Die Diskussion um die metaphysische Kantinterpretation

Die Diskussion um die metaphysische Kantinterpretation von Gerhard Funke, Mainz ,,Daß Erkenntnis nicht ein Erschaffen, Erzeugen oder Hervorbringen des Gegenstandes ist, wie der Idealismus alten und neuen Fahrwassers uns belehren will"1, war die These Nicolai Hartmanns in Diesseits von Idealismus und Realismus (1924) gewesen. Ihm kam es unter sachimmanenten Aspekten auf die Herausarbeitung eines ,,Minimums an Metaphysik zur Behandlung der Probleme" an. Hartmanns Rückkehr zum eigentlichen Kant stellt im Grunde eine Wende zur aporetisdien Metaphysik Kants dar2. Sie steht im Gegensatz zu Heimsoeths Wende zur Metaphysik, die von der Neudeutung Kants als des Metaphysikers einer intelligiblen Freiheitswelt und eines Freiheitsbewußtseins den Ausgang nimmt und eine ,,Wende zu Fichte" nicht ausschließt3. Daß weiterhin, von den Antinomien Kants ausgehend, ein Übergang zu der Polaritätsphilosophie der Romantik und vor allem Sdiellings möglich ist, sei wenigstens angemerkt. Die ,,Wende zur Metaphysik" wird dann, etwa bei Paul Tillich4, als »Wendung zu Schelling" verstanden, und sie hat sich ja auch im Neu-Schellingianismus des ersten Drittels dieses 20. Jahrhunderts niedergeschlagen. Endlich hatte bereits im strengen Neukantianismus alter Art das Problem des Individuums und der Geschichte bei Windelband eine ,,Wende zu Hegel" vorbereitet. Individuelles Werden und Gesetz in der Geschichte sollten zusammengebracht werden: das Wissenschaftsprinzip der Allgemeingesetzlichkeit führte zur Ausbildung des Wert-Neukantianismus http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Kant-Studien de Gruyter

Die Diskussion um die metaphysische Kantinterpretation

Kant-Studien, Volume 67 (1-4) – Jan 1, 1976

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
0022-8877
eISSN
1613-1134
DOI
10.1515/kant.1976.67.1-4.409
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Abstract

von Gerhard Funke, Mainz ,,Daß Erkenntnis nicht ein Erschaffen, Erzeugen oder Hervorbringen des Gegenstandes ist, wie der Idealismus alten und neuen Fahrwassers uns belehren will"1, war die These Nicolai Hartmanns in Diesseits von Idealismus und Realismus (1924) gewesen. Ihm kam es unter sachimmanenten Aspekten auf die Herausarbeitung eines ,,Minimums an Metaphysik zur Behandlung der Probleme" an. Hartmanns Rückkehr zum eigentlichen Kant stellt im Grunde eine Wende zur aporetisdien Metaphysik Kants dar2. Sie steht im Gegensatz zu Heimsoeths Wende zur Metaphysik, die von der Neudeutung Kants als des Metaphysikers einer intelligiblen Freiheitswelt und eines Freiheitsbewußtseins den Ausgang nimmt und eine ,,Wende zu Fichte" nicht ausschließt3. Daß weiterhin, von den Antinomien Kants ausgehend, ein Übergang zu der Polaritätsphilosophie der Romantik und vor allem Sdiellings möglich ist, sei wenigstens angemerkt. Die ,,Wende zur Metaphysik" wird dann, etwa bei Paul Tillich4, als »Wendung zu Schelling" verstanden, und sie hat sich ja auch im Neu-Schellingianismus des ersten Drittels dieses 20. Jahrhunderts niedergeschlagen. Endlich hatte bereits im strengen Neukantianismus alter Art das Problem des Individuums und der Geschichte bei Windelband eine ,,Wende zu Hegel" vorbereitet. Individuelles Werden und Gesetz in der Geschichte sollten zusammengebracht werden: das Wissenschaftsprinzip der Allgemeingesetzlichkeit führte zur Ausbildung des Wert-Neukantianismus

Journal

Kant-Studiende Gruyter

Published: Jan 1, 1976

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