Renaissance der Bildung oder Aufstand der Bildungskonzepte? Eine kritische Problemexploration

Renaissance der Bildung oder Aufstand der Bildungskonzepte? Eine kritische Problemexploration Renaissance der Bildung oder Aufstand der Bildungskonzepte? Eine kritische Problemexploration DETLEF GAUS/ELMAR DRIESCHNER Problemstellung Bildung ist einer der umstrittensten Begriffe in der Pädagogik und in der Philoso­ phie. Aufgrund seiner fehlenden Trennschärfe und mangelnden Operationalisierbar­ keit schon oft totgesagt, werden dem Begriff dennoch wieder und wieder - und so auch aktuell - Renaissancen zugeschrieben. Solche Thesen entstammen nicht zuletzt dem Feld der erziehungswissenschaftlichen Bildungstheorie. Der Bildungs­ begriff wird hier zum Ausgangspunkt und Kern wiederkehrender Diskussionen zum Verhältnis von Theorie und Empirie sowie zur wissenschaftstheoretischen und wis­ sensehaftspolitischen Verortung der Erziehungswissenschaft zwischen Kultur- und Sozialwissenschaften. Das letzte Mal wurde eine Renaissance um das Ende der 1980er Jahre ausgerufen. Nach der ersten ,sozialwissenschaftlichen Wende, der Erziehungswissenschaft um 1970, in der empirisch fokussierte Alternativbegriffe wie ,Lernen" ,Sozialisation, oder ,Qualifikation, und ,Unterricht, in den Vordergrund der fachlichen Debatten gerückt waren, betonte erstmals wieder Otto Hansmann die für Pädagogik unhin­ tergehbaren Grundlagen des Bildungsbegriffs als programmatische Leitkategorie. Er argumentierte u.a., jene theoretischen Äquivalente seien einerseits anthropolo­ gisch verkürzt, indem sie individuelle Entwicklungspotenziale vernachlässigten. An­ dererseits betonte er deren funktionale Unterkomplexität, indem diese Äquivalente auf Fähigkeitsprofile zielten, die im gesellschaftlichen Wandel schnell veraltet sein würden (vgl. Hansmann 1988, S. 51f). Nach Stephan Breidbach kam es http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik Brill

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Brill
Copyright
Copyright © Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0507-7230
eISSN
2589-0581
DOI
10.30965/25890581-09301012
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Abstract

Renaissance der Bildung oder Aufstand der Bildungskonzepte? Eine kritische Problemexploration DETLEF GAUS/ELMAR DRIESCHNER Problemstellung Bildung ist einer der umstrittensten Begriffe in der Pädagogik und in der Philoso­ phie. Aufgrund seiner fehlenden Trennschärfe und mangelnden Operationalisierbar­ keit schon oft totgesagt, werden dem Begriff dennoch wieder und wieder - und so auch aktuell - Renaissancen zugeschrieben. Solche Thesen entstammen nicht zuletzt dem Feld der erziehungswissenschaftlichen Bildungstheorie. Der Bildungs­ begriff wird hier zum Ausgangspunkt und Kern wiederkehrender Diskussionen zum Verhältnis von Theorie und Empirie sowie zur wissenschaftstheoretischen und wis­ sensehaftspolitischen Verortung der Erziehungswissenschaft zwischen Kultur- und Sozialwissenschaften. Das letzte Mal wurde eine Renaissance um das Ende der 1980er Jahre ausgerufen. Nach der ersten ,sozialwissenschaftlichen Wende, der Erziehungswissenschaft um 1970, in der empirisch fokussierte Alternativbegriffe wie ,Lernen" ,Sozialisation, oder ,Qualifikation, und ,Unterricht, in den Vordergrund der fachlichen Debatten gerückt waren, betonte erstmals wieder Otto Hansmann die für Pädagogik unhin­ tergehbaren Grundlagen des Bildungsbegriffs als programmatische Leitkategorie. Er argumentierte u.a., jene theoretischen Äquivalente seien einerseits anthropolo­ gisch verkürzt, indem sie individuelle Entwicklungspotenziale vernachlässigten. An­ dererseits betonte er deren funktionale Unterkomplexität, indem diese Äquivalente auf Fähigkeitsprofile zielten, die im gesellschaftlichen Wandel schnell veraltet sein würden (vgl. Hansmann 1988, S. 51f). Nach Stephan Breidbach kam es

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Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche PädagogikBrill

Published: Jul 4, 2017

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