Provokation Und Revokation Im Psychiatrischen Interview

Provokation Und Revokation Im Psychiatrischen Interview 405 PROVOKATION UND REVOKATION IM PSYCHIATRISCHEN INTERVIEW W. Blankenburg Es gibt eine umfangreiche Literatur Uber das psychiatrische Interview. Ohne im einzelnen auf sie einzugehen, sollen im fol- genden Tuber die Frage nach dem 'Provo zierenden' und 'Revo- zierenden' im arztlichen Gesprach mit psychisch Kranken-einige Probleme, mogliche Metamorphosen und Entfaltungsrichtungen desselben aufgezeigt werden. Die Gegenüberstellung von 'Provo- kation' und 'Revokation' dient nur als Angelpunkt-wenn man will, als Stein des Ansto&es–ftir die Artikulierung einer Reihe von Fragen, die das psychiatrische Gesprach im Spannungsfeld zwischen Exploration und Interview, zwischen diagnostischem und therapeutischem Gefordertsein aufwirft. Die Ausfuhrungen nehmen frvhere Uberlegungen auf, f3hren sie aber in eine andere Richtung weiter. `Provozieren' he1l3t wortlich "herausfordern, aufreizen, aus der Reserve locken". Das Wort wurde im 16. Jh. aus lat. 'pro-vocare' gebildet und zunachst vor allem in der Bedeutung "jemanden (zum Wettkampf) herausfordern" verwendet.2 Das Pro- ist dabei raumlich zu verstehen: jemanden in die Arena rufen, aus seiner Zurückhaltung hervorlocken. Im Vbertragenen Sinne wurde der Begriff dann auch auf Nichtpersonales aus- 406 gedehnt und letztlich überall da verwendet, wo etwas aus der Latenz in die Manifestation hervorgelockt wird. Provokation meint frcilich auch im apersonalen Bereich eine Stimulation, die nicht nur mechanische Reaktioncn nach sich zieht, die http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Journal of Phenomenological Psychology Brill

Provokation Und Revokation Im Psychiatrischen Interview

Journal of Phenomenological Psychology, Volume 5 (2): 405 – Jan 1, 1975

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Publisher
Brill
Copyright
© 1975 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0047-2662
eISSN
1569-1624
D.O.I.
10.1163/156916275X00044
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Abstract

405 PROVOKATION UND REVOKATION IM PSYCHIATRISCHEN INTERVIEW W. Blankenburg Es gibt eine umfangreiche Literatur Uber das psychiatrische Interview. Ohne im einzelnen auf sie einzugehen, sollen im fol- genden Tuber die Frage nach dem 'Provo zierenden' und 'Revo- zierenden' im arztlichen Gesprach mit psychisch Kranken-einige Probleme, mogliche Metamorphosen und Entfaltungsrichtungen desselben aufgezeigt werden. Die Gegenüberstellung von 'Provo- kation' und 'Revokation' dient nur als Angelpunkt-wenn man will, als Stein des Ansto&es–ftir die Artikulierung einer Reihe von Fragen, die das psychiatrische Gesprach im Spannungsfeld zwischen Exploration und Interview, zwischen diagnostischem und therapeutischem Gefordertsein aufwirft. Die Ausfuhrungen nehmen frvhere Uberlegungen auf, f3hren sie aber in eine andere Richtung weiter. `Provozieren' he1l3t wortlich "herausfordern, aufreizen, aus der Reserve locken". Das Wort wurde im 16. Jh. aus lat. 'pro-vocare' gebildet und zunachst vor allem in der Bedeutung "jemanden (zum Wettkampf) herausfordern" verwendet.2 Das Pro- ist dabei raumlich zu verstehen: jemanden in die Arena rufen, aus seiner Zurückhaltung hervorlocken. Im Vbertragenen Sinne wurde der Begriff dann auch auf Nichtpersonales aus- 406 gedehnt und letztlich überall da verwendet, wo etwas aus der Latenz in die Manifestation hervorgelockt wird. Provokation meint frcilich auch im apersonalen Bereich eine Stimulation, die nicht nur mechanische Reaktioncn nach sich zieht, die

Journal

Journal of Phenomenological PsychologyBrill

Published: Jan 1, 1975

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