Spielmannsleben und Randexistenz

Spielmannsleben und Randexistenz WOLFGANG HARTUNG Spielmannsleben und Randexistenz * I. In jeder Gesellschaft - die des Mittelalters bildet keine Ausnahme - exi- stieren Individuen, die an deren aul3erem Rande angesiedelt sind und von ihren Mitgliedern nicht als zugeh6rig, sondern als ausgeschlossen angesehen werden. Diese Randseiter sind jedoch von der jeweiligen Gesellschaft nicht zu trennen. Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, daB jede Gesellschaft ihre Rand- gruppen erzeugt, so daB wir, von den Randgruppen ausgehend, Merkmale der Gesellschaft selbst erschliel3en k6nnen. Meinen Untersuchungsgegenstand enge ich ein auf "mobile" Randgrup- pen. Diese sind gekennzeichnet durch horizontale Mobilitat, wobei ich im all- gemeinen Unbehaustheit voraussetze. Nicht zu solchen mobilen Randgruppen geh6ren Individuen bzw. Grup- pen, deren Anbindung an die Gesellschaft erkennbar ist, die nur in bestimm- ten Phasen mobil sind und ihre Gruppe oder Schicht nur auf absehbare Zeit verlassen (Handwerksburschen, Fahrende Ritter). Gemeinsame Merkmale mobiler Randgruppen sind: 1. ihre Situation als Unbehauste; 2. sie unterstehen nicht oermanent einer Herrschaft oder Obrigkeit: 3. sie geniel3en damit auch keinen Schutz, und sei es nur als "Rechtsgegen- stand" wie ein leibeigener Bauer oder ein Sklave, der zumindest seinen Preis hat. 4. Sie sind sich ihrer rechtlichen und gesellschaftlichen Situation bewul3t. Von den so gekennzeichneten Gruppen behandle http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Spielmannsleben und Randexistenz

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Publisher
BRILL
Copyright
© 1983 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007383X00024
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Abstract

WOLFGANG HARTUNG Spielmannsleben und Randexistenz * I. In jeder Gesellschaft - die des Mittelalters bildet keine Ausnahme - exi- stieren Individuen, die an deren aul3erem Rande angesiedelt sind und von ihren Mitgliedern nicht als zugeh6rig, sondern als ausgeschlossen angesehen werden. Diese Randseiter sind jedoch von der jeweiligen Gesellschaft nicht zu trennen. Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, daB jede Gesellschaft ihre Rand- gruppen erzeugt, so daB wir, von den Randgruppen ausgehend, Merkmale der Gesellschaft selbst erschliel3en k6nnen. Meinen Untersuchungsgegenstand enge ich ein auf "mobile" Randgrup- pen. Diese sind gekennzeichnet durch horizontale Mobilitat, wobei ich im all- gemeinen Unbehaustheit voraussetze. Nicht zu solchen mobilen Randgruppen geh6ren Individuen bzw. Grup- pen, deren Anbindung an die Gesellschaft erkennbar ist, die nur in bestimm- ten Phasen mobil sind und ihre Gruppe oder Schicht nur auf absehbare Zeit verlassen (Handwerksburschen, Fahrende Ritter). Gemeinsame Merkmale mobiler Randgruppen sind: 1. ihre Situation als Unbehauste; 2. sie unterstehen nicht oermanent einer Herrschaft oder Obrigkeit: 3. sie geniel3en damit auch keinen Schutz, und sei es nur als "Rechtsgegen- stand" wie ein leibeigener Bauer oder ein Sklave, der zumindest seinen Preis hat. 4. Sie sind sich ihrer rechtlichen und gesellschaftlichen Situation bewul3t. Von den so gekennzeichneten Gruppen behandle

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1983

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