Nietzsches Denken der Freundschaft und das Politische

Nietzsches Denken der Freundschaft und das Politische 1 Einleitung Nietzsche und das Politische? War Nietzsche nicht ein unpolitischer Philosoph? Man sollte sich nicht sogleich von jenen Zügen seines Denken bestimmen lassen, die ihn (scheinbar) als unpolitischen Denker ausweisen. Es kommt darauf an, welchen Begriff von Politik bzw. welchen Begriff des Politischen man bei der Beantwortung der Frage zugrunde legt. Wenn man Politik bloß als Staatskunst versteht, wird man in der Tat sehr schnell zu der Antwort gelangen, dass Nietzsches Denken unpolitisch, ja antipolitisch sei. ,,So wenig als möglich Staat!" lautet der Aphorismus 179 in der Morgenröthe: ,,Alle politischen und wirthschaftlichen Verhältnisse sind es nicht werth, dass gerade die begabtesten Geister sich mit ihnen befassen dürften und müssten: ein solcher Verbrauch des Geistes ist im Grunde schlimmer, als ein Nothstand" (M, KSA 3, 157). Politik zählt für Nietzsche zu den ,,Gebiete[n] der Arbeit für die geringeren Köpfe, und andere als die geringen Köpfe sollten dieser Werkstätte [der Politik ­ S. Y. F.] nicht zu Diensten stehen" (ebd.); er will sie den Staatsmännern überlassen. Diese aber, so heißt es im zweiten Band von Menschliches, Allzumenschliches, können durch ihre Hingabe an die Ereignisse ,,ganz leere Menschen werden" (MA 2, KSA 2, 506). Nietzsches zweites Gebot seiner ,,10 Gebote http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Nietzscheforschung de Gruyter

Nietzsches Denken der Freundschaft und das Politische

Nietzscheforschung, Volume 23 (1) – Sep 12, 2016

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Publisher
de Gruyter
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Copyright © 2016 by the
ISSN
1869-5604
eISSN
2191-9259
DOI
10.1515/nifo-2016-0112
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Abstract

1 Einleitung Nietzsche und das Politische? War Nietzsche nicht ein unpolitischer Philosoph? Man sollte sich nicht sogleich von jenen Zügen seines Denken bestimmen lassen, die ihn (scheinbar) als unpolitischen Denker ausweisen. Es kommt darauf an, welchen Begriff von Politik bzw. welchen Begriff des Politischen man bei der Beantwortung der Frage zugrunde legt. Wenn man Politik bloß als Staatskunst versteht, wird man in der Tat sehr schnell zu der Antwort gelangen, dass Nietzsches Denken unpolitisch, ja antipolitisch sei. ,,So wenig als möglich Staat!" lautet der Aphorismus 179 in der Morgenröthe: ,,Alle politischen und wirthschaftlichen Verhältnisse sind es nicht werth, dass gerade die begabtesten Geister sich mit ihnen befassen dürften und müssten: ein solcher Verbrauch des Geistes ist im Grunde schlimmer, als ein Nothstand" (M, KSA 3, 157). Politik zählt für Nietzsche zu den ,,Gebiete[n] der Arbeit für die geringeren Köpfe, und andere als die geringen Köpfe sollten dieser Werkstätte [der Politik ­ S. Y. F.] nicht zu Diensten stehen" (ebd.); er will sie den Staatsmännern überlassen. Diese aber, so heißt es im zweiten Band von Menschliches, Allzumenschliches, können durch ihre Hingabe an die Ereignisse ,,ganz leere Menschen werden" (MA 2, KSA 2, 506). Nietzsches zweites Gebot seiner ,,10 Gebote

Journal

Nietzscheforschungde Gruyter

Published: Sep 12, 2016

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