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Wie sollte eine synthetische Platondarstellung aussehen?

Wie sollte eine synthetische Platondarstellung aussehen? Wie sollte eine synthetische Platondarstellung aussehen? Einige Überlegungen angesichts von Kutscheras neuer Platonmonographie Vittorio Hösle, University of Notre Dame Die dreibändige Platonmonographie Franz von Kutscheras verdient aus zwei Gründen Beachtung – einerseits wegen ihres Themas, andererseits wegen ihres Autors. Legt man die Kriterien der Vielseitigkeit, des Tiefgangs, der Originalität und der Wirkung der Fragestellungen zugrunde, kommen, wenn überhaupt, nur sehr wenige Philosophen Platon nahe. Doch nicht nur deswegen sind an seine Interpretation ganz besondere Anforderungen zu stellen – der eigentliche Grund, warum Platon das schwierigste Interpretandum der Philosophiegeschichte dar- stellt, besteht natürlich in seiner Verwendung der Dialogform als vorherrschenden literarischen Ausdrucksmittels für sein Denken. Das Maskenspiel, das er unter dieser Form entfaltet, seine abgründige Ironie, seine zahllosen Anspielungen auf alle möglichen Sphären der griechischen Kultur, seine Beherrschung einer Fülle hochkomplexer literarischer Mittel, um seine Gedanken den Geistesverwandten anzudeuten wie denen, die sie verkennen und denen sie fremdbleiben sollen, zu verbergen, setzen beim Leser eine hermeneutische Subtilität voraus, die über die philosophische Sachkompetenz noch weit hinausgeht. Es kann daher nicht eigent- lich überraschen, daß die heutige Platonforschung von einem Konsens weit ent- fernt ist. Erfreulich ist, daß viele der entgegengesetzten Interpretationsrichtungen miteinander kompatibel sind – sie setzen andere Akzente, greifen, http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png History of Philosophy and Logical Analysis Brill

Wie sollte eine synthetische Platondarstellung aussehen?

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Publisher
Brill
Copyright
Copyright © Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
2666-4283
eISSN
2666-4275
DOI
10.30965/26664275-00901008
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Abstract

Wie sollte eine synthetische Platondarstellung aussehen? Einige Überlegungen angesichts von Kutscheras neuer Platonmonographie Vittorio Hösle, University of Notre Dame Die dreibändige Platonmonographie Franz von Kutscheras verdient aus zwei Gründen Beachtung – einerseits wegen ihres Themas, andererseits wegen ihres Autors. Legt man die Kriterien der Vielseitigkeit, des Tiefgangs, der Originalität und der Wirkung der Fragestellungen zugrunde, kommen, wenn überhaupt, nur sehr wenige Philosophen Platon nahe. Doch nicht nur deswegen sind an seine Interpretation ganz besondere Anforderungen zu stellen – der eigentliche Grund, warum Platon das schwierigste Interpretandum der Philosophiegeschichte dar- stellt, besteht natürlich in seiner Verwendung der Dialogform als vorherrschenden literarischen Ausdrucksmittels für sein Denken. Das Maskenspiel, das er unter dieser Form entfaltet, seine abgründige Ironie, seine zahllosen Anspielungen auf alle möglichen Sphären der griechischen Kultur, seine Beherrschung einer Fülle hochkomplexer literarischer Mittel, um seine Gedanken den Geistesverwandten anzudeuten wie denen, die sie verkennen und denen sie fremdbleiben sollen, zu verbergen, setzen beim Leser eine hermeneutische Subtilität voraus, die über die philosophische Sachkompetenz noch weit hinausgeht. Es kann daher nicht eigent- lich überraschen, daß die heutige Platonforschung von einem Konsens weit ent- fernt ist. Erfreulich ist, daß viele der entgegengesetzten Interpretationsrichtungen miteinander kompatibel sind – sie setzen andere Akzente, greifen,

Journal

History of Philosophy and Logical AnalysisBrill

Published: Apr 5, 2006

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