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„Wir Müssen’s Wohl Leiden“

„Wir Müssen’s Wohl Leiden“ Jiirg Berthold (Zurich) ,,WIR MUSSEN'S WOHL LEIDEN" Formen ,autobiographischen' Schreibens: Paul Celan, DU LIEGST/ Peter Szondi, ,,Eden" LUCILE. Es ist doch was wie Ernst darin. Ich will einmal nachdenken. Ich fange an so was zu begreifen. Sterben - Sterben - Es darf ja Alles lcbcn, Alles, die klcine Muckc da, dcr Vogel. Warum denn er nicht? Der Strom des Lc­ bens muBte stocken, wcnn nur dcr cine Tropfcn vcrschut­ tct wurdc. Die Erde muBte einc Wunde bekommen von dcm Streich. Es rcgt sich Alles, die Uhren gchcn, die Glacken schlagen, die Lcutc laufen, das Wasser rinnt und so, so Alles wcitcr bis da, dahin - nein! es darf nicht geschehen, nein - ich will mich auf den Boden setzen und schrcicn, daB erschrok­ ken Alles stehn bleibt, Alles stockt, sich nichts mchr regt. Georg Buchner, Dantons Tod Das Sterben, sagt eines der Weiber auf dem Revolutionsplatz, ist i:iffentlich geworden, und sie geht an Lucile vorbei, um der Hinrichtung Dantons beizu­ wohnen. Die Guillotine ist aufgestellt, und es dauert nur noch jenen Moment des Begreifens, das bei Lucile einsetzt, bis sie ihr entschlossenes ,,Es lebe der Konig!" hinausschreit und ,,Im Namen der Republik!" - weggeftihrt wird. Die Erfahrung, daB sich http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Poetica Brill

„Wir Müssen’s Wohl Leiden“

Poetica , Volume 24 (1-2): 12 – Aug 14, 1992

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Publisher
Brill
Copyright
Copyright © Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0303-4178
eISSN
2589-0530
DOI
10.30965/25890530-0240102004
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Abstract

Jiirg Berthold (Zurich) ,,WIR MUSSEN'S WOHL LEIDEN" Formen ,autobiographischen' Schreibens: Paul Celan, DU LIEGST/ Peter Szondi, ,,Eden" LUCILE. Es ist doch was wie Ernst darin. Ich will einmal nachdenken. Ich fange an so was zu begreifen. Sterben - Sterben - Es darf ja Alles lcbcn, Alles, die klcine Muckc da, dcr Vogel. Warum denn er nicht? Der Strom des Lc­ bens muBte stocken, wcnn nur dcr cine Tropfcn vcrschut­ tct wurdc. Die Erde muBte einc Wunde bekommen von dcm Streich. Es rcgt sich Alles, die Uhren gchcn, die Glacken schlagen, die Lcutc laufen, das Wasser rinnt und so, so Alles wcitcr bis da, dahin - nein! es darf nicht geschehen, nein - ich will mich auf den Boden setzen und schrcicn, daB erschrok­ ken Alles stehn bleibt, Alles stockt, sich nichts mchr regt. Georg Buchner, Dantons Tod Das Sterben, sagt eines der Weiber auf dem Revolutionsplatz, ist i:iffentlich geworden, und sie geht an Lucile vorbei, um der Hinrichtung Dantons beizu­ wohnen. Die Guillotine ist aufgestellt, und es dauert nur noch jenen Moment des Begreifens, das bei Lucile einsetzt, bis sie ihr entschlossenes ,,Es lebe der Konig!" hinausschreit und ,,Im Namen der Republik!" - weggeftihrt wird. Die Erfahrung, daB sich

Journal

PoeticaBrill

Published: Aug 14, 1992

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