitgenössische Stimmen und ihre soziale Zugehörigkeit, Köln u. Wien 1973, S. 122 (Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter 2). Siehe dazu auch Gerd Schwerhoff: Rationalität im Wahn. Zum gelehrten Diskurs über die Hexen in der frühen Neuzeit, in: Saeculum 37 (1986), S. 45–82, der die Schrift differenzierter in die sogenannte ›[Canon] Episcopi-Tradition‹ einordnet (vgl. S. 66). attestiert werden konnten. Zum anderen aber ist die Form des ›Tractatus‹ innerhalb der Reihe der frühen Hexenschriften außergewöhnlich; es handelt sich dabei nicht, wie der Titel suggerieren könnte, schlicht um eine http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur de Gruyter

Julia Gold: ›Von den vnholden oder hexen‹. Studien zu Text und Kontext eines Traktats des Ulrich Molitoris

Loading next page...
 
/lp/degruyter/julia-gold-von-den-vnholden-oder-hexen-studien-zu-text-und-kontext-yL9cCoWsjH
Publisher
De Gruyter
Copyright
© 2018 Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/Boston
ISSN
1865-9373
eISSN
1865-9373
D.O.I.
10.1515/bgsl-2018-0011
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

Der von dem Konstanzer Notar Ulrich Molitoris 1489 in den Druck gebrachte ›Tractatus de laniis et phitonicis mulieribus‹ nimmt in der Geschichte der frühen Hexenverfolgung eine besondere Stellung ein. Dies betrifft zum einen die im Vergleich zu dem nur wenig früher erschienenen ›Malleus maleficarum‹ (1484) skeptischere Haltung gegenüber den Delikten, die den vermeintlichen Hexen vorgeworfen und die in der Summe von der späteren Forschung als ›kumulatives Hexereidelikt‹ (d. h. ›Teufelspakt‹, ›Teufelsbuhlschaft‹, ›Hexenflug‹, ›Hexensabbat‹, ›Schadenszauber‹) gefasst wurden; Molitoris verneint die Fähigkeit des Schadenszaubers, des nächtlichen Flugs und des Hexensabbats, so dass dem Verfasser »Ansätze zu einer analysierenden, auf empirisches Naturverständnis gegründeten Kritik«Wolfgang Ziegeler: Möglichkeiten der Kritik am Hexen- und Zauberwesen im ausgehenden Mittelalter. Zeitgenössische Stimmen und ihre soziale Zugehörigkeit, Köln u. Wien 1973, S. 122 (Kollektive Einstellungen und sozialer Wandel im Mittelalter 2). Siehe dazu auch Gerd Schwerhoff: Rationalität im Wahn. Zum gelehrten Diskurs über die Hexen in der frühen Neuzeit, in: Saeculum 37 (1986), S. 45–82, der die Schrift differenzierter in die sogenannte ›[Canon] Episcopi-Tradition‹ einordnet (vgl. S. 66). attestiert werden konnten. Zum anderen aber ist die Form des ›Tractatus‹ innerhalb der Reihe der frühen Hexenschriften außergewöhnlich; es handelt sich dabei nicht, wie der Titel suggerieren könnte, schlicht um eine

Journal

Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literaturde Gruyter

Published: Mar 1, 2018

There are no references for this article.

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 18 million articles from more than
15,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Search

Query the DeepDyve database, plus search all of PubMed and Google Scholar seamlessly

Organize

Save any article or search result from DeepDyve, PubMed, and Google Scholar... all in one place.

Access

Get unlimited, online access to over 18 million full-text articles from more than 15,000 scientific journals.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve

Freelancer

DeepDyve

Pro

Price

FREE

$49/month
$360/year

Save searches from
Google Scholar,
PubMed

Create lists to
organize your research

Export lists, citations

Read DeepDyve articles

Abstract access only

Unlimited access to over
18 million full-text articles

Print

20 pages / month

PDF Discount

20% off