Existentialismus als modisches Spiel: Calvinos Roman vom nicht existierenden Ritter

Existentialismus als modisches Spiel: Calvinos Roman vom nicht existierenden Ritter JOACHIM LEEKER Calvinos Roman vom nicht existierenden Ritter, der nur aus einer leeren Rüstung mit Bewußtsein von sich selbst besteht, weckte bei seinem Erscheinen (1959) nicht mehr das gleiche Erstaunen wie noch seine Vorgänger, der Visconte dime^ato (1952) und der Barone rampante (1957). Seit dem Visconte dime^ato war es nämlich ein Topos der Calvino-Rezeption geworden, von einem /avolaSrealismo'-Dualismus im Schaffen des Autors zu sprechen, wobei man im Anschluß an die Fiabe italiane^ von 1956 auch hinter dem Cavaliere eine Aussage über die Wirklichkeit vermutete und von einem ,conte philosophique* sprach -- eine Ansicht, die durch Calvinos Nota zur Antenati-Tnlogit, in die der Cavaliere 1960 aufgenommen wurde2, noch bestätigt wurde: Unter dem Begriff der Allegorie, die im Gewand des Märchens eine Aussage über die Wirklichkeit enthält, konnte der Cavaliere auch mit den poetologischen Äußerungen des Autors in Einklang gebracht werden. Die Aussage, die man hinter dem Roman vermutete, variiert jedoch: Vereinzelt deutete man ihn als Zerrbild eines engagierten Schriftstellers, meist jedoch schloß man sich Calvinos eigener Deutung an, die darin ein Abbild des modernen Menschen sah. Mit dem Erscheinen der Cosmicomiche von 1965 erweiterte sich das Spektrum der Interpretationen; sah man das neue Werk zunächst auf einer Linie mit http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Arcadia - Internationale Zeitschrift für Literaturwissenschaft / International Journal for Literary Studies de Gruyter

Existentialismus als modisches Spiel: Calvinos Roman vom nicht existierenden Ritter

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
0003-7982
eISSN
1613-0642
DOI
10.1515/arca.1993.28.3.276
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Abstract

JOACHIM LEEKER Calvinos Roman vom nicht existierenden Ritter, der nur aus einer leeren Rüstung mit Bewußtsein von sich selbst besteht, weckte bei seinem Erscheinen (1959) nicht mehr das gleiche Erstaunen wie noch seine Vorgänger, der Visconte dime^ato (1952) und der Barone rampante (1957). Seit dem Visconte dime^ato war es nämlich ein Topos der Calvino-Rezeption geworden, von einem /avolaSrealismo'-Dualismus im Schaffen des Autors zu sprechen, wobei man im Anschluß an die Fiabe italiane^ von 1956 auch hinter dem Cavaliere eine Aussage über die Wirklichkeit vermutete und von einem ,conte philosophique* sprach -- eine Ansicht, die durch Calvinos Nota zur Antenati-Tnlogit, in die der Cavaliere 1960 aufgenommen wurde2, noch bestätigt wurde: Unter dem Begriff der Allegorie, die im Gewand des Märchens eine Aussage über die Wirklichkeit enthält, konnte der Cavaliere auch mit den poetologischen Äußerungen des Autors in Einklang gebracht werden. Die Aussage, die man hinter dem Roman vermutete, variiert jedoch: Vereinzelt deutete man ihn als Zerrbild eines engagierten Schriftstellers, meist jedoch schloß man sich Calvinos eigener Deutung an, die darin ein Abbild des modernen Menschen sah. Mit dem Erscheinen der Cosmicomiche von 1965 erweiterte sich das Spektrum der Interpretationen; sah man das neue Werk zunächst auf einer Linie mit

Journal

Arcadia - Internationale Zeitschrift für Literaturwissenschaft / International Journal for Literary Studiesde Gruyter

Published: Jan 1, 1993

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