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„Gleiches durch Gleiches“. Nietzsches Annäherung an die ‚Einfalt und Würde des Hellenischen‘ durch die Musik

„Gleiches durch Gleiches“. Nietzsches Annäherung an die ‚Einfalt und Würde des Hellenischen‘... Cathrin Nielsen„Gleiches durch Gleiches“Nietzsches Annäherung an die ,Einfalt und Würde desHellenischen‘ durch die MusikFriedrich Nietzsches Kritik am Antikebild Johann Joachim Winckelmanns war vonAnfang an primär hermeneutischer und, eng damit verbunden, psychologischerNatur. Sie gründet in der immer wieder und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen formulierten Einsicht seines Denkens, man finde „in den Dingen nichtswieder als was man nicht selbst hineingesteckt hat […]“ (NL 2[174], KSA 12, 153). Wirfinden bzw. lesen oder sehen in unserem Gegenüber stets das, was wir in ihm sehenmöchten, und das, was wir da zu erkennen glauben, spricht wiederum die Spracheunserer eigenen Bedürfnisse. Auf Winckelmann bezogen bedeutet dies, dass sichdessen den Griechen unterstellte ‚stille Einfalt und edle Größe‘ letztlich einer modernen Projektion verdankt. Egon Friedell bringt das in seiner unkonventionellen Weiseso auf den Punkt: „Diese sonderbare ,Rückkehr zur Antike‘ ist nur zu verstehen auseinem tiefen Bedürfnis und letzten Versuch, in einer Welt der reinen Maße und Proportionen, der lichten Ordnung und leichten Überschaubarkeit, Selbstbegrenzungund Unkompliziertheit Erholung und Ausruhen von der eigenen Problematik, schweifenden Formlosigkeit und verwirrenden Vielfältigkeit […] zu finden. Der Klassizismusist aus der Angst des modernen Menschen geboren.“1Nietzsche bleibt bei diesem Verdacht bekanntlich nicht stehen; das ewige „Kinderspiel“ des Hineinsteckens und Wiederherausholens sei nämlich keineswegs zuverachten, „[i]m Gegentheil: http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Nietzscheforschung de Gruyter

„Gleiches durch Gleiches“. Nietzsches Annäherung an die ‚Einfalt und Würde des Hellenischen‘ durch die Musik

Nietzscheforschung , Volume 24 (1): 18 – Aug 28, 2017

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Publisher
de Gruyter
Copyright
© 2017 Akademie Verlag GmbH, Markgrafenstr. 12-14, 10969 Berlin.
ISSN
2191-9259
eISSN
2191-9259
DOI
10.1515/nifo-2017-0013
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Abstract

Cathrin Nielsen„Gleiches durch Gleiches“Nietzsches Annäherung an die ,Einfalt und Würde desHellenischen‘ durch die MusikFriedrich Nietzsches Kritik am Antikebild Johann Joachim Winckelmanns war vonAnfang an primär hermeneutischer und, eng damit verbunden, psychologischerNatur. Sie gründet in der immer wieder und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen formulierten Einsicht seines Denkens, man finde „in den Dingen nichtswieder als was man nicht selbst hineingesteckt hat […]“ (NL 2[174], KSA 12, 153). Wirfinden bzw. lesen oder sehen in unserem Gegenüber stets das, was wir in ihm sehenmöchten, und das, was wir da zu erkennen glauben, spricht wiederum die Spracheunserer eigenen Bedürfnisse. Auf Winckelmann bezogen bedeutet dies, dass sichdessen den Griechen unterstellte ‚stille Einfalt und edle Größe‘ letztlich einer modernen Projektion verdankt. Egon Friedell bringt das in seiner unkonventionellen Weiseso auf den Punkt: „Diese sonderbare ,Rückkehr zur Antike‘ ist nur zu verstehen auseinem tiefen Bedürfnis und letzten Versuch, in einer Welt der reinen Maße und Proportionen, der lichten Ordnung und leichten Überschaubarkeit, Selbstbegrenzungund Unkompliziertheit Erholung und Ausruhen von der eigenen Problematik, schweifenden Formlosigkeit und verwirrenden Vielfältigkeit […] zu finden. Der Klassizismusist aus der Angst des modernen Menschen geboren.“1Nietzsche bleibt bei diesem Verdacht bekanntlich nicht stehen; das ewige „Kinderspiel“ des Hineinsteckens und Wiederherausholens sei nämlich keineswegs zuverachten, „[i]m Gegentheil:

Journal

Nietzscheforschungde Gruyter

Published: Aug 28, 2017

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