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Platon lesen „am Ariadnefaden der Wahrheit“

Platon lesen „am Ariadnefaden der Wahrheit“ Bemerkungen zu Platons Dialogen und zu von Kutscheras Platon-Trilogie Jörg Hardy, Freie Universität Berlin Mut ist bei Platon bekanntlich eine Kardinaltugend. Mut, und zwar intellektuller Mut, ist auch in philosophischen, allgemeiner: wissenschaftlichen Erörterungen erforderlich. Im „Theaitet“ etwa, in dem es um nichts Geringes geht als um die ‚Kleingkeit‘, „was Wissen ist“ (146c, 148d), ermutigt Sokrates seinen Gesprächs- partner, seine Überlegungen klar, entschieden und nicht etwa zögerlich vorzu- bringen (148c–d, 187b) und sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen (196d–e, 204b, 205a, vgl. Laches 194a, Menon 86b–c). Rede und Antwort zu stehen, in dialektischen Auseinandersetzungen beharrlich standzuhalten, erfor- dert intellektuellen Mut, wie Sokrates in der Episode des „Theaitet“ ausdrücklich bemerkt (177b). Aufschlußreich genug ist auch Sokrates’ Kommentar zum Ana- mnesisargument im „Menon“, das auf jeden Fall gezeigt habe, daß man die Suche nach Wissen beharrlich und mutig fortsetzen solle (86b–c). Solche Äußerungen, die leicht als bloße Regieanweisungen überlesen werden können, haben weitaus mehr Gewicht als es scheinen mag und es wäre wohl eine lohnenswerte Aufgabe, sich Platons Bemerkungen zur intellektuellen Courage einmal unter systemati- schen Gesichtspunkten näher anzusehen. Philosophischer Mut und Beharrlich- keit sind nun deshalb wichtig, weil man sich bei der Interpretation komplexer Gegenstände einigen Wagnissen aussetzt, ohne Wagnisse http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png History of Philosophy and Logical Analysis Brill

Platon lesen „am Ariadnefaden der Wahrheit“

History of Philosophy and Logical Analysis , Volume 9 (1): 22 – Apr 5, 2006

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Publisher
Brill
Copyright
Copyright © Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
2666-4283
eISSN
2666-4275
DOI
10.30965/26664275-00901012
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Abstract

Bemerkungen zu Platons Dialogen und zu von Kutscheras Platon-Trilogie Jörg Hardy, Freie Universität Berlin Mut ist bei Platon bekanntlich eine Kardinaltugend. Mut, und zwar intellektuller Mut, ist auch in philosophischen, allgemeiner: wissenschaftlichen Erörterungen erforderlich. Im „Theaitet“ etwa, in dem es um nichts Geringes geht als um die ‚Kleingkeit‘, „was Wissen ist“ (146c, 148d), ermutigt Sokrates seinen Gesprächs- partner, seine Überlegungen klar, entschieden und nicht etwa zögerlich vorzu- bringen (148c–d, 187b) und sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen (196d–e, 204b, 205a, vgl. Laches 194a, Menon 86b–c). Rede und Antwort zu stehen, in dialektischen Auseinandersetzungen beharrlich standzuhalten, erfor- dert intellektuellen Mut, wie Sokrates in der Episode des „Theaitet“ ausdrücklich bemerkt (177b). Aufschlußreich genug ist auch Sokrates’ Kommentar zum Ana- mnesisargument im „Menon“, das auf jeden Fall gezeigt habe, daß man die Suche nach Wissen beharrlich und mutig fortsetzen solle (86b–c). Solche Äußerungen, die leicht als bloße Regieanweisungen überlesen werden können, haben weitaus mehr Gewicht als es scheinen mag und es wäre wohl eine lohnenswerte Aufgabe, sich Platons Bemerkungen zur intellektuellen Courage einmal unter systemati- schen Gesichtspunkten näher anzusehen. Philosophischer Mut und Beharrlich- keit sind nun deshalb wichtig, weil man sich bei der Interpretation komplexer Gegenstände einigen Wagnissen aussetzt, ohne Wagnisse

Journal

History of Philosophy and Logical AnalysisBrill

Published: Apr 5, 2006

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