Christian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer Gegenständlichkeit. Berlin: Suhrkamp 2015, 671 S.

Christian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer... 294RezensionenChristian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichteliterarischer Gegenständlichkeit. Berlin: Suhrkamp 2015, 671 S.Die Vermittlung historisch-kritischer und genetischer Ausgaben in die literaturwissenschaftliche Theorie und Praxis ist nicht allein ein Problem ihrer philologisch-apparattechnischen und medialen Sperrigkeit, welches sich durch zugänglichere, digitale Editionenlösen ließe. Ein entsprechendes methodologisches Framework muss auch von Seiten derLiteraturwissenschaft entwickelt und in der Praxis gepflegt werden. Ein Pendant der französischen ‹critique ge´ne´tique› hat sich in Deutschland außerhalb editionsphilologischer Expertenkreise allerdings nicht etablieren können. Eine paradigmatische Ausnahme siehtChristian Benne in Dieter Burdorfs bekannter Studie zu Hölderlins späten Gedichtfragmenten.„Unendlicher Deutung voll“,1 dessen „Akribie und subtiles Durchdenken des Gegenstandes“die „Literarizität“ der komplexen handschriftlichen Befunde nicht auf „die bloße Materialität des Textes“ beschränke (S. 52). Das Anliegen von Bennes Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer Gegenständlichkeit könnte als Etablierung einernichtreduktionistischen Theorie der „spezifisch literarischen Gegenständlichkeit“ (S. 139)umschrieben werden, welche das literarische Manuskript in seiner Materialität auf „literaturphilosophischer“, theoretischer und historischer Ebene für die Literaturwissenschaft erschließt.Im Rahmen seiner Grundlegung einer Theorie und Geschichte des literarischen Manuskripts im Sinne einer „materialen Hermeneutik“ (nach Peter Szondi, S. 81) analysiertBenne die Problematik literaturwissenschaftlicher „Ontologieangst“ und die Aporien deseditionswissenschaftlichen Materialitätsbegriffs. Auf historischer Ebene sieht Benne die„Erfindung der literarischen Handschrift“ nicht allein http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Editio de Gruyter

Christian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer Gegenständlichkeit. Berlin: Suhrkamp 2015, 671 S.

Editio , Volume 31 (1): 8 – Dec 20, 2017

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De Gruyter
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© 2018 by Walter de Gruyter Berlin/Boston
ISSN
1865-9446
eISSN
1865-9446
D.O.I.
10.1515/editio-2017-0021
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Abstract

294RezensionenChristian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichteliterarischer Gegenständlichkeit. Berlin: Suhrkamp 2015, 671 S.Die Vermittlung historisch-kritischer und genetischer Ausgaben in die literaturwissenschaftliche Theorie und Praxis ist nicht allein ein Problem ihrer philologisch-apparattechnischen und medialen Sperrigkeit, welches sich durch zugänglichere, digitale Editionenlösen ließe. Ein entsprechendes methodologisches Framework muss auch von Seiten derLiteraturwissenschaft entwickelt und in der Praxis gepflegt werden. Ein Pendant der französischen ‹critique ge´ne´tique› hat sich in Deutschland außerhalb editionsphilologischer Expertenkreise allerdings nicht etablieren können. Eine paradigmatische Ausnahme siehtChristian Benne in Dieter Burdorfs bekannter Studie zu Hölderlins späten Gedichtfragmenten.„Unendlicher Deutung voll“,1 dessen „Akribie und subtiles Durchdenken des Gegenstandes“die „Literarizität“ der komplexen handschriftlichen Befunde nicht auf „die bloße Materialität des Textes“ beschränke (S. 52). Das Anliegen von Bennes Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer Gegenständlichkeit könnte als Etablierung einernichtreduktionistischen Theorie der „spezifisch literarischen Gegenständlichkeit“ (S. 139)umschrieben werden, welche das literarische Manuskript in seiner Materialität auf „literaturphilosophischer“, theoretischer und historischer Ebene für die Literaturwissenschaft erschließt.Im Rahmen seiner Grundlegung einer Theorie und Geschichte des literarischen Manuskripts im Sinne einer „materialen Hermeneutik“ (nach Peter Szondi, S. 81) analysiertBenne die Problematik literaturwissenschaftlicher „Ontologieangst“ und die Aporien deseditionswissenschaftlichen Materialitätsbegriffs. Auf historischer Ebene sieht Benne die„Erfindung der literarischen Handschrift“ nicht allein

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Editiode Gruyter

Published: Dec 20, 2017

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