FRANZ TAESCHNER, Der anatolische Dichter Nāṣirī (um 1300) und sein Futuvvetnāme, mit Beiträgen von WILHELM SCHUMACHER. Leipzig, Brockhaus 1944. (Abhandl. für die Kunde des Morgenlandes XXIX, 1). 100 64 s.

FRANZ TAESCHNER, Der anatolische Dichter Nāṣirī (um 1300) und sein Futuvvetnāme, mit... Der unermüdliche erforscher des futüwa- und axiwesens behandelt hier gemeinsam mit seinem schüler Sch. zwei für die geschichte der anatolischen achiverbände wichtige texte. Beide, Futuweinäme und Kitdb al-I�ri7q, stammen von einem zeitgenos- sen des Sultan Veled, der sich Näjir oder Ndjiri nennt. Der erste, 689/1290 ver- fasste, sachlich interessantere text wird ganz, der zweite, 699/1300 vollendete und mehr religiös-ethisch gehaltene, im auszug publiziert. Die Futüwatbünde sind bekannt- lich männerverbände, die in verschiedenen soziologischen gruppen des islamischen mittel- alters auftreten. Es sind soziologische gebilde, die nicht semitisch-arabischen ursprungs sind (denn dort ist die grundlage der gesellung die echte oder fiktive blutsverwand- schaft). Sie pflegen eine art gentlemanethik, deren wichtigste eiemente freigebigkeit, gastlichkeit und ein weitgehender altruismus sind, tugenden, die offenbar keinen islamisch-religiösen Ursprung haben, aber dann völlig in den rahmen islamischer über- lieferungen hineingestellt werden. Die ethik wird sehr weit getrieben, manchmal bis zur aufopferung, und bis zu der forderung, böses mit gutem zu vergelten. Unter dem chalifen Nä�ir (1180-1225) dringt die futüwa vorübergehend in die kreise der fürsten ein und gelangt zu einer gewissen politischen bedeutung. In Anatolien treten die bünde in der bürgerlichen bis kleinbürgerlichen (handwerke) form der axiverbände auf, haben ihre blütezeit im 13.-15. Jahrhundert in den städten Mittel- und Ostanatoliens und leben später, sozial noch etwas weiter abgesunken, in den zunftorganisationen fort. ( — Näsirl nennt die Städte Tokat, wo er sein K. al-Isräq verfasst hat, Sivas und Akseray. -). Sie wird aber auch zum gesellungsprinzip illegaler, ja unsozialer Kreise. Die verfasser haben alles aus den texten herausgeholt, was. darin über ethik, ge- bräuche und theologische überlieferuiigeti der axis zu finden war, dazu auch die berichte Ihn Battütas, der im j. 1333 bei den axis Kleinasiens gastliche aufnahme fand. Wie in allen Futüwaschriften, so nimmt auch in den beiden vorliegenden die darstellung der theologisch-ethischen elemente, mit denen die ideale dieser verbände durchsetzt wur- den, einen ermüdend breiten raum ein. Die hierarchische struktur : An der spitze des verbandes steht der Axi Celebi, die mitglieder, fityätt, zerfallen in Seifi's, aktive mit- glieder, die alle zeremonien durchmachen, und qavli's, die einem loseren Verhältnis zum bund stehen. Der nachwuchs wird gebildet durch die terbiye's, die unter allerhand zeremonieti (lendengürtung, salzwassertrinken u.a) zunächst für eine probezeit in den bund aufgenommen werden. Der terbiye hat sich einen axi zu wählen, dem er gehorsam zu leisten hat. Nach einiger zeit wird ihm der gürtel abgenommen und er wird von seinem axi mit dessen hose bekleidet, wodurch er selbst axi wird und seinerzeits terbiye's annehmen kann. Einzelheiten: S. 8-9 : cdnki ö in dem verse 19a heisst nicht "von wem", sondern "weil 'er* ; bti fMCNd-t änki vers 66a heisst "obwohl". Wenn dn eine neue figur in die Erzählung einführt, so verliert es doch nicht seinen demonstrativen charakter. Etwa: ,.Da war ein". Wängahe heisst zwar im allgemeinen "und dann" (so auch vers 58a, nicht "und wenn") aber manchmal macht die temporale bedeutung einer steigernden platz: noch dazu"; vers I41b: "noch dazu (besonders) wenn es der lehrer ist". Die izäfet in 141a ist zu streichen. -. 74,79: samic ist ursprünglich einfach musik mit tanz als vergnügen nach der schmauserei. Die ausgestaltung zu der feierliclien Zeremonie (vergl. meinen aufsatz im i. bänden der Zeitschrift für vergleichende Musikwissenschaft) ist das ergebnis späterer reformen. - S. 83: Platon heisst arabisch Affattin, nicht lflatfitz. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Oriens Brill

FRANZ TAESCHNER, Der anatolische Dichter Nāṣirī (um 1300) und sein Futuvvetnāme, mit Beiträgen von WILHELM SCHUMACHER. Leipzig, Brockhaus 1944. (Abhandl. für die Kunde des Morgenlandes XXIX, 1). 100 64 s.

