Zur Verarbeitung indischer Traditionen in Hermann Hesses "Siddhartha"1

Zur Verarbeitung indischer Traditionen in Hermann Hesses "Siddhartha"1 FRIEDRICH HUBER Zur Verarbeitung indischer Traditionen in Hermann Hesses "Siddhartha"1 In seinem 1922 erschienen Werk "Siddhartha. Eine indische Dich- tung"2 zeichnet Hermann Hesse das Leben eines Mannes - eben des Siddhartha -, der dem Buddha nicht folgt, und der als alter Mann doch sagen kann: "Ich weil3, dal3 ich mit Gotama einig bin." (S. 117f.) Diese Ubereinstimmung zwischen Siddhartha und dem Buddha stellt am Ende der Dichtung auch Govinda, der Freund Siddharthas, fest: "...dies La- cheln Siddharthas war genau dasselbe, war genau das gleiche, stille, feine, undurchdringliche, vielleicht gutige, vielleicht sp6ttische, weise, tausendfaltige Lacheln Gotamas, des Buddhas, wie er [Govinda] selbst es hundertmal mit Ehrfurcht gesehen hatte. So, das wul3te Govinda, lachelten die Vollendeten." (S. 120) Freilich, der "Buddhismus Siddharthas" unterscheidet sich von dem des Buddha und seiner ersten Gemeinde, wie er aus den Texten des Pali- Kanons ansatzweise ersichtlich wird, nicht unerheblich. Siddhartha bleibt ebenso in der religios-philosophischen Welt des Hinduismus verwurzelt, wie er auf der anderen Seite die Sicht des Mahayana- Buddhismus vorwegnimmt, indem er z.B. den Freund Govinda dazu hinfuhrt, "sich Nirwana und Sansara als Eines vorzustellen". (S. 119) Aber Siddhartha ist weder Hindu noch Buddhist. Hesse selber sah in ihm einen "Ketzer, auch Buddha http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

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Publisher
Brill
Copyright
© 1993 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007393X00195
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Abstract

FRIEDRICH HUBER Zur Verarbeitung indischer Traditionen in Hermann Hesses "Siddhartha"1 In seinem 1922 erschienen Werk "Siddhartha. Eine indische Dich- tung"2 zeichnet Hermann Hesse das Leben eines Mannes - eben des Siddhartha -, der dem Buddha nicht folgt, und der als alter Mann doch sagen kann: "Ich weil3, dal3 ich mit Gotama einig bin." (S. 117f.) Diese Ubereinstimmung zwischen Siddhartha und dem Buddha stellt am Ende der Dichtung auch Govinda, der Freund Siddharthas, fest: "...dies La- cheln Siddharthas war genau dasselbe, war genau das gleiche, stille, feine, undurchdringliche, vielleicht gutige, vielleicht sp6ttische, weise, tausendfaltige Lacheln Gotamas, des Buddhas, wie er [Govinda] selbst es hundertmal mit Ehrfurcht gesehen hatte. So, das wul3te Govinda, lachelten die Vollendeten." (S. 120) Freilich, der "Buddhismus Siddharthas" unterscheidet sich von dem des Buddha und seiner ersten Gemeinde, wie er aus den Texten des Pali- Kanons ansatzweise ersichtlich wird, nicht unerheblich. Siddhartha bleibt ebenso in der religios-philosophischen Welt des Hinduismus verwurzelt, wie er auf der anderen Seite die Sicht des Mahayana- Buddhismus vorwegnimmt, indem er z.B. den Freund Govinda dazu hinfuhrt, "sich Nirwana und Sansara als Eines vorzustellen". (S. 119) Aber Siddhartha ist weder Hindu noch Buddhist. Hesse selber sah in ihm einen "Ketzer, auch Buddha

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Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1993

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