Ockhams modale Aussagenlogik

Ockhams modale Aussagenlogik von Wolfgang Lenzen (Osnabrück) Meinem verehrten Lehrer Franz von Kutschera zum 60. Geburtstag gewidmet 1. Einleitung In (1987) habe ich nicht ohne einen gewissen Stolz von meiner ,,Entdeckung" berichtet, daß ein Logiker des 17. Jahrhunderts, G. W. Leibniz, einen aussagenlogischen Kalkül entwickelt hat, der als deduktiv äquivalent mit einem modernen System der strikten Implikation nachgewiesen werden konnte. Ziel dieses Aufsatzes ist es zu zeigen, daß sich die Hauptelemente eines solchen Kalküls bereits bei einem Logiker des 14. Jahrhunderts, W. v. Ockham, aufspüren lassen. Dieses Faktum selber ist in gewisser Weise nicht einmal neu. E. J. Moody hat nämlich in (1953) für seine Darstellung der mittelalterlichen Folgerungslehre bei den Autoren Albert von Sachsen, Walter Burleigh, Johannes Buridan, Duns Scotus (bzw. Pseudo-Scot), Radulph Strodus, Paulus Venetus und Wilhelm von Ockham eine Kollektion satzlogischer Prinzipien zusammengetragen, ,,[which] determine a set of theorems formally similar to those of the system of strict implication" (a.a.O. S. 78). Allerdings konnte Moody nur einen relativ kleinen Teil der logischen Gesetze dem hier zu betrachtenden Autor Ockham zuschreiben. Außerdem hat Moody Bedenken geäußert, ob man die mittelalterliche ,wenn-dann'-Beziehung wirklich als eine strikte Implikation deuten darf. Auf die Berechtigung dieser Skrupel gehen wir bei der Unterscheidung zwischen http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Archiv für Geschichte der Philosophie de Gruyter

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
0003-9101
eISSN
1613-0650
DOI
10.1515/agph.1993.75.2.125
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Abstract

von Wolfgang Lenzen (Osnabrück) Meinem verehrten Lehrer Franz von Kutschera zum 60. Geburtstag gewidmet 1. Einleitung In (1987) habe ich nicht ohne einen gewissen Stolz von meiner ,,Entdeckung" berichtet, daß ein Logiker des 17. Jahrhunderts, G. W. Leibniz, einen aussagenlogischen Kalkül entwickelt hat, der als deduktiv äquivalent mit einem modernen System der strikten Implikation nachgewiesen werden konnte. Ziel dieses Aufsatzes ist es zu zeigen, daß sich die Hauptelemente eines solchen Kalküls bereits bei einem Logiker des 14. Jahrhunderts, W. v. Ockham, aufspüren lassen. Dieses Faktum selber ist in gewisser Weise nicht einmal neu. E. J. Moody hat nämlich in (1953) für seine Darstellung der mittelalterlichen Folgerungslehre bei den Autoren Albert von Sachsen, Walter Burleigh, Johannes Buridan, Duns Scotus (bzw. Pseudo-Scot), Radulph Strodus, Paulus Venetus und Wilhelm von Ockham eine Kollektion satzlogischer Prinzipien zusammengetragen, ,,[which] determine a set of theorems formally similar to those of the system of strict implication" (a.a.O. S. 78). Allerdings konnte Moody nur einen relativ kleinen Teil der logischen Gesetze dem hier zu betrachtenden Autor Ockham zuschreiben. Außerdem hat Moody Bedenken geäußert, ob man die mittelalterliche ,wenn-dann'-Beziehung wirklich als eine strikte Implikation deuten darf. Auf die Berechtigung dieser Skrupel gehen wir bei der Unterscheidung zwischen

Journal

Archiv für Geschichte der Philosophiede Gruyter

Published: Jan 1, 1993

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