Oriens, Volume 3 (1): 145 – Jan 1, 1950
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Copyright 1950 by Koninklijke Brill NV, Leiden, The Netherlands
ISSN
0078-6527
eISSN
1877-8372
D.O.I.
10.1163/1877837250X00156
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Abstract

Der unermüdliche erforscher des futüwa- und axiwesens behandelt hier gemeinsam mit seinem schüler Sch. zwei für die geschichte der anatolischen achiverbände wichtige texte. Beide, Futuweinäme und Kitdb al-I�ri7q, stammen von einem zeitgenos- sen des Sultan Veled, der sich Näjir oder Ndjiri nennt. Der erste, 689/1290 ver- fasste, sachlich interessantere text wird ganz, der zweite, 699/1300 vollendete und mehr religiös-ethisch gehaltene, im auszug publiziert. Die Futüwatbünde sind bekannt- lich männerverbände, die in verschiedenen soziologischen gruppen des islamischen mittel- alters auftreten. Es sind soziologische gebilde, die nicht semitisch-arabischen ursprungs sind (denn dort ist die grundlage der gesellung die echte oder fiktive blutsverwand- schaft). Sie pflegen eine art gentlemanethik, deren wichtigste eiemente freigebigkeit, gastlichkeit und ein weitgehender altruismus sind, tugenden, die offenbar keinen islamisch-religiösen Ursprung haben, aber dann völlig in den rahmen islamischer über- lieferungen hineingestellt werden. Die ethik wird sehr weit getrieben, manchmal bis zur aufopferung, und bis zu der forderung, böses mit gutem zu vergelten. Unter dem chalifen Nä�ir (1180-1225) dringt die futüwa vorübergehend in die kreise der fürsten ein und gelangt zu einer gewissen politischen bedeutung. In Anatolien treten die bünde in der bürgerlichen bis kleinbürgerlichen (handwerke) form der axiverbände auf, haben ihre blütezeit im 13.-15. Jahrhundert in den städten Mittel- und Ostanatoliens und leben später, sozial noch etwas weiter abgesunken, in den zunftorganisationen fort. ( — Näsirl nennt die Städte Tokat, wo er sein K. al-Isräq verfasst hat, Sivas und Akseray. -). Sie wird aber auch zum gesellungsprinzip illegaler, ja unsozialer Kreise. Die verfasser haben alles aus den texten herausgeholt, was. darin über ethik, ge- bräuche und theologische überlieferuiigeti der axis zu finden war, dazu auch die berichte Ihn Battütas, der im j. 1333 bei den axis Kleinasiens gastliche aufnahme fand. Wie in allen Futüwaschriften, so nimmt auch in den beiden vorliegenden die darstellung der theologisch-ethischen elemente, mit denen die ideale dieser verbände durchsetzt wur- den, einen ermüdend breiten raum ein. Die hierarchische struktur : An der spitze des verbandes steht der Axi Celebi, die mitglieder, fityätt, zerfallen in Seifi's, aktive mit- glieder, die alle zeremonien durchmachen, und qavli's, die einem loseren Verhältnis zum bund stehen. Der nachwuchs wird gebildet durch die terbiye's, die unter allerhand zeremonieti (lendengürtung, salzwassertrinken u.a) zunächst für eine probezeit in den bund aufgenommen werden. Der terbiye hat sich einen axi zu wählen, dem er gehorsam zu leisten hat. Nach einiger zeit wird ihm der gürtel abgenommen und er wird von seinem axi mit dessen hose bekleidet, wodurch er selbst axi wird und seinerzeits terbiye's annehmen kann. Einzelheiten: S. 8-9 : cdnki ö in dem verse 19a heisst nicht "von wem", sondern "weil 'er* ; bti fMCNd-t änki vers 66a heisst "obwohl". Wenn dn eine neue figur in die Erzählung einführt, so verliert es doch nicht seinen demonstrativen charakter. Etwa: ,.Da war ein". Wängahe heisst zwar im allgemeinen "und dann" (so auch vers 58a, nicht "und wenn") aber manchmal macht die temporale bedeutung einer steigernden platz: noch dazu"; vers I41b: "noch dazu (besonders) wenn es der lehrer ist". Die izäfet in 141a ist zu streichen. -. 74,79: samic ist ursprünglich einfach musik mit tanz als vergnügen nach der schmauserei. Die ausgestaltung zu der feierliclien Zeremonie (vergl. meinen aufsatz im i. bänden der Zeitschrift für vergleichende Musikwissenschaft) ist das ergebnis späterer reformen. - S. 83: Platon heisst arabisch Affattin, nicht lflatfitz.

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Published: Jan 1, 1950

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