Nachruf auf Friedrich Kaulbach

Nachruf auf Friedrich Kaulbach Am 10. Mai 1992 starb Friedrich Kaulbach, einen Monat vor der Vollendung seines achtzigsten Lebensjahres. Bis zu diesem Geburtstag wollte er seine Philosophie des Perspektivismus) die eine philosophische Summe seines Lebenswerkes darstellen sollte, abgeschlossen haben. Doch eine schwere Krankheit zwang ihn schon im Januar, die Arbeit am Manuskript abzubrechen. So haben wir nur den 1990 erschienenen ersten Band; vielleicht aber ist eine posthume Edition des zweiten Teils, von dessen sieben Kapiteln fünf ausformuliert und zwei ausführlich skizziert sind, möglich. Mit Friedrich Kaulbach verliert die Kant-Forschung des 20. Jahrhunderts einen ihrer letzten großen Repräsentanten. Sein Werk spannt einen weiten Bogen vom Neukantianismus Emil Lasks und Ernst Cassirers über die metaphysische KantInterpretation Heinz Heimsoeths, die ontologische Kant-Kritik Nicolai Hartmanns, die Historisierung Kants mit Blick auf Aristoteles, Leibniz und Hegel, bis hin zur sprachanalytischen Deutung, von der er sich vor allem in seinen von Scheler, Gehlen und Schlesky angeregten handlungstheoretischen Überlegungen beeinflussen ließ. Sein auf Leiblichkeit und Anschaulichkeit basierender Perspektivismus nahm Impulse der phänomenologischen Forschung auf, und seine gegen den Positivismus gerichtete ,,kritische Dialektik" war durch dialogische Elemente der modernen Hermeneutik gekennzeichnet. Nur von Heidegger, bei dem er zwei Semester in Freiburg studierte, blieb er gänzlich unbeeindruckt. Angesichts der wechselvollen wissenschaftlichen, http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Kant-Studien de Gruyter

Nachruf auf Friedrich Kaulbach

Kant-Studien, Volume 84 (1) – Jan 1, 1993

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
0022-8877
eISSN
1613-1134
DOI
10.1515/kant.1993.84.1.1
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Abstract

Am 10. Mai 1992 starb Friedrich Kaulbach, einen Monat vor der Vollendung seines achtzigsten Lebensjahres. Bis zu diesem Geburtstag wollte er seine Philosophie des Perspektivismus) die eine philosophische Summe seines Lebenswerkes darstellen sollte, abgeschlossen haben. Doch eine schwere Krankheit zwang ihn schon im Januar, die Arbeit am Manuskript abzubrechen. So haben wir nur den 1990 erschienenen ersten Band; vielleicht aber ist eine posthume Edition des zweiten Teils, von dessen sieben Kapiteln fünf ausformuliert und zwei ausführlich skizziert sind, möglich. Mit Friedrich Kaulbach verliert die Kant-Forschung des 20. Jahrhunderts einen ihrer letzten großen Repräsentanten. Sein Werk spannt einen weiten Bogen vom Neukantianismus Emil Lasks und Ernst Cassirers über die metaphysische KantInterpretation Heinz Heimsoeths, die ontologische Kant-Kritik Nicolai Hartmanns, die Historisierung Kants mit Blick auf Aristoteles, Leibniz und Hegel, bis hin zur sprachanalytischen Deutung, von der er sich vor allem in seinen von Scheler, Gehlen und Schlesky angeregten handlungstheoretischen Überlegungen beeinflussen ließ. Sein auf Leiblichkeit und Anschaulichkeit basierender Perspektivismus nahm Impulse der phänomenologischen Forschung auf, und seine gegen den Positivismus gerichtete ,,kritische Dialektik" war durch dialogische Elemente der modernen Hermeneutik gekennzeichnet. Nur von Heidegger, bei dem er zwei Semester in Freiburg studierte, blieb er gänzlich unbeeindruckt. Angesichts der wechselvollen wissenschaftlichen,

Journal

Kant-Studiende Gruyter

Published: Jan 1, 1993

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