John Whittaker: God Time Being, Two Studies in the transcendental Tradition in Greek Philosophy, Symblae Osloenses Fase. Suppl. XXIII, Universitetsforlaget Osloae 1971, 66 pp

John Whittaker: God Time Being, Two Studies in the transcendental Tradition in Greek Philosophy,... 87 ineinander 3bergehen, hin und her sich freihaltend von der Skylla arbitrarer Beliebigkeit und von der Charybdis eines formalmethodischen Perfektionismus, bei dem am Ende alles stimmt, aber nichts mehr wahr und lebendig, nichts mehr wissenswert und mensd1enwJrdig ware. Otto Seel Buchbesprechungen John Whittaker: God Time Being, Two Studies in the transcendental Tradition in Greek Philosophy, Symblae Osloenses Fase. Suppl. XXIII, Universitetsforlaget Osloae 1971, 66 pp. Es geht um die im Platonismus entwickelte Vorstellung einer Gottheit eigenen zeitlosen, zeit3berlegenen Ewigkeit, die von Plotin aus (Enneaden III 7) die abend- lindische Theologie und Mystik stark beeinfluf3t hat. Zugrunde liegt Platons Spekulation 3ber Aion und Chronos, Timaios 73 c-38 c; ausformuliert ist die These vom ewigen Jetzt fur unsere Kenntnis erstmals im mittleren Platonismus (Plutarch, De E ap. Delph. 393 A-C). Doch hat sie der Neuplatonismus - sicher- lich zu Unrecht - bereits in ein beruhmtes Parmenides-Fragment (8, 5 D.-Kr., wo es vom Sein heift, dag ,alles jetzt zusammen ist", nach U. Hoelscher) hinein- gelesen. Der Verf., der diese Oberlieferungsverhiltnisse klarend darlegt, unterzieht das Fragment im ersten Teil seiner Arbeit einer scharfsinnigen, reich dokumen- tierten Analyse. Dabei wird die Ansicht begrundet, dai3 die Texte unserer spht- antiken Zeugen (Simplikios einerseits, die vier alexandrinischen Ausleger andrer- seits) nicht iber jeden Zweifel erhaben sind. Es k6nnte sein, daf3 bei Simplikios - dem die modernen Ausgaben zu folgen pflegen - eine neuplatonische Adaption des parmenideischen Wortlauts vorliegt, so daf die uberlieferte Form von Parm. 8, 5 fur die Ermittlung der Lehre des grof3en Eleaten ausscheiden muf3te - ein fur die Vorsokratikerforschung recht erhebliches Ergebnis. - In einer zweiten Unter- suchung geht der Verf. dem gleichen Motiv (,Gottes ewiges Heute': der Leser der augustinischen Confessionen hat es aus dem grofartigen Lobpreis XI 13 in Erinne- rung) bei Philon von Alexandria nach, wobei sich ein belehrender Einblick in die platonistisdhe Tradition ergibt (verwunderlich, daf3 Clemens von Alexandria nach Migne's Patrologie, Maximos von Tyros nach der alten Dibner'sdlen Ausgabe zitiert werden). Auch aristotelische und stoische Einflusse werden gepruft. W. stellt fest, daf3 die meisten Philonstellen, die man bisher im Sinn der neuplatonischen Lehre von einer zeitüberlegenen Ewigkeit gedeutet hatte, anders zu erklaren sind; eine Ausnahme scheint in einer allegorischen Auslegung des Alten Testaments (zu Levit. 2, 14) vorzuliegen (de sacrif. 76). Es bleibt dabei, daf3 das weitreidiende Thema in voller Klarheit erstmals in Plutarchs ob. gen. Dialog angesprochen wird; er hangt sicher mit dem seit Ende des 1. Jh. v. Chr. wieder rege gewordenen Studium des platonischen Timaios zusammen, welches in dem Kommentar des Alexandriners Eudoros, eines pythagoreisierenden Platonikers, moglicherweise eine Quelle Plutarchs hervorgebracht hat (hier ware auf eine den Problemen des mitt- leren Platonismus gewidmete Arbeit H. Dbrrie's hinzuweisen gewesen, in: Les Sourdes de Plotin, Entresiens sur L'Antiquite Classique, t. V, 1957 193 it). - Der Titel von W.'s Buch mag vielleicht eine weiter gespannte Behandlung des Themas erwarten lassen. Aber auf dem Gebiet der Tradition des Platonismus sind klar, kompetent und mit kritischer Vorsic3tt gefuhrte Spezialuntersuchungen sehr erwiinscht; eine solche legt der Verf. in seiner substanzreichen Studie vor. Hans Strohm http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Brill

