Selbstmord und Unsterblichkeit

Selbstmord und Unsterblichkeit JÖRNAHRENS Zur Praxis metaphysischer Annäherungen Unsterblich zu sein ist nichts Besonderes; vom Menschen abgesehen sind es alle Geschöpfe, da sie den Tod nicht kennen; das Göttliche, das Schreckliche, das Unbegreifliche ist das Wissen um die eigene Unsterblichkeit. Jorge Luis Borges 1 ], Ewigkeit amphibolisch Die westlichen, christlich geprägten Gesellschaften haben den Gedanken eines postmortalen Weiterlebens in besonderer Weise kultiviert. Wo im sumerischen Gilgamesch-Epos der Tod noch nicht gewollt und den Göttern ihre Unsterblichkeit geneidet wird, da verschüttet sich dieser Wunsch weitestgehend in der Antike. Die griechischen und auch die römischen Götter sind anthropomorph; ihre Göttlichkeit ist begrenzt durch ihre Leidenschaften. Daß sie nicht sterben müssen, ist der Unterschied zu den Menschen; aber verwundbar, auch tödlich verwundbar, sind sie doch. Der ungesichtige Gott des Judentums schließlich läßt auf einen erlösenden Messias hoffen, der in sein Tun die Toten einbezöge. Das stößt die Tür für eine Praxis des Fortlebens auf, die sich mit dem persönlichen Tod verbindet und mit der Hoffnung, nun sei noch nicht alles zuende. Das Christentum, das die Religion des Fortlebens par excellence ist, treibt diese Praxis auf die Spitze. Unsterblichkeit wandert hier bereits in die Gegenwart des Daseins ein, da durch Christi Tod eine neue Schöpfung http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Selbstmord und Unsterblichkeit

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BRILL
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© Copyright 2000 by Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/15700739-90000083
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Abstract

JÖRNAHRENS Zur Praxis metaphysischer Annäherungen Unsterblich zu sein ist nichts Besonderes; vom Menschen abgesehen sind es alle Geschöpfe, da sie den Tod nicht kennen; das Göttliche, das Schreckliche, das Unbegreifliche ist das Wissen um die eigene Unsterblichkeit. Jorge Luis Borges 1 ], Ewigkeit amphibolisch Die westlichen, christlich geprägten Gesellschaften haben den Gedanken eines postmortalen Weiterlebens in besonderer Weise kultiviert. Wo im sumerischen Gilgamesch-Epos der Tod noch nicht gewollt und den Göttern ihre Unsterblichkeit geneidet wird, da verschüttet sich dieser Wunsch weitestgehend in der Antike. Die griechischen und auch die römischen Götter sind anthropomorph; ihre Göttlichkeit ist begrenzt durch ihre Leidenschaften. Daß sie nicht sterben müssen, ist der Unterschied zu den Menschen; aber verwundbar, auch tödlich verwundbar, sind sie doch. Der ungesichtige Gott des Judentums schließlich läßt auf einen erlösenden Messias hoffen, der in sein Tun die Toten einbezöge. Das stößt die Tür für eine Praxis des Fortlebens auf, die sich mit dem persönlichen Tod verbindet und mit der Hoffnung, nun sei noch nicht alles zuende. Das Christentum, das die Religion des Fortlebens par excellence ist, treibt diese Praxis auf die Spitze. Unsterblichkeit wandert hier bereits in die Gegenwart des Daseins ein, da durch Christi Tod eine neue Schöpfung

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Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 2000

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