Lothar Krauth: Die Philosophie Carnaps

Lothar Krauth: Die Philosophie Carnaps praktischen Philosophie Kants, vornehmlich auf die neukantianische Ineinssetzung von kategorischem Imperativ (Sittengesetz) und Gesinnungsprinzip zurück. Solange man aber den kategorischen Imperativ vorschnell bloß als Prinzip sittlicher Gesinnung interpretiert, wird man weder die kantische Rechtslehre als Freiheitslehre verstehen, noch gar sie widerspruchsfrei mit der kritischen Ethik verbinden können. Aufs Ganze gesehen ist der gegenüber dem Neukantianismus erheblich verstärkte rechtsphilosophische Rückgriff auf Kant dennoch positiv zu bewerten. Zwar kommt er durch Sturmiels' Verbleib innerhalb der neukantianischen Tradition der Interpretation der kantischen Ethik nicht voll zum Tragen, doch sind hier selbst die Bruchstellen lehrreich, weil sie Hintergründe der neukantianischen Fehlbeurteilung der kantischen Rechtslehre verdeutlichen und zugleich erste Hinweise für eine Überwindung dieser Fehlbeurteilung liefern. Erfreulich ist insbesondere der Verzicht auf den in der Dissertation noch vertretenen wissenschaftstheoretischen Ansatz der praktischen Philosophie, vor allem der Rechtsphilosophie; erfreulich auch der Verzicht auf die Übernahme des Cohenschen Versuchs einer Vereinigung von Ethik und Rechtsphilosophie; besonders erfreulich, daß dieser Verzicht keineswegs dazu führt, den vom Neukantianismus verdienstlicherweise herausgearbeiteten geltungstheoretischen Aspekt aufzugeben, sondern ihn voll berücksichtigt und klar und deutlich dem ontologischen gegenüberstellt. In diesem Zusammenhang kann die Darstellung der prinzipiellen Differenz zwischen sozialer Seinsbestimmtheit und rechtlicher Geltungsbestimmtheit der äußeren Beziehungen zwischen Subjekten -- zumal gegenüber http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Archiv für Geschichte der Philosophie de Gruyter

Lothar Krauth: Die Philosophie Carnaps

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 1976 by the
ISSN
0003-9101
eISSN
1613-0650
DOI
10.1515/agph-1976-0119
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Abstract

praktischen Philosophie Kants, vornehmlich auf die neukantianische Ineinssetzung von kategorischem Imperativ (Sittengesetz) und Gesinnungsprinzip zurück. Solange man aber den kategorischen Imperativ vorschnell bloß als Prinzip sittlicher Gesinnung interpretiert, wird man weder die kantische Rechtslehre als Freiheitslehre verstehen, noch gar sie widerspruchsfrei mit der kritischen Ethik verbinden können. Aufs Ganze gesehen ist der gegenüber dem Neukantianismus erheblich verstärkte rechtsphilosophische Rückgriff auf Kant dennoch positiv zu bewerten. Zwar kommt er durch Sturmiels' Verbleib innerhalb der neukantianischen Tradition der Interpretation der kantischen Ethik nicht voll zum Tragen, doch sind hier selbst die Bruchstellen lehrreich, weil sie Hintergründe der neukantianischen Fehlbeurteilung der kantischen Rechtslehre verdeutlichen und zugleich erste Hinweise für eine Überwindung dieser Fehlbeurteilung liefern. Erfreulich ist insbesondere der Verzicht auf den in der Dissertation noch vertretenen wissenschaftstheoretischen Ansatz der praktischen Philosophie, vor allem der Rechtsphilosophie; erfreulich auch der Verzicht auf die Übernahme des Cohenschen Versuchs einer Vereinigung von Ethik und Rechtsphilosophie; besonders erfreulich, daß dieser Verzicht keineswegs dazu führt, den vom Neukantianismus verdienstlicherweise herausgearbeiteten geltungstheoretischen Aspekt aufzugeben, sondern ihn voll berücksichtigt und klar und deutlich dem ontologischen gegenüberstellt. In diesem Zusammenhang kann die Darstellung der prinzipiellen Differenz zwischen sozialer Seinsbestimmtheit und rechtlicher Geltungsbestimmtheit der äußeren Beziehungen zwischen Subjekten -- zumal gegenüber

Journal

Archiv für Geschichte der Philosophiede Gruyter

Published: Jan 1, 1976

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