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Brill
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© 1973 Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0044-3441
eISSN
1570-0739
D.O.I.
10.1163/157007373X00836
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Abstract

87 ineinander 3bergehen, hin und her sich freihaltend von der Skylla arbitrarer Beliebigkeit und von der Charybdis eines formalmethodischen Perfektionismus, bei dem am Ende alles stimmt, aber nichts mehr wahr und lebendig, nichts mehr wissenswert und mensd1enwJrdig ware. Otto Seel Buchbesprechungen John Whittaker: God Time Being, Two Studies in the transcendental Tradition in Greek Philosophy, Symblae Osloenses Fase. Suppl. XXIII, Universitetsforlaget Osloae 1971, 66 pp. Es geht um die im Platonismus entwickelte Vorstellung einer Gottheit eigenen zeitlosen, zeit3berlegenen Ewigkeit, die von Plotin aus (Enneaden III 7) die abend- lindische Theologie und Mystik stark beeinfluf3t hat. Zugrunde liegt Platons Spekulation 3ber Aion und Chronos, Timaios 73 c-38 c; ausformuliert ist die These vom ewigen Jetzt fur unsere Kenntnis erstmals im mittleren Platonismus (Plutarch, De E ap. Delph. 393 A-C). Doch hat sie der Neuplatonismus - sicher- lich zu Unrecht - bereits in ein beruhmtes Parmenides-Fragment (8, 5 D.-Kr., wo es vom Sein heift, dag ,alles jetzt zusammen ist", nach U. Hoelscher) hinein- gelesen. Der Verf., der diese Oberlieferungsverhiltnisse klarend darlegt, unterzieht das Fragment im ersten Teil seiner Arbeit einer scharfsinnigen, reich dokumen- tierten Analyse. Dabei wird die Ansicht begrundet, dai3 die Texte unserer spht- antiken Zeugen (Simplikios einerseits, die vier alexandrinischen Ausleger andrer- seits) nicht iber jeden Zweifel erhaben sind. Es k6nnte sein, daf3 bei Simplikios - dem die modernen Ausgaben zu folgen pflegen - eine neuplatonische Adaption des parmenideischen Wortlauts vorliegt, so daf die uberlieferte Form von Parm. 8, 5 fur die Ermittlung der Lehre des grof3en Eleaten ausscheiden muf3te - ein fur die Vorsokratikerforschung recht erhebliches Ergebnis. - In einer zweiten Unter- suchung geht der Verf. dem gleichen Motiv (,Gottes ewiges Heute': der Leser der augustinischen Confessionen hat es aus dem grofartigen Lobpreis XI 13 in Erinne- rung) bei Philon von Alexandria nach, wobei sich ein belehrender Einblick in die platonistisdhe Tradition ergibt (verwunderlich, daf3 Clemens von Alexandria nach Migne's Patrologie, Maximos von Tyros nach der alten Dibner'sdlen Ausgabe zitiert werden). Auch aristotelische und stoische Einflusse werden gepruft. W. stellt fest, daf3 die meisten Philonstellen, die man bisher im Sinn der neuplatonischen Lehre von einer zeitüberlegenen Ewigkeit gedeutet hatte, anders zu erklaren sind; eine Ausnahme scheint in einer allegorischen Auslegung des Alten Testaments (zu Levit. 2, 14) vorzuliegen (de sacrif. 76). Es bleibt dabei, daf3 das weitreidiende Thema in voller Klarheit erstmals in Plutarchs ob. gen. Dialog angesprochen wird; er hangt sicher mit dem seit Ende des 1. Jh. v. Chr. wieder rege gewordenen Studium des platonischen Timaios zusammen, welches in dem Kommentar des Alexandriners Eudoros, eines pythagoreisierenden Platonikers, moglicherweise eine Quelle Plutarchs hervorgebracht hat (hier ware auf eine den Problemen des mitt- leren Platonismus gewidmete Arbeit H. Dbrrie's hinzuweisen gewesen, in: Les Sourdes de Plotin, Entresiens sur L'Antiquite Classique, t. V, 1957 193 it). - Der Titel von W.'s Buch mag vielleicht eine weiter gespannte Behandlung des Themas erwarten lassen. Aber auf dem Gebiet der Tradition des Platonismus sind klar, kompetent und mit kritischer Vorsic3tt gefuhrte Spezialuntersuchungen sehr erwiinscht; eine solche legt der Verf. in seiner substanzreichen Studie vor. Hans Strohm

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Zeitschrift für Religions- und GeistesgeschichteBrill

Published: Jan 1, 1973

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