Goethes Helena-Dichtung in ursprünglicher Gestalt. Zum methodischen Verhältnis von Materialanalyse und Textkritik

Goethes Helena-Dichtung in ursprünglicher Gestalt. Zum methodischen Verhältnis von... Gerrit Brüning, Oliver HahnGoethes Helena-Dichtung in ursprünglicher GestaltZum methodischen Verhältnis von Materialanalyse und TextkritikIn einem bemerkenswerten Brief an Wilhelm von Humboldt sagt Goethe von derHelena-Episode im Faust, sie sei „eine meiner ältesten Conceptionen“.1 Das Vorhaben, Helena auftreten zu lassen, gehörte demnach schon der ersten Hälfte der1770er Jahre an. Materiell fassbare Niederschläge einer dichterischen Behandlungdes Motivs, das aus dem frühneuzeitlichen Faust-Stoff stammt, finden sich erstwesentlich später, mit der ersten, Fragment gebliebenen Niederschrift aus demJahr 1800. 1825 nahm Goethe das Manuskript wieder vor, setzte den Text, derspäter den dritten Akt des Faust II bilden sollte, fort und veröffentlichte ihn unterder Überschrift „Helena klassisch-romantische Phantasmagorie. Zwischenspiel zuFaust“ in der Ausgabe letzter Hand (1827/28). Auch wenn sich für die Zugehörigkeit der Helena zu den ,ältesten Konzeptionen‘ keine unmittelbaren Belegefinden lassen, so umspannt Goethes Arbeit am Helena-Mythos jedenfalls mehr alsein Vierteljahrhundert.Das früheste zusammenhängende Ergebnis dieser Arbeit, die fragmentarischeHelena-Dichtung von 1800, bildet eine der wichtigsten Stationen in der langenEntstehungsgeschichte des Faust. Sie umfasst den Großteil des Eingangsmonologsder Helena über ihre Rückkehr nach Sparta und die unheilschwangeren Weisungen ihres Gatten („Vom Strande komm ich […]“, Faust-Verse 8489ff.), dieReaktion der Chorführerin auf Helenas Erschütterung („Verlasset des Gesangesfreudumgebnen Pfad […]“, V. 8638ff.), Helenas Bericht über ihre erschreckendeBegegnung mit http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Editio de Gruyter

Goethes Helena-Dichtung in ursprünglicher Gestalt. Zum methodischen Verhältnis von Materialanalyse und Textkritik

Editio , Volume 31 (1): 28 – Dec 20, 2017

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© 2018 by Walter de Gruyter Berlin/Boston
ISSN
1865-9446
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1865-9446
D.O.I.
10.1515/editio-2017-0009
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Abstract

Gerrit Brüning, Oliver HahnGoethes Helena-Dichtung in ursprünglicher GestaltZum methodischen Verhältnis von Materialanalyse und TextkritikIn einem bemerkenswerten Brief an Wilhelm von Humboldt sagt Goethe von derHelena-Episode im Faust, sie sei „eine meiner ältesten Conceptionen“.1 Das Vorhaben, Helena auftreten zu lassen, gehörte demnach schon der ersten Hälfte der1770er Jahre an. Materiell fassbare Niederschläge einer dichterischen Behandlungdes Motivs, das aus dem frühneuzeitlichen Faust-Stoff stammt, finden sich erstwesentlich später, mit der ersten, Fragment gebliebenen Niederschrift aus demJahr 1800. 1825 nahm Goethe das Manuskript wieder vor, setzte den Text, derspäter den dritten Akt des Faust II bilden sollte, fort und veröffentlichte ihn unterder Überschrift „Helena klassisch-romantische Phantasmagorie. Zwischenspiel zuFaust“ in der Ausgabe letzter Hand (1827/28). Auch wenn sich für die Zugehörigkeit der Helena zu den ,ältesten Konzeptionen‘ keine unmittelbaren Belegefinden lassen, so umspannt Goethes Arbeit am Helena-Mythos jedenfalls mehr alsein Vierteljahrhundert.Das früheste zusammenhängende Ergebnis dieser Arbeit, die fragmentarischeHelena-Dichtung von 1800, bildet eine der wichtigsten Stationen in der langenEntstehungsgeschichte des Faust. Sie umfasst den Großteil des Eingangsmonologsder Helena über ihre Rückkehr nach Sparta und die unheilschwangeren Weisungen ihres Gatten („Vom Strande komm ich […]“, Faust-Verse 8489ff.), dieReaktion der Chorführerin auf Helenas Erschütterung („Verlasset des Gesangesfreudumgebnen Pfad […]“, V. 8638ff.), Helenas Bericht über ihre erschreckendeBegegnung mit

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Published: Dec 20, 2017

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