Melanchthons lateinische Leichenrede auf Kurfürst Friedrich den Weisen

Melanchthons lateinische Leichenrede auf Kurfürst Friedrich den Weisen Melanchthons lateinische Leichenrede auf Kurfürst Friedrich den Weisen EBERHARD WINKLER A. Analyse der Rede 1. Rhetorische Einleitung Im Rahmen der Beisetzungsfeierlichkeiten fur Kurfurst Fried- rich III. von Sachsen, die am 9. und 10. Mai 1525 in der SchloB- kirche zu Wittenberg stattfanden, fiel Melanchthon die Aufgabe zu, eine lateinische Rede zu haltenl, wahrend Luther die beiden deutschen Leichenpredigten fbernahm. Diese Aufgabenteilung mussen wir vor Augen haben, um Melanchthons Rede richtig ein- schatzen zu konnen. Da Melanchthon nicht eine Predigt, sondern eine lateinische Rede zu halten gedachte, ist es natiirlich, daB er sich formal an das Vorbild der antiken Leichenrede, die Laudatio funebris bzw. das Enkomion, anlehnte2. Besonders deutlich tritt diese Anlehnung in der Einleitung her- vor. Nach dem Muster des griechischen Prooimion beginnt Melanch- thon damit, die Schwierigkeit seiner Aufgabe zu unterstreichen3. Das betont an den Anfang gestellte "Ego" soll verdeutlichen, wie schwer der Redner personlich durch den gegenwartigen Trauerfall getroffen ist. Er versichert, nicht nur wegen der nahezu unzdhligen Wohltaten, die der Verstorbene ihm erwiesen habe, sondern auch wegen der einzigartigen Bewunderung, die er seiner hervorragenden Tugend gezollt habe, durch den Verlust des groBen Mannes vollig auBer Fassung gebracht zu sein (valde consternarer). Trauer und Trdnen hindern http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

Melanchthons lateinische Leichenrede auf Kurfürst Friedrich den Weisen

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Publisher
Brill
Copyright
© 1966 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007366X00221
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Abstract

Melanchthons lateinische Leichenrede auf Kurfürst Friedrich den Weisen EBERHARD WINKLER A. Analyse der Rede 1. Rhetorische Einleitung Im Rahmen der Beisetzungsfeierlichkeiten fur Kurfurst Fried- rich III. von Sachsen, die am 9. und 10. Mai 1525 in der SchloB- kirche zu Wittenberg stattfanden, fiel Melanchthon die Aufgabe zu, eine lateinische Rede zu haltenl, wahrend Luther die beiden deutschen Leichenpredigten fbernahm. Diese Aufgabenteilung mussen wir vor Augen haben, um Melanchthons Rede richtig ein- schatzen zu konnen. Da Melanchthon nicht eine Predigt, sondern eine lateinische Rede zu halten gedachte, ist es natiirlich, daB er sich formal an das Vorbild der antiken Leichenrede, die Laudatio funebris bzw. das Enkomion, anlehnte2. Besonders deutlich tritt diese Anlehnung in der Einleitung her- vor. Nach dem Muster des griechischen Prooimion beginnt Melanch- thon damit, die Schwierigkeit seiner Aufgabe zu unterstreichen3. Das betont an den Anfang gestellte "Ego" soll verdeutlichen, wie schwer der Redner personlich durch den gegenwartigen Trauerfall getroffen ist. Er versichert, nicht nur wegen der nahezu unzdhligen Wohltaten, die der Verstorbene ihm erwiesen habe, sondern auch wegen der einzigartigen Bewunderung, die er seiner hervorragenden Tugend gezollt habe, durch den Verlust des groBen Mannes vollig auBer Fassung gebracht zu sein (valde consternarer). Trauer und Trdnen hindern

Journal

Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1966

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