Sozialistische Literatur im Exil. Das Beispiel Hans Marchwitza

Sozialistische Literatur im Exil. Das Beispiel Hans Marchwitza BEATE MESSERSCHMIDT Sozialistische Literatur im Exil Das Beispiel Hans Marchwitza Über den 1890 geborenen und 1964 gestorbenen kommunistischen Autor Hans Marchwitza sind zahlreiche Legenden in Umlauf. Der zweifache Nationalpreisträger der DDR, der zu seinem 70. Geburtstag den Karl-Marx-Orden erhielt und von der Berliner Humboldt-Universität mit dem Ehrendoktor ausgezeichnet wurde, hat selbst zu dieser Legendenbildung beigetragen, da er versuchte, sein Lebensschicksal nachträglich noch den Richtlinien der Kommunistischen Partei anzupassen. Bekanntlich durften Kommunisten in den dreißiger Jahren, auch bei unmittelbarer Lebensgefahr, Deutschland nicht ohne Zustimmung der Partei verlassen; wer es, um sein Leben zu retten, dennoch getan hat, wurde zur Verantwortung gezogen. Erst jüngst hat Walter Kolbenhoff in seinen Lebenserinnerungen (Scbellingstraße 48) darüber berichtet. Marchwitzas von ihm selbst verfaßte Lebensskizzen (um 1952 und 1954) enthalten folgende Sätze: »1933 (21. März) mit Einverständnis der Partei Emigration nach der Schweiz, weil von den Nazis gesucht.« So steht im Lebenslauf von 1952 zu lesen. Und etwa zwei Jahre später heißt es: »Im März 1933 schickte mich die Partei aus dem Land, weil ich in Essen und Hamborn gesucht wurde.«1 Entgegen diesen Behauptungen, die von der parteiamtlichen Darstellung von Leben und Werk Marchwitzas übernommen werden,2 läßt sich zeigen, daß das Mitglied der KPD Hans http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) de Gruyter

Sozialistische Literatur im Exil. Das Beispiel Hans Marchwitza

Loading next page...
 
/lp/de-gruyter/sozialistische-literatur-im-exil-das-beispiel-hans-marchwitza-qzhwHfXjJQ
Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
0340-4528
eISSN
1865-9128
D.O.I.
10.1515/iasl.1987.12.1.213
Publisher site
See Article on Publisher Site

Abstract

BEATE MESSERSCHMIDT Sozialistische Literatur im Exil Das Beispiel Hans Marchwitza Über den 1890 geborenen und 1964 gestorbenen kommunistischen Autor Hans Marchwitza sind zahlreiche Legenden in Umlauf. Der zweifache Nationalpreisträger der DDR, der zu seinem 70. Geburtstag den Karl-Marx-Orden erhielt und von der Berliner Humboldt-Universität mit dem Ehrendoktor ausgezeichnet wurde, hat selbst zu dieser Legendenbildung beigetragen, da er versuchte, sein Lebensschicksal nachträglich noch den Richtlinien der Kommunistischen Partei anzupassen. Bekanntlich durften Kommunisten in den dreißiger Jahren, auch bei unmittelbarer Lebensgefahr, Deutschland nicht ohne Zustimmung der Partei verlassen; wer es, um sein Leben zu retten, dennoch getan hat, wurde zur Verantwortung gezogen. Erst jüngst hat Walter Kolbenhoff in seinen Lebenserinnerungen (Scbellingstraße 48) darüber berichtet. Marchwitzas von ihm selbst verfaßte Lebensskizzen (um 1952 und 1954) enthalten folgende Sätze: »1933 (21. März) mit Einverständnis der Partei Emigration nach der Schweiz, weil von den Nazis gesucht.« So steht im Lebenslauf von 1952 zu lesen. Und etwa zwei Jahre später heißt es: »Im März 1933 schickte mich die Partei aus dem Land, weil ich in Essen und Hamborn gesucht wurde.«1 Entgegen diesen Behauptungen, die von der parteiamtlichen Darstellung von Leben und Werk Marchwitzas übernommen werden,2 läßt sich zeigen, daß das Mitglied der KPD Hans

Journal

Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL)de Gruyter

Published: Jan 1, 1987

There are no references for this article.

You’re reading a free preview. Subscribe to read the entire article.


DeepDyve is your
personal research library

It’s your single place to instantly
discover and read the research
that matters to you.

Enjoy affordable access to
over 18 million articles from more than
15,000 peer-reviewed journals.

All for just $49/month

Explore the DeepDyve Library

Search

Query the DeepDyve database, plus search all of PubMed and Google Scholar seamlessly

Organize

Save any article or search result from DeepDyve, PubMed, and Google Scholar... all in one place.

Access

Get unlimited, online access to over 18 million full-text articles from more than 15,000 scientific journals.

Your journals are on DeepDyve

Read from thousands of the leading scholarly journals from SpringerNature, Elsevier, Wiley-Blackwell, Oxford University Press and more.

All the latest content is available, no embargo periods.

See the journals in your area

DeepDyve

Freelancer

DeepDyve

Pro

Price

FREE

$49/month
$360/year

Save searches from
Google Scholar,
PubMed

Create lists to
organize your research

Export lists, citations

Read DeepDyve articles

Abstract access only

Unlimited access to over
18 million full-text articles

Print

20 pages / month

PDF Discount

20% off