Religion, Wissenschaft und Politik im protestantischen Idealstaat: Johann Valentin Andreaes "Christianopolis"

Religion, Wissenschaft und Politik im protestantischen Idealstaat: Johann Valentin Andreaes... ANDREAS URS SOMMER Religion, Wissenschaft und Politik im protestantischen Idealstaat: Johann Valentin Andreaes "Christianopolis" Nun ist aber keine Religion jemals ganz unabhän- gig von der Kultur der betreffenden Völker und Zeiten gewesen. Gerade, wenn sie sehr souverän mit Hilfe buchstäblich gefaßter heiliger Urkunden herrscht und scheinbar alles sich nach ihr richtet, wenn sie sich 'mit dem ganzen Leben verflicht', wird dieses Leben am unfehlbarsten auch auf sie einwirken, sich auch mit ihr verflechten.1 In der idealen Stadt, die Johann Valentin Andreae in seiner 1619 er- schienenen Christianopolis2 schildert, ist die Wissenschaft mit den fun- damentalen Religionswahrheiten der Bewohner eng verbunden. Ge- rade die Naturwissenschaft bezieht ihre Rechtfertigung aus ihrem Nut- zen, nicht aber in erster Linie dem materiellen, sondern dem spirituellen. Sie weil3 sich der Theologie verpflichtet, und aus Theologie speist sich ihre Progressivitat. Eine produktive, eine innerweltliche Askese waltet dort, die selbst der traditionell verp6nten curiositas ihren Ort zuweist und den wissenschaftlichen Habitus prdgt. Im Horizont davon zeichnet sich die Frage nach der Abhangigkeit der neuzeitlichen Wissenschaft vom Christentum ab, die Frage nach einer vermeintlich autarken "Legitimitat der Neuzeit". Bei der Politik ergibt sich ein ahnlich gelagertes Problem, ist in Christianopolis doch die `Souveranitat' an Christus delegiert, http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Religion, Wissenschaft und Politik im protestantischen Idealstaat: Johann Valentin Andreaes "Christianopolis"

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Publisher
Brill
Copyright
© 1996 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007396X00020
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Abstract

ANDREAS URS SOMMER Religion, Wissenschaft und Politik im protestantischen Idealstaat: Johann Valentin Andreaes "Christianopolis" Nun ist aber keine Religion jemals ganz unabhän- gig von der Kultur der betreffenden Völker und Zeiten gewesen. Gerade, wenn sie sehr souverän mit Hilfe buchstäblich gefaßter heiliger Urkunden herrscht und scheinbar alles sich nach ihr richtet, wenn sie sich 'mit dem ganzen Leben verflicht', wird dieses Leben am unfehlbarsten auch auf sie einwirken, sich auch mit ihr verflechten.1 In der idealen Stadt, die Johann Valentin Andreae in seiner 1619 er- schienenen Christianopolis2 schildert, ist die Wissenschaft mit den fun- damentalen Religionswahrheiten der Bewohner eng verbunden. Ge- rade die Naturwissenschaft bezieht ihre Rechtfertigung aus ihrem Nut- zen, nicht aber in erster Linie dem materiellen, sondern dem spirituellen. Sie weil3 sich der Theologie verpflichtet, und aus Theologie speist sich ihre Progressivitat. Eine produktive, eine innerweltliche Askese waltet dort, die selbst der traditionell verp6nten curiositas ihren Ort zuweist und den wissenschaftlichen Habitus prdgt. Im Horizont davon zeichnet sich die Frage nach der Abhangigkeit der neuzeitlichen Wissenschaft vom Christentum ab, die Frage nach einer vermeintlich autarken "Legitimitat der Neuzeit". Bei der Politik ergibt sich ein ahnlich gelagertes Problem, ist in Christianopolis doch die `Souveranitat' an Christus delegiert,

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1996

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