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Sollen und Können

Sollen und Können „Du kannst, denn du sollst“ und „Sollen impliziert Können“ im Vergleich Jens Timmermann, University of St. Andrews 1. Das gut Kantische „Du kannst, denn du sollst“ und das aus der eng- lischsprachigen Literatur vertraute „Ought implies can“ werden oft in einem Atemzug genannt oder sogar für gleichbedeutend gehalten. Beide Prinzipien handeln vom Abhängigkeitsverhältnis zwischen einem Gebot, dem sich ein Handelnder gegenübersieht, und seinem Vermögen, diesem Gebot im Han- deln nachzukommen. Doch obwohl sie sachlich verwandt sind, taugt der eine Ausdruck keineswegs zur Übersetzung des anderen. Wie die folgenden Ausführungen zeigen werden, unterscheiden sich die bei- den Prinzipien trotz eines gemeinsamen Kerns in mindestens drei entschei- denden, sachlich zusammenhängenden Punkten: erstens in ihrer Bedeutung, indem „Du kannst, denn du sollst“ das Sollen voraussetzt, dessen Gültigkeit beim „Sollen impliziert Können“ („Ought implies can“) gerade geprüft werden soll; zweitens im Zusammenhang ihrer Verwendung, weil sie verschiedene phi- losophische und praktische Probleme ansprechen; drittens schließlich ist „Sol- len impliziert Können“ ein Prinzip, das vernünftig ausgelegt trotzt prominenter Gegenstimmen in der neueren Literatur auf allgemeine Zustimmung hoffen kann, während „Du kannst, denn du sollst“ zumindest in seiner ursprüngli- chen metaphysischen Gestalt ein Grundsatz für überzeugte Kantianer bleiben wird. 2. Das Prinzip „Sollen impliziert Können“ http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png History of Philosophy and Logical Analysis Brill

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Publisher
Brill
Copyright
Copyright © Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
2666-4283
eISSN
2666-4275
DOI
10.30965/26664275-00601007
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Abstract

„Du kannst, denn du sollst“ und „Sollen impliziert Können“ im Vergleich Jens Timmermann, University of St. Andrews 1. Das gut Kantische „Du kannst, denn du sollst“ und das aus der eng- lischsprachigen Literatur vertraute „Ought implies can“ werden oft in einem Atemzug genannt oder sogar für gleichbedeutend gehalten. Beide Prinzipien handeln vom Abhängigkeitsverhältnis zwischen einem Gebot, dem sich ein Handelnder gegenübersieht, und seinem Vermögen, diesem Gebot im Han- deln nachzukommen. Doch obwohl sie sachlich verwandt sind, taugt der eine Ausdruck keineswegs zur Übersetzung des anderen. Wie die folgenden Ausführungen zeigen werden, unterscheiden sich die bei- den Prinzipien trotz eines gemeinsamen Kerns in mindestens drei entschei- denden, sachlich zusammenhängenden Punkten: erstens in ihrer Bedeutung, indem „Du kannst, denn du sollst“ das Sollen voraussetzt, dessen Gültigkeit beim „Sollen impliziert Können“ („Ought implies can“) gerade geprüft werden soll; zweitens im Zusammenhang ihrer Verwendung, weil sie verschiedene phi- losophische und praktische Probleme ansprechen; drittens schließlich ist „Sol- len impliziert Können“ ein Prinzip, das vernünftig ausgelegt trotzt prominenter Gegenstimmen in der neueren Literatur auf allgemeine Zustimmung hoffen kann, während „Du kannst, denn du sollst“ zumindest in seiner ursprüngli- chen metaphysischen Gestalt ein Grundsatz für überzeugte Kantianer bleiben wird. 2. Das Prinzip „Sollen impliziert Können“

Journal

History of Philosophy and Logical AnalysisBrill

Published: Apr 5, 2003

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