Totalität und Beschränkung bei Goethe

Totalität und Beschränkung bei Goethe Totalität und Beschränkung bei Goethe FRANZ SCHMIDT In dem Gedicht "Totalitat" sagt Goethe, zu einem rechten Edelmann gehore nicht nur "Kopf und Herz", sondern auch "Faust und KrafE": Und wenn er keinen Hintern hat, Wie mag der Edle sitzen? Man konnte geneigt sein, die anspruchsvolle Oberschrift des Gedichts, die zu dem keineswegs originellen Inhalt und der drastischen Ausdrucksweise nicht recht zu passen scheint, fur ironisch zu halten; sie ist es auch in einem hintergrundlgen Sinne, muf3 aber zunhchst durchaus wortlich genommen werden. Denn was Goethe hier allzu handgreiflich zum Ausdruck bringt, ist tatsachlich eine der Grundideen seines Dichtens und Denkens. Dies ist un- schwer nachzuweisen; es mogen vorerst zwei allgemein formulierte Aul3e- rungen dar3ber angef3hrt werden. "Der Mensch vermag gar manches durch zweckmaf3igen Gebrauch seiner Krafte, er vermag das Aul3erordentliche durch Verbindung mehrerer Fahigkeiten; aber das Einzige, ganz unerwar- tete leistet er nur, wenn sich die samtlichen Eigenschaften gleichmaf3ig in ihm vereinigenl." Es ist "jedes energische Talent ein allgemeines, das 3ber- all hinschaut und seine Tatigkeit da und dort nach Belieben aus3bt. Wir haben Arzte, die mit Leidenschaft bauen, Garten und Fabriken anlegen ... Denn auch ungeregelt w3nscht ein jeder das Entgegengesetzte von sich selbst, um das Ganze http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Totalität und Beschränkung bei Goethe

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Publisher
BRILL
Copyright
© 1973 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007373X00043
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Abstract

Totalität und Beschränkung bei Goethe FRANZ SCHMIDT In dem Gedicht "Totalitat" sagt Goethe, zu einem rechten Edelmann gehore nicht nur "Kopf und Herz", sondern auch "Faust und KrafE": Und wenn er keinen Hintern hat, Wie mag der Edle sitzen? Man konnte geneigt sein, die anspruchsvolle Oberschrift des Gedichts, die zu dem keineswegs originellen Inhalt und der drastischen Ausdrucksweise nicht recht zu passen scheint, fur ironisch zu halten; sie ist es auch in einem hintergrundlgen Sinne, muf3 aber zunhchst durchaus wortlich genommen werden. Denn was Goethe hier allzu handgreiflich zum Ausdruck bringt, ist tatsachlich eine der Grundideen seines Dichtens und Denkens. Dies ist un- schwer nachzuweisen; es mogen vorerst zwei allgemein formulierte Aul3e- rungen dar3ber angef3hrt werden. "Der Mensch vermag gar manches durch zweckmaf3igen Gebrauch seiner Krafte, er vermag das Aul3erordentliche durch Verbindung mehrerer Fahigkeiten; aber das Einzige, ganz unerwar- tete leistet er nur, wenn sich die samtlichen Eigenschaften gleichmaf3ig in ihm vereinigenl." Es ist "jedes energische Talent ein allgemeines, das 3ber- all hinschaut und seine Tatigkeit da und dort nach Belieben aus3bt. Wir haben Arzte, die mit Leidenschaft bauen, Garten und Fabriken anlegen ... Denn auch ungeregelt w3nscht ein jeder das Entgegengesetzte von sich selbst, um das Ganze

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1973

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